Die Visionen von Leichtigkeit, von geringem Gewicht, spielen in Stuttgart wieder eine wichtige Rolle. Dort, wo Maultaschen, Spätzle und andere kalorienreiche Nahrungsmittel die Menschen opulent nähren, müssen Automobile gewissermaßen als ausgleichendes Element immer leichter werden, so scheint es.
Der neue SL von Mercedes-Benz, der Klassiker mit den berühmten Ahnen, schafft die Umkehr der Gewichtsspirale, das Spitzenmodell der Baureihe, der SL 500, ist um 125 Kilogramm leichter als sein Vorgänger - viel Alu sei Dank.
Design
Jedoch kommt die Botschaft optisch weniger an, der SL wirkt wuchtig, mit den übergroßen Scheinwerfern, dem breiten Kühlergrill, vor allem aber dem massigen Buckel zwischen den Sitzen und der Kofferraumklappe nicht sonderlich leichtfüßig.
Verdeck
Doch es gibt es ein sich automatisch öffnendes, üppig verglastes Dach, das den Passagieren den Himmel in 14 Sekunden näher bringt. Beim Schließen der massiven Konstruktion vergeht mehr Zeit, 18 Sekunden weist die Stoppuhr aus. Außerdem klappt es nur bei stehendem Fahrzueug. Wer offen im SL unterwegs ist, sollte stets einen Blick aufs Wetter haben.
Wind
Aber der Roadster verwöhnt mit bestem Reisekomfort. Nur lau fächelt der Fahrtwind in den Haaren, und das selbst bei schneller Fahrt. Wirklich stürmisch wird es im Innenraum nicht, selbst bei heruntergelassenen Seitenscheiben bleibt es hier vergleichsweise ruhig.
Bei kühlerer Witterung hält die in den Sitz integrierte Kopfraumheizung Airscarf den Nacken warm (550 Euro extra), das Offenfahren bereitet so auch in einem Sommer Freude, der das Synonym der „warmen“ Jahreszeit nicht immer verdient.
Sicht
Auch bei geschlossenem Verdeck ist der SL noch recht übersichtlich. Zwar zählt die 4,61 Meter lange Karosserie zu den voluminöseren dieser Klasse, die Rückfahrkamera (298 Euro Aufpreis) oder die Parksensoren vorne und hinten (gleich 869 Euro mehr) dienen dennoch eher dem Komfort, als dass sie dringend angeratene Sonderausstattungen wären.
Kofferraum
Das Ladevolumen taugt für die Langstrecke und die Fahrt in den Urlaub gleichermaßen. Ist das Verdeck geschlossen, passen S-Klassen-taugliche 504 Liter in den Kofferraum. Ist das Dach hinten abgelegt, schrumpft das Stauvermögen auf 364 Liter.
Das ist immer noch mehr, als jeder Zweisitzer von Porsche zu transportieren vermag. Mit Dach im Kofferraum bleibt nur ein Spalt zum Beladen, aber das „Dachpaket“ lässt sich auf Knopfdruck etwas anheben. Im Innenraum bleibt hinter den elektrisch einstellbaren Sitzen noch etwas Platz, dort kommen die nicht zu prall gefüllte Aktentasche oder das knitterfreie Sakko gut unter.
Innenraum
Im Innenraum gehört die Lederausstattung zum Serienstandard, wer das noch gefälligere Nappa-Paket bestellt, bekommt für 3100 Euro eine sorgfältige Komplettausstattung mit dem schmeichelnden Material, dann sind auch Schalttafel, die Rückwand, Türverkleidungen und die A-Säulen fein ummantelt.
Die Verarbeitung siedelt auf höchstem Niveau, nicht ganz so trefflich ist die Gestaltung der Instrumente geraten, die nicht besonders gut ablesbar sind. Die breite Mittelkonsole sorgt für reichlich Ablagemöglichkeiten und Ellbogenfreiheit. Wer mit der Copilotin kuscheln möchte: Die Holde sitzt in nahezu unerreichbarer Ferne.
Motor
Mit sattem Klang aus zwei dicken Auspuffendrohren springt der Biturbo-V8 an. 4,7 Liter Hubraum, verteilt auf acht Zylinder, geben dem Leichtmetalltriebwerk ein durchaus angenehmes Stimmvolumen. Den winzigen Wahlhebel der siebenstufigen Automatik bedient, schon entacht der zarte Druck aufs Gaspedal dann einen massiven Drang nach vorne.
320 kW (435 PS) wissen zu beeindrucken, viel gekonnter noch spielt die Maschine ihre hervorragende Durchzugskraft aus. 700 Newtonmeter, die schon bei artigen 1800 Umdrehungen in der Minute anliegen, stellen den SL 500 an die Spitze im Wettbewerbsumfeld. Seidenweich und elastisch nimmt der rund 1,8 Tonnen schwere Wagen Fahrt auf.
Wer das Pedal an die Bodenverkleidung presst, erlebt einen brachialen Beschleunigungsvorgang, der den hinterradgetriebenen Roadster in 4,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h haut. Der Motor quittiert die Kraftanstrengung mit mächtigem V8-Röhren und wirkt dabei in keiner Zehntelsekunde müde oder gar überfordert. Lediglich beim raschen Zwischenspurt gönnt er sich eine winzige Pause, vor der Höchstleistung will eben jeder noch mal kurz Atem holen.
Getriebe
Die Automatik scheint die Absichten des Fahrers zu erahnen und findet stets die richtige Übersetzung. Selbst bei Bergabfahrten hilft sie beim Bremsen, ohne dass manuell eine niedrigere Fahrstufe gewählt werden müsste.
Verbrauch
Der Verbrauch der kräftigsten SL-Version ist deutlich geringer als der des bisherigen Modells. 9 bis 13,4 Liter Superplus-Benzin verlangte die Maschine während unserer Fahrten im Schnitt auf 100 Kilometer. Das Mittel von 10,3 Liter Treibstoff liegt zwar weit über dem vom Hersteller angegebenen Normwert (9,1 Liter), ist aber in Anbetracht der fulminanten Fahrleistungen des Roadsters, die wir gerne und häufig genießen wollten, durchaus angemessen.
Federung
Die Federung des Roadsters gehört zu den komfortabelsten dieser Klasse. Weder verärgert kompromisslose Härte während der Reise, noch ist die Feder-Dämpfer-Abstimmung zu lasch geraten. Ohne nennenswerte Karosserieneigungen umrundet der SL die Kurven, nimmt Bodenwellen und Querfugen mit konzentrierter Gelassenheit und bietet einen uneingeschränkten Reisegenuss.
Lenkung
Etwas mehr Präzision könnte hingegen die Lenkung vertragen, die immer etwas Ungenauigkeit vermittelt. Die scharfe Kurvenhatz sollte anderen belassen bleiben, der SL-Fahrer gleitet eher um die Biegungen, als dass er sie mit Vehemenz auf letzter Rille bezwingen will.
Damit kein falscher Eindruck entsteht: Das große Kabriolett von Mercedes-Benz ist keineswegs unsportlich. Nur verzichtet es auf die teils unnötige Härte, die andere wie ein Audi R8 Spyder oder ein Porsche 911 Carrera Cabrio an den Tag legen. Was wir durchaus sympathisch empfinden, denn entspannter als im SL 500 sind wir bislang in kaum einem Roadster ans Ziel gelangt.
Bremsen
Wenig Begeisterung weckt dagegen die Bremsanlage. Ein langer Pedalweg und unausgeprägte Dosierbarkeit gehören nicht in diese Klasse. Vielleicht bietet die aufpreispflichtige Keramikbremse mehr Präsenz, hierfür wären aber immerhin 11.440 Euro Aufpreis fällig.
Ausstattung
Die investiert der SL-Kunde besser in die vielen Individualisierungsmöglichkeiten seines Wagens, denn die technische Grundausstattung ist umfangreich. Bis hin zur Metallic-Lackierung und Sitzheizung oder zum Xenon-Kurvenlicht gehört nahezu alles dazu, was sonst teuer bezahlt werden will. Irgendwo muss der Grundpreis von 117.096 Euro auch herkommen. Der „kleine“ SL 350 kostet 93.534 Euro (V6-Motor, tatsächlich 3,5 Liter Hubraum, 224 kW/306 PS) und ist nicht ganz so üppig ausgestattet.
Nächste Woche Kia Optima 1.7 CRDI Spirit
Empfohlener Preis 117.096 Euro
Preis des Testwagens 129.856 Euro
V8-Zylinder-Benzinmotor, vier Ventile je Zylinder, Turboaufladung, Hubraum 4663 Kubikzentimeter
Leistung 320 kW (435 PS) bei 5250/min
Höchstes Drehmoment 700 Nm bei 1800/min, 90 Prozent davon ab 1600 bis 5600/min
Automatikgetriebe mit sieben Stufen
Antrieb auf die Hinterräder
Länge/Breite/Höhe 4,61/1,88/1,31 Meter
Radstand 2,57 Wendekreis 11,10 Meter
Leergewicht 1805, zulässiges Gesamtgewicht 2165 Kilogramm, keine Anhängelast, Kofferraum 364 bis 504 Liter
Reifengröße 255/35 R 19 94 Y vorne, 285/30 R 19 94 Y hinten
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Von 0 auf 100 km/h in 4,6 s
Verbrauch 9 bis 13,4, im Durchschnitt 10,3 Liter Superplus je 100 km; 212 g/km CO2 bei Normverbrauch 9,1 Liter; 65-Liter-Tank
Versicherungs-Typkl. HP TK VK
Garantie zwei Jahre ohne Kilometerbegrenzung, 30 Jahre gegen Durchrostung bei regelmäßiger Kontrolle in autorisierten Werkstätten. Wartung nach Anzeige
Kein Roadster
Michael Looman (micalo66)
- 15.09.2012, 05:57 Uhr
Proll Design
Dr. Andreas Frick (Hephaistos)
- 13.09.2012, 16:07 Uhr
Harddachroadster......
klaus melzer (dotschn)
- 13.09.2012, 12:18 Uhr
Als Roadster...
Guenther Bachteler (bachteler)
- 13.09.2012, 11:10 Uhr
ohje....
nikolaus von sidnarb (mitschnacker)
- 13.09.2012, 11:08 Uhr