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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Fahrtbericht Peugeot 308 Frankreich mal ganz unaufgeregt

 ·  Nummer 308 von Peugeot ist ein liebenswerter Begleiter für Alltag und Reise geworden. Sparsam ist er, ausreichend komfortabel und mit viel Raum ausgestattet. Sein aggressives Äußeres hat er komplett abgelegt.

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In der Vergangenheit hat Peugeot oft Schelte bekommen: Wegen der scharfen Frontpartie vieler Modelle, die mit einem Nasen-Design im Stil der Formel 1 Assoziationen wecken sollte, die aber kaum durch entsprechende Charaktereigenschaften gestützt wurden. Die französische Marke hat sich erfreulicherweise abgewandt von dieser Art aggressiven Designs.

Der jüngst erneuerte 308 kommt nun als sittsame Gestalt, wie es sich für einen familientauglichen Kandidaten in der Kompaktklasse geziemt. Mit knapp 4,30 Meter Länge entspricht der Viertürer in etwa dem Format des C4 bei der Schwestermarke Citroën, rollt mit sanft gerundetem Bug und einem etwas pummelig geratenen Heck in die Schauräume der Händler. Es gibt eine besonders sparsame Diesel-Version, den 82 kW (112 PS) starken 308 e-HDi, der mit einer Start-Stopp-Automatik den Schwung nutzt und den Motor im Stillstand abstellt. Sie kostet 22.000 Euro.

Frontpartie
Vorn spähen scharf geschlitzte Scheinwerfer wie beim bisherigen Modell nicht ganz aggressionsfrei in die Welt. Gemeinsam mit dem Tagfahrlicht in LED-Technik bescheren sie dem 308 ein beachtliches Überholimage, sonst ist die Frontpartie aber harmonisch milde geformt.

Kofferraum
Hinten geht der Wagen mit wuchtig gestalteten Kotflügeln und einer opulenten Heckklappe arg in die Breite. Die Ladekante darunter siedelt in unkomfortabler Höhe, aber es passen immerhin rund 350 Liter Gepäck ins Abteil. Das Ladevolumen lässt sich durch das Umklappen der asymmetrisch geteilten Rückbank auf gut 1200 Liter steigern. Dazu müssen jedoch nicht nur die Rücklehnen im Fond nach vorn gefaltet, sondern auch die Sitzfläche in eine senkrechte Position gestellt werden. Das ist nicht ganz einfach und erfordert kraftvolles Zupacken.

Raumangebot
Bei normalen Fahrten ist das Raumangebot vorn wie hinten dagegen üppig, zwei Menschen sind auf der Rückbank selbst über längere Strecken gut untergebracht. Am Lenkrad vermittelt das weit nach vorn verlegte Armaturenbrett Großzügigkeit, die in Neigung und Längsrichtung einstellbare Mittelarmlehne steigert das Wohlbefinden noch. Darunter findet sich eines der seltenen Ablagefächer im Peugeot.

Die übrigen Staumöglichkeiten im Passagierraum sind sehr knapp dimensioniert, Flaschen etwa finden in den Türtaschen kaum Platz, das Handschuhfach ist mit Bedienungsbüchlein und ein paar CDs schon gut gefüllt. Immerhin gibt es einen cleveren Haken im Beifahrerfußraum, an dem man Handtaschen oder Einkaufstüten sicher befestigen kann.

Sicht
Die Sitzposition ist erhaben, fast blickt der 308-Chauffeur auf die Wagenlenker in anderen Kompaktautos von oben herab. Dennoch erschließen sich ihm die Ausmaße der Karosserie nicht. Die weit nach vorn gezogene Windschutzscheibe gibt den Blick auf die Haube nicht frei, auch die ausgeprägte Wölbung der Heckklappe hinter der Rückscheibe lässt sich nur erahnen.

Die Zusatzausstattung mit einem Park-Piloten vorn und hinten (200 Euro) ist empfehlenswert, zumal der 308 mit einem Wendekreis von gut elf Meter nicht eben zu den wendigsten Vertretern seiner Art gehört und häufiges Rangieren notwendig ist.

Panoramadach
Viel weiter kann der Blick nach oben schweifen. Zumindest alle, die zum günstigen Preis von 410 Euro das riesige Panorama-Glasdach bestellt haben, genießen bei schönem Wetter Sonne, Himmelsblau und Wolkenschauspiel. Bei Regen wird das Glasdach mit einem elektrisch angetriebenen Rollo verschlossen, dann sinkt außerdem das Rauschen des Fahrtwinds auf Flüsterniveau.

Motor
Der 308 ist ohnehin ein wahrer Leisetreter. Zumindest, was die Akustik angeht. Der Vierzylinder-Turbodiesel schöpft seine Kraft aus 1,6 Liter Hubraum und stellt 270 Newtonmeter Drehmoment als Spitzenwert bei 1750 Umdrehungen je Minute bereit. Das maßvolle Hubvolumen erfordert schon höhere Drehzahlen, damit der immerhin fast 1,5 Tonnen schwere Peugeot aus den Startlöchern kommt.

Getriebe
Zumal die Übersetzungen des sehr leicht und präzise zu schaltenden Sechsganggetriebes extrem lang ausgelegt sind. Unterhalb von 1600/min brennt hier kein Feuerwerk ab, auch verliert die Maschine die Lust an der Drehfreude, wenn die Nadel des Tourenzählers über die Marke von 3500/min gestiegen ist. In der Stadt bieten sich die Gänge fünf und sechs kaum an, die bei Tempo 50 anliegende Drehzahl bewegt sich dann auf oder sogar unter dem Niveau des Leerlaufs.

Verbrauch
Aber der Diesel geht sparsam zur Sache. Mit vier Liter Treibstoff 100 Kilometer weit zu kommen, ist mit gezügeltem Gasfuß keine schwierige Übung. Und mehr als 6,8 Liter auf 100 Kilometer genehmigt sich der Selbstzünder auch beim strammen Marsch über die Autobahn nicht.

Die Schaltempfehlungs-Anzeige im Kombi-Instrument zwischen Tacho und Drehzahlmesser ist fast verschämt klein ausgefallen, dafür beginnt eine Stoppuhr die Sekunden zu zählen, wenn die Start-Stopp-Automatik den Motor abstellt. Das ist sehr charmant, denn eine Minute Motorstillstand, so rechnen Spritspartrainer vor, entspricht durchschnittlich einer Fahrtstrecke von 400 Meter.

Nach einer Tour quer durch Frankfurt zeigt die Uhr fünf Minuten Motorstopp an, Sprit für zwei Kilometer wurden demnach gespart. Rollt der 308 im Leerlauf aus, wird das Stoppsystem schon beim Unterschreiten von Tempo 20 aktiv. „Segeln“ nennen die Motorenentwickler diese Funktion nicht ganz zutreffend. Schließlich schiebt hier nicht der Wind an.

Fahrverhalten
Wer Autobahnkurven mit beherztem Tempo nimmt, fühlt sich im kompakten Peugeot gut aufgehoben. Sicher und spurtreu bleibt er auf Kurs. Allerdings gilt es, das Volant fest im Griff zu behalten. Es ist mit Leder bezogen und dankenswerterweise von keinem einzigen Fernbedienungsknopf verunstaltet.

Gute Rückmeldungen gibt die indirekte Lenkung allerdings nicht, der Fahrer fühlt sich wahrhaft vom Asphalt entkoppelt. Ist die Fahrbahn uneben, kann die Federung die Komfortwünsche der Mitfahrer dagegen nicht immer erfüllen. Kurze Stöße liegen ihr gar nicht. Die Bremsen erfreuen mit einer sehr feinen Dosierbarkeit und packen kräftig zu, wenn es nötig ist.

Ausstattung
Mit Sorgfalt hat Peugeot die Ausstattung des zweithöchsten Niveaus Active zusammengestellt. Hier findet sich alles, was das Reisen angenehm macht. Klimaanlage, Tempomat und eine Audioanlage gehören unter anderem dazu.

Für das schicke Aussehen sorgen Leichtmetallräder im 16-Zoll-Format, für die Sicherheit sind ESP und sechs Airbags zuständig. Nur die beiden Luftpolster für die Fondpassagiere kosten 200 Euro mehr.

Fazit
So ist aus dem 308 nach der vergangenen Modellpflege ein durchaus liebenswerter Begleiter für Alltag und Reise geworden. Sparsam ist er, ausreichend komfortabel und in allen Situationen angenehm unaufgeregt. Keine schlechte Eigenschaft in Zeiten, wo modische Hektik selbst in der entspannendsten Chillout-Lounge das Abkühlen anstrengend macht.

Daten und Messwerte

Empfohlener Preis 22.000 Euro
Preis des Testwagens 24.180 Euro

Vierzylinder-Dieselmotor, mit Abgasturbolader, vier Ventile je Zylinder, 1560 Kubikzentimeter Hubraum

Leistung 82 kW (112 PS) bei 3600/min

Höchstes Drehmoment 270 Nm bei 1750/min, 90 Prozent davon ab 1600 bis 3000/min

Manuelles Sechsganggetriebe

Antrieb auf die Vorderräder

Länge/Breite/Höhe 4,28/1,82/1,5 Meter

Radstand 2,61, Wendekreis 11,2 Meter

Leergewicht 1455, (tatsächlich 1480), zulässiges Gesamtgewicht 1860, Anhängelast 1500 Kilogramm, Kofferraumvolumen 348 bis 1201 Liter

Reifengröße 205/55 R 16 91 V

Höchstgeschwindigkeit 193 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 11,4 s; von 50 auf 100 km/h im 4./5./6. Gang in 9,7/17,7/31,8 s

Verbrauch 4 bis 6,8,m Durchschnitt 5 Liter Diesel je 100 km; 113 g/km CO2 bei Normverbrauch von 4,3 Liter; Tankinhalt 60 Liter

Versicherungs-Typkl. HP 15, TK 20, VK 19

Garantie zwei Jahre ohne Kilometerbegrenzung, drei Jahre auf Lack, zwölf Jahre gegen Durchrostung, Wartung nach jeweils 30.000 Kilometer oder zwei Jahren

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