Alle werden immer älter. Aber die Autoindustrie lebt im Jugendwahn und baut Vehikel mit maximaler Querbeschleunigung und einem Schwerpunkt, der unter dem Asphalt liegt. Doch der Markt, dieses wunderbare Wesen, sorgt für seine grauen Panther. Denn nach der Mitte des Lebens locken der kompakte Geländewagen, das schnuckelige SUV oder der höher liegende Crossover.
Nicht zuletzt wegen gutbetuchter Kunden, die auch jenseits der sechzig mit ihrem guten Stern auf allen Wegen unterwegs sein wollen, erlebt der vor rund vier Jahren schwach gestartete Mercedes-Benz GLK seinen Aufschwung.
Motorvarianten
Ein halbes Dutzend GLK-Versionen gibt es, zwei Favoriten schieben sich nach vorne: Aus dem Dieselquartett wählt man entweder den 200 CDI oder den 220 Bluetec 4Matic. Beide kommen mit dem 2,1-Liter-Vierzylinder, die schwächere Ausführung steht für rund 36.000 Euro auch mit Hinterrad- und ohne Allradantrieb zur Verfügung, während man diesen gerne im stärkeren Typ 220 entgegennimmt.
Dafür sind mindestens 44.000 Euro nötig, und mit etwas Schmuck und Assi-Systemen kommt man wie bei unserem Testwagen auf mehr als 50.000 Euro. Das muss aber nicht sein, und wer mit seinem GLK ohnehin lieber auf der Straße bleibt, der ist mit dem Einfach-Antrieb gut motorisiert.
Veränderungen
Weil man in Stuttgart mit dem GLK-Verkauf nicht zufrieden sein konnte, wurde das auf der C-Klasse basierende Geländemodell früher als üblich überarbeitet. Vor allem die Frontpartie wurde stärker geschminkt, und im Innenraum ist Qualität sicht- und begreifbar, der Fahrkomfort wurde verbessert, überhaupt erhielt die gesamte Technik ein paar Streicheleinheiten.
Design
Am Design sieht man, die Marke hat beschlossen, wuchtiger aufzutreten, die vornehme Zurückhaltung abzulegen, und deshalb trägt auch der einst bescheidenere GLK dicker auf: Im Kühlergrill dominiert eine Art von Hirschgeweih, mit dem mächtigen Stern in der Mitte.
Der zerklüfteten Frontpartie vertraut man sich für die Bewältigung des täglichen Abenteuers auf der Fahrt zum Bäcker gerne an. Satter Chrom glänzt, Kunststoff macht sich im Maschenmuster wichtig, Leuchten mutieren zu effektheischenden Lidstrichen. Nur gut, dass dahinter die Technik und die praktischen Seiten des GLK beginnen.
Innenraum
Denn diese scheinen wie geschaffen für den älteren Menschen. Wobei wir gewiss sind, dass auch die Jugend gerne damit lebt. Der Einstieg gelingt durch jede der weit öffnenden Türen mit flotter Mühelosigkeit, die bequemen Sitze verzichten auf hindernde Wulstigkeit. Sie liegen eben nicht hinter hürdenhohen Schwellern, sondern schieben sich wie selbstverständlich unter die Verlängerung des Rückens und unterstützen diesen vorbildlich.
Man sitzt ausreichend erhaben, eben wie in einem Geländeauto, die kantige und sozialverträglich dimensionierte Karosserie vermeidet unübersichtliche Üppigkeit, und wenn sich der Fahrer ein wenig eingekuschelt hat, entdeckt er Gründe zur Freude: Zwar sind die Lüftungsdüsen einigen vom Jugendwahn geprägten Stilisten in die Hände gefallen, aber das Cockpit ist klar gegliedert, der Wählhebel für die Siebengang-Automatik sitzt platzsparend am Volant, alle Schalter liegen dort, wo man sie erwartet, es gibt etliche Ablagen, und wenn der Tacho etwas größer und weniger grau in grau gefärbt wäre, könnte man die Perfektion kaum mehr aushalten
Für die offenbar nicht mehr zu vermeidende Navigation gibt es ein großes Display, alle bekannten Assistenzsysteme sind an Bord, sie arbeiteten willig und fehlerfrei. Hinten ist es für drei erwachsene Passagiere etwas knapp, die Kopffreiheit ist großzügig, auf der Höhe der Schultern kneift es, aber schmale Enkel sind gut untergebracht. Verarbeitung, Ausstattung und Materialien erfüllen höhere Ansprüche, besonders beim Erwerb der Designo-Linie (3451 Euro) mit nobel wirkendem, hellbraun-schwarzem Leder und weißen Nähten.
Kofferraum
Hinter den Sitzen kann man sich durch einfaches Klappen der Rückenlehnen (ein zu zwei Drittel) eine Ebene des Transports einrichten. In der Länge gibt es ungefähr 1,70 und in der Breite rund 1,20 Meter; bleiben die Lehnen aufrecht, offeriert die Ladetiefe knapp 90 Zentimeter. Die Heckklappe bewegt sich auf Knopfdruck über die Stehhöhe hinaus nach oben und schließt sich nach Tastendruck, die Ladekante liegt freundliche 68 Zentimeter über der Straße und nach innen gibt es gar keinen Niveauunterschied.
Der Testwagen war für eine Zuladung von fast 600 Kilo ausgelegt, auch Senioren reisen gern mit schwerem Gepäck. In der hinteren Prallfläche lässt sich eine abnehmbare Anhängekupplung unterbringen. Der GLK darf bis zu 2400 Kilo Last ziehen, und der Kfz-Schein weist ihn mit Anhänger als zugelassen für 100 km/h aus.
Motor
Die übertrifft er natürlich ohne Hänger bei weitem: Der Testwagen kam auf 205 km/h, und bei sanftem Rückenwind signalisierte der Tacho beinahe 230 km/h. Dabei klingt der relativ kleine Vierzylinder weder angestrengt noch wohlgelaunt. Das liegt daran, dass er meistens überhaupt nicht klingt. Denn die Maschine nuschelt bei ruhiger Fahrweise kaum hörbar vor sich hin, und Drehzahlorgien sind auch bei zügigem Fortkommen nicht nötig.
Dreht man die Maschine über 3500/min hinaus, wird sie lauter, aber nicht wirklich unangenehm. Dieser durchzugstarke und höfliche Diesel (erfüllt schon Euro 6) gehört sicher zu den angenehmeren Kraftquellen über alle Mercedes-Modelle hinweg. Dass man ihm sogar eine Version der S-Klasse anvertraute, sagt schon alles. (Gleichwohl ist es für die Spitzenlimousine des Hauses eine Peinlichkeit.)
Verbrauch
Im GLK sorgt er zudem für unerwartete Sparsamkeit: Unser Durchschnitt lag bei 7,7 Liter, erträgliche 8,9 Liter war der Maximalwert nach heftiger Autobahnfahrt, und 7,0 Liter errechneten wir sogar im Hängerbetrieb unter Einhaltung des Tempolimits. Ohne Hänger und mit ganz dünnen Socken kamen wir auf einen Minimalverbrauch von 6,0 Liter. Vielleicht wäre ohne Socken noch weniger möglich.
Fahrverhalten
Den mobilen Senioren kommt sehr gelegen, dass es Mercedes mit der jugendlichen Sportlichkeit im GLK nicht übertreibt. Das führt zu einer komfortablen Federung ohne starke Wankbewegungen, kreiert ruhiges Abrollen, vermeidet weitgehend störrisches Stuckern oder harsches Durchschlagen, und die Automatik (7G-Tronic) wechselt rücksichtsvoll, aber nicht immer ohne Rucken die Schaltstufen. Mitunter reagiert der Motor etwas träge auf das Gaspedal, die Lenkung wirkt manchmal unerwartet stumpf und indirekt. Die Bremsen könnten mit einem kürzeren Pedalweg und niedrigerer -kraft eine höhere Giftigkeit zeigen.
Fazit
Im GLK nimmt man sich gern Momente des Sinnierens: Ob die Zeiten des Querfahrens schon vorbei sind? Ist Agilität überhaupt noch wichtig? Werden Sausen und Brausen neu definiert? Im Mercedes GLK dominieren die seriösen Werte der Senioren. Und weil alle immer älter werden, entwickeln sich die Annehmlichkeiten des GLK zur Zukunft des Automobils.
Nächste Woche: Citroën Aircross
Empfohlener Preis 44.149 Euro
Preis des Testwagens 51.000 Euro
Vierzylinder-Dieselmotor, Common-Rail-Einspritzung, Abgasturbolader, 2143 Kubikzentimeter Hubraum
Leistung 125 kW (170 PS) bei 3200/min
Höchstes Drehmoment 400 Nm bei 1400/min, 90 Prozent davon ab 1025 bis 2275/min
Automatikgetriebe mit sieben Stufen
Permanenter Allradantrieb
Länge/Breite/Höhe 4,66/1,84/1,70 Meter
Radstand 2,76, Wendekreis 11,3 Meter
Leergewicht 1925, zulässiges Gesamtgewicht 2500, Anhängelast 2400 Kilogramm, Kofferraumvolumen 480 Liter
Reifengröße 235/60 R 17
Höchstgeschwindigkeit 230 km/h
Von 0 auf 100 km/h in 7,9 s
Verbrauch 6,0 bis 8,9, im Durchschnitt 7,7 Liter Diesel je 100 km; 159 g/km CO2 bei Normverbrauch von 6,1 Liter, Tankinhalt 59 Liter
Versicherungs-Typklassen HP 20, TK 25, VK 22
Garantie zwei Jahre ohne Kilometerbegrenzung, 30 Jahre gegen Durchrostung bei regelmäßiger Inspektion. Wartung jährlich oder alle 25.000 Kilometer
GLK Test
Hans - Peter Hess (indipendend)
- 30.10.2012, 23:15 Uhr
GLK
Hansgeorg Demgen (HaGeDe)
- 27.10.2012, 22:39 Uhr
GLK Test
Jürgen Bucher (bucherj)
- 27.10.2012, 16:25 Uhr
Ältere Menschen?
Klaus-Dieter Berger (kinnas)
- 27.10.2012, 12:09 Uhr
ohne Stern…
Bernd A. Wohlschlegel (snapconboerse)
- 27.10.2012, 11:13 Uhr