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Fahrtbericht Renault Mégane Coupé-Cabriolet Die Höflichkeiten des sanften Windes

 ·  Das Glasdach ist nicht rauschfrei und benötigt viel Platz

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50 km/h in der Stadt, kein Hauch ist zu spüren; Tempo 80 über Land, kein Härchen krümmt sich, 120 auf der Autobahn, die Frisur hält: Was an Reklame für Haarspray erinnert, ist vielmehr die Entdeckung der Windstille in einem Cabrio von Renault. Im neuen Mégane mit beweglichem Dach liegt nur das Gewicht der Sonne auf den Passagieren, das Wüten des Windes während der Fahrt bleibt außen vor. Das Mégane Coupé-Cabriolet verwöhnt mit hohem Komfort, und es bewahrt seine Besatzung vor den Stürmen wie ein Tornado-Schutzkeller. Der Nachteil: Das wahre Cabrio-Gefühl kommt nicht wirklich auf. Auch weil die Frontscheibe wie die Krempe eines Hutes weit über das Armaturenbrett und fast über die Köpfe von Fahrer und Beifahrer hinausgezogen ist. Renault bietet hier die behütete Offenheit.

Die französische Höflichkeit hat sich bis ins Auto vorgearbeitet. Deshalb hat Renault auf der Suche nach dem noch artigeren Fahren jetzt das Klapp-Stahl-Glasdach entdeckt. Öffnen und Schließen wird zum Fingerspiel auf der Taste, in 18 Sekunden lupft der frontgetriebene Viersitzer seine gläserne Haube und legt sie sorgsam gefaltet im Kofferraum ab. Mit ausdrucksstarken Kanten gewinnt der 4,36 Meter lange Wagen einen selbstsicheren Auftritt, unabhängig davon, ob der Wind- und Wetterschutz geöffnet oder geschlossen ist. Die Proportionen sind angemessen, der Renault leidet nicht unter einer Verfettung seines Hinterteils wie mancher seiner Artgenossen, deren üppiges Volumen über der Hinterachse durch den nötigen Raum fürs Verstauen der Dachkonstruktion bedingt ist. Das Volumen des Kofferraums, in dem die Konstruktion verschwindet, ist daher wechselhaft. Im Coupé-Betrieb bietet das Gepäckabteil stattliche 490 Liter Stauraum, obwohl das dort bei Nichtgebrauch abgelegte, nochmals die Zugluft reduzierende Windschott (290 Euro Aufpreis) erhebliche Platzansprüche hat. Im Cabrio-Zustand bleiben eben mal 190 Liter übrig, vorzugsweise werden dann Jacketts auf dem Bügel, ein schmaler Aktenkoffer oder der DIN-A2-Zeichenblock im Kofferraum abgelegt. Sperriges hat höchstens eine Chance, auf den Rücksitzen mitgenommen zu werden. Aber die hinteren Plätze im Mégane Coupé-Cabriolet sind ohnehin nur als Notsitze für die Kurzstrecke zu betrachten, deren Tauglichkeit ganz von der Gnade der vorn Sitzenden abhängig ist. Stellt der durchschnittlich große Fahrer eine für ihn passende Position ein, tendiert die Beinfreiheit auf dem Platz hinter ihm gegen null, nur wenn der Chauffeur näher ans Volant rückt, entsteht hinten so etwas wie ein Aufenthaltsraum.

Um die Sicherheit mühen sich zwei bei einem Unfall automatisch ausklappende Überrollbügel hinter den Kopfstützen, zudem vier Airbags, ESP und automatische Dreipunkt-Gurte auf allen vier Plätzen. Rollt der Mégane an, erinnert ein nervtötender Piepston die vorn Sitzenden daran, sich anzuschnallen. Dies ist ein ebenso sanfter wie sinnvoller Zwang, schön wäre, wenn die Gurtlaschen leichter in die Schlösser zu führen wären, denn die sitzen sehr stramm und knapp am Mitteltunnel und lassen sich nur mit einiger Anstrengung in die richtige Stellung für das Einrasten der stählernen Gurtzunge bewegen. Die Sitzposition für Fahrer und Beifahrer ist fein zu justieren, beide Sessel können in der Höhe, das Lenkrad horizontal und axial verstellt werden.

Satt schmiegt sich das lederbezogene Volant in die Hand, dahinter liegen die gut ablesbaren Instrumente, beim Drehzahlmesser fällt die Abwesenheit eines roten Bereichs auf. Bei etwa 6500 Umdrehungen in der Minute greift der Drehzahlbegrenzer beherzt ein. Er muß aber selten aktiv werden. Zwar scheut der Motor hohe Touren nicht, doch seine Lärmentwicklung oberhalb von 5000/min ist erstaunlich. Deshalb meidet man bald diese Drehzahlregionen. Die Durchzugskraft von 152 Newtonmeter bei 4200/min läßt Hoffnung auf besonders muntere Beschleunigung gar nicht aufkommen, doch wenn das Cabriolet erst mal in Fahrt ist, gelingt entspanntes Dahingleiten trefflich. 198 km/h Spitzentempo sind möglich, trotz des guten Windschutzes ist diese Geschwindigkeit beim Offenfahren freilich nicht ratsam. Allerdings: Auch wenn das Glasdach geschlossen ist, sinkt der Lärmpegel bei hoher Geschwindigkeit nur wenig. Es rauscht und tost um die Mégane-Karosserie, von etwa 170 km/h an ist die verbale Kommunikation im Innenraum arg erschwert. Langsameres Reisen schont den Geldbeutel, denn der Mégane läßt sich durchaus mit 7,3 Liter Super auf 100 Kilometer bewegen. Das ist für einen Motor mit 83 kW (113 PS), der immerhin knapp 1,5 Tonnen zu beschleunigen hat, noch angemessen. Wer aufs Tempo drückt, muß mit 9,1 Liter rechnen; in den Tank, dessen komfortspendende, automatische Klappe immer wieder aufs neue zu begeistern vermag, passen 60 Liter.

Die Federung des Renault Cabriolets ist eher sportlich als komfortabel abgestimmt. Auf Querfugen in Kurven erlaubt sich der Mégane einen kleinen, versetzenden Wechselschritt, Unebenheiten auf der Geraden entlocken der Karosserie keine akustischen Rückmeldungen, ein kurzes Zittern läuft trotz angemessener Versteifung durch den Wagen. Ein Gefühl der Unsicherheit aber kommt in keiner Fahrsituation auf. Kreuzbrav spurt der Renault um die Kurven und erreicht dabei erstaunliche Geschwindigkeiten, ohne mit Unarten zu überraschen. Lastwechselreaktionen bleiben aus, das ESP erstickt den Versuch des Ausbruchs im Ansatz, und mit der halbwegs präzisen Lenkung sind Kurskorrekturen leicht umzusetzen. Beim Rangieren unterstützt die Lenkhilfe sehr kräftig, schon mit einem einzigen Finger ist das Volant zu drehen. Mit zunehmendem Tempo geht die Servoleistung zurück, für den Geradeauslauf und das Kurvengefühl auf der Landstraße ist dies gut, die Neigung zum Überlenken kommt nicht auf.

Wenig Gefallen findet das Zusammenspiel von Kupplung und Getriebe. Sanftes Anfahren ist eine Meisterleistung, oft ruckelt der Wagen unhöflich los, das viel zu leichtgängige Gaspedal läßt den Motor dabei häufig übermäßig hoch drehen. Die Bemühungen, das Fahren einfach und komfortabel zu machen, sollten sich nicht in einer ans Gefühllose grenzenden Leichtigkeit erschöpfen. Etwas mehr Präzision wünschen wir uns auch für die Bremsen. Der Druckpunkt des Pedals ist kaum zu spüren, und die Kunst, den Mégane ohne Vollbremsung zum Stehen zu bringen, erfordert einen hochsensiblen rechten Fuß. Dabei beweist die Anlage Stehvermögen selbst nach übermäßiger Beanspruchung, und sie kennt weder Rubbeln noch Nachlassen bei der Wirkung. Die Gänge des Fünfganggetriebes lassen sich leicht wechseln, man meint jedoch, beim Führen des kurzen Schalthebels hin und wieder ein leises Kratzen zu verspüren. Die Abstufung der Übersetzungen paßt, und beim Gleiten in der Stadt ist der fünfte Gang bei Tempo 50 gerade recht.

Knapp bemessen ist die Zuladung. Sie liegt bei nur 300 Kilogramm, für einen Viersitzer, selbst wenn es ein vermeintlicher ist, eindeutig zu wenig. Die umfangreiche Ausstattung hebt das Gewicht, das uns zugeteilte Privilège-Niveau bietet als Spitzenversion: automatische Klimaanlage, Sonnenblende für das Glasdach, Audio-System mit Kassetten-Spieler, Tempomat, Bordcomputer, Leichtmetallräder.

Gute Verarbeitung, einfache Bedienung und eine funktionale Innenraum-Ausstattung stellen das Mégane Coupé-Cabriolet in die Reihe der alltagstauglichen, offen zu fahrenden Autos, die bei allem Komfortangebot noch eine wohlbemessene Portion an Fahrspaß bieten. Der Mann aus Eisen, mit Lederhaube und Schutzbrille, wird einen weiten Bogen um den höflichen Franzosen schlagen. Freunde der sanfteren Mobilität, die "auch mal offen fahren wollen", sind mit dem wohlbehüteten Mégane bestens ausgerüstet.

Nächste Woche: Audi A6 3.0 TDI quattro; weitere Artikel unter www.FAZ.net/Fahrtberichte

Daten und Meßwerte

Empfohlener Preis 24050 Euro Preis des Testwagens 28540 Euro

Vierzylindermotor mit Vierventiltechnik, 1598 Kubikzentimeter Hubraum

Leistung 83 kW (113 PS) bei 6000/min

Höchstes Drehmoment 152 Nm bei 4200/min, 90 Prozent davon ab 3200 bis 4400/min

Erfüllt Euro 4

Manuelles Fünfganggetriebe

Antrieb auf die Vorderräder

Länge/Breite/Höhe 4,36/1,78/1,40 Meter

Radstand 2,52, Wendekreis 10,2 Meter

Leergewicht 1320 (tatsächlich 1475), zulässiges Gesamtgewicht 1775, Anhängelast 1200 Kilogramm; Kofferraumvolumen 190 bis 490 Liter

Reifengröße 205/55 R 16 91 H

Höchstgeschwindigkeit 198 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 11,7 s, von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang in 12,8/17,8 s

Verbrauch 7,3 bis 9,1, im Durchschnitt 8,3 Liter Super je 100 km; Tankinhalt 60 Liter

Versicherungs-Typkl. HP 15, TK 33, VK 18

Kosten je km (bei 20000 km/Jahr) 0,34 Euro

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.07.2004, Nr. 166 / Seite T3
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