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Fahrtbericht Opel Astra 1.8 Twin Top Edition Eine faszinierende Übung für die Freude am Sommer

03.07.2006 ·  Mit dem Twin Top haben die Rüsselsheimer Mitte Mai die Astra-Familie erweitert. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger hat faltet der Neue sein Blechdach auf Knopfdruck zusammen und läßt es im Kofferraum verschwinden.

Von Boris Schmidt
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Sommer, Sonne, Fußball-WM. An unserem Auto flattert kein Fähnchen, weil das Dach im Kofferraum abgelegt ist. Als wir an den Krifteler Erdbeerfeldern vorbeikommen, ist der süße Geruch der Sammelnußfrucht deutlich zu vernehmen. Solche Moment sind es, die das Kabriofahren einzigartig machen. Man ist viel näher an der Natur, jede Fahrt ist ein Erlebnis. Unser Cabriolet ist rot, und es ist ein Opel. Mit dem Twin Top haben die Rüsselsheimer Mitte Mai die Astra-Familie erweitert. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger hat der Neue kein klassisches Softtop, sondern er faltet sein Blechdach auf Knopfdruck in 27 Sekunden zusammen und läßt es im Kofferraum verschwinden.

Es surrt und gurrt bevor es verschwindet

Dabei fasziniert immer wieder, diese Übung anzuschauen: Das zweiteilige Dach nebst Heckfenster hebt sich und verschachtelt sich ineinander, der Kofferraumdeckel öffnet in die andere als die gewohnte Richtung, es surrt und gurrt, Plastikabdeckungen schwenken hin und her. Es ist ein großes Schauspiel, das fünf Elektromotoren und acht Hydraulikzylinder aufführen - übrigens gerne auch bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h. Zwar hat die Klappmechanik bis auf einen kurzen Aussetzer immer funktioniert, doch insgesamt macht alles einen sehr fragilen Eindruck. Ob dieses diffizile Zusammenspiel auch noch in etlichen Jahren einwandfrei funktioniert, wenn der Opel von dritter Hand gefahren wird?

Ist das Dach im Kofferraum abgelegt, schrumpft dessen Fassungsvermögen auf 205 Liter. In der Praxis passen noch eine Reisetasche und ein flacher Koffer hinein. Zum Einladen läßt man das Dach am besten drauf. Eine Jalousie dient als Indikator, wie geladen werden darf. Diese muß zugezogen sein, sonst klappt das Dach nicht. Um das Gepäck unter den zusammengefalteten Blechteilen wieder herausholen zu können, läßt sich das verschachtelte Dachpaket per Knopfdruck etwas anheben. Mühsam bleibt der Zugriff dennoch, zumal die Jalousie danach wieder zugezogen werden muß, und dafür muß man in den Kofferraum hineinkriechen. Geschlossen hat der Opel für ein Coupe einen riesigen Kofferraum: 440 Liter. Mehr bietet in dieser Klasse niemand. Außerdem gibt es eine Durchreiche für Skier, und in kleinen Fächern ist Platz für Krimskrams. In den Boden passen noch Tirefit und das zusammengefaltete Windschott (265 Euro Aufpreis).

Auf jenes kann man jedoch verzichten: Insbesondere mit hochgefahrenen Fenstern zieht es offen nur relativ wenig, selbst bei höherem Tempo auf der Autobahn. Hinten sitzt man allerdings wie in jedem viersitzigen Cabriolet voll im Sturm. Im Fond kommen Erwachsene nur zur Not unter. Es herrscht kaum Beinfreiheit, die Rückbanklehne steht sehr steil. Und selbst für Kinder ist es eng, aber durchaus noch erträglich. Unter den Kopfstützen verbergen sich Überrollbügel für den eher unwahrscheinlichen Fall eines Überschlags.

Es geht auch ohne Pummelheck

Zum Design: Weil das Dach des Twin Top aus zwei Hälften besteht, wird ein zu pummeliges Heck wie beim Peugeot 307 CC vermieden, der Opel macht offen wie geschlossen eine sehr gute Figur, nur die gedrungen wirkenden Rückleuchten gefallen nicht jedem. Vor allem von der Seite betrachtet, besticht der Opel als Coupe mit seiner niedrigen Silhouette. Da es keine B-Säule gibt, ist es nach dem Herunterfahren aller Fenster auch mit Dach schön luftig im Wagen, dennoch ist eine Klimaanlage serienmäßig.

Da sich der Astra problemlos bedienen läßt und sich auf kurvigen Stecken als agiler Zeitgenosse mit hohen Sicherheitsreserven erweist, macht das Fahren geschlossen fast soviel Spaß wie offen. Angemerkt werden muß aber, daß der Twin Top mit Dach wesentlich steifer ist: Geht es offen über schlechte Strecken, zittert mitunter das gesamte Auto. Sonst kann man mit dem Fahr- und Federungskomfort zufrieden sein, ebenso wie mit den fest zupackenden und standfesten Bremsen. Die Servolenkung vermittelt ein gutes Gefühl zum Wagen, vom Frontantrieb läßt sie sich kaum irritieren.

Fünf Motorvarianten zur Wahl

An Motoren stellt Opel dem Kunden vier Otto- sowie ein Dieseltriebwerk zur Wahl. Mit dem 1,8-Liter-Aggregat entscheidet man sich für 140 PS, die Einsteigermotorisierung mit 105 PS (und 1,6 Liter Hubraum) ist wohl doch zu bescheiden. Mit dem 1,8er ist ein einigermaßen flotter Fahrstil möglich, solange man fleißig schaltet und den Motor drehen läßt. Übermäßig kräftig und elastisch ist der Motor nicht, aber Tacho 220 km/h können sich sehen lassen, wenn auch das Triebwerk bei höheren Drehzahlen zum Dröhnen neigt. Wer mehr will, dem sei der 2-Liter-Turbo empfohlen, der hat 170 oder 200 PS. Ein sechster Gang würde das Geräusch- und das Drehzahlniveau reduzieren, leider gibt es diesen nicht (wohl aber im Turbo und im Diesel - eine Automatik ist generell nicht zu haben). So liegen bei Tacho 140 km/h schon 4000 Umdrehungen in der Minute an, und wer es eilig hat und Maximaltempo fährt, muß 6400 Touren in Kauf nehmen. Die Momentan-Verbrauchsanzeige des Bordcomputers zeigt dann einen Verbrauch von 20 Liter auf 100 Kilometer an, doch der Opel kann auch anders. Ruhig gefahren, kamen wir auf einen Schnitt von 8,0 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer. Der Gesamtschnitt betrug 8,5 Liter. Das kann sich sehen lassen, vor allem wenn man auf die Verbrauchswerte der Konkurrenz schaut.

Das sind natürlich die entsprechenden Kabrios von VW, Peugeot oder Renault, eine offene Variante des Ford Focus kommt im Herbst. Daß der Opel billiger ist als der unmittelbare Konkurrent von Volkswagen, kann man im direkten Vergleich ergründen: Der VW Eos, der zudem ein noch aufwendigeres Verdeck hat (mit Schiebedach) ist im Innenraum mindestens eine Klasse hochwertiger.

Am besten mit Fernbedienung

Dabei ist im Opel für sich genommen alles in Ordnung, die Sitze sind klasse, geben einen hervorragenden Seitenhalt und bewähren sich auf langen Strecken, die Armaturen sind funktional, die Bedienung ist einfach und leicht verständlich. Alles ist wie im Astra (also kein Kühlwasserthermometer), somit sehr nüchtern, sachlich und kühl. Aufwerten läßt sich der Twin Top mit einer Lederausstattung (1105 Euro), die jedoch leider nicht für die Edition-Variante bestellbar ist. Neben Edition gibt es noch Cosmo (830 Euro teurer), das sich vor allem durch höherwertigen Polsterstoff, einen Parkpiloten für hinten und eine Fernbedienung für das Dach unterscheidet. Die Fernbedienung (einzeln 195 Euro) ist ein empfehlenswertes Extra, schlicht deshalb, weil es sich in den offenen Wagen viel bequemer einsteigen läßt.

Dennoch ist das allgemeine Ausstattungsniveau des Twin Top zu loben: Alles Wichtige und Notwendige ist an Bord (zum Beispiel ABS, ESP, vier Airbags, elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung, CD-Radio, Tempomat, Lederlenkrad). Neues wie Kurvenlicht (Bi-Xenon), Berganfahrassistent oder ein schlüsselloses Zugangssystem gibt es gegen Aufpreis. Mit einem Basispreis von 23650 Euro für den 1,6er und 25400 Euro für den 1,8er ist der Astra Twin Top sehr scharf kalkuliert. VW verlangt für den Eos 2.0 FSI (150 PS) 27950 und für den 1.6 FSI (115 PS) 25950 Euro. Astra und Eos grenzen sich damit deutlich von den anderen deutschen Herstellern ab, die von der Karosserie her etwas üppigere viersitzige Kabrios bieten, vom Platzangebot aber durchaus vergleichbar sind. Alle drei haben ein Stoffverdeck: Der Basis-A4 hat 163 PS und kostet 33900 Euro, für den BMW 318i mit seinen 150 PS werden 35050 Euro verlangt, und der Mercedes-Benz CLK (163 PS) kostet gar 43152 Euro.

Opel und VW (der Fahrtbericht zum Eos erscheint am 1.August) haben dankenswerter Weise doch noch deutlich mehr Bodenhaftung. Recht so, den Kabrio-Sommer sollen möglichst viele genießen können. Nicht nur wegen des Preis-Leistungs-Verhältnisses ist der Twin Top dafür ein ganz heißer Tip.

Daten und Meßwerte

Empfohlener Preis 25400 Euro
Preis des Testwagens 29835 Euro

Vierzylinder-Ottomotor, vier Ventile je Zylinder, 1796 Kubikzentimeter Hubraum

Leistung 103 kW (140 PS) bei 6300/min

Höchstes Drehmoment 175 Nm bei 3800/min, 90 Prozent davon ab 2400 bis 5800/min

Erfüllt Euro 4

Manuelles Fünfganggetriebe

Antrieb auf die Vorderräder

Länge/Breite/Höhe 4,48/1,83/1,41 Meter

Radstand 2,61, Wendekreis 11,20 Meter

Leergewicht 1450 (tatsächlich 1480), zulässiges Gesamtgewicht 1865, Anhängelast 1200 Kilogramm; Kofferraumvolumen 205 bis 440 Liter

Reifengröße 225/45 R1791W

Höchstgeschwindigkeit 209 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 11,8 s, von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang in 13,0/18,0 s

Verbrauch 8,0 bis 9,3, im Durchschnitt 8,5 Liter Superbenzin je 100 km; Tankinhalt 52 Liter

Versicherungs-Typklasse HP 14, TK 23, VK 19

Kosten je km (bei 20000 km/Jahr) 0,38 Euro

25650 Euro kostet der Viersitzer, Radstand 261, Länge 435 Zentimeter, auch mit Dieselmotor

24450 Euro kostet der Viersitzer, Radstand 252 und Länge 436 Zentimeter, mit Diesel oder Otto-Turbo

Quelle: F.A.Z., 04.07.2006, Nr. 152 / Seite T3
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Jahrgang 1959, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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