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Fahrtbericht Hyundai i40 Hier wäre weniger mehr gewesen

13.01.2012 ·  Mit dem großen Kombi will Hyundai endlich in der Mittelklasse Fuß fassen. Technisch ist er auf der Höhe der Zeit, im Preis hat er ebenfalls den Anschluss an deutsche Marken gefunden. Und seine opulente Ausstattung wirkt fast ein wenig übertrieben.

Von Michael Kirchberger
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© F.A.Z., Hersteller Fahrtbericht Hyundai i40: Hier wäre weniger mehr gewesen

Für manchen alteingesessenen Hersteller in Europa hat sich der koreanische Konkurrent Hyundai zum Schreckgespenst entwickelt. Noch vor gar nicht langer Zeit konnten die Autos aus dem aufstrebenden Land in Fernost in fast keiner Disziplin mit den Wagen aus der Alten Welt mithalten. Außer vielleicht im Preis.

Günstig sind die Hyundai-Modelle immer noch. Aber sie haben in Form und Funktion erheblich nachgelegt. Das bleibt nicht unbemerkt. Sogar Volkswagen-Chef Martin Winterkorn wurde - sich vermeintlich unbeobachtet fühlend - bei unverhohlenem Lob für einen Hyundai auf der vergangenen Automesse IAA in Frankfurt erwischt.

Das Filmchen mit Winterkorn am Hyundai-Lenkrad und dessen blaffender Ton: „Bischoff, (der VW-Designer), warum kann der das?“ waren für eine Weile der Hit bei Youtube im Internet.

Doch nicht nur im Segment der Kleinwagen kann Hyundai jetzt ein Wort mitreden. Die Marke setzt zum Sturm auf die bislang erfolglos umworbene Mittelklasse an: mit einem Kombi, der schick aussieht und vieles kann. Wenn auch nicht alles.

Design

Der Hyundai i40 ist ein dicker Batzen. 4,77 Meter streckt er sich lang und mit einem Ford Mondeo Turnier oder einem VW Passat Variant um die Wette. Aus den einst schmalbrüstigen koreanischen Wagen sind gestandene Limousinen geworden, bei 1,82 Meter Breite fährt der Hyundai-Kombi auch in dieser Hinsicht auf Augenhöhe mit den Europäern.

Seine Proportionen stimmen - fast. Das Heck ist vielleicht eine Spur zu pummelig, die Anbauteile wie der plakatständergroße Dachkantenspoiler einen Hauch zu aufgesetzt, doch kann der i40 dennoch mit harmonischen Formen und Linien gefallen. 33.980 Euro kostet die Spitzenversion des Kombi, die mit einem 1,7-Liter-Dieselvierzylinder und einer sechsstufigen Automatik ausgestattet ist.

Innenraum

Mit sattem Geräusch öffnet das Türschloss schlüssellos, der Funkimpuls des kleinen Senders in der Hosentasche reicht, um den Zugang freizugeben. Dann empfängt den Hyundai-Chauffeur ein durchaus glanzvolles Ambiente mit einer fein abgestimmten Mischung aus vielerlei Materialien, die hochwertig erscheint, aber an Nuancenreichtum über das Ziel hinausschießt.

Gleichwohl verwöhnt der Hyundai mit allem, was der Kunde von einem Kombi dieser Klasse erwarten darf: eine gute Position auf beheizbaren und belüfteten Sitzen etwa. Zudem ist der Fahrersessel elektrisch einstellbar, das Lenkrad lässt sich in zwei Ebenen justieren. Es ist unübersichtlich mit Multifunktions-Tasten bepflastert, unter denen einzig der grün markierte Knopf des Spurhalteassistenten heraussticht, der den i40 bei vermeintlich unbeabsichtigtem Überfahren von Fahrspurmarkierungen per Bremseingriff wieder sachte auf den rechten Kurs lenkt.

Diesen Wächter des Weges gibt es nur im Technik-Paket zusammen mit einer tadellos funktionierenden, aktiven Einparkhilfe, Kurvenlicht und Reifendruckkontrolle für 1970 Euro. Das Relax-Paket mit klimatisierten Sitzen und beheizbarem Lenkrad kostet 1140 Euro.

Platzangebot

Die Platzverhältnisse im Innenraum sind vorzüglich. Fahrer und Beifahrer fühlen sich ebenso wohlbehütet wie großzügig untergebracht, die Fondpassagiere genießen den Sitzkomfort einer Chauffeurs-Limousine. Ablagen sind an den richtigen Stellen plaziert und in den angemessenen Größen dimensioniert.

Sicht

Aber dennoch sind die Aussichten nicht die besten. Vorne liegt das an den arg schrägen A-Säulen, deren dicke Füße dem toten Winkel noch eine weitere Einschränkung des Blickfeldes hinzufügen. Und hinten macht der modische Rahmen um die ohnehin schon fast liegende Heckscheibe das Fenster zum schießschartenartigen Schlitz.

Gut beraten ist, wer die Rückfahrkamera geordert hat, die allerdings gibt es ausschließlich im Ensemble mit dem Navigationssystem (das einen ausreichend hoch angeordneten Farbmonitor hat) und dem wohlklingenden Sound-Paket der Audioanlage. Das macht dann aber gleich 1510 Euro Aufpreis aus. Den besten Ausblick hat man im i40 zweifellos nach oben. 1410 Euro kostet das riesige Panoramadach aus Glas, das sich nicht nur elektrisch öffnen, sondern mit Rollos auch abdunkeln lässt.

Kofferraum

Der Transport gehörte einst zu den vornehmsten Tugenden eines Kombis. Im Zeitalter dick aufgetragenen Lebensstils stellt sich die Frage nach dem Kofferraumvolumen weniger dringlich. Dennoch gibt der i40 hier den Lademeister. 553 bis 1719 Liter Stauvermögen können sich im Kreis erlauchterer Konkurrenten locker sehen lassen.

Dass die Rückbanklehnen auf Tastendruck wie vom Blitz getroffen nach vorne fallen, ist gut. Dass sie in einer bei weitem nicht horizontalen Stellung ihre Bewegung stoppen, weniger. Die Ladefläche ist groß, aber nicht eben. Hyundai versucht mit einem hilfreichen Traversen- und Hakensystem zu versöhnen, dass als Zubehör angeboten wird und Ladung wie Gepäck zuverlässig sichert.

Motor

Der direkteinspritzende Diesel des Hyundai-Kombis leistet 100 kW (136 PS) und bringt es auf 320 Newtonmeter Drehmoment. Das sind nicht unbedingt bärige Kräfte, vor allem in Verbindung mit der sanft schaltenden Automatik (sechs Stufen) trollt sich der i40 flott, aber weit entfernt von jeglichen sportlichen Ambitionen über die Straßen.

Die dürfen durchaus mal schlechter sein, die Federung taugt auch auf unebenen Wegstrecken. Der Motor klingt unterdessen nie angestrengt, ohnehin hält er sich bei der Geräuschentwicklung erheblich zurück. Dafür unterlegt das Rauschen des Fahrtwinds bei Geschwindigkeiten jenseits von 120 km/h die Besatzung mit einem steten Klangteppich.

Bei Höchstgeschwindigkeit (192 km/h) braust der Wind dann hörbar unverhohlen. Wirklich geradeaus will der i40 bei solch hohem Tempo trotz langen Radstands und der Spoilerhilfe nicht fahren. Schuld ist die ungenaue Lenkung, die in Mittellage teigig wirkt und nicht das zarteste Gefühl für Traktion und Fahrbahn aufkommen lässt.

Verbrauch

Der Kombi gefällt sich in der Rolle des Berufspendlers, und zwar zwischen den Spurbegrenzungen der Autobahn. Aber er kommt ein gutes Stück weit voran. Das liegt nicht unbedingt an einem besonders niedrigen Verbrauch als vielmehr am üppigen Dieselvorrat an Bord. 70 Liter davon passen in den Tank. Das reicht bei dem von uns ermittelten durchschnittlichen Alltagsverbrauch von 6,9 Liter für gut 1000 Kilometer.

Ein weiteres Mal spielt die 1400 Euro Aufpreis kostende Automatik eine undankbare Rolle. Nach Normverbrauch verlangt der gleich starke Dieselmotor in Kombination mit dem manuellen Sechsganggetriebe 0,9 Liter Kraftstoff weniger für 100 Kilometer. Außerdem ist nur für diese Konfiguration eine Start-Stop-Automatik im Angebot.

Fahrverhalten

Das Fahrverhalten des i40 ist eher behäbig. Ihm liegt der Weg um die Biegungen eher in einer gemütlichen als aggressiven Art. Im Grenzbereich gibt er sich entspannt und gutmütig, eher kalt- als warmblütig. Die Bremsen gehen da mit mehr Engagement ans Werk, fast bissig mit ihrem ungenauen Druckpunkt, immer jedoch zuverlässig und standfest.

Ausstattung

Hyundai schöpft aus dem Vollen. Und gerät in einen Sturm auf den guten Geschmack, der in seiner Vehemenz fast zur Karikatur wird. Nicht zuletzt mit der hochauflösenden LCD-Grafik zwischen den Rundinstrumenten, die den Kombi als metallic-blaue Silhouette fast lebensecht darstellt und ihn je nach Funktionswahl dreht oder wendet, die Lichter ein- und ausschaltet. Die Playstation lässt grüßen.

Aber wer seinen i40 mit Premium-Ausstattung bestellt und alle Möglichkeiten ausschöpft, der zahlt kaum weniger als bei VW oder Ford. Leider macht auch Hyundai die mehr und mehr um sich greifende Mode mit, ohne Zuzahlung nur eine einzige Lackfarbe anzubieten. Ohne Aufpreis gibt es nur Weiß. Elf weitere Farben stehen zur Wahl, wenigstens hält sich der Aufpreis für den Metallic-Lack noch im Rahmen, es sind 480 Euro. Für Hyundai spricht wiederum die üppige Garantie (fünf Jahre), die angeboten wird, da könnte sich so mancher deutscher oder europäischer Hersteller eine Scheibe abschneiden. Nur beim Schwesterunternehmen Kia geht es noch üppiger zu. Das gibt es sogar sieben Jahre. Davon kann man nie genug haben.

Nächste Woche: Mini JCW Coupé

Daten und Messwerte

Empfohlener Preis 33.980 Euro
Preis des Testwagens 41.080 Euro

Vierzylinder-Dieselmotor, Turboaufladung, vier Ventile je Zylinder, 1685 Kubikzentimeter Hubraum

Leistung 100 kW (136 PS) bei 4000/min, Höchstes Drehmoment 320 Nm bei 2000/min, 90 Prozent davon ab 1800 bis 4100/min

Automatikgetriebe mit sechs Stufen

Antrieb auf die Vorderräder

Länge/Breite/Höhe 4,77/1,82/1,47 Meter

Radstand 2,77, Wendekreis 11 Meter

Leergewicht 1659, tatsächlich 1670, zulässiges Gesamtgewicht 2150, Anhängelast 1500 Kilogramm, Kofferraumvolumen 553 bis 1719 Liter

Reifengröße 225/45 R 18 93 V

Höchstgeschwindigkeit 192 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 12 s

Verbrauch 5,6 bis 7,7, im Durchschnitt 6,9 Liter Diesel je 100 km; 149 g/km CO2 bei Normverbrauch 5,6 Liter; 70-Liter-Tank

Versicherungs-TK: HP 16, TK 19, VK 20

Garantie fünf Jahre ohne Kilometerbegrenzung, auch auf Lack, 12 Jahre gegen Durchrostung, Mobilitätsgarantie 15 Jahre oder 195.000 km bei autorisiertem Service, Wartung alle 30.000 km oder jährlich

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