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Fahrtbericht Renault Twizy Auftanken für eine Handvoll Euro-Cent

 ·  Der elektrische Kleinstwagen aus Frankreich ist äußerst sparsam und spaßig unterwegs, aber er ist keine wirkliche Alternative für zukünftige Mobilität.

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© Hersteller Fahrtbericht Renault Twizy: Auftanken für eine Handvoll Euro-Cent

Die Verkäufe von Elektroautos bleiben hinter den Erwartungen zurück. Selbst in Frankreich, wo die Stromer schon viel länger als bei uns auf dem Markt sind, schwächelt der Absatz. Nur 111 Fluence konnte Renault bisher in diesem Jahr verkaufen, 224 meist gewerbliche Kunden entschieden sich für einen Nissan Leaf.

Vielleicht liegt es daran, dass sich beide formal an konventionellen Autos orientieren, der Aufbruch ins Elektro-Zeitalter hat gewiss neue, mutigere Designs verdient.

So wie beim Renault Twizy vielleicht, der mit Konventionen bricht und möglicherweise deshalb mehr Erfolg als die hausbackenen Viertürer haben wird. Der Zweisitzer ist zwar ein sehr frugales Fortbewegungsmittel, aber hintereinander haben schon Ferdinand Piëch und seine wechselnden Konzernvorstände gehockt, wenn es darum ging, Aufsehen zu erregen und möglichst emissionsarm unterwegs zu sein.

Design

Wirklich rational lässt sich der Renault-Stromer jedoch nur schwer beschreiben oder gar beurteilen. Denn wenn der nur knapp 2,34 Meter lange Schmalspurwagen in der Stadt auftaucht, herrscht selbst im vernunftbetonten Deutschland plötzlich Partystimmung, als hätte die Nationalelf Italien doch vom Platz gefegt und im Medaillenspiegel stünden schon 15 goldene. „Nimmste mich mal mit“, bettelt es aus dem Kleinwagen an der Tankstelle, und schon stakst eine braungebrannte junge Dame mit höllentiefem Dekolleté auf himmelhohen Absätzen heran.

Auch an jeder Ampel müssen sich Twizy und Pilot begaffen lassen. Und die Mimik der Gaffer umfasst eine Bandbreite, wie sie üblicherweise nur bei einer Kandidatenschau im Privatfernsehen zu sehen ist: Ungläubig, begeistert, verwirrt, beängstigt, ja mitleidig wird der Scherentürer in Augenschein genommen.

Preis

„Elektrisch, ja? Und wie weit kommt der?“ Fragen über Fragen. Die Antworten kommen routiniert gelassen über die Lippen: „Asynchronmotor mit 13 Kilowatt, Reichweite etwa 80 Kilometer.“ Und weil es außerdem jeder wissen will, der Preis. „7690 Euro, dazu die Batteriemiete von 50 bis 72 Euro im Monat.“ Die Zahl der Interessenten halbiert sich unverzüglich.

Gut, 8000 Euro sind eine hübsche Summe, dafür gibt es locker einen Dacia oder fast schon ein richtiges, kleines Auto wie den VW Up. Aber die können mit dem Twizy nicht konkurrieren. Der Elektriker passt eher auf die Boulevards in Nizza, unseretwegen soll er auch in Mailand und Florenz flanieren gehen. Da braucht sich sein Chauffeur dank stabilerer Wetterlage auch keine Sorgen zu machen, dass feines Tuch an den Schultern vom Regen verdorben würde.

Wetterschutz

Der Renault hat zwar Türen (590 Euro Aufpreis) aber keine Fenster, und da das Dach schmaler geschnitten ist als seine Taille, tropft das Nass ungeniert in den Innenraum, respektive auf die Bekleidung der Insassen. Der Wasserablauf am tiefsten Punkt der Fahrersitzfläche legt Zeugnis vom Schlechtwetterverhalten des Stromers ab, die Fahrt in die Waschanlage, so die Bedienungsanleitung, ist streng verboten.

Sitze

Das Sitzgefühl ist dem in einer Badewanne nicht sonderlich fern. Auf beide Türkanten lehnen sich die Ellenbogen, allein das Zeitungslesen scheitert am knappen Dachrahmen. Der Beifahrer muss gelenkig sein, wenn er auf das schmale Stühlchen im Fond gelangen will. Ohne den vorderen Sitz weit nach vorne zu schieben, gelingt dies nur Artisten.

Platzangebot

Gepäck sollte sowieso zu Hause bleiben. Das umständlich zu öffnende Fach im Heck fasst eben mal 31 Liter, die beiden Behälter links und rechts des Lenkrades taugen für die Fahrzeugpapiere und das Portemonnaie. Immerhin ist eines von ihnen abschließbar.

Fahrverhalten

Für die geschwungene Frontscheibe gibt es eine Beheizung, die das Beschlagen verhindern soll, auch an einen Scheibenwischer mit Waschfunktion ist gedacht. Mit einem Zündschlüssel wird der Antrieb in Bereitschaft versetzt, danach auf „Vorwärts“ drücken und die wackelige Handbremse lösen; der Druck auf das Fahrpedal lässt den rund 500 Kilogramm schweren Twizy losschnurren.

Das Erlebnis ist nicht besonders eindrucksvoll. Lange neun Sekunden braucht der Stromer, um auf 60 km/h zu beschleunigen. Und von wegen E-Autos sind leise: Unser Exemplar heulte unter Vollast laut auf. Die Geräuschentwicklung nervt auf Dauer. Von außen dagegen ist der Twizy doch ein Leisetreter. Eine Art zweite Hupe macht bei Bedarf mit verhaltenem Nörgeln in verkehrsberuhigten Zonen auf den flüsternden Elektrowagen aufmerksam, das konventionelle Horn trötet dagegen mächtig laut.

Geschwindigkeit

81 km/h erreichte unser Twizy als Höchstgeschwindigkeit. Die Fahrt auf der Autobahn empfiehlt sich nur hartgesottenen Chauffeuren, immer wieder tauchen schneller fahrende Lastwagen formatfüllend in den Außenspiegeln auf.

Reichweite

Also runter von der Fernstraße und rein in die Stadt. Hier funktioniert auch der Energiehaushalt besser. Während bei Spitzentempo die Ladeanzeige der Batterie Balken um Balken im Fünf-Minuten-Takt verliert, holt sich der Elektro-Renault in der City beim Bremsen den Strom zurück. Das verlängert die Reichweite erheblich.

Allerdings ist beim Verzögern Vorsicht geboten. Die Scheibenbremsen packen ordentlich zu und stoppen den Zweisitzer mehr als abrupt. Und bei nasser Fahrbahn verhindert kein ABS das Blockieren der 13 Zoll kleinen Räder, kein ESP hält den heckgetriebenen Twizy in der Spur.

Fahrkomfort

Dies ist wohl auch der Grund dafür, dass Renault die Federung des Wagens mit unnachgiebiger Härte ausgelegt hat. Dies soll auch einem Umkippen des hochbeinigen Twizy vorbeugen, nichts fürchten seine Konstrukteure mehr als die Erfahrungen von Mercedes-Benz mit der A-Klasse beim Elchtest. Der Komfort allerdings bleibt auf der Strecke. Die Lenkung ist nicht minder direkt, eine Servounterstützung ist nicht notwendig, der Wendekreis von rund 6,80 Meter genial klein.

Laden

Die Energie in der 98 Kilogramm schweren Lithium-Ionen-Batterie ist ein kostbares Gut. Bei jeder nur erdenklichen Gelegenheit heißt es, das Ladekabel aus dem Fach am Bug zu ziehen und in die nächste Steckdose einzustöpseln. Dafür genügt der haushaltsübliche, mit 16 Ampere abgesicherte 230-Volt-Anschluss. Laut Renault dauert eine vollständige Aufladung etwa vier Stunden, in der Praxis vergehen sechzig Minuten mehr.

Verbrauch

Der Verbrauch lag auf unseren Fahrten bei rund 8,4 kWh für 100 Kilometer, das entspricht (gerechnet mit einer kWh für 20 Cent) etwa 1,70 Euro. Nur Laufen oder Fahrrad Fahren ist billiger.

Fazit

Dennoch bleibt der Twizy allenfalls eine Mobilitätsalternative für die Fahrten in der Stadt. Wie mit jedem E-Auto sind Fernfahrten eigentlich nicht möglich, oder man legt lange Pausen ein, wenn man eine Steckdose gefunden hat. Und über die Unfallsicherheit des Elektro-Renault sollte man trotz zweier Automatikgurte gar nicht erst nachdenken. Damit er keinen Crash-Test bestehen muss, wird er nicht als Personenwagen, sondern als Quad zugelassen. Eine Helmpflicht besteht jedoch nicht.

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Daten und Messwerte

Empfohlener Preis 7690 Euro (zuzüglich Batteriemiete von 50 bis 72 Euro monatlich je nach Laufzeit und Fahrleistung); Preis des Testwagens 8280 Euro

Asynchron-Elektromotor, Lithium-Ionen-Batterie mit 58 Volt Spannung

Leistung 13 kW (18 PS), maximales Drehmoment 57 Nm

Eingang-Getriebe, starre Übersetzung

Antrieb auf die Hinterräder

Länge/Breite/Höhe 2,34/1,89/1,39 Meter

Radstand 1,69, Wendekreis 6,80 Meter

Leergewicht 499, zulässiges Gesamtgewicht 690 Kilogramm, Anhängerbetrieb nicht vorgesehen, Kofferraumvolumen 31 Liter

Reifengröße 125/80 R 13 65 M vorn, 145/80 R 13 75 M hinten

Höchstgeschwindigkeit 81 km/h

Von 0 auf 60 km/h in 9,1 s

Verbrauch 7,8 bis 8,7, im Durchschnitt 8,4 kWh Strom je 100 km; Batteriekapaziät 6,1 kWh, Reichweite 80 Kilometer

Versicherung Als Quad zirka 300 Euro im Jahr, 22 Euro Steuer jährlich

Garantie zwei Jahre ohne Kilometerbegrenzung, drei Jahre auf den Antrieb, drei Jahre auf den Lack, 12 Jahre gegen Durchrostung. Wartung jährlich.

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