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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Fahrtbericht Der wilde Kerl kann auch verwöhnen

 ·  Der Sportwagen mit Mittelmotor gilt für viele immer noch als Einsteigermodell in die Porsche-Welt. Dabei ist seine dritte Generation dem ewigen 911 mehr als dicht auf den Fersen.

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© Porsche Fahrtbericht: Porsche BoxterS: Der wilde Kerl kann auch verwöhnen

Mehr Leistung, geringerer Verbrauch, bessere Fahreigenschaften und weiterhin der ratternde Sägeklang eines Sechszylinder-Boxermotors. Nein, von einem weichgespülten Sportwagen als Einsteigermodell in die Porsche-Welt kann wahrlich nicht die Rede sein. Der Boxster S ist der Kräftigere der Baureihe, die als Cayman auch in Coupé-Form angeboten wird.

Dass er mit der Neuauflage maskulinere Züge bekommen haben soll, die dem Image eines Frauenautos entgegenwirken sollen, möchten wir nicht bestätigen. Der Boxster hat gerade in der S-Version seine schwellenden Formen bewahrt, er macht auf charmante Art kein Hehl aus Anspruch und Potential und wirkt damit doch eher weiblich. Knapp 60 000 Euro kostet die kräftigere der beiden offenen Mittelmotor-Versionen, die Porsche im Programm hat. Dafür gibt es 232 kW (315 PS) und die Garantie für erheblichen Fahrspaß.

Design in klassischen Zügen

Der Boxster trägt klassische Züge eines Spyders, anders als bei einem Roadster wie dem Z4 von BMW ist die vordere Haube nicht länger als nötig und deshalb kurz, aber dennoch unübersichtlich. Der 3,4-Liter-Boxermotor nölt kraftstrotzend direkt hinter der Rückwand des Innenraums, sitzt zum Teil unter dem dreigliedrigen Stoffverdeck, das sich in Windeseile automatisch in neun Sekunden öffnet oder schließt.

Das gelingt bis zu einem Tempo von 50 km/h und erregt gerade in der Stadt erhebliches Aufsehen. Das winzige Windschott (268 Euro Aufpreis) leistet gute Dienste, es reduziert die stürmischen Winde, die sonst bei schnellerer Fahrt im Innenraum herrschten, auf eine erträgliche Brise. Doch die Seitenscheiben müssen oben sein.

Ein Innenraum von ehrlicher Schlichtheit

Der Innenraum ist knapp geschnitten. Die schmale Mittelkonsole kann den gelegentlichen Körperkontakt zum Beifahrer nicht verhindern, hinter die Sitze passt allenfalls ein schmaler Aktenordner. Doch das Sportgestühl mit elektrischer Höhenverstellung und ebensolcher der Lehne empfängt beide Boxster-Piloten mit der Passgenauigkeit eines Maßanzugs, die Verstellwege sind fein gerastet und bieten wohl jedem Chauffeur die Einstellung einer perfekten Sitzposition. Großzügig lässt sich obendrein das kleine Lenkrad in der Höhe und axial verstellen. Noch mehr erfreut jedoch, dass das Volant frei von jeglicher Belastung mit Fernbedienungstasten ist. In ehrlicher Schlichtheit ziert es das Interieur und wirkt deshalb besonders edel.

Die Instrumententafel erstreckt sich in komplexer Informationsdichte vor dem Fahrer. Das Tempo wird analog auf einer gut ablesbaren Skala angezeigt, zusätzlich liefert ein digitaler Tacho exakte Werte. Die Anzeige der Reichweite findet sich dort, wo man sie am ehesten vermutet: in der Tankuhr. Die übrigen Bedienungselemente bekennen sich mit eindeutigen Beschriftungen zu ihren Funktionen, etwas überfrachtet wirkt die Mittelkonsole dennoch. Ablagen warten in ausreichender Zahl auf Befüllung, ins Handschuhfach passt Bordlektüre oder sogar ein altmodischer Straßenatlas, und die Getränkehalter geben Bechern auch bei hohen Kurvengeschwindigkeiten Halt. Sie sollten jedoch verschlossen sein, denn in Sachen Querbeschleunigung erhebt der Boxster S meisterlichen Anspruch.

Nimm zwei, denn sie sind klein

Der Kofferräume gibt deren zwei. 150 Liter passen in den vorderen, rechteckigen Behälter, der einzige Platz, um zwei Sprudelkästen zu befördern. Das hintere, flachere Abteil fasst 130 Liter, weiches Gepäck ist hier aufgrund des runden Heckabschlusses besser untergebracht. Mit einem Aufschrei startet das 3,4-Liter-Triebwerk. Der Motorklang beseelt schon im Leerlauf das Herz des Lenkers, sanft rastet der Edelstahlknauf der automatischen Schaltung in Position, der Wagen sehnt sich förmlich auf den Befehl zur Leistungsabgabe. Und sprintet los, wie ein Fohlen durch die sich öffnende Stalltür in den Frühling. 4,8 Sekunden vergehen, bis der unbeladen 1315 Kilogramm wiegende Boxster S 100 km/h erreicht. Zumindest wenn er mit dem Doppelkupplungsgetriebe PDK (2876 Euro) und dem Sport-Plus-Paket (1594 Euro) ausgerüstet ist. Beides bringt, verglichen mit dem Serienmodell, eine Verbesserung um 0,3 Sekunden beim Standardsprint.

© F.A.Z.

Wenn die Sport-Plus-Taste leuchtet, ist es, als wäre dem Kater in den Schwanz gepetzt. Wie ein elektrischer Stoß geht die Spannung bis in die letzte Schraube des Wagens, und der Boxster macht einen Satz vorwärts. Er nutzt beim Schalten den Kurbelwellenschwung, knallt die nächste Übersetzung rein und hält die Maschine immer im optimalen Drehzahlbereich. Im Alltag nervt das auf Dauer, zumal die Federung härter wird und die schon ohne das sportliche Plus hinreichend komfortable und völlig korrekte Abstimmung bald vermisst wird. Diese Einstellung eignet sich für die Rennstrecke, weniger für die City.

Im geschärften Zustand wird außerdem die längste Übersetzung des Getriebes gesperrt, die sonst zusammen mit der Start-Stopp-Automatik und der Segelfunktion des PDK für Verbrauchssenkung sorgt. Das mag dem puristischen Porsche-Freund, der wissen will, ob es Kopf oder Zahl war, wenn er über eine Münze fährt, nicht gefallen. Wir dagegen könnten den Boxster S auch in seiner zahmeren Abstimmung genießen.

Denn obwohl der Sportwagen mit einer hochpräzisen Lenkung und herzhaft zugreifenden, wenngleich etwas hohe Pedalkräfte fordernden Bremsen immer wieder aufs Neue zum Kurvenräubern ermuntert, lässt er sich jenseits der Ideallinie durchaus komfortabel fahren. Wie der Genuss-Skifahrer auf einer griffigen Piste mit gemäßigter Neigung schwingt er dann elegant und munter über die Straßen des Mittelgebirges, nimmt die Kurven mit beeindruckender Spurtreue und stellt kaum erhöhte Anforderungen an seinen Piloten.

Wünsche muss man sich leisten können

Wohl aber an dessen Geldbörse, denn die Aufpreis-Politik aus Zuffenhausen tut weh. Metalliclack kostet 821, Sonderfarben 2344 Euro. Und es gibt eine individuelle Farbwahl, die dann auf 4165 Euro kommt. Keramik-Bremsen gibt es für 7318 Euro, 20-Zoll-Räder für wenigstens 2856 Euro. Wer sich seinen Lieblings-Boxster unbedarft und nur der Laune nach konfiguriert, wird beim Addieren blass, wenn der Kaufpreis bedrohlich auf die 100 000-Euro-Grenze zuwandert.

Doch gehört auch das zur Faszination eines Porsche, die nahezu unerschöpflichen Möglichkeiten der Individualisierung, verbunden mit der Gewissheit, technische Leckerbissen serviert zu bekommen, die anderswo kaum den Weg auf die Speisekarte finden. Da enttäuscht die Abwesenheit der üblichen Assistenzsysteme nur unwesentlich, den Boxster gilt es konzentriert und mit Freude zu lenken. Nörgelnde Spurhaltewächter würden dieses Vergnügen nur stören.

Der Verbrauch des Boxster hielt sich im Rahmen. Wir maßen 7,8 bis 11,5 Liter (jedoch Super Plus) auf 100 Kilometer, im Durchschnitt 9,8 Liter. Für einen echten Sportwagen kein schlechter Wert.

Porsche BoxterS

Empfohlener Preis: 59 120 Euro

Preis des Testwagens: 85 038 Euro

Sechszylinder-Boxermotor, vier Ventile je Zylinder, 3436 Kubikzentimeter Hubraum Leistung 232 kW (315 PS) bei 6700/min Höchstes Drehmoment 360 Nm bei 4500/min, 90 Prozent davon ab 4200 bis 6500/min

Automatikgetriebe mit sieben Stufen Antrieb auf die Hinterräder Länge/Breite/Höhe 4,37/1,8/1,38 Meter Radstand 2,48,

Wendekreis 11,3 Meter

Leergewicht 1315, zulässiges Gesamtgewicht 1685, Anhängelast n.a. Kilogramm, Kofferraumvolumen 150/130 Liter (vorne/hinten)

Reifengröße 235/35 ZR 20 88 Y vorn, 265/63 ZR 20 99 Y hinten

Höchstgeschwindigkeit 277 km/h Von 0 auf 100 km/h in 4,8 s

Verbrauch 7,8 bis 11,5, im Durchschnitt 9,8 Liter Super Plus je 100 km; 188 g/km CO2 bei Normverbrauch von 8 Liter; Tankinhalt 64 Liter

Versicherungs-Typkl. HP 13, TK 28, VK 27 Garantie zwei Jahre, drei Jahre auf den Lack, zehn Jahre gegen Durchrostung. Inspektion alle 24 Monate oder 30 000 km

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