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Fahrtbericht Mercedes-Benz Citan 108 CDI Viel Raum um wenig Charme

 ·  Der Mercedes-Benz Citan füllt als Lieferwagen und Kombi eine klaffende Lücke im Van-Angebot der Marke. Die Raumverhältnisse sind gewaltig, aber darin erschöpfen sich die Charaktereigenschaften des Derivats schon.

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© Mercedes Fahrtbericht: Mercedes-Benz Citan 108 CDI

Dem Stern zu folgen, ist nicht nur zur Adventszeit keine schlechte Sache. Doch bei diesem Fahrzeug strahlt der Stern nicht so hell. Der Kombi, der auch als Kastenwagen und in drei verschiedenen Fahrzeuglängen von 3,94 bis 4,71 Meter angeboten wird, trägt im Grunde seines Herzens den Rhombus. Er entsteht unter der Regie von Renault und nennt sich dort Kangoo.

Der Citan ist das erste Produkt aus der Liaison mit Renault, bei Mercedes-Benz war nach dem Auslauf des Vaneo eine Lücke im Programm. Der Kombi kostet, motorisiert mit dem 1,5-Liter-Basisdiesel, 20 646 Euro und ist die zurzeit billigste Art, einen Neuwagen- Bug mit einem (zu großen) Stern zu zieren. Eine A-Klasse kostet 3000, die B-Klasse fast 6000 Euro mehr.

Zweifel an der Clan-Zugehörigkeit sollen wohl nicht aufkommen, der massige Bug vermittelt Stärke. Doch wer die Silhouette betrachtet, vermisst eine eigene Linie, hier ist der Citan bis zur letzten Sicke identisch mit dem Kangoo. Auch die zu große Heckklappe entspricht der des französischen Transporters, einschließlich ihrer nicht gerade alltagstauglichen Bedienung. Schwer öffnet sie und bringt dennoch nicht den hervorstehenden Schließzapfen über die Gefahrenzone für Kopf und Stirn beim Beladen hinaus. Wer im Parkhaus rückwärts einparkt, muss meist nochmals rangieren, wenn er Taschen und Tüten im Kofferraum verstauen will. Das üppige Maß der Klappe führt schnell zum Kontakt mit Wand, Säule oder dem benachbarten Fahrzeug und behindert das vollständige Öffnen. Handlicher und praktischer sind die beiden Heckflügeltüren, die Mercedes-Benz zum Aufpreis von 180 Euro anbietet.

Zurrösen und Trenngitter sorgen für sicheres Verstauen

Ist die serienmäßige Klappe jedoch nach oben geschwungen, gibt sich der Laderaum, der nur den rechten Winkel kennt, gierig nach großen Koffern und anderem Stückgut. Mühelos lässt sich Sperrigstes verstauen, Zurrösen und Trenngitter sorgen für sicheres Verstauen. Der Boden des Gepäckabteils ist topfeben und mit ordentlichem Teppich bezogen, 685 Liter fasst es bei dachhoher Beladung. Das nicht ganz so einfache Umklappen der Rückbank steigert das Transportvermögen noch erheblich. Rechnerisch 3000 Liter passen in den Citan. Von der Schärfe der Preiskalkulation zeugt die Gepäckraumabdeckung, die mit 100 Euro extra bezahlt werden will. Immerhin ist sie solide und kann in zwei verschiedenen Ebenen als horizontale Trennung eingesetzt werden.

Die Aufpreisstrategie setzt sich am Fahrerplatz fort. Die weichen Sitze sind zwar komfortabel und lassen sich hinreichend genau einstellen, wenn der Chauffeur Normmaße hat. Kleinere Fahrer, die eine Höhenverstellung wünschen, müssen weitere 100 Euro investieren. Dann blicken sie auf ein aufgeräumtes Armaturenbrett im Mercedes-Stil, das mit großen Rundinstrumenten und einem weiteren Stern auf dem Pralltopf des Lederlenkrads glauben macht, man sitze tatsächlich in einem Kombi der Premium-Klasse. Solange die neugierigen Finger nicht das Material prüfen, das für die Einbauten gewählt wurde, die jenseits des direkten Zugriffsbereichs liegen. Die Türverkleidungen und Handschuhfachdeckel aus Hartplastik mögen für den Einsatz des Citan auf der Baustelle taugen, Wohlgefühl erzeugen sie nicht.

Fleißiges Schalten tut not

Der Vierzylinder-Diesel des Citan 108 CDI wird konventionell mit einem ebenfalls im Mercedes-Stil geformten Schlüssel gestartet. Bei Leerlaufdrehzahl schnurrt er sanft und leise. 55 kW (75 PS) liefert die Maschine, das lässt keine großen Erwartungen an Sprintvermögen und Durchzugsstärke aufkommen. Dennoch überrascht der Selbstzünder mit einem guten Antritt. Zwar vergehen lange 17,7 Sekunden, bis die 100-km/h-Marke aus dem Stand erreicht ist. Im Stadtverkehr jedoch bleiben Wünsche nach Mehrleistung aus. Erst auf der Landstraße setzt die Motorkraft flinken Überholvorgängen Grenzen, geduldig muss sein, wer sicher am langsameren Vordermann vorbeikommen will. 180 Newtonmeter liefert der Diesel zwischen 1750 und 2500 Umdrehungen in der Minute, auf die serienmäßige Traktionskontrolle könnte man bei trockener Fahrbahn leicht verzichten. Fleißiges Schalten tut not, um den Citan an Steigungen in Schwung zu halten und um nicht am Ende auf der Autobahn hinter den noch langsameren Lastwagen zu stranden. Besonders gefällt dabei die leichtgängige und genaue Schaltung. Der knappe Hebel, der sich wie ein Joystick gleich am Armaturenbrett findet, lässt sich mit knappen Bewegungen flink und präzise in die gewünschte Stellung bewegen. Ein automatisches Getriebe, und das kann für manchen ein kaufentscheidender Grund sein, wird für den Citan nicht angeboten.

Nur der Benzinmotor im Citan wird ab Werk mit einer Start-Stopp-Automatik ausgerüstet, in allen Diesel-Varianten werden für das Blue-Efficiency-Paket, mit dem unser Testwagen bestückt war, 380 Euro Aufpreis fällig. Dank der verbrauchssenkenden Maßnahmen (unter anderem Leichtlaufreifen) ist der 1,5-Liter-Selbstzünder, der das schwächste Angebot aus drei Leistungsklassen ist, hinreichend sparsam. 6,2 Liter Diesel für hundert Kilometer als Durchschnittskonsum mögen keine Meisterleistung sein, gehen aber in Anbetracht der Größe des Fahrzeugs in Ordnung. Der Minimalverbrauch lag bei 5,1 Liter, schon dieser Wert übersteigt die normierte Herstellerangabe um 0,8 Liter.

Sportliche Gene erwartet wohl keiner wirklich von einem Großraum-Kombi mit üppigem Laderaum. Allerdings offenbart das von Mercedes-Benz zwar überarbeitete, aber immer noch schwammige Kangoo-Fahrwerk in Kurven deutliche Defizite. Während die ordentliche Lenkung die unangenehmsten Auswirkungen noch zu verdecken mag, gewinnt die Federung keinen Blumenstrauß in der Disziplin Fahrdynamik. Mit großer Seitenneigung der Karosserie nimmt der Citan selbst nicht überaus scharf genommene Kurven. Geht es geradeaus, ist Seitenwind der unangenehmste Begleiter und veranlasst den frontgetriebenen Kombi zu manchem Schlenker. Zuladung macht die Sache nicht besser, einzig der Komfort, den die weichen Federn und Dämpfer bieten, versöhnt die Passagiere auf der Langstrecke. Gut aufgehoben ist ohnehin jeder an Bord. Vorn herrscht in keiner Richtung Raummangel, in den kaum knapper geschnittenen Fond gelangen die Mitfahrer mühelos dank zweier Schiebetüren, die rechte ist immer dabei, die linke kostet 357 Euro Aufpreis.

Der Citan erweitert das Sortiment von Mercedes-Benz sinnvoll, bereichern wäre zu viel gesagt. Zu weit entfernt vom Premium-Gedanken rollt der Kombi auf das anspruchsvolle Parkett der Sternen-Welt. Das mag dem gewerblichen Nutzer egal sein, dem preisbewussten Familienvater aber vielleicht doch nicht. Er wird eher gleich den Renault Kangoo wählen, den gibt es fast zum gleichen Preis, aber mit 11 kW (15 PS) mehr.

Nächste Woche: Honda CR-V 2.2 D

Daten und Messwerte

Empfohlener Preis 20 646 Euro

Preis des Testwagens 23 975 Euro

Vierzylinder-Dieselmotor mit Abgas- Turbolader, vier Ventile je Zylinder, 1461 Kubikzentimeter Hubraum Leistung 55 kW (75 PS) bei 4000/min

Höchstes Drehmoment 180 Nm bei 1750/min, 90 Prozent davon ab 1500 bis 2800/min

Manuelles Fünfganggetriebe

Antrieb auf die Vorderräder

Länge/Breite/Höhe 4,32/14/1,81 Meter

Radstand 2,7, Wendekreis 11,3 Meter

Leergewicht 1410, zulässiges Gesamtgewicht 1980, Anhängelast 1050 Kilogramm, Kofferraumvolumen 685 bis 3000 Liter

Reifengröße 195/ R 15 91T

Höchstgeschwindigkeit 153 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 17,7 s; von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang in 15,9/23,6 s

Verbrauch 5,1 bis 7,2, im Durchschnitt 6,2 Liter Diesel je 100 km; 112 g/km CO2 bei Normverbrauch von 4,3 Liter; Tankinhalt 60 Liter

Versicherungs-Typkl. HP 20, TK 18, VK 18

Garantie Zwei Jahre, 12 Jahre gegen Durchrosten bei regelmäßiger Inspektion, Wartung alle 2 Jahre oder alle 40 000 km

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