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Fahrtbericht Opel Ampera Elektrisch fahren ohne Sorge

 ·  Ist das die Lösung? Wie kein zweites Auto, das elektrisch fahren kann, überzeugt der Opel mit seinem Range-Extender-Konzept. Doch die viele Technik will bezahlt sein, und wirklich sparsam ist die Limousine auch nicht.

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© Hersteller Fahrtbericht Opel Ampera: Elektrisch fahren ohne Sorge

Die elektrische Revolution ist etwas ins Stocken geraten. Der herbeigeschriebene Hype um das E-Auto ist vorbei, jetzt müssen sich die Stromer im Alltag bewähren, und da hapert es zu allererst an der Reichweite. Ein Auto, das nicht weiter als 100 Kilometer kommt, bevor es an die Steckdose muss, hat nur geringe Marktchancen.

Zwar taugt dieser Opel elektrisch nur für 50 bis 80 Kilometer, doch weil ein Benzinmotor an Bord ist, der im Bedarfsfall anspringt, muss niemand Angst vor dem Liegenbleiben haben, solange noch Benzin im Tank gluckert. Geht der Saft aus den Lithium-Ionen-Akkus zu Ende, holt sich die Elektroabteilung die Kraft aus dem Generator, der von einem 1,4-Liter-Ottomotor gefüttert wird.

Fahrzustände

Was sich so einfach anhört, ist jedoch überaus kompliziert. Der Ampera, der praktisch baugleich mit dem Chevrolet Volt ist, kennt nicht weniger als vier Fahrzustände. Bei voller Batterie fährt er entweder nur mit dem Haupt-Elektromotor (111 kW/151 PS, 370 Newtonmeter Drehmoment) oder benutzt zusätzlich den zweiten E-Motor (der gleichzeitig der Generator ist und 54 kW/73 PS leistet). Letzteres geschieht, wenn viel Leistung gefordert wird - in der Regel beim vollen Beschleunigen oder bei Geschwindigkeiten von 60 bis 80 km/h an.

Motoren

Mit laufendem Benzinmotor arbeitet bei langsamer Geschwindigkeit nur der stärkere E-Motor, und es gibt außerdem eine Verbindung vom Benziner direkt auf die Räder. Letzteres war im technischen Konzept zunächst nicht vorgesehen und war Anlass zu Haarspaltereien, der Ampera sei gar kein richtiges Elektroauto.

Bei voller Last geht wiederum die Kraft nur über die E-Motoren zu den Rädern. Der Fahrer merkt von den technischen Vorgängen ohnehin wenig. Im elektrischen Modus genießt er den flüsterleisen Lauf des Ampera, und auch bei arbeitendem Verbrennungsmotor ist der Ampera ruhig. Nur wenn man aufs Gas tritt, um stärker zu beschleunigen, scheppert der Motor etwas unbotmäßig.

Aber in aller Regel ist der Ampera ein perfekter Gleiter, der zum zurückhaltenden und sparsamen Fahren erzieht. Überrascht hat uns, wie oft der Wagen auch mit fast leerer Batterie rein elektrisch unterwegs ist. Dann benimmt er sich wie ein gewöhnliches Hybrid-Auto, fährt elektrisch an (die Batterie wird nie ganz leer - 3kWh verbleiben - und beim Bremsen geladen), der Motor geht sofort aus, wenn man vom Gas geht oder an der Ampel steht. Ums Schalten muss man sich nicht kümmern, das Getriebe ist stufenlos, es wird über einen konventionellen Wählhebel bedient.

Reichweite

Wer sich die volle Batterie erhalten will, kann dem Ampera per Knopfdruck befehlen, den Benzinmotor zu benutzen. So können weite Distanzen zurückgelegt werden und am Ziel ist die Batterie noch fast voll. Nur fast voll ist die Batterie, weil es in diesem Modus etwas Leistungsverlust gibt. Im rein elektrischen Betrieb können wir von 50 bis 55 Kilometer Reichweite berichten. Damit lässt sich schon viel anfangen, vor allem, wenn die Möglichkeit besteht, am Arbeitsplatz Strom zu fassen.

Verbrauch

Ans Anstöpseln muss man sich gewöhnen, falsch machen kann man aber eigentlich nichts, in weniger als fünf Stunden steht der Ampera wieder voll im Saft. Rein elektrisch kamen wir auf einen Verbrauch von zirka 23,6 kWh auf 100 Kilometer, was viel ist für ein E-Auto. Bei einem Stromtarif von 22 Cent je kWh bedeutet dies Fahrtkosten von 5,19 Euro auf die Standarddistanz.

Das ist so wenig auch nicht und entspricht 3,7 Liter Diesel auf 100 Kilometer (bei einem Preis von 1,40 Euro je Liter). Einen Durchschnittsverbrauch im gemischten Betrieb anzugeben ist müßig, das hängt zu sehr vom individuellen Benutzerprofil ab. Gefahren als reiner Benziner, benötigt der Ampera im Durchschnitt 7,7 Liter Super auf 100 Kilometer. Ob sich das alles lohnt, muss jeder für sich ausrechnen. Strenggenommen sind die 7,7 Liter zu viel, das können konventionelle Hybrid-Autos besser.

Preis uns Ausstattung

Und schließlich ist der Ampera alles andere als ein Sonderangebot. In der „ePionier Edition“ kostet er stattliche 49.200 Euro (die billigste Mercedes-Benz E-Klasse gibt es für 40787 Euro). Zusätzlich zu der schon gut ausgestattenen Basis (Komfort Edition, 45500 Euro) ist hier eine Rückfahrkamera nebst Parkpilot, eine Diebstahlwarnanlage, ein Navigationssystem und eine Dreischicht-Metallic-Lackierung dabei.

Generell Serie sind unter anderem solche Zutaten wie Lederausstattung, Sitzheizung, Klimaanlage, Tempomat, acht Airbags, ABS und ESP, Reifendruck-Kontrollsystem, Zentralverriegelung, Leichtmetallräder oder Servolenkung.

Anzeigen

Natürlich kann ein Auto wie der Ampera nicht klassische Instrumente haben. Die gefahrene Geschwindigkeit wird digital angezeigt, im großen Monitor in der Mittelkonsole informieren verschiedene Schaubilder über den Kraftfluss, oder es wird die Landkarte gezeigt oder die Liste der Radiosender.

Eine nette Spielerei ist ein beweglicher Ball rechts neben dem Digitaltacho. Ist er grün und hat Blätter, wird besonders umweltfreundlich gefahren. Wird stark beschleunigt, steigt der Ball nach oben und wird gelb. Wird gebremst (und geladen), geht er nach unten. Das soll zum Sparen animieren und hilft tatsächlich.

Allerdings trägt der Ball nur Blätter, wenn auf der Autobahn das Tempo nicht höher als 100 km/h ist (ob mit oder ohne Benzinmotor). Maximal schafft der Ampera 160 km/h, „169“ werden angezeigt. Links neben der Geschwindigkeit wird die jeweilige Reichweite relativ verlässlich angezeigt sowie der Füllstand des 35-Liter-Tanks.

Federung

Gefedert ist der Ampera hinlänglich gut, am Fahr- und Bremsverhalten des Fronttrieblers gibt es ebenfalls nichts zu kritisieren. In schnellen Kurven macht sich das relativ hohe Gewicht (1650 Kilogramm) bemerkbar.

Innenraum

Mit der Verarbeitungsqualität kann man zufrieden sein, ein bisschen mehr Wertigkeit würde jedoch nicht schaden. Platz ist für vier Personen, die über vier weit aufschwingende Türen in den Wagen finden. Selbst hinten sitzt es sich sehr gut.

Mit seiner Länge von 4,50Meter gehört der Stromer in die Kategorie Mittelklasse, wobei das Kofferraumvolumen von gut 300 Liter eher knapp ist. Dazu kommt eine relative hohe Ladekante. Eine feste Laderaumabdeckung gibt es nicht, nur ein labbriges Tuch als Sichtschutz. Aber im Kofferraumboden ist ein praktisches Fach für das Ladekabel und anderen Krimskrams wie Tirefit.

Sicht

Das sportliche, individuelle Aussehen des Ampera mögen nicht nur wir, man wird oft auf das Auto angesprochen. Die Übersichtlichkeit lässt aber zu wünschen übrig, und die schräg verlaufenden A-Säulen nehmen viel Sicht zur Seite weg. Auf nur einen Blick nach rechts oder links sollte der Fahrer sich nicht verlassen, sonst übersieht er schnell ein Auto oder ein Motorrad. Auch nach hinten seitlich sieht er wegen der breiten C-Säulen wenig. Ein Ärgernis ist die tief sitzende Frontlippe, die schon beim Erklimmen des kleinsten Bordsteins über die Straße schabt.

Fazit

Dennoch, von allen derzeit verfügbaren Elektroautos ist der Opel Ampera das beste und ausgewogenste, schon weil es - im Vergleich zum ebenfalls auf seine Art gelungenen Nissan Leaf - einem die Angst vor dem Liegenbleiben nimmt. Leider ist der Preis eine Hürde, die schwer zu nehmen ist auf dem Weg in die Zukunft.

Nächste Woche: Mazda CX-5

Daten und Messwerte

Empfohlener Preis 49.200 Euro
Preis des Testwagens 49.200 Euro

E-Motor mit 111 kW (151 PS) Leistung und 370 Nm Drehmoment, zweiter E-Motor (54 kW) als Generator, wird von Vierzylinder-Benzinmotor (63 kW/86 PS) geladen, stufenloses Getriebe

Lithium-Ionen-Batterie mit 16 kWh, rein elektrische Reichweite 40 bis 80 Kilometer, Ladezeit knapp fünf Stunden

Antrieb auf die Vorderräder

Lange/Breite/Höhe 4,50/1,78/1,44 Meter

Radstand 2,69, Wendekreis 11 Meter

Leergewicht 1650, zulässiges Gesamtgewicht 2000 Kilogramm. Anhängerbetrieb nicht möglich. Kofferraumvolumen 310 bis 1005 Liter bei vorgeklappten Rücksitzen

Reifengröße 215/55 R 17

Höchstgeschwindigkeit 160 km/h, von 0 auf 100 km/h in 10,0 s

Verbrauch 7,4 bis 8,1 Liter, im Schnitt 7,4 Liter Superbenzin mit dem Ottomotor, rein elektrisch 23,6 kWh auf 100 Kilometer, CO2 bei Normverbrauch von 1,2 Liter 27 g/km, Tankinhalt 35 Liter

Versicherungs-Typkl.: HP18, TK 24, VK 25

Garantie zwei Jahre ohne Kilometerbegrenzung, zwölf Jahre gegen Durchrostung (bei Service), acht Jahre oder 160.000 Kilometer auf die Fahrbatterie

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Jahrgang 1959, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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