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Fahrtbericht Mazda MX-5 2.0 MZR Expression Für die Leichtigkeit einer offenen Zweier-Beziehung

05.05.2006 ·  Man muß ihn einfach gern haben. Knapp in der Form, klar in der Aussage und dennoch mit einem ordentlichen Platzangebot hat der Mazda MX-5 auch in seiner dritten Generation keine der Stärken seines offenen Charakters verloren.

Von Michael Kirchberger
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Man muß ihn einfach gern haben. Knapp in der Form, klar in der Aussage und dennoch mit einem ordentlichen Platzangebot hat der Mazda MX-5 auch in seiner dritten Generation keine der Stärken seines offenen Charakters verloren. Es ist kein Zufall, daß er einer der erfolgreichsten Roadster geworden ist.

Jetzt gibt es in neuer und dennoch vertrauter Karosserie eine umfangreichere Ausstattung, und vor allem einen stärkeren Motor, der dem leichten Zweisitzer mehr Agilität verleiht, als seinen Vorfahren innewohnte. 118 kW (160 PS) liefert der Vierzylinder aus zwei Liter Hubraum. 27190 Euro kostet die Spitzenversion des Mazda MX-5. Garniert mit ein paar Extras wie Lederausstattung samt Sitzheizung, CD-Wechsler, Metallic-Lackierung sowie schlüssellosem Zugangs- und Startsystem, zu dem eine Alarmanlage mit Innenraumüberwachung gehört, nähert sich die Kaufsumme der 30000-Euro-Grenze ganz dicht.

Die Gestalt des Roadsters bleibt schlank, wirkt dabei kraftvoll und dynamisch. Eine Keilform ist nur sanft angedeutet, trotzdem strebt die knapp vier Meter lange Karosserie nach vorn. Klare Linien haben die Rundungen des Vorgängermodells abgelöst, der große Lufteinlaß im vorderen Stoßfänger giert nach dem Asphalt. Angedeutete Kotflügel über den Rädern betonen deren 17-Zoll-Format, die Leichtmetallfelgen, die zur teuersten Ausstattungsvariante Expression dazugehören, sitzen an den äußersten Ecken der Karosserie. Das Einsteigen freilich ist kein Spaß, wenn der Roadster an einer hohen Bordsteinkante parkt. Dann heißt es eine ebenso artige wie tiefe Verbeugung zu machen, wie sie dem höflichen Japaner zur Ehre gereichte. Zumindest wenn das Stoffverdeck geschlossen ist, besteht die Forderung nach körperlicher Gelenkigkeit, um auf den Fahrerplatz zu rutschen. Das Raumangebot ist sogar für Menschen mit 1,84 Meter Längenmaß sehr anständig, tief gleitet der Rücken über glattes Leder nach unten, Hüften und Taille werden fein von dicken Seitenführungen gehalten, und das Lenkrad wacht über das Armaturenbrett wie die Golden-Gate-Brücke über San Francisco. Glücklicherweise ist es zumindest in der Höhe verstellbar, der kräftige Kranz ist mit sanftem Leder bezogen und fühlt sich an wie die Haut eines reifen Pfirsichs. Die Mittelkonsole bietet allerlei Ablagemöglichkeiten, man sollte sie jedoch nicht mit Getränkedosen beladen, denn die stören beim Schalten des Sechsganggetriebes den Bewegungsablauf. Schwarze Intarsien glimmen matt am Armaturenbrett, die Instrumente werden von glänzenden Metallringen eingefaßt und sind mit ihren nachts rot schimmernd beleuchteten Skalen gut ablesbar.

Die niedrige Sitzposition nur wenige Zentimeter über dem Asphalt und die hohe Gürtellinie erschweren den Überblick, allerdings entsteht ein schöner Eindruck der Geborgenheit im Mazda-Roadster. Der verstärkte Rahmen der Frontscheibe soll die Insassen in Verbindung mit den Überrollbügeln hinter den Sitzen bei einem Überschlag schützen, vier Airbags gehören ebenso wie ESP zum Sicherheitspaket. Und damit auch Schwächere bei einem Zusammenstoß nicht unter der steifen Karosserie des MX-5 leiden müssen, ist die flache Motorhaube mit einer Wabenstruktur aus Aluminium nachgiebig gemacht worden, so kann sie Aufprallenergie bei einem Fußgängerunfall aufnehmen.

Mit rauhem Klang springt die Zweiliter-Maschine an, knochig, aber präzise rastet der erste von sechs Gängen ein. Der Schaltstock ist kurz wie ein Doppelkorn, sein Knauf liegt in der Hand wie eine Aufforderung zum Fahren. Dann zischt der MX-5 los, in 7,8 Sekunden geht es von 0 auf 100 km/h, die knappe Stufung der Gänge fordert fleißige Schaltarbeit. Wer zuvor das Verdeck mit einem Handgriff entriegelt und in einer schwungvollen Bewegung in den dafür vorgesehenen Stauraum hinter den Sitzen geworfen hat, kommt beim Sprint in den Genuß des satten Auspuffklangs des Roadsters. Die zweiflutige Anlage röhrt kraftvoll, wenn der Motor die Muskeln spielen läßt, nicht wirklich aufdringlich, sondern einfach nur passend zur Freude am Offenfahren. Bis etwa 120 km/h ist die Fahrt recht angenehm, nur sachte zerzaust der Fahrtwind die Haare, ein kleines aufklappbares Windschott zwischen den Kopfstützen leistet wertvolle Dienste. Bei schnellerer Fahrt wirbelt es dann kräftiger durch den Innenraum, dann lernt der Roadster-Pilot das ausreichend große Handschuhfach oder den abschließbaren Gepäckstauraum an der Rückwand schätzen. Denn nur dort aufbewahrt, bleiben leichte Gegenstände wie Zeitschriften oder andere Papiere sicher an Bord und werden nicht vom Sturm des Tempos über die Reling geweht. Das geschlossene Verdeck hält den Fahrtwind fern, nicht jedoch die Geräusche. Für die Reisefahrt im Eiltempo wünschte man sich ein weniger krawalliges Klangereignis. Geringen Komfort bietet das harte Sportfahrwerk. Zwar gibt es dem MX-5 eine wunderbare Leichtigkeit auf strammer Kurvenfahrt, nach 200 Kilometer Autobahnreise jedoch erinnern sich die Insassen sehr genau an jede einzelne Unebenheit und fühlen sich entsprechend erschöpft.

Gleichwohl bereitet der Roadster viel Freude auf einer Tour durch die Landschaft. Dank des Hinterradantriebs bleibt die direkte, beim Rangieren vielleicht etwas zu gering unterstützte Lenkung frei von Antriebseinflüssen, wieselflink läßt sich der MX-5 so um die Ecken steuern. Bei nasser Fahrbahn ist Vorsicht geboten, denn dann neigen die Hinterräder schnell zum Durchdrehen, und das ESP hat alle Mühe, den plötzlichen Krafteinsatz zu bändigen. Den Weg um die Kurven findet die verwindungssteife Karosserie im äußerst aufrechten Gang, Seitenneigungen sind kaum zu bemerken. Den Drang zum Übersteuern hält das Stabilitätsprogramm in Schach, und ein Einnicken beim Verzögern kommt so gut wie nicht vor. Die Bremsen arbeiten zuverlässig und mit einem feinen Druckpunkt. Ermüdungserscheinungen zeigen sie selbst nach übermäßiger Beanspruchung nicht. Der Vierzylinder des MX-5 bietet bereits bei rund 2500 Umdrehungen in der Minute ordentlich Leistung an. Wer die zügigere Gangart bevorzugt, muß allerdings auf Drehzahl setzen und erheblichen Krach in Kauf nehmen. Erst bei 6700/min mahnt der Begrenzer zum Schalten, die Maschine erreicht diesen Bereich mühelos und schnell, aber nicht im Flüsterton.

Der Treibstoffverbrauch für die 100-Kilometer-Strecke pendelte zwischen 7,8 und 11,1 Liter Superbenzin, der Durchschnitt von 8,9 Liter konnte nur aufgrund gemächlicher Überlandfahrten erreicht werden. Bei einem Tankinhalt von 50 Liter sind des öfteren Tankpausen einzuplanen.

Im schicken Heck des MX-5 wartet ein 150 Liter großer Kofferraum auf das kleine Reisegepäck, immerhin findet nun ein Getränkekasten unter dem Deckel Platz. Die erlaubte Zuladung von 215 Kilogramm ist jedoch schnell ausgeschöpft, wenn zwei wohlgenährte Menschen Mazda fahren. Die Verkleidungen wirken selbst in den Ecken hochwertig und gut verarbeitet.

Der teuerste MX-5 Expression bekommt neben den sportlichen Extras wie Bilstein-Stoßdämpfer, Sperrdifferential oder einer Fußstütze aus Leichtmetall eine reichhaltige komfortspendende Ausstattung. Elektrische Fensterheber und eine Klimaautomatik sind noch üblicher Standard, die Fernbedienung der Audio-Anlage am Lenkrad, Leder für Volant, Schalthebelknauf und Handbremsgriff sowie Xenon-Scheinwerfer finden sich dagegen seltener als Serienausstattung. Die gläserne und beheizbare Heckscheibe im Stoffverdeck bekommen alle MX-5-Varianten mit auf den Weg.

Der Mazda-Roadster bringt viel Erfahrung mit, in seiner sportlichen Spitzenversion ausgeprägte Agilität und ein Fahrverhalten, das dem eines Renn-Karts ähnelt. Für den Spaß am Frischluftreisen genügt die Version mit 1,8 Liter Hubraum. Die hat zwar nur ein Fünfganggetriebe und herkömmliche Hauptscheinwerfer, kostet aber auch 1200 Euro weniger.

Quelle: F.A.Z., 02.05.2006, Nr. 101 / Seite T3
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