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Freitag, 17. Februar 2012
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Fahrtbericht Renault Mégane Französische Mutprobe in der kompakten Klasse

02.02.2004 ·  Die gutmütigen Fahreigenschaften des Kompaktwagens machen den Renault Mégane zu einem überdurchschnittlich sicheren Wagen, der trotz deutliche Mängel in der Lenkung harmonisch und dynamisch wirkt.

Von Michael Kirchberger
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Renault sorgte in der jüngeren Vergangenheit mit Automobilen wie dem Avantime oder dem Vel Satis für Aufregung bei jungen Kunden und älteren Stammkunden der Marke. In der Oberklasse wird das stilistische Experiment vor dem Hintergrund französischer Exaltiertheit vielleicht noch verziehen, doch der neue Mégane ist die Probe auf das Renault-Design: Die jetzt auf den Markt gebrachte zweite Generation des bisher sehr erfolgreichen Mégane setzt das ernste Spiel mit den Formen fort und polarisiert die Klientel. Die einen sind begeistert von Ansicht und Ausdruck, die anderen wenden sich mit Grausen.

Die Gestalt des rund 4,21 Meter langen Kompaktwagens wollen wir hier nicht zum Gegenstand der Kritik machen, es soll jeder selbst entscheiden, ob sie seinem persönlichen Lebensgefühl entspricht. Daß die Form nicht der Funktion folgt, ist allerdings zu tadeln. Das bürzelartige Heck und der straffe Einzug des Rückfensters verschenken wertvolles Stauvolumen. 330 bis 1.190 Liter Ladekapazität bietet der Kofferraum, ein Opel Astra ist zehn Zentimeter kürzer und gut sechs Zentimeter schmaler und wartet dennoch bei nicht umgeklappter Rückenlehne mit mehr Volumen (370 Liter) auf.

Und unübersichtlich sind die Renault-Rundungen ebenfalls. Sowohl vorn als auch hinten lassen sich die Ecken der Karosserie allenfalls erahnen, breite C-Säulen und das schmale Heckfenster schränken den Blick obendrein ein. Der zweitürige Mégane orientiert sich ohnehin nicht übermäßig am Alltag überfüllter Städte, vor allem das Ein- und Aussteigen in engen Parklücken wird durch die breiten Türen (die dann nicht weit genug öffnen können) erschwert. Vorn fühlt man sich auf straffen Sitzen gut aufgehoben, der Weg nach hinten ist dank der "easy-entry-Funktion", bei der sich nicht nur die Lehne am Beifahrerplatz, sondern der ganze Sitz nach vorn bewegt, einfach. Die Kniefreiheit hinten geht in Ordnung, wenn nicht grade Monsieur Depardieu am Volant viel Platz beansprucht, der Raum über dem Kopf bleibt wegen der nicht abfallenden Dachlinie großzügig. Isofix-Befestigungen gibt es vorn und im Fond, zum Vergrößern des Kofferraums lassen sich Lehnen und Sitzflächen asymmetrisch geteilt umklappen, das gelingt schnell und einfach, ohne die drei Kopfstützen abzunehmen. In der Mitte der Ladefläche bleibt dann eine kleine Kante, die das Verstauen von Gepäck jedoch nicht wirklich behindert.

Keine Sahneschnitte

Der Innenraum der 19.500 Euro kostenden Dynamique-Designlinie mit der Ausstattungsvariante Luxe ist schnörkellos und von straffer Sachlichkeit geprägt. Besonders das Armaturenbrett gefällt mit gelungener Übersichtlichkeit, die Bedienung ist denkbar einfach, alle wichtigen Schalter sind auf den ersten Griff zu finden. Die serienmäßige Klimaautomatik läßt sich leicht und präzise steuern, die Instrumente (sie sind von Aluminiumringen eingefaßt) sind gut abzulesen. Die Informationen des Bordcomputers werden mit einem Druck auf den Knopf am Hebel für den Scheibenwischer abgerufen, allerdings kann es länger dauern, bis die gewünschte Anzeige im Display zwischen Drehzahlmesser und Tacho erscheint, da man sich durch das gesamte Angebot klicken muß.

Treibstoffverbrauch kräuselt Fahrerstirn

Wird schließlich der Wert des aktuellen oder des durchschnittlichen Treibstoffverbrauchs angezeigt, kann das die Fahrerstirn schon mal kräuseln. 9,4 Liter Superbenzin für 100 Kilometer bestätigte die spätere Berechnung des Verbrauchsmittels, eindeutig zuviel für einen 1.320 Kilogramm schweren Wagen der Kompaktklasse. Unter acht Liter ließ sich der Konsum nur mit viel Mühe bringen, bei allzu nachdrücklicher Bearbeitung des Gaspedals waren hingegen Werte über elf Liter für 100 Kilometer mühelos zu erreichen. Allein das überdurchschnittlich große Tankvolumen (60 Liter) macht die Reichweite des Mégane 2.0 16V akzeptabel. Erfreulich ist dagegen der automatische Tankverschluß. Kein Deckel, keine Kappe muß abgeschraubt werden, der Rüssel der Zapfpistole wird lediglich gegen ein Stahlblech gedrückt und in den Stutzen geschoben. Beim Herausziehen schließt der Federmechanismus den Deckel selbsttätig und dichtet den Tankstutzen einwandfrei ab. Volltanken gelingt schnell und ohne Mühen, die Tankklappe wird von der fernbedienten Zentralverriegelung beim Abschließen gleich mitarretiert.

Am Lenkrad findet sich eine gute Position auf Anhieb, die Zeiten, in denen französische Wagen mit weichen und ungenügend verstellbaren Sitzen in unbequeme Positionen zwangen, scheinen endgültig vorbei. Das Lenkrad hat einen recht dicken Kranz, zartere Hände könnten Mühe haben, ihn zu umfassen. Dabei sollte das Volant gut in der Hand liegen, denn die Lenkung des Mégane ist keineswegs ein Sahnestück. Die geschwindigkeitsabhängige, elektrische Servounterstützung arbeitet dermaßen unpräzise, daß viel vom fahrdynamischen Potential des Kompaktwagens auf der Strecke bleibt. Beim Einlenken ist der Kraftaufwand überraschend groß, wird dann jedoch plötzlich geringer, so daß man den Mégane auf kurviger Strecke mehr als nötig in Ecken um die Ecken bringt. Dabei gibt sich das Fahrwerk sehr viel dynamischer, kann als überdurchschnittlich gutmütig und gleichzeitig agil charakterisiert werden. Übersteuern tritt selbst nach provozierendem Gaswegnehmen nicht auf, der Fronttriebler schiebt beherrschbar über seine Vorderräder und findet innerhalb der physikalischen Grenzen gut in seine Spur zurück. Der Geradeauslauf ist einwandfrei.

Sicher ein Topmodell

Sechs Gänge bietet das fein abgestufte, manuelle Getriebe. Seine Schaltung wirkt hakelig, der schnelle Gangwechsel will nicht recht gelingen. Aber es harmoniert prächtig mit der Leistungscharakteristik des 99 kW (135 PS) starken Vierzylinders, der 191 Newtonmeter Drehmoment bei 3.750 Umdrehungen in der Minute liefert. Das Ergebnis ist ein Beschleunigungsvermögen von 0 auf 100 km/h in 9,4 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ermittelten wir mit 203 km/h. Anfahrschwächen leistet sich die Maschine nie, die Zugkraft ist über ein breites Drehzahlband wach und stets bereit zum Abrufen. Der Motor arbeitet vibrationsarm und ohne übermäßige Geräuschentwicklung, nur bei 4.200/min erzeugt er ein nerviges Dröhnen, das erst oberhalb von 5.000/min wieder verschwindet. Angenehmer ist das Fahren unterhalb dieser Drehzahl, was der harmonische Drehmomentverlauf ohnehin erlaubt.

Der Mégane bremst nicht besser als seine Konkurrenten, dafür um so heftiger. Schon der sachte Druck aufs Pedal sorgt für ruckartiges Verzögern, viel Feingefühl und Routine sind erforderlich, um die Insassen nicht mehr als nötig in die Gurte zu pressen. Dafür hat der Renault eine ansprechende Federung, sie steckt selbst arge Schläge weg, ohne dabei weich zu wirken und ohne der Karosserie Wank- und Wippbewegungen zu erlauben.

Ablagemöglichkeiten im Innenraum gibt es in ausreichender Zahl, die Verarbeitung macht einen durchweg soliden Eindruck. Die Sensoren, die für das automatische Einschalten von Licht und Scheibenwischer zuständig sind, arbeiten mit einer bislang noch nicht erlebten Genauigkeit. Schwächen leistet sich der Mégane jedoch im Detail. So etwa an der Heckklappe, von deren Kante beim Öffnen nach einer Regenfahrt Schmutzwasser in den Kofferraum oder auf den Kopf desjenigen tropft, der ein- oder ausladen möchte.Die Ausstattung der Luxe-Version ist umfangreich und sinnvoll. Elektrisch betätigt man Außenspiegel und Fensterheber, ein Radio mit Kassettenspieler zählt dazu, Leichtmetallräder im 16-Zoll-Format ebenso. Für die Sicherheit an Bord sorgen ABS und ESP, sechs Airbags, von denen die vorn eingebauten in zwei Stufen je nach Schwere des Aufpralls zünden. Der neue Mégane ist dank einer steifen Karosserie und ausgeklügelter Crasheigenschaften ein überdurchschnittlich sicheres Auto. Etwas mehr Spaß beim Lenken stünde dem Topmodell freilich gut zu Gesicht.

Daten und Meßwerte

Empfohlener Preis 19 500 Euro,

Preis des Testwagens 20 870 Euro

Vierzylinder-Ottomotor, vier Ventile je Zylinder, 1998 Kubikzentimeter
Hubraum

Leistung 99 kW (135 PS) bei 5500/min

Höchstes Drehmoment 191 Nm bei 3750/min, 90 Prozent davon ab 2400 bis
5100/min

Erfüllt Euro 3/D4

Manuelles Sechsganggetriebe

Antrieb auf die Vorderräder

Länge/Breite/Höhe 4,21/1,77/1,46 Meter

Radstand 2,62, Wendekreis 10,5 Meter

Leergewicht 1230 (tatsächlich 1320), zulässiges Gesamtgewicht 1770,
Anhängelast 1300 Kilogramm; Kofferraumvolumen 330 bis 1190 Liter

Reifengröße 205/5 R 165 93 H

Höchstgeschwindigkeit 202 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 9,4 s, von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang 10,6/18,1
s

Verbrauch 5,4 bis 8,3, im Durchschnitt 6,7 Liter Super je 100 km;
Tankinhalt 60 Liter

Versicherungs-Typkl. HP 18, TK 33, VK 15

Kosten je km (bei 20 000 km/Jahr) 0,33 Euro

Quelle: 25. Februar 2003, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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