Den deutschen Autoherstellern wird immer noch nachgesagt, sie hätten die Entwicklung der Hybrid-Technik verschlafen. Das mag zwar stimmen, aber inzwischen haben sie mächtig aufgeholt, und sie haben den Vorteil, die vermeintliche Öko-Technik in Fahrzeugklassen anbieten zu können, in denen der Kunde gern den einen oder anderen Euro mehr ausgibt. Tatsächlich ist die Quote derer, die zu einem Hybrid-Auto greifen, bei allen deutschen Premium-Herstellern (Audi, BMW, Mercedes-Benz) so schlecht nicht. Wir sind gespannt, was passiert, wenn der Volkswagen Golf mit zusätzlichem Elektromotor zu haben ist.
Doch hier und jetzt geht es um die E-Klasse. Sie ist immer noch das Herzstück von Mercedes-Benz, und seit diesem Sommer haben die Stuttgarter endlich (neben der S-Klasse) auch in Sachen Hybrid etwas zu sagen: Denn statt der „konventionellen“ Lösung, einen Ottomotor mit einer E-Maschine zu verheiraten, wählen sie - ehrgeizig, wie sie nun mal sind - den schwierigeren Weg: Sie sehen einen Dieselmotor als schönere Braut. Das Triebwerk kommt aus dem E 250 CDI (2,2 Liter Hubraum, vier Zylinder, 150 kW/204 PS), es bietet ein schönes maximales Drehmoment von 500 Newtonmeter. Dazu kommt die elektrische Kraft aus einem Motor, der in die siebenstufige Automatik integriert ist. So gibt es weitere 20 kW (27 PS) und nochmals weitere 250 Nm Drehmoment.
Eine kleine Batterie mit großer Wirkung
Die Batterie zum E-Motor ist allerdings relativ klein, sie bunkert nur 0,8 kWh Energie, dafür nimmt sie auch wie die gesamte zusätzliche Technik kaum Platz weg. Der Lithium-Ionen-Akku (aus eigener Produktion) steckt im Motorraum, das zusätzliche Gewicht durch die Hybrid-Technik beträgt nur 100 Kilogramm. Einzige funktionale Einschränkung: Der Kofferraumboden steigt zur Rückbanklehne leicht an, das Volumen beträgt 505 statt 540 Liter, was immer noch mehr als ordentlich ist. Die Option, die Rückbanklehnen umklappen zu können, ist weiter gegeben. Übrigens, die E-Klasse ist zurzeit der einzige Hybride seiner Klasse, den es auch als Kombi gibt (T-Modell)
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Daimler wirbt für seinen Mercedes-Benz E-Hybrid mit plakativen 4,2 Liter Normverbrauch und einem CO2-Ausstoß von nur 109 g/km. (Im T-Modell sind es 4,4 Liter.) Wie so oft ist dieser Wert in der Praxis nicht zu erreichen, doch 6,9 Liter Verbrauch auf 100 Kilometer im Alltagseinsatz ohne großartige Sparbemühungen sind für so ein großes Auto aller Ehren wert.
Ein Auto, ganz Mercedes
Und das Auto fährt sich angenehm. Ganz Mercedes eben. Nach dem Dreh mit dem Zündschlüssel passiert in aller Regel erstmal nichts. Nur das Wörtchen „ready“ (startbereit) erscheint in der Anzeige. Wenn nicht zu viel „Gas“ gegeben wird, rollt der Benz lautlos elektrisch los, auch rückwärts wird in aller Regel elektrisch gefahren. Da staunt der nette Nachbar von nebenan beim morgendlichen Einsteigen in seinen 5er-BMW und fragt ungläubig: „Gibt jetzt auch schon einen elektrischen Mercedes?“ So etwas macht einfach Eindruck und ist eigentlich nicht mit Geld aufzuwiegen. Nie konnte ein konservativer Mercedes-Benz-Fahrer besser zeigen, dass er die Zeichen der Zeit erkannt hat.
Doch der Spaß ist schnell beendet. Bis maximal 35 km/h und höchstens einen Kilometer könne man rein elektrisch fahren, verspricht Mercedes-Benz. Doch in der Regel geht der Motor sofort an, sobald man schneller als Schrittgeschwindigkeit fährt. Dafür läuft die Dieselmaschine aber sanfter als im E 250 CDI. Die Hilfe des E-Motors macht es möglich, der Diesel muss sich nicht so sehr ins Zeug legen. Doch neben dem lautlosen Schleichen haben die Techniker der E-Klasse noch etwas beigebracht: Segeln.
Der mit dem Gefälle segelt
Hierbei geht es darum, dass bei Geschwindigkeiten von bis zu 160 km/h der Dieselmotor abgeschaltet wird, sobald man mit dem Fuß vom Gas geht. Dann rekuperiert der E-Motor und lädt die Batterie wieder auf. Dadurch verzögert der Wagen jedoch etwas. Wenn dies nicht gewünscht wird, kann der Fahrer das Segeln mittels Drücken am Schaltpaddel (das Plus muss es sein) bestimmen. Ein nochmaliges Ziehen entkoppelt den Motor vom Getriebe, es wird gerollt, ohne dass ein Tropfen Kraftstoff verbraucht wird. Vor allem auf Autobahnstücken mit leichtem Gefälle kann sich das lohnen. Start-Stopp hat der Wagen selbstverständlich auch, vor jeder roten Ampel wird also geschwiegen.
Das Schöne an dem Bluetec Hybrid ist, dass die Hybrid-Technik so charmant daherkommt. Die Kritik mancher Kollegen, das Bremspedal trete sich so indifferent, weil zunächst nur mit dem E-Motor „gebremst“ (und rekuperiert) wird, bevor die eigentlichen Bremsen zupacken, können wir nicht ganz nachvollziehen. Was den Verbrauchsvorteil gegenüber einem schlichten Diesel-Benz der gleichen Leistungsklasse ohne E-Motor angeht, darf man im Stadtverkehr auf einen Vorteil von bis zu zwei Liter auf 100 Kilometer für den E-Hybrid hoffen. Bei flotten Autobahnfahrten wird es aber kaum Unterschiede geben.
Das liegt in der Natur der Sache, alle Hybrid-Autos sparen am meisten in der Stadt. Überland ist da weniger drin. Hier erfreut man sich mehr an dem souveränen Auftritt des Mercedes, der in 7,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h sprinten kann. Und richtig schnell ist er auch: Mehr als 240 km/h Spitze sind möglich. Das muss aber nicht sein. Tacho 140 bei 2000 Umdrehungen in der Minute sind auch eine schöne Geschwindigkeit. Dann fährt man im siebten Gang der Automatik, die über einen Hebel rechts am Lenkrad befehligt wird. Daran muss man sich gewöhnen, wie an so manche E-Klasse-Eigenheiten wie den berühmten dicken Blinkerhebel links vom Lenkrad, der gleichzeitig auch für die Scheibenwischer zuständig ist. Zudem „blinkt“ man - solange man noch nicht an das Auto gewöhnt ist - mitunter mit dem Hebel für den Tempomaten, der ebenfalls auf der linken Seite sitzt. Das Fahrverhalten insgesamt ist tadellos.
Platz im Innenraum und Türen, die ärgern
Aber betrachtet man die E-Klasse allgemein im Konkurrenzumfeld, muss festgehalten werden, dass diese im Vergleich mit dem Audi A6 und dem 5er-BMW eindeutig den konservativsten Auftritt hat, das gilt für das kantige Außendesign ebenso wie für das blöckisch gestaltete Armaturenbrett. Platz ist aber reichlich vorhanden, sowohl vorn als auch auf der Rückbank. Wir erinnern uns noch an Zeiten, da ging es auf der Rückbank im E-Mercedes deutlich enger zu. Nichts geändert hat sich im Laufe der Jahre an den schlecht schließenden Türen, die man oft ein zweites Mal zuwerfen muss.
Ein immerwährendes Ärgernis ist die ewig lange Liste mit den Sonderausstattungen. Es tröstet wenig, dass das bei Audi und BMW inzwischen ebenso ist. Für fast 20 000 Euro waren im Testwagen Extras verbaut, da sollten doch die rund 3600 Euro, die der Hybrid mehr kostet, locker drin sein. Hauptsache, der Nachbar staunt, und wir fühlen uns wohl dabei.
Antrieb
Vierzylinder-Diesel mit Abgas-Turbolader, Common-Rail-Einspritzung, 2143 Kubikzentimeter Hubraum, E-Motor Leistung 140 kW (204 PS) bei 4200/min, dazu E-Motor mit 20 kW (27 PS) Höchstes Drehmoment 500 Nm bei 1600/min, 90 Prozent davon zwischen 1450 und 2500/min, E-Motor 250 Nm, Getriebeautomatik mit sieben Stufen, Antrieb auf die Hinterräder
Abmessungen
Länge/Breite/Höhe 4,87/1,85/1,47 Meter Radstand 2,87, Wendekreis 11,25 Meter Leergewicht 1845, zulässiges Gesamtgewicht 2390, Anhängerbetrieb nicht vorgesehen, Kofferraumvolumen 505 Liter Reifengröße 225/55 R16
Verbrauch
6,7 bis 7,2, im Durchschnitt 6,9 Liter Diesel je 100 km, 109 g/km CO2 bei Normverbrauch von 4,2 Liter; Euro 5, Tankinhalt 59 Liter
Geschwindigkeit
Höchstgeschwindigkeit 242 km/h, Von 0 auf 100 km/h in 7,6 s
Garantie
Zwei Jahre ohne Kilometerbegrenzung, 30 Jahre gegen Durchrostung bei regelmäßiger Inspektion. Wartung jährlich oder alle 25.000 Kilometer
Preis
Empfohlener Preis 51.795 Euro, Preis des Testwagens 70.910 Euro, Versicherungstypkl. HP 19, TK 28, VK 26
E-Klasse/Prius
beat marti (marbea)
- 29.09.2012, 21:00 Uhr
Deutsche Feigenblatt Hybride.
Daniel Jung (danesi)
- 27.09.2012, 15:26 Uhr
E-Klasse/Prius
klaus melzer (dotschn)
- 27.09.2012, 13:39 Uhr
Das Konzept ist durchaus interessant
Jupp Grüner (Erdenmond)
- 27.09.2012, 12:59 Uhr
Unbequeme Rücksitze
Martin Schwoerer (ms-ffm)
- 27.09.2012, 09:52 Uhr