Home
http://www.faz.net/-gyb-w03s
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Fahrtbericht Mercedes C 200 CDI Für die angenehme Grundversorgung

03.12.2007 ·  Mit dem Basis-Diesel ist die neue C-Klasse nicht gerade übermotorisiert. Doch die Maschine ist sparsam, sie agiert unaufgeregt, und das Auto überzeugt mit guten Manieren. Der Mercedes-Benz C 200 hilft tüchtig und vernünftig, der Eile des Alltags zu entfliehen.

Von Michael Kirchberger
Artikel Bilder (1) Video (1) Lesermeinungen (2)

Das Verwöhnaroma hat einen neuen Inhalt bekommen. Da liegt auch bei Limousinen der „Premiummarken“ nicht mehr der Duft nach Zigarren und Zimt oder Vanille und Veilchen in der Luft. Es ist der schwere, ölige Geruch von Diesel, der beim Kenner die richtigen Assoziationen auslöst.

Durchzugskraft, Drehmoment und Sprintvermögen sind jene Eigenschaften, die er seit je schätzt und jüngst beim Diesel entdeckt. Vergangen sind die Zeiten, in denen rußende Selbstzünder mit müden 50 PS schwere Wagen in qualvoller Langsamkeit die Steigungen erklimmen ließen.

High-Tech hat den Diesel befreit und ihm neue Muskeln verliehen. Das geht mittlerweile so weit, dass die Mode der plötzlich steil und sprunghaft anschwellenden Drehmomente als lästig empfunden wird. Das macht Mercedes an der Diesel-Basis nicht mit, und man ist dankbar dafür, dass der Selbstzünder eher auf kontinuierliche Leistungsentwicklung und auf Sparsamkeit getrimmt wurde.

Stern als Peilhilfe

Der C 200 CDI von Mercedes-Benz ist die Basisversion in der Selbstzünder-Riege dieser Baureihe. Für 31.892 Euro ist er als Classic zu haben, in der besseren Elegance-Ausstattung kostet er 34.010 Euro, mit Automatik sind 36.188 Euro fällig.

Die neue C-Klasse hat an Spannkraft gewonnen. Vier Türen, Stufenheck und ein dynamischer Auftritt müssen sich nicht ausschließen. Dennoch gibt sie gute Antworten auf die Fragen im alltäglichen Umgang. Die vier Türen sind wohlproportioniert, sie lassen sich selbst in engen Parklücken weit genug für kommodes Ein- und Aussteigen öffnen, ihre Ausschnitte sind komfortabel bemessen, auch im Fond ist der Sitz schnell gewonnen.

Der Stern, der nur noch bei Classic und Elegance (Avantgarde trägt eine Plakette) auf dem Kühlergrill prangt, dient als Peilhilfe, und auch der Ausblick nach hinten ist frei. Ein hübscher Spagat ist den Designern bei der Instrumentierung gelungen. Im Zentrum des Tachometers sitzt ein Display für die Auskünfte des Bordcomputers, die Anzeigenadel marschiert, wie am Schnürl geführt, außen entlang der Skalen. Abzulesen sind diese dank einer feinen und unmissverständlichen Aufteilung allemal.

Rückbank nicht wirklich großzügig

Die Bedienung ist einfach und komfortabel und folgt damit einem bewährten Mercedes-Prinzip. Die Unterhaltungs- und Informationsanlage in der C-Klasse hält in den Tiefen ihrer Menüs gottlob relativ wenig Fallstricke bereit. Sitze mit guter Seitenführung und nicht zu hartem Polster steigern den Langstreckenkomfort. Deren seitliche Wülste sind außerdem kaum mehr als notwendig ausgeprägt, das ist ein Komfortgewinn auf der Kurzstrecke bei häufigem Ein- und Aussteigen.

Auf der Rückbank geht es nicht wirklich großzügig zu, aber wenn die vorne Sitzenden Nachsicht haben und ihre Sessel nicht ganz nach hinten schieben, lässt es sich gut aushalten. Die Füße der Rücksitzpassagiere finden unter den Vordersitzen ausreichend Raum, und Ablagen sind gut plaziert und in ausreichender Größe anwesend.

Arg verschwenderisch geht die üppig dimensionierte Installation des Autotelefons in der Mittelkonsole mit dem Platz um. Der Kofferraum wird mit einem Volumen von 475 Liter ausgewiesen, die Rückenlehne hinten kann man asymmetrisch geteilt umklappen, gegen einen Aufpreis von 310 Euro.

Schaltprogramme auf Sparsamkeit getrimmt

Die Modellbezeichnung des C 200 CDI ist irreführend. Sein Vierzylinder-Diesel hat keineswegs zwei Liter Hubraum, er holt 100 kW (136 PS) aus 2,148 Liter Volumen. Der Motor arbeitet mit vier Ventilen je Brennraum und direkter Kraftstoffeinspritzung, für zusätzliche Beatmung sorgt ein Turbolader. Die Leistungsausbeute ist angesichts dieses technischen Aufwandes eher gering und orientiert sich wohl an Kundenwünschen.

Der stärkere C 220 CDI kommt mit gleichem Hubraum auf 125 kW (170 PS) und verspricht höhere Lebendigkeit. Denn in der schwächeren Version muss man sich in Geduld üben. 10,2 Sekunden sind für die Beschleunigung von null auf 100 km/h einzuplanen, wenn es mit der fünfstufigen Automatik vorangeht; zwei Zehntelsekunden weniger als in Verbindung mit dem Sechsgang-Schaltgetriebe.

Bei der Höchstgeschwindigkeit ist die handgeschaltete Version im Vorteil, sie schafft 215 km/h Spitze, der Automat bremst den C 200 CDI auf 213 km/h ein. Die Schaltprogramme sind auf bestmögliche Sparsamkeit beim Spritverbrauch ausgelegt, und das kann lästig sein: Weil auch bei niedrigem Tempo höhere Fahrstufen mit sehr niedrigen Drehzahlen bevorzugt werden, entstehen kräftige Vibrationen und lästige Geräusche. Akzelerieren aus 1200 Umdrehungen in der Minute ohne Herunterschalten führt zu starkem Brummen, das sich in die Pedale und bis ins Lenkrad fortsetzt.

Automatik teuer und laut

In der Komfort-Einstellung macht die Automatik das besonders gerne, aber wer sich für das sportliche Schaltprogramm entscheidet, muss man ebenfalls Lärm in Kauf nehmen: das automatische Getriebe dreht die Gänge dann höher aus. Die Laufruhe des Antriebsstrangs ist nicht die beste Seite des C 200 CDI, auch wenn der Wechsel der Übersetzungen weich und sanft gelingt.

Wer dem manuellen Schalten nicht völlig abgeneigt ist, sollte die Ausstattung mit dem Automatikgetriebe überdenken, zumal der Aufpreis hierfür bei 2178 Euro liegt und das handgeschaltete Sechsganggetriebe im Vergleich zum Vorgängermodell erheblich präziser und leichtgängiger arbeitet.

Als Zugfahrzeug keine Paraderolle

Immerhin führt das Sparprogramm zum gewünschten Erfolg bei der Konsumreduzierung. Ohne besondere fahrerische Bemühungen kommt der C 200 CDI auf etwas weniger als sechs Liter für 100 km. Und wer die sportlichere Gangart bevorzugt, bleibt noch unter neun Liter. Der Durchschnittsverbrauch von 6,8 Liter ist lobenswert: nicht schlecht für einen mit etlichem Zubehör 1630 Kilogramm wiegenden Wagen.

Nachdenklich stimmt die Höhe der maximalen Anhängelast. 1800 Kilogramm darf der C 200 CDI ins Schlepp nehmen. Das freut den Gespannfahrer, den nachfolgenden Verkehr an Steigungen jedoch weniger. Als Zugfahrzeug gibt der kleinste Diesel in der C-Klasse bei Gebirgsfahrten mit dem Caravan keine Paraderolle. Eine Anhängerkupplung kostet 898 Euro Aufpreis.

Komfort für entspanntes Reisen

Die Bremsen sprechen weich an und lassen sich bestens dosieren. Die Lenkung mit dem fein in der Hand liegenden Volant arbeitet viel präziser als in früheren Modellgenerationen und ist dabei nicht zu leichtgängig, Kurven folgt man exakt ohne häufiges Korrigieren. Der Geradeauslauf ist ebenso tadellos. In schnell gefahrenen Kurven drängt der C 200 CDI untersteuernd zum Kurvenaußenrand, auch mangelt es ihm an Agilität. Denn der Wagen wirkt bei engagierter Fahrweise wenig leichtfüßig, schwer lastet der gewichtige Dieselmotor auf der Vorderachse.

Für den Komfort ist diese Art der Abstimmung dagegen vorteilhaft. Die Federung verarbeitet die Unebenheiten der Straße mit größter Souveränität, egal, welche Verwerfungen, Wellen oder Fahrbahnrillen auch überfahren werden. Damit folgt Mercedes-Benz erfreulicherweise nicht der sonst weitverbreiteten Neigung zu einer sportlicheren Auslegung des Fahrwerks, sondern setzt auf ausgeprägten Komfort, der entspanntes Reisen auf langen Strecken garantiert.

Mit Partikelfilter, Leichtmetallrädern, Nebelscheinwerfern und der Zweizonen-Klimaanlage ist der C 200 CDI Elegance ordentlich ausgestattet. Wer sich der Eile des Alltags entziehen kann, wird sich mit diesem Mercedes-Benz der tüchtigen Vernunft wohl anfreunden.

Daten und Messwerte

Empfohlener Preis 31.892 Euro
Preis des Testwagens 39.614 Euro

Vierzylinder-Turbodiesel, vier Ventile je Zylinder, Common-Rail-Einspritzung, 2148 Kubikzentimeter Hubraum

Leistung 100 kW (136 PS) bei 4000/min

Höchstes Drehmoment 270 Nm bei 1600/min, 90 Prozent davon ab 1400 bis 3300/min

Fünfstufen-Automatik (2178 Euro)

Antrieb auf die Hinterräder

Länge/Breite/Höhe 4,58/1,77/1,45 Meter

Radstand 2,76, Wendekreis 10,8 Meter

Leergewicht 1500 (tatsächlich 1630), zulässiges Gesamtgewicht 2060, Anhängelast 1800 Kilogramm; Kofferraumvolumen 475 Liter

Reifengröße 205/55 R 16 91 V

Höchstgeschwindigkeit 213 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 10,2 s

Verbrauch 5,9 bis 8,6, im Durchschnitt 6,8 Liter Diesel je 100 km; 171 g/km CO2 bei Normverbrauch von 6,6 Liter; Tankinhalt 66 Liter

Versicherungs-Typklassen HP 18, TK 23, VK 25

Garantie 2 Jahre auch auf Lack; 30 Jahre auf Durchrostung, Mobilitätsgarantie 30 Jahre bei autorisiertem Service, Wartung nach Intervallanzeige

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Mit Mazda ein Romeo

Von Wolfgang Peters

Wenn sich zwei leidlich gesunde Automarken, ohne eine Hochzeit im Himmel zu zelebrieren, miteinander ins Bett legen, dann kommt ein Roadster dabei heraus. Alfa Romeo und Mazda haben genau diese Autoform im Sinn. Mehr