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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Fahrtbericht Porsche Cayenne S Diesel Mit Bärenstärke weiter an der Spitze

 ·  Porsche hat im letzten Jahr 141.000 Sportwagen verkauft. Sportwagen? Mehr als die Hälfte davon waren Cayenne. Und der ist ein SUV. Mit dem noch stärkeren Dieselmotor bleibt kaum ein Wunsch offen.

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© Hersteller Fahrtbericht Porsche Cayenne S Diesel

Gar nicht auszudenken, wenn Schuster bei seinen Leisten geblieben wäre und weiterhin nur Elfer und Boxster gebaut hätte. Längst ist der Cayenne, der anfangs so verspottet wurde, das Herzstück von Porsche und es zweifelt niemand mehr daran, dass er ein echter Zuffenhausener ist.

Aber eben einer, in dem vier bis fünf Personen mitfahren können, dem man ordentlich was aufpacken kann, der das schwere Boot zieht, und der auch noch im Gelände seinen Mann steht. Ein Cayenne eben. Dazu bietet er quasi nebenbei Fahrleistungen wie ein Sportwagen.

Selbstzünder

Und der neue S-Diesel räumt letzte Zweifel daran aus. Unverständlich lange hatte Porsche gezögert, beim Cayenne auf einen Selbstzünder zu setzen, der „kleine“ Diesel wurde dann sofort vom Kunden akzeptiert, selbst mit „nur“ 180 kW (245 PS) aus drei Liter Hubraum und einem maximalen Drehmoment von 550 Newtonmeter bei relativ hohen 3800 Umdrehungen in der Minute (Dieselanteil in Deutschland 2012: 73 Prozent).

Jetzt gibt es sogar knapp 4,2 Liter Hubraum, V8-Zylinder, 281 kW (382 PS) und ein maximales Drehmoment von 850 Nm (mehr als beim Audi S8), und das schon bei 2000/min. Dass der Grundpreis für den S Diesel um gut 16.000 Euro höher liegt, sei am Rande erwähnt.

Leistung

Aber das Geld ist gut angelegt. Der Motor ist wirklich eine wahre Wucht. Nahezu spielerisch reißt er den schweren Wagen in 6,5 Sekunden aus dem Stand von 0 auf 100 km/h, die Topspeed beträgt 252 km/h, was wir wegen der Winterreifen nicht überprüfen konnten. Wir zweifeln nicht daran.

Getriebe

Tempo-Bolzen kann der Cayenne zwar, doch die wahre Stärke ist die Gelassenheit, die er an den Tag legt. In Verbindung mit der famosen Achtgang-Automatik, die sehr sanft schaltet, lässt es sich wunderbar bummeln, bei 100 km/h im größten Gang liegen nur 1400/min an, bei Tacho 140 sind es auch nur 1950/min. Schaltpaddel (zu große nach unserem Geschmack) zum manuellen Eingriff gibt es auch, und verschiedene Fahrprogramme, die wir wie immer für überflüssig halten.

Verbrauch

Beim Umgang mit dem so teuren Kraftstoff darf man keine Wunder erwarten. Vorbildlich groß ist der Tank (100 Liter), auch ein zuverlässig arbeitendes Start-Stopp-System gibt es, aber der Bedarf liegt bei 11,2 Liter im Schnitt. Aber: der kleine Diesel kann es nicht besser, hier maßen wir 11,8 Liter, im Porsche Panamera dagegen waren es mit dem kleinen Diesel sensationelle 8,2 Liter. Die Panamera-Limousine ist etwas leichter, baut nicht so hoch, und es wird nur eine Achse angetrieben.

Zurück zum Cayenne: Die kalte Witterung sei nicht unerwähnt, aber selbst bei einer Sparfahrt auf der Autobahn (nicht schneller als 120 km/h) blieb es bei 9,2 Liter, und der Porsche-Pressesprecher hatte doch eine Acht vor dem Komma versprochen. Detail am Rande: Der Bordcomputer errechnete für diese Fahrt einen Bedarf von 8,1 Liter.

Motorentwicklung

Der V8-Motor ist wie das V6-Triebwerk eine Leihgabe von Schwester Audi, Porsche hat jedoch dem Triebwerk mit Hilfe einer neuen Elektronik sowie einer aufwendigeren Edelstahl-Auspuffanlage, anders geformten Kolben und härteren Auslassventilen schärfer gemacht.

Geräusche

So hört sich das Triebwerk übrigens auch: Scharf, aber nicht nach Diesel. Man muss die Ohren spitzen, ums Nageln zu hören. Sonst erinnert nur ein kurzes Vorglühen bei Minustemperaturen an die Verbrennungstechnik, und zugegeben, beim Anlassen schüttelt sich der Cayenne etwas.

Ausstattung

Im Stop-and-Go kann das nerven, aber Start-Stopp lässt sich abschalten. Gestartet wird nach alter Väter Sitte mir einer Art Schlüssel links vom Lenkrad, Startknopf muss nicht sein. Wer schlüssellos einsteigen will, zahlt 1094 Euro für „Porsche Entry & Drive“.

Drin im Wagen freut man sich über mächtig viel Platz, über die sehr gute Verarbeitung und erschrickt erst einmal über den Krieg der Knöpfe, den Porsche veranstaltet: Weit mehr als 100 sind an der Mittelkonsole, vor, hinter und seitlich am Schalthebel, am Armaturenbrett, oben am Dachhimmel, am Lenkrad und in der Fahrertür versammelt.

Tatsächlich kann man sich daran gewöhnen, wenn man gelernt hat, wo genau man drücken muss. Das erschließt sich nicht immer auf Anhieb, wenn mehrere Knöpfe nebeneinander sitzen. Und zu drücken gibt es wirklich viel, vor allem wenn man für 3499 Euro die Luftfederung bestellt hat.

Federung

Das sollte man durchaus in Erwägung ziehen, nicht nur weil der Federungskomfort für ein SUV vollkommen in Ordnung geht (bei Stellung „Comfort“, bei „Sport“ ist der Cayenne bretthart), sondern weil der mächtige Wagen dann auch in die „Knie“ gehen kann, um das Aussteigen zu erleichtern. Betagte Schwiegermütter lieben das.

Rückbank

Im Fond ist genug Platz für die Liebsten, wobei Porsche den Cayenne wohl nicht als Familienwagen sieht, denn es erfolgt keine Warnung, wenn sich einer der drei Fondpassagiere währen der Fahrt abschnallt. Der Mittelplatz ist eher ein Notbehelf, weil die für zwei Personen ausgeformte Bank dort schmäler ist und dem fünften Mann die Armlehne ins Kreuz drückt.

Kofferraum

Das Mittelstück lässt sich Umlegen, um Platz für schmale, länger Gegenstände zu schaffen (maximal 1,80 Meter). Klapp man in der 40/20/40-Konfiguration alles um, was relativ einfach von Statten geht, erhält man eine leicht aufsteigende Ladefläche und ein rechnerisches maximales Ladevolumen von 1780 Liter.

Der eigentliche Kofferraum ist mit 670 Liter Volumen sehr groß, die Heckklappe schwingt ausreichend weit nach oben, auf Wunsch auch elektrisch (für 655 Euro), und mit dem Druck auf die Fernbedienung der Zentralverriegelung auch aus der Ferne. Das Ladeabteil ist sehr aufgeräumt und bietet im Boden noch Platz für Subwoofer und einigen Kleinkram wie Tirefit oder man bestellt ein echtes Ersatzrad (ab 859 Euro aufwärts).

Aufpreise

Porsche-Kunden müssen sehr geduldsam sein, denn sehr vieles kostet Aufpreis, auch Fußmatten (196 Euro), und für die richtige Wahl der Innenausstattung fragt man am besten seinen Innenarchitekten.

Unser Testwagen hatte für mehr als 33.500 Euro (!) Extras an Bord, wahrscheinlich haben wir noch den einen oder anderen Posten übersehen. Unverschämt finden wir die knapp 1500 Euro für das winzige Schiebedach. Auch eine Dachreling kostet Aufgeld. Und die Sitzheizung, und....

Lassen wir das mit dem lieben Geld. Das erstaunlichste am Cayenne - und das gilt für alle Modelle - ist sein Fahrverhalten. So nah am (sportlichen) Personenwagen ist kein SUV, da kann man nur den Hut ziehen. Und mit dem Allradantrieb kann sowieso kaum noch was schief gehen. Lenkbefehle werden sofort und bestens umgesetzt, bei hohem Kurventempo drängt das Heck leicht nach außen. Eine schöne Warnung, es nicht zu übertreiben. Und selbstverständlich bremst der Cayenne auch vorzüglich.

Schwächen? Für die Stadt ist der Porsche mit seinen 4,85 Meter Länge etwas groß, aber man gönnt sich ja sonst nichts.

Nächste Woche Subaru XV 2.0 Diesel

Datern und Messwerte

Empfohlener Preis 77.684 Euro
Preis des Testwagens 111.212 Euro

V8-Zylinder-Dieselmotor, zwei Turbolader mit variabler Geometrie, Common-Rail-Einspritzung, vier Ventile je Zylinder, 4134 Kubikzentimeter Hubraum

Leistung 281 kW (382 PS) bei 3750/min

Höchstes Drehmoment 850 Nm bei 2000/min, mindestens 90 Prozent davon ab 1600/min bis 3500/min

Automatikgetriebe mit acht Stufen

Permanenter Allradantrieb

Länge/Breite/Höhe 4,85/1,94/1,70 Meter

Radstand 2,90, Wendekreis 12,20 Meter

Leergewicht 2200, zulässiges Gesamtgewicht 2935, Anhängelast 3500 Kilogramm, Kofferraumvolumen 670 bis 1780 Liter

Reifengröße 295/35 R 21 Y

Höchstgeschwindigkeit 252 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 6,5 s

Verbrauch 9,2 bis 11,7, im Durchschnitt 11,2 Liter Diesel je 100 Kilometer, 218 g/km CO2 bei Normverbrauch von 8,3 Liter

Versicherungs-Typkl. HP VK, TK

Garantie zwei Jahre ohne Kilometerbegrenzung, drei Jahre auf den Lack, zehn Jahre gegen Durchrostung

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Jahrgang 1959, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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