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Fahrtbericht VW Golf Variant Der Bestseller als Transport-Variante

31.08.2010 ·  Der Variant ist der Lademeister in der Golf-Familie. Dass er länger ist, merkt man, wenn es um den Transport im Alltag geht und beim Design wirkt sich der Zuwachs positiv aus. Schade nur, dass der Kombi so langsam in die Gänge kommt.

Von Michael Kirchberger
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Als Kombi heißt der VW Golf Variant. Das war schon immer so und kommt beim puristischen Kombi-Kunden gut an. Für ihn zählen Funktionalität und Transportvolumen. Vielleicht noch Anhängelast dazu, sportliche Ambitionen hat er selten.

Daher stellt die Grundversion des Golf mit großem Laderaum den Löwenanteil im Verkauf. Der Vierzylinder-Benziner im 18.700 Euro teuren Einstiegsmodell leistet 59 kW (80 PS), moderner als der 1,4-Liter-Basismotor sind die TSI-Maschinen mit 1,2 Liter Hubraum, die in den Leistungsstufen 63 (85 PS) und 77 kW (105 PS) angeboten werden. Die 1,4-Liter-Benziner mit 90 und 118 kW (122 und 160 PS) existieren fast in der Exoten-Abteilung. Im Selbstzünderregal finden sich der 1,6-Liter-Diesel mit 77 kW (105 PS) sowie ein Zweiliter-TDI mit 103 kW (140 PS).

Design
Auf stolze 4,53 Meter streckt sich der Variant für mehr Ladekapazität in die Länge, das sind gut 40 Zentimeter mehr als beim Schrägheck-Golf. Deshalb wirkt der Kombi unerwartet elegant, das opulente Heck schiebt ihn vielmehr optisch an, das beschert ihm Eigenständigkeit und die VW-Merkmale.

Verarbeitung
Der Innenraum besticht mit der von der sechsten Generation des Bestsellers aus Niedersachsen gewohnten Wertigkeit. Selbst die Basisausstattung Trendline wirkt gediegen. Tadellos verarbeitet ist sie sowieso. Das Armaturenbrett mit einem angenehm griffigen Kunststoff und den ebenso logisch wie übersichtlich angeordneten Bedieneinheiten bedarf keiner Erklärung.

Ablagen
Staumöglichkeiten finden sich in großer Zahl, zumindest dann, wenn das Ablagepaket für 135 Euro mitbestellt wurde. Das Handschuhfach kann von der serienmäßigen, aber manuell zu regulierenden Klimaanlage gekühlt werden, die Türtaschen haben ein sehr angemessenes Format, und auf der Konsole zwischen den Sitzen warten gleich mehrere Fächer auf Beladung.

Platzangebot
Im Fond herrscht reichlich Platz, auch wenn vorne große Menschen sitzen bleibt Raum für Knie und Füße. Dahinter schließt der Frachtraum an, der 505 Liter bei Beladung bis zur Fensterunterkante und Nutzung aller fünf Sitzplätze an Bord aufweist. Das Umklappen der serienmäßig asymmetrisch geteilten Rücksitzbank führt zur Volumensteigerung auf 1495 Liter; wenn statt des Notrades ein Pannenset mit Dichtmittel und Kompressor unter dem Kofferraumboden liegt, können noch mal 55 Liter addiert werden. Bis zu den Vordersitzlehnen ist die Ladefläche 1,7 Meter lang. Wer die bei den Ausstattungen Comfortline und Highline serienmäßig anwesende, sonst 165 teure klappbare Beifahrersitzlehne nach vorne umlegt, kann bis zu 2,70 Meter langes Transportgut in den Variant einladen.

Das Umklappen der Rücksitzlehnen führt noch nicht zu einer ebenen Ladefläche. Hierzu müssen die Sitzflächen in die Senkrechte gestellt werden, was erst nach dem steileren Justieren der vorderen Lehnen gelingt. Wenn das Ladeabteil jedoch hergerichtet ist, bietet es beste Voraussetzungen für umfangreichen und sicheren Transport.

Die solide Netztrennwand (160 Euro) kann in zwei unterschiedlichen Positionen befestigt werden, je nachdem, ob zwei oder bis zu fünf Mitfahrer an Bord sind. Für das maximale Stauvolumen wird sie pfiffig und leichtgängig an Riegeln befestigt, die ihr an den umgeklappten Rücksitzlehnen sicheren Halt geben. Vier Zurr-Ösen helfen obendrein, schwere Fracht zu befestigen. Die Nutzlast von fast 600 Kilogramm erlaubt beinahe Schwertransporte.

Fahrverhalten
Die Sitze taugen für längere Fahrten, sie bieten obendrein guten Seitenhalt. Den braucht man schon, denn zumindest in der Disziplin Kurvenfahrten steht der Variant seinem Schrägheckbruder nicht viel nach. Allein bei voller Beladung wird das Fahrverhalten behäbiger, das Heck drängt in den Biegungen nach außen, bleibt aber stets kontrolliert auf eingeschlagenem Kurs. Die Federung ist dann ebenfalls weicher und spricht sehr viel feinfühliger als im unbeladenen Zustand an. Gleichwohl ist der nur mit leichter Last beladene Golf Variant nicht wirklich unkomfortabel.

Motor
Mit dem Basisdiesel ist der rund 1,4 Tonnen wiegende Kombi ausreichend motorisiert. Besonders leise arbeitet der Selbstzünder nicht, aber er legt eine erstaunliche Durchzugskraft an den Tag, wenn er bei Laune gehalten wird. Die stellt sich bei ihm jenseits von 1400 Umdrehungen in der Minute ein, dann liegen bereits 90 Prozent des Drehmoment-Maximums von 250 Newtonmeter an.

Zügig gewinnt der frontgetriebene Kombi dann an Fahrt. Wer jedoch der serienmäßigen Schaltempfehlung folgt, bewegt den Variant oft mit weniger als 1400/min. Bei 50 km/h im fünften Gang dreht der Motor gerade mal 800/min. Das senkt den Verbrauch, steigert aber den dumpfen Motorlärm, der klingt, als würde sich die Maschine schwer anstrengen.

Die Agilität bleibt dabei auf der Strecke, mühsam quält sich der Diesel aus dem Drehzahlkeller hoch, die langen Beschleunigungszeiten von 50 auf 100 km/h im vierten und fünften Gang zeugen davon. Immerhin schafft der Kombi-Golf gut 190 km/h Spitze, die Tachonadel gaukelt dann mehr als 200 km/h vor, flott genug ist dieses Tempo jedoch allemal.

Verbrauch
Beim Verbrauch kommen die Getriebeübersetzung und die Genügsamkeit des Diesel zum Tragen. Die im Vergleich zum Zweiliter-Diesel geringere Schwungmasse erfordert beim Anfahren zwar einen beherzteren Druck aufs Gas, sonst stirbt der Motor unversehens ab, beim Konsumverzicht lässt sich der kleine Selbstzünder auch im schwerbeladenen Kombi nicht aus der Ruhe bringen.

Ohne fahrerische Anstrengung kann er mit wenig mehr als vier Liter Diesel 100 Kilometer weit fahren; selbst bei häufiger Nutzung der Höchstgeschwindigkeit steigt der Verbrauch nicht über sieben Liter. Dennoch wäre ein Start-Stopp-System angemessen, das nicht nur den Konsum, sondern auch das Motorgeräusch beim Halten auf null reduzieren würde.

Getriebe
Das manuelle Fünfganggetriebe unterstützt den Fahrer nicht nur im Bemühen um niedrige Drehzahlen, es lässt sich mustergültig leicht und genau schalten. Ob die verbrauchssenkenden Übersetzungen für den Anhängerbetrieb taugen, wissen wir noch nicht.

Anhängelast und Lenkung
Immerhin gestattet VW dem Golf Variant 1400 Kilogramm bis 12 Prozent Steigung und mit einem Trick sogar 1700 Kilogramm, wenn sich der Fahrer im Gespannbetrieb mit acht Prozent Steigung begnügt. Die Lenkung vermittelt einen guten Kontakt zur Straße, und die Bremsen verzögern die Fuhre zuverlässig, allerdings begleitet von leichtem Rubbeln, das sich beim Tritt aufs Pedal bei hohem Tempo einstellt.

Preise
Technisch und formal orientiert sich VW gerne an Premium-Ansprüchen. Das schlägt sich leider auch in der Preisgestaltung nieder. So sind zusätzlich zum Grundpreis von 22.700 Euro noch eine ganze Reihe Extras zu bezahlen, wenn der Variant fit für die Reise sowie für die Ansprüche an Auftritt und Komfort gemacht werden soll.

Zu nennen wären da das Navigationssystem für 1140 Euro, die Metallic-Lackierung für 640 Euro und ein Anschluss für externe Speichermedien an das serienmäßige Radio für satte 170 Euro. Die Reifendruck-Kontrolle schlägt da mit 54 Euro vergleichsweise moderat zu Buche, ebenso wie die 250 Euro kostende, sehr sinnvolle 230-Volt-Steckdose samt Umformer, die Strom für die Ladegeräte von Handys oder Computern bereitstellt. Wieso aber das Winterpaket 405 Euro kostet, Nebelscheinwerfer aber mit 180 Euro noch extra bezahlt werden müssen, erschließt sich nicht.

Fazit
Gleichwohl bietet der Golf Variant neben hinreichender Agilität und spürbarem Fahrspaß große Möglichkeiten zum Sparen und Transportieren. Eigenschaften, die im Alltag und beim gewerblichen Einsatz durchaus schätzenswert sind.

Daten und Messwerte

Empfohlener Preis 22.700 Euro
Preis des Testwagens 28.855 Euro

Vierzylinder-Dieselmotor, vier Ventile je Zylinder, 1598 Kubikzentimeter Hubraum

Leistung 77 kW (105 PS) bei 4400/min

Höchstes Drehmoment 250 Nm bei 1500/min, 90 Prozent davon ab 1400 bis 3800/min

Manuelles Fünfganggetriebe (Automatik gegen Aufpreis)

Antrieb auf die Vorderräder

Länge/Breite/Höhe 4,53/1,78/1,5 Meter

Radstand 2,58, Wendekreis 10,9 Meter

Leergewicht 1370 (tatsächlich 1440) zulässiges Gesamtgewicht 1980, Anhängelast 1400/1700 Kilogramm, Kofferraumvolumen 505 bis 1495 Liter

Reifengröße 225/40 R 18

Höchstgeschwindigkeit 190 km/h

Von 0 auf 100 km/h 11,9 s, von 50 bis 100 km/h im 4./5. Gang 11,8/23,2 s

Verbrauch 4,2 bis 6,9 im Durchschnitt 5,3 Liter Diesel je 100 km; 119 g/km CO2 bei Normverbrauch 4,5 Liter; Tankinhalt 55 Liter

Versicherungs-Typklassen HP 19, TK 18, VK 15

Garantie 2 Jahre ohne Kilometerbegrenzung, 3 Jahre auf Lack, 12 Jahre gegen Karosseriedurchrostung, Mobilitätsgarantie, Inspektionsintervall nach Serviceanzeige

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