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Fahrtbericht Toyota Yaris Guter Kumpel ohne Glamour

18.02.2012 ·  Der Toyota Yaris ist ein Meister der Kurzstrecke. Wer ihn jenseits der Stadt zu Höchstleistungen auffordert, kommt schnell an die Grenzen eines Kleinwagens. Die Sehnsucht nach der Ferne bleibt unerfüllt.

Von Michael Kirchberger
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© Hersteller Winkel und Kanten haben Radien und Bögen an der Karosserie abgelöst

Toyotas Auftritt auf der Autoschau im Dezember im kalifornischen Los Angeles war demütig und zurückhaltend wie selten zuvor. Nach der Pannen- und Qualitätsmängel-Serie in den Vereinigten Staaten übt sich die Marke in Schadensbegrenzung.

Und auch andernorts will man weniger Unmögliches versprechen als solide Geschäfte machen und das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen. Die Zusammenarbeit mit Subaru mündet in gemeinsame Entwicklungen, um Kosten zu senken.

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© F.A.Z. Toyota Yaris 1.33 life Multidrive

Mit einer beeindruckenden Hybrid-Offensive will man 2012 positive Schlagzeilen machen. Der Kleinwagen Yaris, der jüngst erneuert wurde, wird der Erste seiner Zunft sein, der die Kombination von Benzin- und Elektromotor eingepflanzt bekommt. Doch hier geht es noch um das konventionelle Modell.

Design Außen

Die neue, dritte Auflage des Yaris ist wie üblich gewachsen. Winkel und Kanten haben Radien und Bögen an der Karosserie abgelöst, fast sportlich wirkt der gepfeilte Bug. Die zusätzlichen zehn Zentimeter machen den kleinen Toyota charmanter als je zuvor.

Platzangebot

Die innere Größe verwöhnt selbst hünenhafte Rückbankpassagiere. Weder Köpfe noch Knie kommen zwangsläufig in Kontakt mit der Dachverkleidung oder den Rückenlehnen der Vordersitze. Zu kurz sind dagegen wieder einmal die Kopfstützen im Fond geraten, gerade hier sollten sie ob der Erwachsenentauglichkeit der Rückbank im Yaris ein anständigeres Format haben.

Innenraum

Vorn ist der Platz nicht weniger angemessen, um aber eine angenehme und sichere Sitzposition zu finden, braucht der Fahrer Geduld. Das Lenkrad ist nur in der Höhe, nicht axial verstellbar; um eine passende Relation zwischen dem Abstand zum Lenkrad und der Pedalerie zu finden, ist Kompromissbereitschaft gefragt.

Die weichen Sitzpolster bieten eine nur knapp ausreichende Auflage für die Oberschenkel, die Lehnen geben dem Oberkörper keinen Seitenhalt. Allerdings erleichtert die nur mäßig konturierte Form der Sitze das Ein- und Aussteigen. Das tun auch die Türen, das zweite Paar kostet 720 Euro Aufpreis, aber sie sind kurz geschnitten und lassen sich auch auf engen Parkplätzen weit öffnen. Das verleiht dem Yaris beste Zubringer-Qualitäten für den Einkauf in der City oder im Gedrängel vor dem Straßencafé.

Kofferraum

Der Gepäckraum fasst wenigstens 286 Liter, die Lehnen lassen sich leicht nach vorn klappen, dann wächst das Ladevolumen auf 768 Liter. Ein Zwischenboden macht den Kofferraum eben, wer ihn entfernt, gewinnt noch mal zwölf Zentimeter Höhe, muss dann aber mit einer unkomfortablen Ladekante leben.

Aber es gibt dann genug Platz, um etwa eine heranwachsende Zimmerpflanze zu transportieren. Das gehört sich freilich für einen Kumpel wie den Yaris, der seine Bestimmung am ehesten im urbanen Umfeld mit Zwischenstopps am Fitnessstudio oder vor Bars oder den so modernen Lounges findet.

Stadtfahrt

Wer jedoch mehr als das Gewusel durch die Stadt vom kleinen Toyota fordert, erntet Unwillen. Bei Geschwindigkeiten oberhalb von 120 km/h wird der 1,3-Liter-Benziner laut, klingt gequält und nervig. Die Federung, die bei moderatem Tempo zufriedenstellend arbeitet, stößt an ihre Grenzen, und der Fahrtwind pfeift um Dachholme und Außenspiegel wie ein Wintersturm über Helgoland.

Landfahrt

Ein Marathon-Mann ist der Yaris nicht, er bleibt ein Freund der kurzen Wege. Auf denen bewährt er sich glänzend, vor allem dank seines kleinen Wendekreises. 9,40 Meter genügen dem Fronttriebler, um zu drehen. Enge Auffahrtswendeln im Parkhaus und verschlungene Altstadtgassen machen mit ihm richtig Spaß. Das ist sein Metier.

Motor

Der Vierzylindermotor hat vier Ventile je Brennraum nebst variabler Steuerung der Einlasszeiten, das macht ihn aber nicht zum Temperamentsbolzen. Vor allem mit dem stufenlosen Automatikgetriebe werden Beschleunigungswünsche jenseits der Stadt-Limits nur zäh umgesetzt, geduldig heißt es abzuwarten, bis die Tachonadel sich bei mehr als 120 km/h über die gut ablesbare Skala quält.

Nach langem Anlauf erreicht der Yaris dann irgendwann die versprochene Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h. Beim Standardsprint vergehen überdies 12,5 Sekunden. Das sind zwei Zehntel mehr als angegeben.

Von den 73 kW (99 PS) Leistung bleiben etliche in den Riemen und Triebkegeln des Automaten stecken. Kräftiges Dröhnen begleitet die Kraftanstrengungen, Fahrspaß klingt anders. Zwar hat Toyota viel Dämmmaterial eingesetzt, um die Fahrgeräusche zu reduzieren, und hat dennoch das Gewicht im Vergleich zum Vorgängermodell senken können, ein Spurt-Meister ist der Kleine nicht geworden. Wer Leistung fordert und sich zügig über die Autobahn bewegt, bekommt ein satte Benzinrechnung präsentiert.

Verbrauch

Wenn der Vierzylinder am Limit läuft, genehmigt er sich bis zu 7,2 Liter Benzin für 100 Kilometer, im Durchschnitt waren es bei uns 5,8 Liter. Der Yaris mit der stufenlosen Automatik ist nicht nur 1220 Euro teurer als mit Sechsganggetriebe, er verlangt auch 0,2 Liter mehr. Die konsumdämpfende Start-Stopp-Funktion bleibt dem kräftigen Benziner mit Handschaltung vorbehalten.

Fahrverhalten

Die Lenkung ist kein Musterbeispiel für Genauigkeit. Ihre indirekte Arbeitsweise entkoppelt den Fahrer fast von der Fahrbahnbeschaffenheit, sorgt bei Seitenwind und schon beim Überholen von Lastwagen von deren aerodynamischer Bugwelle angeregt für Unruhe. Der Geradeauslauf ist demnach mäßig.

Die Bremsen machen ihre Sache besser, haben einen angenehmen Druckpunkt und lassen sich so gut dosieren. Beim Verzögern aus vollem Tempo stellt sich jedoch bald ein kräftiges „Rubbeln“ der Beläge ein, das senkt den Komfort, immerhin nicht die Standfestigkeit der Bremsanlage.

Bedienung

Die Bedienung des Yaris ist denkbar einfach. Hebel und Schalter finden sich dort, wo wir sie erwarten. Die Instrumente sind dankenswerterweise wieder konventionell gestaltet und gut ablesbar. Von dem mittig auf der Schalttafel angeordneten Digitaltacho mit seiner grünlich flimmernden Aquarium-Optik hat sich Toyota zum Glück verabschiedet.

Ausstattung

Bei der Materialzusammenstellung im Innenraum leistet sich der Yaris kaum Schwächen und kann sich im Feld seiner Wettbewerber durchaus sehen lassen. Was ihm eine Alleinstellung verschafft, ist das Multimediasystem, das sich in Verbindung mit einem Smartphone ins Internet einwählt.

Rückfahrkamera, Farbmonitor und Freisprecheinrichtung gehören beim Ausstattungsniveau Life zur Serie, für günstige 550 Euro bekommt die Anlage sogar eine Navigationsfunktion. Versteckt und nicht gut zugänglich sind die USB- und Line-in-Eingänge tief im finsteren Handschuhfach.

Fazit

Dabei ist der Yaris doch ein so offener und ehrlicher Kerl, der für fast jede Aufgabe im Stadtgewimmel eine passende Lösung anzubieten hat und, verglichen mit seinem Vorgänger, nicht mal teurer geworden ist. Kommunikationsbereit und geräumig ist er. Wer Fahrspaß und Motorleistung sucht, muss sich mit jemand anderem anfreunden. Oder vielleicht auf die Hybrid-Version warten.

Nächste Woche: VW Up

Daten und Messwerte

Empfohlener Preis 17.070 Euro
Preis des Testwagens 18.930 Euro

Vierzylinder-Ottomotor, vier Ventile je Zylinder, 1329 Kubikzentimeter Hubraum

Leistung 73 kW (99 PS) bei 6000/min

Höchstes Drehmoment 125 Nm bei 4000/min, 90 Prozent davon ab 2800 bis 4200/min

Stufenloses Automatikgetriebe

Antrieb auf die Vorderräder

Länge/Breite/Höhe 3,86/1,7/1,51 Meter

Radstand 2,51, Wendekreis 9,4 Meter

Leergewicht 1015, tatsächlich 1060, zulässiges Gesamtgewicht 1480, Anhängelast 900 Kilogramm, Kofferraumvolumen 286 bis 768 Liter

Reifengröße 175/65 R 15 84 H

Höchstgeschwindigkeit 175 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 12,5 s

Verbrauch 4,8 bis 7,2, im Durchschnitt 5,8 Liter Benzin je 100 km; 118 g/km CO2 bei Normverbrauch von 5,1 Liter; Tankinhalt 42 Liter

Versicherungs-Typklassen HP 14, TK 16, VK 17

Garantie 3 Jahre, 3 Jahre auf Lack, 12 Jahre gegen Durchrostung, Mobilitätsgarantie drei Jahre bei autorisiertem Service

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