07.08.2009 · Skoda, das sind die anderen Volkswagen aus Tschechien. Manchmal möchte man meinen, sie seien fast die besseren. Wie der Octavia Combi. Der bietet sehr viel Gepäckraum und einen sparsamen, aber kräftigen Motor.
Von Gerold LingnauEs ist schon eine tolle Erfolgsgeschichte. Während andere alte Auto-Marken den Bach hinuntergehen, kennen die Tschechen von Skoda nur eine Richtung: aufwärts. Von den 86 Jahren Automobilbau, auf die sie inzwischen zurückblicken können, waren die jüngsten die besten.
Gewiss, man hatte mit der Übernahme durch Volkswagen 1991 eine optimale Startposition auf den wirtschaftlichen Trümmern des ehemaligen Ostblocks. Doch wie man sie genutzt hat, mit personeller und materieller Hilfe aus Wolfsburg, ist schon eindrucksvoll. Die Marke ist inzwischen in Deutschland - und durchaus nicht nur in den neuen Bundesländern - fest etabliert. Und das nicht mit modischem Schnickschnack, sondern mit grundsoliden, vernünftigen Autos hoher Qualität, für deren Schöpfer Funktion immer noch vor Design kommt.
Vielleicht das schönste Beispiel dafür ist Skodas Golf-Ableger, der Octavia. Seit 1996 wird er gebaut, das erste Modell auf Basis des Golf IV, das zweite - ab 2004 - mit der Plattform des Golf V. In beiden Fällen wurde auf dem Radstand des kompakten Wolfsburgers ein Beinahe-Mittelklasseauto geschaffen, das eine Menge Nutzraum bietet, ohne deswegen unharmonisch auszusehen.
Das gilt für den aktuellen Octavia auch nach dem Facelift vom vergangenen Jahr, der an den Abmessungen nichts geändert hat, wohl aber an der Front- und Heckpartie - mit strafferen Linien, die das künftige Markengesicht bestimmen sollen und bei der großen Limousine Superb schon vorgezeichnet sind.
Auch die Kombi-Version des Octavia hat daran teil - Skoda schreibt sie mit „C“ -, und sie ist ein überzeugendes Exempel dafür, dass viel Laderaum auch in einem schicken Gehäuse Platz finden kann. Skoda hat das Dach nach hinten nicht zu stark abgesenkt, wie es andernorts üblich geworden ist, und so die Transporter-Qualitäten dieser Auto-Kategorie nicht drangegeben.
Das Ergebnis: ein maximales Volumen von 1620 Liter, und das ist für einen knapp 4,60 Meter langen Kombi nicht schlecht. Die 580 Liter im Normalzustand sind sogar vorbildlich. Dass beim Vergrößern des Kofferraums eine ebene Fläche entsteht, die nach außen hin auch nicht von einer Bordwand überragt wird, gehört sich eigentlich für einen Kombi, wird aber durchaus nicht überall geboten.
Der verbreitete Trick, das unsichtbare Untergeschoss dem Gepäckraum zuzurechnen, hätte hier nicht verfangen können, denn im Octavia enthält es ein voll taugliches Reserverad - heute schon eine große Seltenheit. An der Zuladung von 565 Kilogramm muss kein Transport scheitern.
Versagen der Skoda-Vernunft
Dass der Octavia auf den Radstand seines Organspenders Golf angewiesen ist - 2,58 Meter sind nicht besonders viel -, wirkt sich erstaunlicherweise im Innenraum kaum nachteilig aus. Im Fond geht es sogar fast großzügig zu: 20 Zentimeter minimale Kniefreiheit sind ein Mittelklasse-Maß, und es kann sogar noch zwei Fingerbreit größer sein, wenn vorn nicht gerade ein Riese Platz genommen hat.
Auch an der Tiefe der Rückbank wurde nicht gespart, und nahezu ein Meter Kopfhöhe taugt für alle Figuren. Etwas knapp ist nur der Bodenabstand der Fondsitze geraten. Die Breite genügt bequem für drei, aber der Mittelplatz ist wie fast überall nur ein Nominalwert - lächerlich geringe Tiefe, im Fußbereich ein riesiger Mitteltunnel, oben eine viel zu kurze Kopfstütze. Irgendwo versagt leider auch die Skoda-Vernunft, ähnlich wie zum Beispiel bei der dem Facelift geschuldeten Verlegung der Seitenblinker in die extrem gefährdeten Außenspiegel.
Das Spiel mit den Aufpreisen
Auch vorn sitzt man ordentlich im Octavia, obwohl die Sessel merkwürdig schmal geschnitten sind. Sie waren bei unserem Wagen mit einer aufgeldpflichtigen hellen Leder-Alcantara-Kombination bezogen, die wir wegen ihrer Empfindlichkeit niemals wählen würden. Aber sie putzte ganz ungemein, und da auch die sonstigen Materialien im Innenraum und ihre Verarbeitung einen guten Eindruck machten, sahen wir dem Skoda diese Extravaganz gern nach.
Die Frontleute sind zudem von vielen Ablagen umgeben, und auch die Fondpassagiere kommen da nicht zu kurz, bis hin zum markentypischen Schirmkasten hinter der Rückbanklehne, der allerdings extra kostet. Wie man überhaupt sagen muss, dass die Tschechen inzwischen das Spiel mit den Aufpreisen hinreichend beherrschen - der deutsche Mutterkonzern lässt grüßen.
Mit der Bedienung kommt der Fahrer rasch klar, auch die Instrumente sind nicht irgendeiner Designmode verpflichtet, sondern einfach nur gut ablesbar. Den Bildschirm des Navigationssystems Columbus - für 1790 Euro in der Octavia-Version Elegance - wünschte man sich freilich ein wenig höher im Blick. Nach Kombi-Art ist der Einstieg nach hinten eine ganz leichte Übung, doch auch vorn muss man den Kopf nicht allzu arg einziehen, um der Dachsäule zu entgehen.
Nervende Poltergeräusche
Das Fahrwerk des Golf V mit der aufwendigen Vierlenker-Hinterachse kommt dem Skoda ebenfalls zugute, und da punktet er voll mit seinem fahrsicher untersteuernden Kurvenverhalten. Die Agilität des VW wird nicht ganz erreicht, aber von Schwerfälligkeit keine Spur, zumal sich das ESP erst einmischt, wenn wirklich Gefahr im Verzug ist.
Tadellos ist die Spursicherheit bei hohem Autobahntempo, einwandfrei die Funktion der Bremsanlage, die mit Biss agiert und sich selbst von hoher Belastung nicht einschüchtern lässt. In Sachen Federungskomfort wird das Vorbild Golf leider nicht erreicht. Offenbar der hohen Zuladung zuliebe ist der Octavia Combi sehr straff abgestimmt. Selbst grobe Unebenheiten schluckt er zwar ungerührt und ohne jemals durchzuschlagen, doch nervt er mit wenig angenehmen Poltergeräuschen.
Der Pumpedüse-Veteran
Aus dem Arsenal der Volkswagen-Motoren kann sich Skoda freiweg bedienen - mit kleinen Einschränkungen, was die Prioritäten betrifft. So hat die Umstellung von der Pumpedüse- auf die Common-Rail-Einspritzung bei den Dieseln den Octavia Combi gerade erst in einem Fall erreicht, beim Zweiliter-TDI mit 125 kW (170 PS), der dem teuren RS vorbehalten ist.
Im Übrigen müssen die alten Klamotten aufgetragen werden, und so war in unserem Wagen das TDI-Museumsstück mit 1,9 Liter Hubraum und 77 kW (105 PS) verbaut, das 250 Newtonmeter Drehmoment stemmt und mit seinem Abgas nur Euro 4 erfüllt. Seine bekannt rustikalen Manieren sind im Octavia aber sorgsam gezähmt worden, seine Nagelgeräusche sind außen viel störender als im Innenraum.
Überzeugen kann der Pumpedüse-Veteran immer noch mit seinem zupackenden Wesen - unterstützt durch die kurzen Übersetzungen des Fünfganggetriebes, dem man noch eine lange sechste Stufe wünschte - und mit seinem Kraftstoff-Geiz: 6,8 Liter Diesel je 100 Kilometer im Durchschnitt über 2200 Kilometer mit viel schneller Autobahnfahrt sind ein faires Entgelt für 189 km/h Höchstgeschwindigkeit, 11,5 Sekunden von 0 auf 100 und nur 16 Sekunden im 5. Gang von 50 auf 100 km/h. Im Landstraßen- und Stadtverkehr sind auch sechs Liter kein Hexenwerk, dann reicht der 55-Liter-Tank für mehr als 800 Kilometer.
Tschechischer Volkswagen
Mit diesem kleinsten der drei Dieselmotor-Angebote ist der Octavia schon für 20 280 Euro als Classic zu haben. 2700 Euro mehr kostet der weit besser ausgestattete Ambiente (unter anderem mit ESP, Klimaanlage, Parkhilfe hinten, Geschwindigkeitsregler, CD-Radio).
Für weitere 2200 Euro erhält man die Variante Elegance, dessen Ausstattungsvorzüge man sich fast sämtlich auch einzeln zur Ambiente-Version hinzukaufen kann. Einen Erfolgswagen erwirbt man in jedem Fall, einen tschechischen Volkswagen eben.
Empfohlener Preis 25.180 Euro
Preis des Testwagens 30.235 Euro
Vierzylinder-Turbodieselmotor, zwei Ventile je Zylinder, Pumpedüse-Einspritzung, 1896 Kubikzentimeter Hubraum
Leistung 77 kW (105 PS) bei 4000/min
Höchstes Drehmoment 250 Nm bei 1900/min, mindestens 90 Prozent davon ab 1400 bis 3100/min
Manuelles Fünfganggetriebe (Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe DSG 1700 Euro)
Antrieb auf die Vorderräder
Länge/Breite/Höhe 4,57/1,77/1,46 Meter
Radstand 2,58, Wendekreis 10,2 Meter
Leergewicht 1325 (tatsächlich 1420), zulässiges Gesamtgewicht 1985, Anhängelast 1400 Kilogramm; Kofferraumvolumen 580-1620 Liter
Reifengröße 205/55 R 16 91 V
Höchstgeschwindigkeit 189 km/h
Von 0 auf 100 km/h in 11,5 s, von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang in 10,7/16,0 s
Verbrauch 6,1 bis 7,4, im Durchschnitt 6,8 Liter Diesel je 100 km; 137 g/km CO2 bei Normverbrauch von 5,6 Liter; Tankinhalt 55 Liter
Versicherungs-Typklassen HP 15, TK 21, VK 17
Garantie 2 Jahre ohne Kilometerbegrenzung, 3 Jahre auf Lack, 12 Jahre gegen Durchrostung, Mobilitätsgarantie unbegrenzt bei autorisiertem Service, Wartung nach Intervallanzeige
Bei uns läuft mittlerweile der dritte Octavia als Famlienkombi und insgesamt...
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