Wer den Namen Subaru hört, denkt an Allradantrieb. Der ist bis auf wenige Ausnahmen (Justy, Trezia) seit jeher in Europa markentypisch für den japanischen Hersteller. Besonders gut passt er zu einem SUV, das mit schwungvoller Linie eine Klammer um Kombi und Geländewagen zieht. XV nennt Subaru eine im vergangenen Jahr zum ersten Mal erschienene SUV-Baureihe, zu der auch eine Variante mit Dieselmotor zählt. 27 200 Euro kostet sie in der Basisausführung. Als Exclusive, unter anderem mit Premium-Audiosystem, Klimaautomatik, elektrisch verstellbaren Sitzen, Navigation und Schiebedach, steigt der Preis auf 33 100 Euro. 108 kW (147 PS) leistet der Zweiliter-Diesel, der immer mit einem manuell geschalteten Sechsganggetriebe kombiniert wird.
Breites Auftreten mit scharfem Bug
Während die allradgetriebenen Subaru-Kollegen Forester und Outback immer ein wenig bräsig daherkamen, will das Crossover-SUV mit scharf geschnittenem Bug und der spannungsvoll gerundeten Dachlinie Emotionen wecken. Dabei wirken die kantigen Rückleuchten aufgesetzt, die markanten Leichtmetallräder im 17-Zoll-Format lassen ihn jedoch breit und solide auf der Straße stehen.
Die Gestaltung des Innenraums regt kaum zum Träumen an. Standard ist angesagt, alles ist da, aber nichts fällt auf. Allein der kleine Monitor in der Mitte des Armaturenbretts weckt mit überraschenden Darstellungen den Spieltrieb des Chauffeurs. Eines der Programme nimmt den Durchschnittsverbrauch als Mittelwert und lässt den Zeiger auf der Konsumskala je nach Stellung des Gaspedals um ihn pendeln. Auf rotem Grund, wenn das Mittel über-, und auf grünem, wenn es unterschritten wird. Schnell merkt der Fahrer, bei welcher Drehzahl und welcher Fahrweise der virtuelle Pfeil weit und lange unterhalb des bisherigen Durchschnitts weilt. Einziger Nachteil der hilfreichen Darstellung: Der Blick wandert ständig weg vom Verkehrsgeschehen. Eine Positionierung des Displays im Kombiinstrument vor dem Fahrer wäre besser. Der viel zu winzige Hinweis zum rechten Zeitpunkt des Gangwechsels, der dort versteckt zwischen Tageskilometerzähler und Drehzahlmesser leicht übersehen wird, könnte dann ersatzlos gestrichen werden.
Die Sitzposition am Lenkrad ist ungewöhnlich. Anders als in bisher erfahrenen SUV nimmt der Chauffeur eine eher gestreckte als aufrechte Körperhaltung ein. Das schränkt die Übersichtlichkeit ein, ist aber auf der Langstrecke komfortabel. Der Lärm an Bord des XV ist aber ein lästiger Begleiter. Das übermäßig laute Abrollgeräusch der Reifen wollen wir noch den derben Winterpneus zuschreiben, das Tosen des Fahrtwinds jedoch nicht. Deutlich werden die aerodynamischen Defizite beim Schließen der Sonnenschutzjalousien unter dem großen Panorama-Glasdach. Dann sinkt das Geräuschniveau um gefühlte zwei Dezibel, also deutlich.
Dieser Diesel liebt die Drehzahl
Der Diesel-Boxer trägt seinen Anteil zur Lautstärke bei. Das Spektrum seiner Intonierung ist äußerst vielfältig und reicht vom schlurfenden Rumoren über stakkatoartiges Knattern, nerviges Schnarren und Nageln bis zum galligen Dröhnen. Dabei überrascht das Zweiliter-Triebwerk mit einer für Selbstzünder ungewöhnlichen Leistungscharakteristik. Dieser Diesel liebt die Drehzahl. Erst bei etwa 1800 Umdrehungen in der Minute fängt er an, die Muskeln zu spannen, bis deutlich über 4000/min lässt er nicht locker. Das erlaubt sehr anständige Fahrleistungen. In 9,3 Sekunden sprintet der Diesel-XV von 0 auf 100 km/h, 202 km/h maßen wir als Höchstgeschwindigkeit, das sind vier km/h mehr als vom Hersteller versprochen. Im Verbrauch gibt sich der Diesel (es ist ein Boxer-, kein Reihenmotor, auch das hat bei Subaru Tradition) einigermaßen zurückhaltend. Als niedrigsten Verbrauch auf einer der Etappen notierten wir 5,8 Liter Treibstoff für 100 Kilometer. Die eilige Fahrt über freie Autobahnen steigerte den Konsum auf 8,2 Liter im Durchschnitt. Die Freude des Motors an der Drehzahl und die langen Übersetzungen des manuellen Sechsganggetriebes konterkarieren sich ein wenig: Wer den Diesel nicht absterben lassen will, muss ihn bei Laune halten und die Drehzahl möglichst oberhalb von 1600/min halten. Das erlaubt allenfalls den vierten Gang bei City-Tempo. Die Gangstufen fünf und sechs stehen im innerstädtischen Verkehr nicht zur Disposition, der Motor beginnt sonst zu ruckeln. Schon im fünften Gang sinkt die Drehzahl bei 50 km/h unter 1000/min, die Prüfung der Durchzugsstärke und Elastizität der Maschine von 50 auf 100 km/h ist zwar möglich, wird aber zur quälenden Anstrengung für Motor und Fahrer. Leider fehlt dem Diesel eine Start-Stopp-Automatik, die ist bei Subaru nur für die Benziner-Modelle des XV im Angebot.
Das Getriebe lässt sich nicht optimal schalten, eher schwergängig bewegt sich der Hebel in die gewünschte Position. Immerhin rasten die Gänge mit hinreichender Präzision ein. Leichtgängig arbeitet dagegen die Lenkung. Beim Rangieren und in der Stadt mag das angenehm sein, während schneller Fahrt dagegen macht sie den Geradeauslauf unruhig. Es erfordert eine gewisse Konzentration, den Subaru XV auf einer Linie durch schnelle Kurven zu steuern.
Positiv ist das gute Raumangebot auf allen Plätzen. Vorne bleiben Fahrer und Beifahrer auf Distanz, dazwischen finden sich vielzählige Ablagemöglichkeiten. Auf der Rückbank kommen zwei Personen mehr als komfortabel unter. Selbst wenn in der ersten Reihe Hünen sitzen, gibt es hinten genügend Beinfreiheit. Auch über dem Scheitel bleibt stets eine Handbreit Luft. Zum Glück. Denn die Federung des XV gehört zu jenen der strammeren Sorte, auf schlechter Wegstrecke schüttelt sie die Mitfahrer ordentlich durch.
Wenig Platz für großes Gepäck
Im Kofferraum geht es knapper zu. 380 Liter rechnerisches Volumen sind für ein 4,45 Meter langes SUV gewiss kein Spitzenwert. Wer großes Gepäck einladen möchte, muss die asymmetrisch geteilten Rückbanklehnen nach vorne klappen, was erfreulicherweise eine leichte Übung ist und zu einer weitgehend ebenen, fast 1,90 Meter langen Kofferraumfläche führt. Die Ladekante stört dank relativ geringer Höhe beim Verstauen des Gepäcks nicht. Die Ladekapazität bleibt aber auch als Zweisitzer gering. 1250 Liter maximales Volumen sind es, da hat sogar ein gewöhnlicher Golf mehr Kapazitäten, nämlich 20 Liter mehr. Diese 20 Liter gibt es im Übrigen im Basismodell, das also 1270 Liter Volumen hat. Das serienmäßige, großflächige Schiebedach der höchsten Ausstattungsstufe, das Höhe im Innenraum kostet, nimmt dem maximalen Volumen jene Liter.
Der XV ist eine Spezialität jenseits der Volumenströme. Der Allradantrieb gibt ihm vorzügliche Traktion in nahezu allen Situationen, seine Ausstattung ist üppig und ebenso wie das Platzangebot sinnvoll. Wer sich mit der Rauheit des Diesel-Boxers anzufreunden vermag, für den mag der XV eine Alternative sein. Des einen oder anderen interessierten Blicks kann er sich jedenfalls sicher sein.
Preis:
Empfohlener Preis 27 200 Euro Preis des Testwagens 33 590 Euro
Motor:
Vierzylinder-Turbodiesel (Boxer) mit Direkteinspritzung,
vier Ventile je Zylinder, 1998 Kubikzentimeter Hubraum
Leistung 108 kW (147 PS) bei 3600/min Höchstes Drehmoment 350 Nm bei 1600/min, 90 Prozent davon ab 1500 bis 3600/min
Manuelles Sechsganggetriebe, Permanenter Allradantrieb
Leistungsdaten:
Höchstgeschwindigkeit 202 km/h Von 0 auf 100 km/h in 9,3 s; von 50 auf 100 km/h im 4./5./6. Gang in 9,6/16,2/23,8s Verbrauch 5,8 bis 8,2, im Durchschnitt 6,5 Liter Diesel je 100 km; 146 g/km CO2 bei Normverbrauch von 5,6 Liter
Abmessungen:
Länge/Breite/Höhe 4,45/1,78/1,57Meter, Radstand 2,64, Wendekreis 11,3 Meter
Leergewicht 1450, zulässiges Gesamtgewicht 1960, Anhängelast 1600 Kilogramm, Kofferraumvolumen 380 bis 1250 Liter, Tankinhalt 60 Liter
Reifengröße 225/55 R17 97 V
Versicherungs-Typkl. HP 16, TK 21, VK 22 Garantie drei Jahre oder 100 000 km auch auf Lack, zwölf Jahre gegen Durchrostung, Mobilitätsgarantie unbegrenzt bei autorisiertem Service
Wartung alle 30 000 km oder zweijährlich
SUV
Jens Dono (jensdono)
- 21.02.2013, 01:01 Uhr
Kein objektiver Test
konrad zuse (leonardo123)
- 21.02.2013, 00:27 Uhr
Sind Sie sicher, dass Sie den XV Diesel gefahren sind?
Harald Lehmann (nottker)
- 20.02.2013, 15:55 Uhr
Außer einem FAZ-Technikredakteur
Michael Müller (MichaelMueller)
- 20.02.2013, 11:03 Uhr
Nischensportler????
Wolfgang G. Runte (Wolluc)
- 19.02.2013, 22:33 Uhr