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Seat Leon FR Ecomotive 1.4 TSI Feuriger Hoffnungsträger

 ·  Seat ist das Sorgenkind in der VW-Familie. Die südlichen Märkte liegen darnieder, Gewinne sind kaum zu erwirtschaften. Dann muss der neue Leon eben im übrigen Europa ein Verkaufsschlager werden. Nichts spricht dagegen.

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© F.A.Z.,Seat Der Fahrtbericht: Seat Leon FR Ecomotive 1.4 TSI

Seat wird von Volkswagen seit geraumer Zeit als die sportliche Volumenmarke geführt. Der brandneue Leon, ein Ableger des Golf VII, schlägt abermals in diese Kerbe und trifft genau: Der spanische Löwe sieht schnittig aus, begeistert aufgrund seines Designs vor allem junge und jung gebliebene Menschen, und er kann mit technischen Details auftrumpfen, die man hier nicht unbedingt erwartet. Mutter Wolfsburg macht’s möglich. So sind Voll-LED-Scheinwerfer (1190 Euro extra, bei FR 990) in der Kompaktklasse ein Novum, die kann noch nicht einmal der Golf bieten.

Aufgeräumt mit Platz

Der ist das große Vorbild und gibt in fast allen Bereichen das Ergebnis dieses Berichts vor. Außer beim Design, wie schon gesagt. Hier ist der Seat sehr eigenständig und schießt manchmal über das Ziel hinaus, wie zum Beispiel mit den scheußlich eckigen Außenspiegeln. Sonst ist der Innenraum vorbildlich aufgeräumt, die Armaturenbrett-Grafik haben wir schon bei Audi gesehen, dass der Tacho bis 260 km/h reicht, wirkt übertrieben. Das Platzangebot im 4,26 Meter langen Leon kann gefallen, da ist der Spanier ganz Golf. Das gilt auch für die große Auswahl an Triebwerken. Neun verschiedene sind zu haben, fünf Benziner und vier Dieseltriebwerke. Alle sind Vierzylinder mit Turbolader und Direkteinspritzung. Die Benziner haben Hubräume zwischen 1,2 und 1,8 Liter, die TDI von 1,6 bis 2,0 Liter. Geboten werden mindestens 63 kW (86 PS) und höchstens 135 kW (180 PS). Nur die jeweiligen Basismotoren sind nicht mit Start-Stopp erhältlich. Alle anderen sind somit „Ecomotive“-Modelle.

Für ein ersteres längeres Kennenlernen des Leon wählten wir den 1,4-Liter-Ottomotor mit 90 kW (122 PS) aus, zu bescheiden wollten wir nicht sein. Während die Leon-Preisliste schon bei 15 390 Euro beginnt, sind für diese Version mindestens 20 270 Euro aufzubringen. Dann fährt man mit „Style“, der dritten von vier Ausstattungslinien, die nur noch wenig Wünsche offenlässt. Sie bietet Leichtmetallräder, ein Audio-System mit sechs Lautsprechern, Tempomat, elektrische Fensterheber vierfach, außerdem ist der Innenraum hochwertiger gestaltet, und es gibt eine Mittelkonsole mit Staufach, Armlehne und Becherhalter. Eine Klimaanlage ist schon bei „Reference“ an Bord (und im Basismodell nicht zu bekommen). Aber alle Leon haben sieben Airbags, ABS und ESP, eine elektromechanische Servolenkung, Blinkleuchten in den Außenspiegeln (Gehäuse in Wagenfarbe, elektrisch verstellbar), elektrische Fensterheber vorn, einen höhenverstellbaren Fahrersitz sowie eine Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung. „FR“ setzt für 1600 weitere Euro die Leon-Zeichen endgültig auf Sport. Hier sind die wichtigsten Zutaten das Sportfahrwerk, LED-Heckleuchten, Sportsitze und eine automatische Klimaanlage, zwei Lautsprecher mehr gibt es auch noch.

Es macht Spaß mit dem Leon zu fahren

So gerüstet, macht es durchaus Spaß, mit dem Leon auf die Jagd zu gehen. Das Sechsganggetriebe lässt sich sportlich flüssig schalten, die Kupplung tritt sich leicht, der Motor bietet trotz des relativ kleinen Hubraums etliche Reserven und ist niemals laut. In weniger als zehn Sekunden kann man von 0 auf 100 km/h spurten, etwas Übung beim schnellen Schalten und dem Kommenlassen der Kupplung vorausgesetzt. Schließlich lässt sich die Geschwindigkeit noch verdoppeln (exakt auf 202 km/h), wobei die allerletzten km/h nur zu erreichen sind, wenn man im fünften Gang bleibt. Der größte Gang schont also Mann und Maschine. Wenn es nicht Tacho 200 sein müssen, sondern vielleicht 140, lässt es sich mit moderaten 3000 Umdrehungen in der Minute über die Autobahn ziehen. Abschalten sollte man die Spurhalte-Kontrolle (im Paket mit einem Fernlicht-Assistenten für 300 Euro). Diese irritiert, weil sie mitunter etwas anderes will als der Fahrer, es fühlt sich dann so an, als fahre der Wagen Spurrillen nach. Dass man den Lenker gänzlich loslassen kann und der Seat zumindest leichte Kurven allein fährt, lädt nur zu unnötigen Spielereien ein. Nach rund 20 Sekunden schaltet sich das System aus und fordert den Fahrer auf, wieder das Kommando zu übernehmen.

Wenn dieser etwas mehr auf die Tube drückt, sind Verbräuche von knapp neun Liter auf 100 Kilometer an der Tagesordnung, sehr moderat gefahren (auf der Autobahn nicht schneller als 120 km/h) bescheidet sich der Leon mit 5,7 Liter auf 100 km/h, das ist schon recht nah an den versprochenen 5,2 Liter des Normverbrauchs. Der Schnitt von 8,1 Liter ist keine Sensation, geht aber aufgrund des Fahrprofils und des winterlichen Wetters in Ordnung.

Im Übrigen ist der Leon hinsichtlich des Fahrverhaltens ganz nah dran am großen Vorbild. Auch hier gibt es erst für die wirklich starken Modelle (von 110 kW an aufwärts) die aufwendigere Vierlenker-Hinterachse. Doch die sonst verbaute Verbundlenkerachse ist auch nicht von schlechten Eltern. Der Leon fährt präzise, lenkt ebenso ein und ist dank seines Frontantriebs, der kaum an den Rädern zerrt, auch gut zu beherrschen. Das ESP lässt sich nicht abschalten, es hält den Wagen gut im Zaum, wenn die Grenzen der Fahrphysik erreicht werden. Zusätzlich hilft eine elektronische Differentialsperre um die Kurven (bei Style und FR). Waren bisher die Seat generell eher straff gefedert, um die Sportlichkeit zu unterstreichen, soll das jetzt der Vergangenheit angehören. Doch mit dem Sportfahrwerk ist das nach wie vor so, wobei ein Rest Komfort durchaus vorhanden ist. Sehr gut arbeiten die Bremsen.

Nur ein Golf im Schafzspelz?

Bleibt die unvermeidliche Frage nach den Unterschieden zum VW Golf. Der Seat kostet weniger, dafür ist der Volkswagen im Innenraum deutlich vornehmer. Den schönen großen Navi-Schirm gibt es im Seat nicht, dafür ist das gesamte System (5,8-Zoll-Bildschirm) für günstige 650 Euro Aufpreis zu bekommen. Beim Golf zahlt man 2725 Euro. Der Golf ist wesentlich besser gedämmt als ein Leon, er fühlt sich satter an, auch die vier Türen schließen mit einem satteren „Plopp“. Es sei angemerkt, dass zwei weitere Türen beim Golf 900 Euro Aufpreis kosten, der Leon ist grundsätzlich viertürig. Ein Zweitürer, der als eigenständiges Modell gilt (Leon SC), wird auf dem Genfer Autosalon nächste Woche Premiere haben.

Ein Vorteil des Golf ist das weitaus größere Sichtfeld nach hinten, beim Leon sieht man durch das kleine Heckfenster nur wenig. Der Leon hat zudem noch einen altmodischen Handbremshebel, bei beiden öffnet die Heckklappe mit einem Griff auf das jeweilige Emblem. Es werden jeweils 380 Liter Volumen geboten, im Boden ist noch Platz für ein Notrad. Im Seat kostet das 50 Euro Aufpreis, beim Golf 60 Euro.

Leider bleibt beim Leon eine störende Kante nach dem Umlegen der asymmetrisch geteilten Rückbanklehne, die maximale Laderaumlänge ist 1,60 Meter, das maximale Ladevolumen beträgt 1210 Liter, 60 weniger als beim Golf, weil dieser einen steileren Heckabschluss hat.

Es kommt einem spanisch vor, dass sich VW selbst so starke Konkurrenz macht (Skoda nicht zu vergessen). Da muss der Golf auf der Hut sein, dass ihm seine Verwandten nicht das Wasser abgraben.

Nächste Woche: VW Golf 1.4 TSI Bluemotion

Technische Daten

Preis:
Empfohlener Preis 21 870 Euro, Preis des Testwagens 25 925 Euro

Motor:
Vierzylinder-Ottomotor mit Abgasturbolader. Direkteinspritzung, vier Ventile je Zylinder,
1395 Kubikzentimeter Hubraum
Leistung 90 kW (122 PS) bei 5000/min Höchstes Drehmoment 200 Nm bei 1400/min
Manuelles Sechsganggetriebe
Antrieb auf die Vorderräder

Abmessungen:
Länge/Breite/Höhe 4,27/1,81/1,44 Meter Radstand 2,63, Wendekreis 10,20 Meter
Leergewicht 1250, zulässiges Gesamtgewicht 1760, Anhängelast 140 Kilogramm, Kofferraumvolumen 380 bis 1210 Liter
Reifengröße 225/40 R 18 Höchstgeschwindigkeit 202 km/h Von 0 auf 100 km/h in 9,3, von 50 auf 100 im 4./5./6. Gang in 11,0/14,3/18,5 s

Verbrauch:
Verbrauch 5,7 bis 8,8, im Durchschnitt 8,1 Liter Super je 100 km
120 g CO2 bei Normverbrauch von 5,2 Liter
50-Liter-Tank

Garantie zwei Jahre ohne Kilometerbegrenzung, 12 Jahre auf den Lack.
Service zweijährlich oder alle 30 000 Kilometer
Versicherungs-Typkl. HP 16, TK 21, VK 18

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Jahrgang 1959, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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