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Fahrtbericht Nicht nur für sieben Zwerge, aber besser im Gelände

22.04.2003 ·  Mit dem XC90 stellt Volvo endlich einen Wagen der SUV (Sport Utility Vehicles) Klasse vor. Obwohl etwas mehr Geländegängigkeit schön gewesen wäre reist im XC90 auch auf kurvigen Strecken die Sicherheit in der vordersten Reihe mit.

Von Michael Kirchberger
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Volvo hängt sich spät an den Zug, zu dem sich die neuen Autos der Klasse SUV, Sport Utility Vehicles, formiert haben. Aber, wie's der Schwede gerne macht, nach langer Vorbereitung mit der nötigen Hingabe und Sorgfalt. Der XC90, ein mächtiger, 4,8 Meter langer und bis zu 2,73 Tonnen schwerer Wagen, trägt die typischen Wesenszüge der Marke und beansprucht das Attribut gesteigerter Sicherheit. Die kantige Karosserie verspricht ihren Passagieren viel Platz und sicheren Transport. Die Geländeeigenschaften, die andere Vertreter der Klasse augenfälliger zu Markte tragen, spielen für Volvo eine eher untergeordnete Rolle.

Dafür kann der XC90 - als D5-Premium-Version kostet er 44.030 Euro - den Meister bei der Personenbeförderung abgeben. Sieben Plätze bietet er an, das Gestühl in der letzten Reihe verwöhnt mit überraschendem Komfort, und selbst der Weg dorthin läßt sich ohne besonderes Geschick halbwegs stilvoll bewältigen. Bis zur Mittelstrecke können sich Erwachsene weitgehend schmerzfrei transportieren lassen, nur für die weite Reise empfiehlt sich die hinterste Bank eher kleineren Mitfahrern. Werden die beiden einzelnen Sessel nicht gebraucht, verschwinden sie nahtlos im Boden, wer dann noch die eigentliche Rückbank umklappt, was ohne Demontage der Kopfstützen möglich ist, erhält eine üppige Ladefläche und bis zu 1.837 Liter Stauraum. Das Ladevolumen ist nicht zuletzt aufgrund der weit öffnenden Heckklappe beeindruckend, selbst Sperrigstes läßt sich unterbringen, das Beladen selber ist dagegen schwierig. Gut 80 Zentimeter muß das Transportgut in die Höhe gehievt werden, hinderlich ist auch der untere Teil der Heckklappe, der separat zu öffnen ist und nach unten in die Waagerechte klappt. Zwar lassen sich die gewichtigen Dinge kurz abstellen und von dort ins Abteil hineinschieben - dafür, daß dies bis zum Anschlag an die Lehnen der Rückbank oder gar bis zu den Vordersitzen gelingt, ist kein Arm dieser Welt lang genug. Variabel ist der sachlich und funktional gestaltete Innenraum jedoch auch durch die dreifach geteilt klappbare Rückbank. Je nach Format des Gepäcks können die Bankdrittel nach vorn umgelegt werden. 112 Zentimeter Laderaumhöhe, knapp 1,3 Meter Breite und maximal 2,09 Meter Länge bieten dann vielfältige Möglichkeiten, den Transport zu bewältigen.

Der Dieselmotor ein zartes Stimmchen

Der Fahrerplatz im XC90 ist nach bewährter Volvo-Manier geschnitten. Übersichtlich angeordnete und gut ablesbare Instrumente bilden das Zentrum des Armaturenbretts, der Bordcomputer ist ebenso leicht zu bedienen wie der Tempomat. Trotz der Vielzahl von Tasten, Drehstellern und Hebeln erklärt sich der Wagen seinem Fahrer von selbst und erfordert kein langes Studium der Bedienungsanleitung vor Fahrtantritt. Die Sitze vorn sind breit und bequem, der Fahrer kann Fläche und Lehne bei der Premium-Version des XC90 elektrisch in die richtige Position schnurren lassen. Mit dem Seitenhalt haben die lederbezogenen Sessel freilich kein besonderes Abkommen, unweigerlich hält der Fahrer das Lenkrad fester, wenn es mal zügig um die Kurven geht; der Beifahrer kann zum Festhalten den Griff an der A-Säule nutzen, der kleineren Passagieren gute Dienste beim Einsteigen leistet. Ablagen gibt es in ausreichender Zahl, das Handschuhfach ist von akzeptabler Größe, und die Mittelkonsole mit CD-Fach und einer zum Fond hin klappenden Ablage ist eine pfiffige Lösung.

Der Fünfzylinder-Dieselmotor startet mit hellem Klang und ist im Innenraum nicht nur zu hören, sondern auch zu spüren. Die Vibrationen sind jedoch zart genug, um auf langer Strecke nicht zu zermürben. Auffällig hingegen sind die Windgeräusche. Sie melden sich im Bereich der A- und der C-Säule bei Geschwindigkeiten von mehr als 130 km/h und sind konstant rauschende Begleiter. Dennoch kann der XC90 mit erheblichem Komfort und guter Tauglichkeit auf der langen Strecke aufwarten. Dazu gesellt sich ein Dieselverbrauch, der angesichts der Größe der Karosserie und des Fahrzeuggewichts noch in Ordnung geht. Selbst eiligste Fahrt trieb den Konsum nicht über 13,2 Liter Diesel für 100 Kilometer, der Minimalwert wurde mit 8,8 Liter ermittelt. Der Durchschnitt von 10,3 Liter Diesel ist einem hochbauenden Wagen mit fast 2,2 Tonnen Gewicht angemessen. 70 Liter Tankinhalt ermöglichen gute Reichweiten, Volltanken ist eine Frage der Geduld; wenn die Zapfpistole zum ersten Mal abschaltet, passen mindestens noch sechs Liter Kraftstoff in den Tank.

Leicht geländegängig

Der direkteinspritzende Selbstzünder arbeitet mit Common-Rail-Technik und leistet 120 kW (163 PS). 340 Newtonmeter Drehmoment liefert er zwischen 1.750 und 3.000 Umdrehungen in der Minute und erreicht die Schadstoffklasse Euro 3. Unter Gesichtspunkten des Verbrauchs ist er gewiß die beste Wahl für den XC90, wenngleich sein Leistungspotential für das allradgetriebene Schwergewicht gerade noch ausreicht. Um auf Spitzengeschwindigkeit zu kommen, benötigt der XC90 D5 einen langen Anlauf, immerhin schafft er 190 km/h, fünf km/h mehr, als der Hersteller angibt. In Verbindung mit der fünfstufigen Automatik (2.000 Euro Aufpreis) leistet er sich freilich gelegentlich Anfahrtschwächen, was besonders beim Einfädeln auf der Autobahn stört. Auch beim Kreuzen von verkehrsreichen Straßen ist Geduld gefragt, denn die kleine Lücke im fließenden Verkehr ist angesichts der betulichen Art des Anfahrens für den Volvo SUV zu klein. Um so mehr überrascht der Sprintwert von 0 auf 100 km/h, der mit 11,7 Sekunden ein wesentlich agileres Verhalten erwarten läßt. Das Wechseln der Gänge gelingt dem Automaten weich, fast unauffällig, am Komfort der Schaltbox gibt es nichts zu kritisieren.

Im Stau entkoppelt das Getriebe den Antriebsstrang recht spät, beim Anhalten geht immer ein mürrisches Schütteln durch die Karosserie. Während die Lenkung beim Rangieren und bei langsamer Fahrt wenig Straßenkontakt vermittelt, nur geringe Rückstellkräfte hat, ja richtig unpräzise wirkt, wird sie bei Reisegeschwindigkeit exakter. Gerade Linien lassen sich so ziehen, der Volvo wirkt fast handlich. Sein Geradeauslauf ist tadellos, die Karosserie schwingt auf Wellen kaum nach, nur kurze Stöße dringen durch die Federung und die straffen Sitzpolster. Die Bremsen zeigen sich auch nach kräftiger Beanspruchung als standfest und gefallen zudem mit einer feinen Dosierbarkeit. Das Fahrverhalten ist unproblematisch, die geringe Neigung zum Übersteuern nach dem Lastwechsel in der Kurve ist mühelos kontrollierbar, zumal ein Stabilitätssystem helfend eingreift.Der Allradantrieb des XC90 arbeitet mit einer Haldex-Kupplung, die automatisch die Kraft zu jener Achse mit der besseren Bodenhaftung leitet. Es gibt keine Geländeuntersetzung des Getriebes oder Differentialsperren. Mit 21,8 Zentimeter Bodenfreiheit und einem Böschungswinkel von 28 Grad (vorn, hinten 25 Grad) gehört er freilich in die Kategorie der leicht geländegängigen Fahrzeuge. Tiefe Feldwege, glatte Auffahrten oder auch mal die rutschige Slip-Anlage am Hafen sind eher seine Domäne als der Weg im Wüstensand oder im Gebirge.

Gutes, nicht besonders flinkes Reisen

Der große Volvo ist gut ausgestattet, die Premium-Ausgabe der siebensitzigen Version (der Fünfsitzer ist 1.200 Euro billiger) hat unter anderem Klimaanlage, ein kraftvolles Audio-Paket und sogar ein Funktelefon mit Freisprecheinrichtung an Bord. Das Umkippen soll ein Überrollschutzsystem verhindern, das mit rechtzeitigem Aktivieren des Stabilitätssystems bei Schleuderbewegungen eingreift, außerdem schützt die verstärkte Dachkonstruktion die Insassen beim Überschlag. Front-, Seiten- und Fensterairbags, die beim Siebensitzer tatsächlich über die letzte Sitzreihe hinausgehen, bilden den von Volvo erwarteten Sicherheitsrahmen des Wagens. Reisen ist im XC90 mit Dieselmotor nicht besonders flink, aber mit gutem Gefühl möglich.

Daten und Meßwerte

Empfohlener Preis 44 030 Euro,

Preis des Testwagens 46 430 Euro

Reihenfünfzylinder-Dieselmotor, vier Ventile je Zylinder, 2401
Kubikzentimeter Hubraum

Leistung 120 kW (163 PS) bei 4000/min

Höchstes Drehmoment 340 Nm bei 1750/min, 90 Prozent davon ab 1600 bis
4000/min

Erfüllt Euro 3

Automatisches Fünfstufengetriebe

Permanenter Allradantrieb

Länge/Breite/Höhe 4,78/1,89/1,73 Meter

Radstand 2,86, Wendekreis 12,5 Meter

Leergewicht 2100 (tatsächlich 2190), zulässiges Gesamtgewicht 2735,
Anhängelast 2250 Kilogramm; Kofferraumvolumen 483 bis 1837 Liter

Reifengröße 235/65 R 17 99 H

Höchstgeschwindigkeit 190 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 12,7 s

Verbrauch 8,8 bis 13,2, im Durchschnitt 10,8 Liter Diesel je 100 km; Tank
70 Liter

Versicherungs-Typkl. HP 24, TK 35, VK 27

Kosten je km (bei 20 000 km/Jahr) 0,50 Euro

Quelle: 22. April 2003, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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