16.05.2007 · Der Mini Cooper S ist eine Neuauflage, aber irgendwie auch ein Original, weil er für immer jung bleibt. Herausgekommen ist dabei ein Auto, das Mini heißt und Maxi wurde. Es ist ein kleines Luxusauto, leidet allerdings unter der Diktatur des Designs.
Von Wolfgang PetersWenn man sehr streng mit der europäischen Autovergangenheit umgeht, dann gibt es nur drei wirkliche Kultautos: den VW Käfer, den Fiat Cinquecento und den Mini. Ihre Persönlichkeiten sind so stark, dass man unter ihren alten Namen neue Modelle präsentieren oder konzipieren konnte (der Cinquecento kommt im Sommer). Der VW New Beetle war der erste Versuch, kein grundsätzlich gescheiterter Ansatz, aber eine Nachfrage-Hysterie war da nicht entstanden. Das ist beim Mini anders.
Schon das Uroriginal war nämlich ein ungeheuer fortschrittliches Auto, und der BMW-Mutterkonzern tat gut daran, sich einerseits für die Neuauflage auf alte Stärken zu besinnen und andererseits auf neue Eigenschaften zu setzen. Herausgekommen ist dabei ein Auto, das Mini heißt und Maxi wurde.
Neuauflage der neuen Auflage
Weil auch Genies altern, war jetzt die Neuauflage der neuen Auflage fällig (man tut sich rein sprachlich schon ein bisserl schwer mit der Abgrenzung), und die Möglichkeiten der Modifikationen waren nicht eben riesig. Das Design wurde außen und innen entweder kaum angetastet oder eher "verschlimmbessert", und wahrscheinlich war man froh, die ältere Antriebstechnik durch neue Motoren ersetzen zu dürfen. Da hatte man doch konkrete Ansätze für eine Fortsetzung der Erfolgsgeschichte.
Man hat das Rezept nicht verändert, es wurde aber mit frischeren Zutaten zeitgemäßer konfiguriert. Allerdings dürfen vor allem zwei Konzept-Komplexe dabei nicht vergessen werden: Muss ein neuer Mini immer so aussehen, und gestattet der Zwang zur Originalität jeden Unfug? Vor allem aber: Der Aufwand zum Erhalten der einstigen Kerntugenden wird immer größer. Dabei liegt der Schluss nahe: Die Läufe der Zeiten und die Wünsche der Kunden führen zwangsläufig zu einem Auto, das mit den einstigen Ideen und verlockenden Inhalten nur noch den atmosphärisch spürbaren Überbau gemeinsam hat. Daraus folgt, dass ein wirklich neuer Mini durchaus möglich ist, er muss nur wiederum den Zeichen der Zeit folgen. Eigentlich ganz einfach.
Beinahe genialer Spürsinn
Der Neuauflagen-Erfolg ist ohne Frage auch eine Frage des Kults um das Auto. Da weiß man nicht, wem man heftiger auf die Schultern klopfen muss. Das Design hat mit beinahe genialem Spürsinn die Kerne der Form nicht nur entdeckt, sondern auch in die Moderne übertragen. Nur ein neuer Mini ist ein Mini. Auf den ersten Blick kann man das sehen, und es ist immer zuerst der Charme dieser Form, von dem die Verzauberung ausgeht. Und das Marketing für den neuen Mini hat es verstanden, die Aura des Autos puristisch zu modernisieren und auf unbeschwerte Weise jugendlich zu gestalten. Die Folge: jeder Mini-Fahrer fühlt sich wie nach einem Jungbrunnen. Die ununterbrochene Fahrt sollte freilich nicht länger dauern als von Andechs nach Altötting. Allerdings ist eine Unterscheidung zu treffen, die wir auch in der verehrungswürdigen, schweizerischen "auto revue" fanden: Man muss unterscheiden zwischen Stil und Lifestyle. Diesen kann man kaufen - Stil hat man.
Und so fallen in den Design-Becher der Freude auch beim Blick in den tadellos verarbeiteten und mit hochwertigen Materialien ausstaffierten Innenraum etliche bittere Tropfen. Die Ablagen sind sämtlich zu klein geraten, und beinahe namenloses Entsetzen löst die Gestaltungsorgie am Armaturenträger, an der Mittelkonsole und am Volant aus: Schalter und Tasten sind wirr verteilt (allein am Volant gibt es zehn Verstelleinheiten), etliche Informationsleuchten werden zuverlässig vom Lenkrad verdeckt, und der wohl als Zitat gedachte (und mit etlichen Informationen überfrachtete) Tacho ist der größte Rasierspiegel, dem wir je begegnet sind. Schon bei normaler Sonneneinstrahlung ist er nicht mehr sicher abzulesen. Da hat man nicht in die richtige Richtung, sondern in Richtung Lebensgefühl gedacht.
Ursprünglich revolutionäres Konzept
Das gilt auch für die Ausnutzung des ursprünglich revolutionären Konzepts (Frontantrieb, Quermotor mit Getriebe verblockt, winzige Räder, simple Instrumentierung), die bei dem 3,70 Meter langen Wagen eher enttäuschend ausfällt. Mehr als zwei Menschen hat man sich wohl als Mini-Besatzung nicht vorstellen mögen. So lebt es sich vorn auf bequemen Sitzen wunderbar, aber schon der Einstieg nach hinten wird für jeden Menschen jenseits der Zwanzig zu einem würdelosen Vorgang.
Mit der Kopffreiheit hinten kann man noch auskommen, aber der Abstand zwischen Sitzkante hinten und vorderem Lehnenabschluss führt zu Tränen des Schmerzes, wenn vorn der Sitz zurückgeschoben wird. Ganze 40 Zentimeter tief ist der Kofferraum, man kann ihn zwar erweitern durch einfaches Umklappen der Rücksitze auf eine Ladetiefe von 113 Zentimeter, aber dabei entsteht in der Stauebene eine Stufe mit 18 Zentimeter Höhe. Die Öffnung im Heck ist 75 Zentimeter hoch, das reicht. Insgesamt wirkt der Mini wie der Volvo C30: Dinks (double income no kids) werden mit offenen Armen begrüßt.
Alle im gleichen Kleid
Vom Mini 2007 gibt es derzeit vier Versionen, alle im gleichen Kleid, mit unterschiedlichen Vierzylindern. Die Preise reichen von 15 850 bis 21 600 Euro. Das kostet der Cooper S, den wir jetzt gefahren haben. Den ebenfalls interessanten Cooper D mit dem neuen Schnurr-Selbstzünder für 19 400 Euro schieben wir in naher Zukunft nach. Er wird beim Verbrauch neue Mini-Maßstäbe setzen.
Das schaffte der Cooper S bei uns nur zum Teil. Er konsumierte zwischen 6,9 und 10,1 Liter auf 100 Kilometer und glänzte mit frugalen und dynamischen Eigenschaften: Turbotechnik führt nicht mehr unbedingt zu zügellosem Trinkverhalten. Und sie baut schon bei derart niedrigen Drehzahlen derart hohen Schub auf, dass man den jederzeit sehr wohlklingenden Motor kaum mehr wirklich jubeln lassen muss. Zudem läuft die zusammen mit Peugeot (Einsatz im Typ 207) gebaute Maschine leise und vibrationsarm, und sie ist mit ihrer hohen Leistung in erster Linie dafür verantwortlich, dass der neue Mini wieder diese tolle Zehenspitzen-Agilität des alten Mini bietet.
Der neue Mini fährt wie auf Schienen
Darum machen sich auch die fast immer von Antriebszerren freie Lenkung, die fein ansprechenden Bremsen und das Fahrwerk verdient. Bei zu hohem Leistungseinsatz greift unverzüglich die Traktionskontrolle ein (im Cooper S und beim Diesel Serie) und nimmt Leistung zurück. Volles Beschleunigen ist ein Tanz auf einem dünnen Seil. Weil es kein besseres Bild gibt: Der neue Mini fährt wie auf Schienen, häufig kann man mit höherem Tempo als von anderen Autos gewohnt im dritten Gang bleiben und lernt so die sicheren Fahreigenschaften und die schöne Elastizität des Motors schätzen. Wenn es um jenen Spaß geht, den man beim sicheren Durcheilen von Kurven hat, dann ist der neue Mini noch mehr Maxi als der bisherige. Weniger gut hat uns die Sechsgangschaltung mit dem dicken Knauf gefallen. Sie erwies sich manchmal als unpräzise und hielt mitunter, aus heiterem Schalthimmel, Hakeleien und Widerstände bereit, nur um beim nächsten Vorgang leichtgängiger tätig zu werden.
Nach unseren intensiven Fahrten gibt es keinen Zweifel: Dieses komprimierte Mini-Gefühl, mit einem intelligent-muskulösen David unterwegs zu sein: Es lebt, es ist nur neu verpackt, und es hat noch immer diese verjüngende Wirkung. Aber das genießen wohl nur die älteren Herrschaften, die sich an den Ur-Mini noch erinnern und bei einer Begegnung der Auto-Generationen dann entdecken, wie relativ riesig der neue Mini ist. Dazu passt sein Preis. Mit einigen Extras (allein für Radio/Navigation sind 2660 Euro fällig, die Motorhaubenstreifen sind für 80 Euro zu haben) kommt man ungefähr, ohne atemlos zu werden, auf nicht ganz schwindelfreie 30 000 Euro. Und für 25 100 Euro fährt der zweitürige Einser-BMW mit 125 kW (170 PS) vor. Aber er hat nicht diese unglaubliche Historie im Kofferraum.
Mini Cooper S (R56)
Dominik Dohmen (Nick_Dohmen)
- 16.05.2007, 18:57 Uhr
mini cooper s
peter ruch (giananna)
- 18.05.2007, 13:08 Uhr