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Feinstaub-Debatte Filterlose Diesel verlieren an Wert

22.04.2005 ·  Noch streiten Bund und Länder über die staatliche Förderung von Diesel-Autos mit Rußfiltern. Doch am 4. Mai will nun das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf beschließen. Hersteller und Kunden fordern Marktsicherheit.

Von Monika Melk
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Fahrverbote, City-Maut - viel Lärm um (fast) nichts. Genauer gesagt, um feinen Staub. Als vor ein paar Wochen erstmals die Grenzwerte für die kleinen und kleinsten Teilchen in vielen Städten wiederholt überschritten wurden, war der Aufschrei groß angesichts der diskutierten Szenarien wie Fahrverbot oder City-Maut. Daß es so kommen mußte, war keine Überraschung: Das Gesetz war lange bekannt, erließ doch der Europäische Rat schon 1996 die "Luftqualitätsrahmenrichtlinie". Zeit zum Handeln gab es also genug für Bund, Länder, Kommunen und die Industrie (nicht nur für die Autohersteller). Die aktuelle hitzige Diskussion um die Belastung der Luft mit Feinstaub fand schnell eine Zielscheibe: das Auto, immer noch des Deutschen liebstes Kind. Der angeblich Hauptverursacher des Schmutzes, das Dieselfahrzeug, soll nur noch mit einem Partikelfilter geduldet werden. Dabei trägt das Diesel-Auto unbestritten nur zu einem kleinen Teil zum Feinstaub bei.

Noch sind sich Bund und Länder über die staatliche Filter-Förderung nicht einig, befürchtet man auf Landesebene Einbußen bei den Steuereinnahmen. Doch am 4. Mai will nun das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf beschließen: Von 2005 bis 2007 soll es Steuerhilfen von 1,2 Milliarden Euro für den Kauf von Neuwagen mit Rußfilter (350 Euro) und für das Nachrüsten (250 Euro) geben. Das Gesetz könnte die von den Herstellern geforderte Marktsicherheit bringen. "Wir brauchen einen gesamthaften Ansatz zur Lösung der Feinstaubproblematik, aber die deutsche Automobilindustrie ist bereit, aktiv ihren Beitrag zu leisten," stellte Bernd Gottschalk, Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), hierzu fest. Über die für 2008 bereits im vergangenen Jahr zugesagte Ausrüstung aller Dieselfahrzeuge hinaus stellen schon jetzt viele Hersteller ihr Angebot um und bieten Nachrüstmöglichkeiten an.

Alle Autos mit Filter in den Grafiken

Welche Neuwagen jetzt schon mit Partikelfliter zu haben sind, das zeigen die Grafiken an diesem Text.

Nach einer Studie des Instituts B&D-Forecast (Gelsenkirchen) werden auf dem deutschen Markt derzeit 266 Diesel-Autos angeboten, davon sind 80 mit Partikelfilter lieferbar, knapp ein Drittel. Bis zum Jahresende rechnen die Experten mit einem Anstieg auf rund 114 Fahrzeuge. Angesichts dieser raschen Entwicklung sei jedoch mit einem Lieferengpaß von Partikelfiltern in den nächsten anderthalb Jahren zu rechnen. Um keine Neuwagenkunden zu verlieren, müßten die Hersteller vorgerüstete Autos verkaufen. Die noch fehlende Klarheit über die steuerliche Förderung sowie die Lieferschwierigkeiten könnten rezessiv wirken: Die Studie erwartet für 2005 nur 3,2 Millionen Neuzulassungen, das schlechteste Ergebnis seit der Wiedervereinigung.

Diesel-Nachfrage (noch) ungebrochen

Noch ist die Nachfrage nach Dieselautos durch die laufende Diskussion nicht eingebrochen. So wurden im März 137000 Selbstzünder neu zugelassen, plus zwei Prozent gegenüber März 2004 und plus 36 Prozent gegenüber Februar. Alleine auf deutsche Anbieter fielen 78 Prozent der Verkäufe. Doch mittelfristig ist mit einer Kaufzurückhaltung insbesondere im Flottenmarkt zu rechnen. Einer Umfrage von Dataforce unter Fuhrparkmanagern zufolge schieben ein gutes Drittel der Unternehmen Käufe erstmal auf die Bank, bis das von ihnen bevorzugte Dieselmodell serienmäßig mit Filter angeboten wird. Weitere 13 Prozent warten auf das Gesetz und handeln dann. Ein knappes Drittel kauft Autos, die schon einen Filter haben. Marken, bei denen die Fuhrparkmanager auf serienmäßige Filter warten sind vor allem VW (41,3 Prozent), Mercedes-Benz (30,8), Audi (22,4) und BMW (13,3). Aber auch das Dieselangebot der französischen Hersteller (Peugeot-Citroen, Renault), ist für ein Fünftel der Fuhrparkbetreiber interessant.

Eines wird deutlich: Die schnelle Entscheidung der Politik ist gefragt, auch vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). "Jeder weitere Tag ist ein verlustreicher Tag", kommentiert ZDK-Hauptgeschäftsführer Axel Koblitz die Situation. Besonders nötig sei eine Förderung der Filternachrüstung im gleichen Ausmaß wie die des Neuwagenkaufs, also 350 Euro. Das Nachrüsten koste schließlich rund 800 Euro. Im Zuge der Diskussion will nun auch die Bank Deutsches Kraftfahrzeug-Gewerbe (BDK) den Verkauf von Filter-Dieselfahrzeugen unterstützen: Über ihre Händler bietet sie einen Sonderzins von 4,9 Prozent an - unabhängig davon, ob es sich um einen Filterwagen ab Werk oder um ein nachgerüstetes Modell handelt. Im Nachrüstmarkt haben vor allem die Unternehmen Twin-Tec, Oberland und HJS einen Namen. Sie zeigen im Internet (www.dieselrussfilter.de und www.oberland-mangold.de sowie www.hjs.com) für welche Fahrzeuge Nachrüst-Kits lieferbar sind.

Klares politisches Signal nötig

Wie wichtig der Partikelfilter für Gebraucht- und erst recht für Neuwagen ist, zeigen die täglich sinkenden Restwertprognosen für Leasingfahrzeuge. Nach einer Studie von EurotaxGlass's, der Muttergesellschaft von Eurotax-Schwacke, liegt der Restwert einer neuen Mercedes C-Klasse mit Filter bei einer Laufzeit von drei Jahren und einer Laufleistung von 45000 Kilometern rund sieben Prozent über dem Wert desselben Modells ohne Filter. Demgegenüber steht die positive Entwicklung bei Peugeot (plus fünf Prozent) nach der Einführung des in vielen Fahrzeugen serienmäßigen Filtersystems im Herbst 2003. Glücklich kann sich da der Leasingnehmer schätzen, der schon bei Vertragsabschluß den Restwert fixiert hat.

Gibt die Politik in den nächsten Wochen ein klares Signal, käme dies der Dieselnachfrage zugute. Ob alleine diese Maßnahme eine wirkliche Wende auf dem Automobilmarkt bringen wird, bleibt zu bezweifeln. Und aus umweltpolitischen Gründen müßte das Nachrüsten gleichwertig gefördert werden.

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