24.10.2008 · Kombi-Talente preist heute ein jeder. Deshalb setzt Mazda auf Sportlichkeit - mit dem Mazda6 Sport Kombi 2.0 MZR-CD. Und bei diesem Modell definiert sich Sportlichkeit weniger über den Motor als über straffes Design und scharfe Präzision.
Von Michael KirchbergerMazda will die sportlichste der japanischen Marken sein. In schöner Regelmäßigkeit stehen auf den Automessen futuristische Studien und Prototypen, die stets von harten Linien, dynamischen Formen und einer gewissen Schärfe geprägt sind.
In der Serienfertigung pflegt der (noch) mit Ford verbandelte Hersteller die Linien des Sports bei der Karosserie mit gewisser Zurückhaltung, und ordentliche Motorisierungen sorgen für ausreichend souveränes Vorwärtskommen.
Auto mit Aufsteiger-Ambitionen
Das ist bei der Neuauflage des in der Mittelklasse angesiedelten Mazda6 nicht anders. Dabei macht sie keinen Hehl aus ihren Aufsteiger-Ambitionen: Besonders die rund 4,8 Meter lange Kombi-Version bewegt sich in die Regionen der oberen Mittelklasse deutscher Provenienz. Mit deren üppig ausgebauten Motorfamilien kann der Mazda freilich nicht konkurrieren. Neben drei Benzinern findet sich nur ein einziger Diesel im Programm. Er holt aus zwei Liter Hubraum 103 kW (140 PS); so kostet der Mazda6 Sport Kombi mit dem Ausstattungsniveau Top 31.000 Euro.
Die Front des Mazda6 ist aggressiv geraten. Spitz läuft der Kühlergrill in Pfeilform aus, Gitterwerk vor den Lufteinlässen weckt Assoziationen zum Motorsport, und damit jeder weiß, dass der Kombi nicht nur spielen will, tragen die Bi-Xenon-Scheinwerfer mit Tagfahr- und aktiver Kurvenlicht-Funktion diese Botschaft voran.
Fließende Formen mit Risiken und Nebenwirkungen
Die Silhouette des KombiWagens wirkt wie ein im Fahrtwind schwimmender Keil, ausgeprägte Seitenschweller und ausgestellte Kotflügel klammern die Leichtmetallräder im 16-Zoll-Format zusammen, die Heckklappe umarmt die Rückleuchten und bildet einen würdigen Abschluss.
Die fließenden Formen bergen allerdings Risiken und Nebenwirkungen. Die Karosserie ist ausgesprochen unübersichtlich, und ohne den serienmäßigen Parkpiloten wäre das Rangieren des großen Kombi eine noch anspruchsvollere Aufgabe.
Dem kategorischen Imperativ der Sportlichkeit folgt auch der Innenraum. Der Fahrer nimmt vor einem gut dimensionierten, lederbezogenen Volant Platz, es ist in zwei Ebenen verstellbar und liegt trefflich in der Hand. Dahinter lauern die runden Instrumente im Dunkeln – bis die Zündung eingeschaltet wird.
Skalen gut ablesbar
Durchlichttechnik erhellt sie dann, die Skalen sind groß und klar gegliedert, daher gut ablesbar. Nur bei Nacht, wenn das blaue Design-Licht sanft auf den Nadeln schimmert, leidet die Klarheit. Die Intensität der Beleuchtung ist abhängig von einem Lichtsensor, der auch tagsüber, zum Beispiel bei Tunneldurchfahrten, auf nächtliches Ambiente schaltet und dann die Instrumente im Dunkel versinken lässt.
Erst der Druck auf die Helligkeitsregelung, ein kleiner Drehsteller im Instrumententräger, sorgt für Ablesbarkeit. Klima- und Audio-Anlage (mit MP3-fähigem CD-Wechsler) informieren über eine Symbol-Anzeige an der Oberkante des Armaturenbretts, es gibt Ablagen in ausreichender Menge und Größe.
Mitfahrer sind gut aufgehoben
Gut aufgehoben sind die Mitfahrer im Fond. Sie können über Platzmangel nicht klagen, die Bewegungsfreiheit für die Knie ist gut, und über dem Scheitel bleibt immer eine Handbreit Luft. Die Scheiben der hinteren Fenster lassen sich elektrisch völlig versenken, es bleibt nicht wie bei vielen anderen Autos selbst in dieser Klasse ein zwei Finger breiter Rest über der Fensterunterkante stehen.
Zwei Passagiere reisen komfortabel, der dritte Mensch sitzt leicht erhöht in der Mitte und mangels Seitenhalt weniger bequem. Den gibt es für Fahrer und Beifahrer dagegen sehr ausgeprägt, hohe Wangen an Sitz und Lehne sind zwar beim Ein- und Aussteigen ein wenig im Weg, halten aber besonders den Oberkörper bei Kurvenfahrten zuverlässig in Position, ohne beklemmend zu wirken.
Viel Raum für Gepäck
Viel Raum stellt der Mazda Kombi für Gepäck bereit. 519 Liter Volumen bietet das Abteil bei Nutzung der Fondbank durch Mitfahrer, eine solide Bodenplatte und geradflächige Verkleidungen an den Seiten erleichtern die Verstauarbeiten. Auf Knopfdruck und von einer Federvorspannung unterstützt, gleiten die Lehnen der Rückbank in eine waagerechte Position, wenn mehr Transportvolumen gefordert wird. Die Kopfstützen können dabei am angestammten Platz bleiben, der Laderaumboden wird völlig eben, der Spalt zwischen Kofferraum und Sitzbank wird von einer an japanische Origami-Kunst erinnernden Falt-Technik verschlossen.
1751 Liter Stauvolumen gibt es dann, das ist ein sehr beachtlicher Wert. Beim Öffnen der großen Heckklappe hebt sich automatisch die Laderaumabdeckung nach oben. Auf eine elektrische Öffnung der Hecktür haben die Mazda-Ingenieure zugunsten geringeren Leergewichts verzichtet, und überhaupt darf der Sport Kombi auf ein niedriges Gewicht verweisen, doch 535 Kilogramm Zuladung passen gut zum Stauraumangebot des Ladekünstlers. Als maximale Anhängelast werden 1600 Kilogramm gestattet.
Der Zwei-Liter-Diesel mit Rußpartikelfilter und einer für die Ansprüche in dieser Klasse eher verhaltenen Leistung bringt es auf ein gutes, aber nicht überragendes Drehmoment. Angenehmerweise setzt die Durchzugskraft nicht brachial, sondern dank der Common-Rail-Einspritzung eher sanft ein. Aber keineswegs ohne Nachhaltigkeit. Munter, aber nicht wirklich sportlich, bewegt der Selbstzünder den frontgetriebenen Kombi in 10,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h.
Selbstzünder knurrt wie ein Sumo-Ringer
Dabei wird der Ablauf dieser Übung als schneller empfunden, als sie dem Mazda in der Realität gelingt. Das mag am rauhen Lauf der Maschine liegen, die aus ihrer Kraftanstrengung kein Hehl macht. Die Vibrationen halten sich zwar in akzeptablen Grenzen, doch knurrt und murrt der Selbstzünder im Lastbereich wie ein Sumo-Ringer, der keinen Reis zum götterbesänftigenden Wurf hat. Wenn die Maschine bei konstantem Tempo auf Touren ist, verlieren sich die akustischen Auffälligkeiten weitgehend, ein Grundrauschen bleibt, das umso auffälliger ist, als die Windgeräusche sehr gering sind.
In der Disziplin des Treibstoffkonsums vollbringt der Sport Kombi keine meisterlichen Leistungen. Der Minimalwert von 5,6 Liter Diesel für 100 Kilometer lässt sich zwar erreichen, aber schon bei verhalten vorgetragener Forschheit im Umgang mit dem Gaspedal muss man sich auf steigende Transportkosten einstellen. Im Nu klettert der Verbrauch auf 8,3 Liter, im Durchschnitt von 6,8 Liter ist eine sehr gefühlvolle Fahrweise mit hohem Landstraßenanteil enthalten. Der Vorrat von 64 Liter Diesel ist angemessen.
Auf der Langstrecke zum Ausdauersportler
Das Fahrverhalten ist unkritisch, nur den Spurrillen laufen die Räder gerne hinterher. Die Federung gibt sich ausreichend komfortabel, die sehr genaue Lenkung macht das Anpeilen der Kurven einfach, auch bei Geradeauslauf zeigt sich der Sport Kombi richtungstreu. Die Bremsen arbeiten dank gutem Druckpunkt und feiner Dosierbarkeit tadellos, das Sechsganggetriebe ist präzise zu schalten.
In der Spitzenausstattung Top bleibt kaum ein Wunsch unerfüllt. Das macht den großen Kombi zum Reisewagen, der nicht nur auf der Langstrecke eine gute Figur abgibt. Da wird er zum Ausdauersportler.
Empfohlener Preis 25.900Euro
Preis des Testwagens 33.800 Euro
Vierzylinder-Dieselmotor, Common-Rail-System mit elektronischer 32-bit-Steuereinheit, Turboaufladung, vier Ventile je Zylinder, 1998 Kubikzentimeter Hubraum
Leistung 103 kW (140 PS) bei 3500/min
Höchstes Drehmoment 330 Nm bei 2000/min
Antrieb auf die Vorderräder
Manuelles Sechsganggetriebe (Automatik für den Diesel nicht erhältlich)
Länge/Breite/Höhe 4,79/1,80/1,49 Meter
Radstand 2,73, Wendekreis 11,8 Meter
Leergewicht 1470 (tatsächlich 1545) zulässiges Gesamtgewicht 2110, Anhängelast 1600 kg, Kofferraum 519 bis 1751 Liter
Reifengröße 225/45 R18 91W
Höchstgeschwindigkeit 198 km/h
Von 0 auf 100 km/h in 10,9 s;
Verbrauch 5,0 bis 6,8, im Durchschnitt 5,7 Liter Diesel je 100 km; 149 g/km CO bei Normverbrauch 5,7 Liter; Tankinhalt 64 Liter
Versicherungs-Typkl. HP 18, TK 24, VK 21
Garantie 3 Jahre/100.000 km, 3 Jahre auf Lack, 12 auf Durchrostung, Mobilitätsgarantie unbegrenzt bei Mazda-Service, Wartung alle 20.000 km, mindestens jährlich
Unübersichtliche Karroserie ist wohl Standard
Karsten Krug (kkrug)
- 24.10.2008, 13:37 Uhr