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Fahrtbericht Suzuki SX4 Vier Räder ganz ohne spektakulären Auftritt

28.10.2008 ·  Suzuki kann sich als einer von wenigen Auto-Anbietern über steigende Zulassungszahlen freuen. Der kleine Swift und die SUVs sind gefragt. Aber der SX4 ist ein Außenseiter.

Von Boris Schmidt
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Früher, in den sechziger Jahren, hatten beinahe alle Autos das gleiche Grund-Layout wie dieser Suzuki SX4: Motor vorn, Türen in der Mitte, hinten der Kofferraum. Heute fristet die klassische Limousine zumindest in der unteren Fahrzeugklasse ein Schattendasein (in südlichen Ländern ist das anders). Selbst bei VW schafft man es nicht, mehr als fünf Prozent vom Golf als Jetta zu verkaufen.

Dabei haben alle kleinen Limousinen eine große Trumpfkarte: den riesigen Kofferraum. Der wird statt eines schrägen Hecks an das ursprüngliche Auto konstruiert. In der Regel ist das eine Schräghecklimousine, beim Suzuki ist das entsprechende Ableitungs-Pendant jedoch ein kleines, knuffiges SUV, das im Übrigen unter dem Namen Sedici auch als Fiat verkauft wird. Gebaut werden beide in Ungarn von Suzuki.

Bequemer Einstieg für die Schwiegermutter

Die SUV-Gene bringen praktische Vorteile: Die Schwiegermutter freute sich sofort über den ach so bequemen Einstieg. Man kann nämlich Platz nehmen, ohne nach oben steigen oder nach unten fallen zu müssen. Wer einmal die 75 überschritten hat, beginnt das zu schätzen.

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© Hersteller Dabei haben alle kleinen Limousinen eine große Trumpfkarte: den riesigen Kofferraum. Der wird statt eines schrägen Hecks an das ursprüngliche Auto konstruiert

Während Schwiegermama sich sofort begeistert zeigte, sprach der halbwüchsige Sohn jedoch beim ersten Kontakt ein drastisches Urteil: „Was ist das? Da setze ich mich nicht rein“ (was er natürlich doch tat). Nun, für die Zielgruppe der Teenager hat man bei Suzuki in Bensheim den wuseligen Swift und den knallbunten Splash parat und treibt viel (Motor-)Sport.

Der Erfolg gibt Bensheim recht: Schließlich hat man sowohl im vergangenen als auch bislang in diesem Jahr ein dickes, zweistelliges Zulassungs-Plus in Deutschland erreicht – in einem sehr schwachen Markt.

Praktisches Auto ohne Schnickschnack

Offenbar hat man für den konservativen Kunden jetzt diesen SX4 ins Programm genommen: Für den Käufer, der ein praktisches Auto ohne Schnickschnack braucht, und für den es keine Rolle spielt, ob man damit am Stammtisch oder am Gartenzaun prahlen kann. Leider hat Suzuki für die SX4 Limousine trotz der SUV-Plattform keinen Allradantrieb vorgesehen, es gibt auch nur eine einzige (Otto-)Motorvariante.

Der SX4 ist ein Auto ohne Posaunen- und Schalmeienklänge, das seine Besatzung sicher und ausreichend kommod transportiert. Keinen Deut weniger, aber auch keinen Deut mehr. Sein Design ist so unspektakulär, wie es nur sein kann, Autos mit Herzflimmer-Faktor sehen anders aus.

Doch es gibt einige weitere Vorzüge: Statt nur 270 Liter Kofferraumvolumen wie das SX4-SUV bietet die Limousine 515 Liter unter ihrem hohen Heck. Dazu kommt noch eine kleine Reserve in der flachen Mulde unter dem Boden, in dem etwas verloren ein Not-Reserverad liegt. Mit 4,49 Meter ist das Stufenheck-Auto 39 Zentimeter länger als das SUV, das mit seinen knappen 4,10 Meter zu den Kleineren im Riesen-Reich der Geländekraxler gehört.

Für Zwei ist im Fond ausreichend Platz

Genau gleich ist der Radstand (2,50 Meter), was in der Regel ein Hinweis auf knappe Platzverhältnisse im Fond ist. Aber auch in dieser Hinsicht bietet der Suzuki mehr, als sein unschmuckes Äußeres vermuten lässt: Zwei Personen kommen im Fond gut unter, man sitzt sogar bequemer als in manch anderem Auto, weil die Bank nicht so tief im Wagenkörper sitzt – wieder lassen die SUV-Gene grüßen. Leider ist ein dritter Passagier wie in den meisten neuen Autos von heute allenfalls geduldet. Die Bank wäre zwar breit genug, aber in der Mitte ist ein Wulst, man sitzt leicht erhöht und weiß nicht wohin mit den Beinen wegen des kleinen Mitteltunnels.

Wenigstens drückt die Mittelarmlehne nicht ins Kreuz, es gibt nämlich keine. Man kann die Rückbanklehne asymmetrisch geteilt umklappen, um den Laderaum zu erweitern, es ergibt sich jedoch eine mächtige Stufe. Ärgerlich ist zudem, dass der Kofferraumdeckel nicht ganz heruntergezogen ist. Schwere Wasserkästen müssen so beim Herausnehmen immer noch über eine rund 15 Zentimeter hohe Barriere geliftet werden.

Routinierte, plastikdominierte Welt

Vorn wie hinten kann man über weit öffnende Türen bequem einsteigen. Das, was einen erwartet, ist jene routinierte, plastikdominierte Welt, wie wir sie von vielen japanischen Herstellern kennen. In einem VW Jetta fühlt man sich einfach wohler, weil die verbauten Materialien hochwertiger wirken, das Finish viel feiner ist. Aber der Wolfsburger ist ähnlich motorisiert rund 3500 Euro teurer, das darf man nicht vergessen.

Dass der Suzuki 16.900 Euro kostet, zeigt wieder einmal, wie teuer Neuwagen geworden sind, und den Vergleich mit der guten alten D-Mark lassen wir jetzt. Jedoch kauft man ein fast komplett ausstaffiertes Auto, in der Aufpreisliste finden sich nur eine Automatik (1300 Euro) und die Metallic-Lackierung (400 Euro). Man kann freilich bemängeln, dass es manches gar nicht gibt: Schiebedach, Navigationssystem, Tempomat oder Lederausstattung – von anderen Neuheiten wie Kurvenlicht oder Abstandsregeltempomat gar nicht zu reden.

Vieles andere ist dagegen vorhanden: CD-Radio mit Lenkradfernbedienung, Sitzheizung vorn, vier elektrische Fensterheber, Klimaautomatik, Zentralverriegelung mit Fernbedienung, ABS und ESP, Front- und Seitenairbags, sogar Vorhang-Airbags, die bis in den Fond reichen.

Instrumente klar gestaltet

Verzichten sollte Suzuki auf Unnützes wie „Keyless Start“. Wir würden lieber einen althergebrachten Schlüssel drehen statt einen Knubbel, dann wüsste man auch immer, wo man den Schlüssel im Auto gelassen hat. Aber die Instrumente sind klar und übersichtlich gestaltet, das Lederlenkrad liegt gut in der Hand. Kurzum, es gibt sonst keinerlei Probleme mit der Bedienung.

Besonders viel Spaß macht das Schalten, kurz und knackig liegen die fünf Gänge beieinander, die Kupplung tritt sich schön leicht. Von dem 1,6-Liter-Ottomotor mit 79 kW (107 PS) darf man freilich keine Wunder erwarten. Er stellt aber ausreichend Vortrieb sicher und ist in Maßen auch elastisch.

Der 4. und der 5. Gang liegen in ihrer Übersetzung relativ eng beieinander, mit beiden kommt man auf der Autobahn über 180 km/h. Im 5. ist es sogar möglich, den Tacho – der nur bis 200 reicht – bis fast zum Anschlag zu treiben. Die angezeigten 200 entsprechen 183 km/h. Damit lief der SX4 drei km/h schneller als versprochen.

Bieder und ohne Überraschungen

Ein Durchschnittsverbrauch von 7,3 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer ist das Mindeste, was man erwarten muss. Bei zurückhaltender Fahrweise kommt der Suzuki sogar mit weniger als sieben Liter aus. Knapp acht werden es, wenn man die Maschine stark fordert.

Im Übrigen fährt der Suzuki so, wie er aussieht: bieder und ohne Überraschungen. Das muss aber nicht schlecht sein. Nur die durchdrehenden Vorderräder, wenn man bei Nässe stärker beschleunigen will, fallen negativ auf. Der Rest ist guter Durchschnitt: Die Lenkung ist hinreichend präzise, die Federung hält die gröbsten Schläge von der Besatzung fern, und die Bremsen ermüden auch bei stärkerer Beanspruchung nicht.

Engagiertes Fahren ohne Angstschweiß

Dank des Frontantriebs und der serienmäßigen elektronischen Stabilitätskontrolle ist ein engagiertes Fahren auf kurvenreichen Strecken ohne Angstschweiß möglich. Der Suzuki bleibt immer ein braver Kerl, der nur schnell mit den Reifen schreit und sich relativ stark zur Seite neigt.

Doch SX4-Limousinen-Fahrer werden den Teufel tun, ihn über die Landstraße zu hetzen. Sie wollen ein Auto ohne Spektakel fahren. Warum nicht diesen Suzuki?

Daten und Messwerte

Empfohlener Preis 16.900 Euro
Preis des Testwagens 17.300 Euro

Vierzylinder-Ottomotor, vier Ventile je Zylinder, 1586 Kubikzentimeter Hubraum, Leistung 79 kW (107 PS) bei 5600/min

Höchstes Drehmoment 145 Nm bei 4000/min, mindestens 90 Prozent davon ab 2200 bis 5700/min

Fünfganggetriebe (Vierstufen-Automatik für 1300 Euro Aufpreis)

Antrieb auf die Vorderräder

Länge/Breite/Höhe 4,49/1,73/1,55 Meter

Radstand 2,50, Wendekreis 10,60 Meter

Leergewicht 1170 (tatsächlich 1190), zulässiges Gesamtgewicht 1610, Anhängelast 1200 Kilogramm; Kofferraumvolumen 515 Liter

Reifengröße 195/65 R 15 91H

Höchstgeschwindigkeit 183 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 11,4 s, von 50 auf 100 km/h im 4./5.Gang in 13,7/17,8 s

Verbrauch 6,7 bis 7,9, im Durchschnitt 7,3 Liter Superbenzin je 100 km; 159 g/km CO2 bei Normverbrauch von 6,7 Liter; Tankinhalt 50 Liter

Versicherungs-Typklassen HP 17, TK 17, VK 17

Garantie Drei Jahre oder 100.000 Kilometer, 12 Jahre auf Durchrostung bei jährlicher Kontrolle. Wartung alle 15.000 Kilometer oder jährlich.

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