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Fahrtbericht VW Polo Die Basis stärkt den Charakter

18.03.2010 ·  Der aktuelle VW Polo ist größer als der erste Golf. Und in der Basisversion ähnlich motorisiert. Er versteht es trotzdem, mehr zu bieten als Transport, denn der Motor zieht kräftig durch und der Innenraum ist klar und aufgeräumt.

Von Michael Kirchberger
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Bei den Ballsportarten ist VW auf Erfolg programmiert. Mit dem Golf verbinden Millionen von Menschen Mobilität. Der Polo ist beileibe nicht so elitär wie sein Name es vermuten ließe, er stellt heute das dar, was früher etwa Käfer und Kadett waren. Aber der nach dem Brasilien-Import Fox zurzeit kleinste VW ist gewachsen.

Er muss Platz schaffen für neue Kleinwagen (Stichwort up!), welche die Marke in naher Zukunft auf die Straßen bringen wird. Grundsätzlich erwartete Tugenden hat der Polo deswegen nicht verloren. Er ist, besonders in den Basisversionen, ein Auto der Vernunft, bietet dazu eine hohe Materialqualität und außerdem eine Form, die von Charakterstärke zeugt. 12.150 Euro kostet die viertürige Version des Kleinwagens mit dem Basismotor, einem 44 kW (60 PS) starken 1,2-Liter-Dreizylinder.

Design
Der Polo hat ein nettes Gesicht und lächelt nicht übertrieben niedlich in die Welt. Er zeigt stramme Flanken, eine gelungene Verteilung der Proportionen und ein gutes Stück jener fast klinischen Sterilität, die bestens gegen vorzeitiges Altern schützt.

Innenraum
Die klare Aussage setzt sich innen fort. Das Armaturenbrett ist ordentlich aufgeräumt, vielleicht fühlt es sich ein wenig hart an beim Zupacken. Die beiden Rundinstrumente trennt die Multifunktionsanzeige, in klaren weißen Symbolen und Zahlen werden hier die Informationen über Treibstoffvorrat, Außentemperatur und Wegstrecken vermittelt. Auf eine Temperaturanzeige des Kühlmittels verzichtet VW. Die Skalen von Tacho und Drehzahlmesser sind einwandfrei ablesbar und fein gegliedert.

Die Bedienung fällt leicht, zumal die Primär-Funktionen auf wenige Schalter und Tasten konzentriert sind. In der Mittelkonsole finden sich ein Radio sowie die Knöpfe für die Heckscheibenheizung und die Deaktivierung des serienmäßigen ESP. Das war es dann auch schon, im Basis-Polo fällt es leicht, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Raumangebot
Die Sitze sind straff wie ein Wadelstrumpf und bieten guten Seitenhalt. Eine passende Position ist schnell gefunden, für beide Vordersitze gibt es eine Höhenverstellung, das Lenkrad lässt sich zudem vertikal und axial verstellen. Ablagen sind in angemessener Form vorhanden, unterhalb der Mittelkonsole verbirgt sich ein sehr hilfreiche, ins Handschuhfach passt eine umfangreiche CD-Sammlung. Unter den Sitzen finden sich Schubladen für Eiskratzer oder Warnwesten, die Türtaschen fassen Ein-Liter-Flaschen.

Vorn sitzt ein Durchschnittsmensch sehr komfortabel, hinten, sofern kein Riese am Volant Platz genommen hat, reicht der Platz für zwei ganz ordentlich. Der Ein- und Ausstieg in den Fond gelingt mühelos, die eigenen Pforten für die Hinterbänkler kosten aber 735 Euro Aufpreis. Genügend Raum für die Knie ist da, leiden müssen große Menschen, denn deren Köpfe gehen schnell auf Tuchfühlung mit dem Dachhimmel.

Kofferraum
Umständlich gestaltet sich das Umklappen der Rückbank. Sie ist in der Basisversion des Polo einteilig ausgeführt, das erschwert die Entriegelung, die auf beiden Seiten mit einigem Kraftaufwand erfolgen muss. Auch das Hochklappen der Sitzfläche ist keine einfache Aufgabe, am besten belässt man sie an ihrem Platz, denn der Aufstellmechanismus macht einen labilen Eindruck, und eben wird die Ladefläche nicht.

Motor
Der überarbeitete Dreizylindermotor geht immer etwas knurrig, aber doch mit viel Engagement ans Werk. Er überrascht mit erheblicher Durchzugsstärke, die man dem kleinen Kerl gar nicht zutraut. Beim Ampelsprint braucht er den Wettbewerb mit kräftiger motorisierten Konkurrenten nicht zu scheuen, er gibt seinem Fahrer immer das gute Gefühl, souverän im Verkehrsstrom mitzuschwimmen. Bis etwa 3800 Umdrehungen in der Minute spannt er die Muskeln und treibt den Polo recht fesch voran, danach verliert er die Lust auf Drehzahl.

Die Höchstgeschwindigkeit von 157 km/h lässt sich nur mit einiger Geduld erreichen, aber der kleine Volkswagen will ja kein Tempo-Athlet sein. Die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h ist ihm am liebsten, dann räuspert sich das Zylinder-Trio höchst manierlich, der Fahrtwind strömt ohnehin nur mäßig rauschend an der windschnittigen Karosserie (cW-Wert 0,32) entlang. Die Zurücknahme des Gaspedals auf „halbe Kraft voraus“ reduziert weniger die Geschwindigkeit als das Geräuschniveau. Ein krähender Nörgler ist der Dreizylinder aber in keinem Drehzahlbereich.

Verbrauch
Aber er ist dankenswerterweise ein Spritknauser. Wer das Gaspedal mit nur ein wenig Sanftmut behandelt, der ist mit kaum mehr als 4,9 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer unterwegs. Dieser Wert liegt zwar einen großen Schoppen über dem offiziellen Minimalverbrauch (4,5 Liter), er lässt sich jedoch ohne Anstrengungen erzielen. Der Durchschnitt von 5,8 Liter ist gewiss nicht als ausgesprochen günstig zu bezeichnen, häufiges Beschleunigen oder Expressfahrten in der Nähe der Höchstgeschwindigkeit treiben das Mittel nach oben.

Den Spitzenwert beim Konsum leistete sich der Polo mit immerhin 7,6 Liter Treibstoff für 100 Kilometer und kommt damit an deutlich kräftigere Automobile heran. Aber vielleicht liegt der erhöhte Durst am überraschend hohen Leergewicht unseres Probanden, der trotz vergleichsweise geringer Mehrausstattung deutlich schwerer war als vom Hersteller versprochen.

Getriebe und Lenkung
Der Fahrfreude tut dies keinen Abbruch, wer sich mit den verhaltenen Fahrleistungen des kleinen VW angefreundet hat, kann mit ihm fein über die Landstraße schnurren. Ein ordentlich zu schaltendes Fünfganggetriebe, die direkte Lenkung, die beweist, dass elektromechanische Unterstützungen nicht die schlechteste Wahl sind, und ein tadelloses Fahrverhalten schaffen die Voraussetzungen für vergnügte Ausfahrten.

Beim Chauffeur führt das gelegentlich zu Übermut, und wenn die Kurve mit Präzision und Bravour gemeistert wurde, fühlt er sich fast ertappt, schaltet schnell einen Gang nach oben und lässt den Polo rollen. Man sitzt schließlich in der Basisversion eines Kleinwagens.

Fahrverhalten
Und selbst diese hat ein ESP als Kontrolleur der Fahrdynamik serienmäßig an Bord, es greift sanft und angemessen ein, wenn den Rädern die Traktion verlorengeht. Die Bremsen, mit ABS und elektronischem Assistenten ausgerüstet, lassen sich vorzüglich dosieren, sprechen weich und angenehm an, die Trommelbremsen an den Hinterrädern sind eine ebenso wirksame wie taugliche Lösung zur Kostensenkung.

Das stramme Fahrverhalten erkauft sich der Polo freilich mit einer gerade noch komfortablen Federung. Die ist ebenso wie die Stoßdämpfer eher hart ausgelegt, und eine Fahrt über die Frostaufbrüche des Winters lässt den Mensch am Volant hoffen, die Schäden mögen bald behoben werden.

Ausstattung
Bei der Ausstattung orientiert sich der Polo am Standard höherer Ligen. Tagfahrlicht etwa gehört zum Basisprogramm, ebenso wie der Berganfahrassistent, dem es beim Rangieren auf den schiefen Ebenen des Parkdecks allerdings ein wenig an Feingefühl mangelt. Der Zentralverriegelung der Trendline-Version fehlt die Fernbedienung, dafür soll eine kleine Leuchte im Schlüssel beim Finden des Türschlosses helfen.

Extra zu zahlen waren außer den Fondtüren das Radio (475 Euro), Fond- und Seitenairbags (465), die Sonderfarbe „Tornadorot“ (150) und die Raucherausführung mit Aschenbecher und Anzünder (20).

Fazit
Unser Polo kam so auf einen Kaufpreis von fast 14.000 Euro. Er machte aber einen höchst soliden Eindruck, weckte Vertrauen, offerierte mehr als nur Basismobilität. Der Spaß-Faktor auf unseren Touren war gegeben. Zumindest, wenn wir es nicht allzu eilig hatten.

Daten und Messwerte

Empfohlener Preis 12.150 Euro
Preis des Testwagens 13.975 Euro

Dreizylinder-Benzinmotor, vier Ventile je Zylinder, 1186 Kubikzentimeter Hubraum

Leistung 44 kW (60 PS) bei 5200/min

Höchstes Drehmoment 108 Nm bei 3000/min, 90 Prozent davon ab 2400 bis 3900/min

Manuelles Fünfganggetriebe

Antrieb auf die Vorderräder

Länge/Breite/Höhe 3,97/1,68/1,62 Meter

Radstand 2,47, Wendekreis 10,6 Meter

Leergewicht 917 (tatsächlich 1010) zulässiges Gesamtgewicht 1550, Anhängelast 800 Kilogramm, Kofferraumvolumen 280 bis 952 Liter

Reifengröße 175/70 R 14 84 T

Höchstgeschwindigkeit 157 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 16,1 s; von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang in 14,1/21,8 s

Verbrauch 4,9 bis 7,6, im Durchschnitt 5,8 Liter Superbenzin je 100 km; 128 g/km CO2 bei Normverbrauch von 5,5 Liter; Tankinhalt 45 Liter

Versicherungs-Typklassen HP 16, TK 15, VK 13

Garantie 2 Jahre ohne Kilometerbegrenzung, 3 Jahre auf den Lack, 12 Jahre gegen Karosseriedurchrostung, Mobilitätsgarantie, Inspektionsintervall nach Serviceanzeige

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