Der Traum vom Fliegen scheint Autobauer mehr denn je zu beflügeln. Immer öfter wird bei Neuerscheinungen das Design der Aeronautik bemüht, jüngstes Beispiel ist der Honda Civic, den seine Väter gar als eine Ableitung vom „Nurflügel-Flugzeug“ sehen.
Neben zwei Benzin-Motoren mit 1,4 oder 1,8 Liter Hubraum ist ein 110 kW (150 PS) starker 2,2-Liter-Dieselmotor im Angebot. Damit ausgerüstet, kostet der knuffige Civic 25.800 Euro.
Design
Das Design des 4,30 Meter langen Viertürers wirkt futuristisch. Ein tiefer Bug mit der traditionsgemäß breiten Kühlermaske macht die Front aggressiv, die wuchtigen Kotflügel sind tief angesetzt, die Frontscheibe liegt sehr schräg im Wind.
In Richtung Heck mäßigt sich die Gestalt des japanischen Kompaktsportlers. Einzig die wuchtigen Rückleuchten, die eine schmale Strebe am geteilten Rückfenster optisch miteinander verbindet, fallen auf. Sie sollen die Funktion eines Spoilers übernehmen und bei schneller Fahrt mehr Druck auf die Räder bringen.
Luftwiderstand
Ohnehin ist der Civic ein Meister der Aerodynamik, mit einem Luftwiderstandsbeiwert von 0,27 cW gehört er zu den Klassenbesten, ein verschließbarer Lufteinlass vorne und der verkleidete Unterboden machen ihn im Fahrtwind geschmeidig. Was nicht nur gut für niedrigen Verbrauch ist, sondern auch gegen übertrieben laute Fahrgeräusche wirkt.
Verarbeitung
Der Innenraum ist funktional, allerdings fehlt ihm charmante Eleganz. Verkleidungen und Bezüge machen keinen besonders hochwertigen Eindruck, auch die Polsterstoffe der Sitze wollen nicht recht gefallen.
Instrumente
Die Zweiteilung der Schalttafel (wieder eine Anleihe aus dem Flugzeugbau) macht das Cockpit unruhig; während Drehzahl, Kraftstoffvorrat und Motortemperatur mit konventionellen Rundinstrumenten direkt hinter dem Lederlenkrad angezeigt werden, gibt es die Informationen zu Geschwindigkeit in digitaler Darstellung und die Auskünfte des Bordcomputers in einem streifenförmigen Monitor in einer zweiten, weiter vorne positionierten Ebene. Was das schnelle Ablesen der relevanten Daten nicht eben erleichtert.
Erfreulich dagegen ist die klare Kennzeichnung der verschiedenen Bedienungselemente, auf Anhieb geben sie ihre Funktionen zu erkennen und geben dem Neueinsteiger im Civic keine Rätsel auf.
Sitze
Die Sitze bieten guten Seitenhalt und anständigen Reisekomfort auf der Langstrecke. Wirklich sympathisch werden sie jedoch erst in der zweiten Reihe. Hier hat Honda das clevere Kinosessel-Konzept beibehalten, das ein Hochklappen der Sitzflächen gegen die Fahrtrichtung erlaubt. Der Vorteil ist eine variable Konfiguration für alle Transportaufgaben, ob Yucca-Palme oder Mountainbike, so manches lässt sich in aufrechter Haltung hinter den beiden Vordersitzen bequem einladen und sicher transportieren. Passagiere finden auf der Rückbank allemal genügend Raum.
Kofferraum
Der Kofferraum hat ebenfalls ein stattliches Raummaß. 477 Liter passen hinein, wenn man das großzügige Fach unter dem Laderaumboden addiert, das Gepäck muss allerdings über eine hohe Ladekante gehievt werden, die etwas höher als bei anderen liegt. Insgesamt kann der Civic-Fahrer 1378 Liter einpacken, das Umklappen der Rücksitze geht schnell und einfach.
Motor
Als kräftiger Bursche erweist sich der Vierzylinder-Diesel des Civic. Stärker als der Vorgänger ist er geworden, bietet mehr Drehmoment und übt sich gleichzeitig im Konsumverzicht.
Leistung
Hellwach und konzentriert wartet er auf den Leistungsabruf, klingt dabei niemals angestrengt und schon gar nicht wie ein Sparmeister. 350Newtonmeter Drehmoment stehen als Spitzenwert bereit, zwar erst bei 2000Umdrehungen in der Minute, doch schon bei etwa 1600/min spannt die Maschine ihre Muskeln.
Wer es möchte, kann den 1440 Kilogramm wiegenden Civic, der trotz reichhaltiger Zusatzausstattung nicht nennenswert schwerer ist, als der Hersteller angibt, in 8,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen, 217km/h zeigt der Tacho bei Höchstgeschwindigkeit.
Verbrauch
Bei gemischt munterer Fahrt verbraucht er in Verbindung mit dem wunderbar leicht und genau zu schaltenden Sechsganggetriebe 5,4 Liter Diesel auf 100 Kilometer, was wirklich ein sehr anständiger Wert ist. Für geringeren Verbrauch ist eine Start-Stopp-Automatik an Bord, die den Motor zuverlässig im rechten Moment abstellt und ihn ohne großes Rütteln wieder zum Leben erweckt, wenn der Fahrer auf das Kupplungspedal tritt.
Außerdem kann der Verbrauch mit dem Druck auf die Econ-Taste weiter gesenkt werden. Dann geht die Klimatisierung in den Sparmodus, die Schaltanzeige fordert zum früheren Hochschalten auf, und an der Schalttafel leuchtet ein grünes Bäumchen auf. Damit erschöpfen sich die Lichtspiele freilich nicht. Im Econ-Betrieb wechseln die einrahmenden Straßensymbole links und rechts der Tempoanzeige ihre Farbe von Blau (wenn Leistung gefordert wird) zu Grün (wenn der Civic mit wenig Gas dahingleitet).
Fahrverhalten
Der Civic liegt auch bei höherem Tempo satt auf der Straße, der Geradeauslauf gehört zur Riege der Unbeirrbaren, Kurven lassen sich mit dem frontgetriebenen Honda schwungvoll nehmen, obwohl seine Lenkung aus vergangenen Generationen der Baureihe als präziser in Erinnerung ist.
Etwas teigig fühlt sich der Kontakt zur Straße bisweilen an, dafür schont die angenehme Federung Nerven und Wirbelsäulen der Mitfahrer, über lange Distanzen hinweg bringt der komfortable Kompaktwagen seine Insassen entspannt ans Ziel.
Karosserie
In der Stadt erweist sich die Karosserie als äußerst unübersichtlich, den vom Heckspoiler eingeschränkten Rückblick können nur Parkpilot und Rückfahrkamera etwas verbessern. Da der günstige Verbrauch des Diesels nicht zuletzt mit sehr lang ausgelegten Getriebeübersetzungen erkauft wird, ist häufiges Schalten gefragt, wenn der Wagen in einer gelungenen Mischung aus Spurtvermögen und Treibstoffökonomie bewegt werden soll.
Und die hübsche Einrichtung eines Tankstutzens, der ohne separaten Deckel auskommt, weil ihn der Tankdeckel automatisch verschließt, scheitert an einem an falscher Stelle plazierten Überlauf. Selbst bei einer frühzeitig abschaltenden Zapfpistole gluckert das schmierige Öl über den Rand des Stutzens und rinnt durch den Überlauf auf die Straße. Das ist keine adäquate Lösung bei den heutigen Anforderungen an den Umweltschutz und hohen Kraftstoffpreisen.
Fazit
So ist aus dem Civic in seiner Neuauflage ein nicht durchweg begeisterndes Automobil geworden. Durchaus fahraktiv und dennoch komfortabel, mit einem ebenso sparsamen wie durchzugskräftigen Motor gefällt er auf Überlandfahrten und sorgt für Spaß am Lenkrad. Im Alltagsverkehr und in der Stadt überzeugt er trotz des variablen Innenraums indes nur mäßig. Der Honda wird wohl eine Spezialität für Individualisten bleiben, nicht nur aufgrund seiner polarisierenden Gestalt.
Nächste Woche: Audi A1 2.0 TDI Sportback
Empfohlener Preis 25.800 Euro
Preis des Testwagens 28.250 Euro
Vierzylinder-Dieselmotor, Turboaufladung, vier Ventile je Zylinder
Hubraum 2199 Kubikzentimeter
Leistung 110 kW (150 PS) bei 4000/min
Höchstes Drehmoment 350 Nm bei 2000/min, 90 Prozent davon ab 1700 bis 3800/min
Manuelles Sechsganggetriebe
Antrieb auf die Vorderräder
Länge/Breite/Höhe 4,30/1,77/1,47 Meter
Radstand 2,6, Wendekreis 11,6 Meter
Leergewicht 1423, tatsächlich 1440, zulässiges Gesamtgewicht 1910, Anhängelast 1500 Kilogramm, Kofferraumvolumen 477 bis 1378 Liter
Reifengröße 225/45 R 17 89 V
Höchstgeschwindigkeit 217 km/h
Von 0 auf 100 km/h in 8,3 s; von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang in 9,5/15,4 s
Verbrauch 4,3 bis 6,6, im Durchschnitt 5,4 Liter Diesel je 100 km; 110 g/km CO2 bei Normverbrauch 4,2 Liter; 50 Liter-Tank
Garantie drei Jahre oder 100.000 km, fünf Jahre gegen Rost für bestimmte Bauteile. Zwölf Jahre gegen Rost für die Karosserie und tragende Teile
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