17.04.2009 · Der kleine i20 erinnert von außen an gängige Kleinwagengestalten. Doch innen treibt Hyundai hohen Technikaufwand. Und die Ausstattung lässt sich fast auf das Niveau der nächsthöheren Klasse heben. Das hat freilich seinen Preis.
Von Michael KirchbergerNicht Geiz, sondern sexy Formate schärfen die Lust an der Mobilität. Beim Raumangebot ist Sparsamkeit angesagt, der Gedanke der Reduzierung ist charmanter denn je. Das gibt - neben allen wirtschaftlichen Anreizen - Autos wie dem Hyundai i20 Auftrieb.
Der eben erschienene Kleinwagen koreanischer Provenienz erfreut mit einer gefälligen Form und einem günstigen Basispreis. Die mittlere Benziner-Motorisierung, ein 1,4-Liter-Vierzylinder, leistet 74 kW (101 PS), für wenigstens 15 030 Euro rollt der Wagen in der ebenfalls mittleren Ausstattung Comfort vom Händlerhof. Das ist nicht wenig Geld.
Aufgeräumt und vielbeknopft
Die Form des 3,94 Meter langen Wagens erinnert an gängige Kleinwagengestalten: Opel Corsa und Mazda2 werden beim Betrachten des kleinen Hyundai in Erinnerung gerufen. Innen herrscht solide Aufgeräumtheit. Stoffeinlagen in den Türverkleidungen machen das Gehäuse wohnlich, die anthrazitfarbenen Materialien wirken nicht mal trist, da knallrote Stoffbahnen in den Sitzflächen für Kontraste sorgen.
Die Mittelkonsole ist vielbeknopft, eine leise Unsicherheit stellt sich bei der Bedienung ein. Hier hat das CD-Radio seinen Platz, ebenso die Steuereinheit für Heizung und Klimaanlage. Darüber zeigt ein kleiner monochromer Monitor die Daten der Reise, auf Knopfdruck geht es durch die Werte über Reichweite, Durchschnittsverbrauch oder Fahrzeit. Hier gilt, dass die „Trip-Taste“ zwar übergroß dimensioniert ist, aber am falschen Ort sitzt, zu weit entfernt vom Fahrer.
Stoische Ruhe im fünften Gang
Das Lenkrad ist nicht sonderlich griffsympathisch, bietet Fernbedienungsmöglichkeit für das Audio-System und hat ein angemessenes Format. Die Lenkung selbst ist leichtgängig und nicht sehr genau, das Gefühl für die Fahrbahnbeschaffenheit jedenfalls stellt sich nicht wirklich ein. Wie ein Filter schiebt sich die Servounterstützung zwischen Rad und Fahrer. Leichtes Verhärten ärgert beim schnellen Rangieren, dabei kommt die elektrische Unterstützung nicht so schnell in die Gänge.
Der Vierzylinder springt munter an, er leistet sich keine akustischen Auffälligkeiten außer einem satten Dröhnen bei Höchstleistung. Seine Reaktion auf das Gasgeben ist spontan, er wirkt wach und agil. Was allerdings nicht automatisch zu souveränen Fahrleistungen führt.
Um den Beschleunigungsvorgang jenseits von 120 km/h in akzeptablen Zeiten zu bewältigen, ist das Zurückschalten in den vierten der fünf Gänge empfehlenswert, sonst ließe sich der i20 kaum aus der fast stoischen Ruhe beim Vorwärtsdrang bringen. Bei geringerem Tempo dagegen überrascht der 1,4-Liter-Motor mit angenehmer Durchzugskraft, Landstraßenfahrten lassen sich angenehm zügig gestalten.
Quietschende Reifen und durchdrehende Räder
Das Wechseln der Gänge gelingt mühelos, um die Präzision der Mechanik aber steht es nicht zum Besten, nicht selten verliert sich der Fahrer in der opulent ausgeführten Kulisse der Schaltung. Mangel an Harmonie ist obendrein der Zusammenarbeit zwischen Kupplung und Gaspedal zu attestieren.
Schon der sanfte Druck auf den Akzelerator führt zu heftiger Drehzahlsteigerung, der i20 prescht dann ungewollt heftig nach vorn, manchmal quietschen gar die Reifen, bei nasser Fahrbahn drehen die Räder trotz Traktionskontrolle gern ein bisschen durch, was bei 101 PS nicht unbedingt verwundert.
Will der Fahrer eleganter Fahrt gewinnen, läuft er Gefahr, den Motor abzuwürgen. Hier sollte der Hersteller unbedingt nachschärfen, zumal der i20 als prädestinierter Stadtwagen gerade diese Disziplin beim stockenden Verkehr und dem Ampelstart tadellos beherrschen sollte.
Heftiger Expresszuschlag
Der Vierventil-Motor liefert 137 Newtonmeter Drehmoment bei 4200 Umdrehungen in der Minute. Dass die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h vergleichsweise lange 11,6 Sekunden dauert, liegt an der „langen“ Übersetzung des Getriebes. Auch die Zeit, um im fünften Gang von 50 auf 100 km/h zu beschleunigen, zeugt von mangelnder Durchzugskraft.
Und das Ziel, mit dieser Übersetzung den Treibstoffkonsum zu reduzieren, erreicht Hyundai nicht ganz. Zwar liegt der erreichte Minimalwert sehr nahe der Werksangabe, der Durchschnittsverbrauch von 6,3 Liter Superbenzin für 100 Kilometer geht in Ordnung.
Dass der Expresszuschlag jedoch so heftig ausfällt, überrascht: Eine stramme Fahrt über die Autobahn macht den i20 äußerst durstig, mit 9,1 Liter auf 100 Kilometer muss rechnen, wer die ermittelte maximale Höchstgeschwindigkeit von 178 km/h häufiger ausnutzt (die damit um zwei km/h unter den Versprechungen des Herstellers liegt) und zum Beschleunigen gern den vierten statt den fünften Gang nutzt. Gemäßigtes Fahren empfiehlt sich ohnehin wegen des angestrengt lauten Motorgeräuschs und des heftigen Brausens des Fahrtwindes bei hohen Geschwindigkeiten.
Kräftig geschüttelt im Hyundai
Der Federungskomfort des charmanten i20 birgt keine Überraschungen, weder im positiven noch im negativen Sinn, er spiegelt einfach nur den üblichen Standard der Klasse wieder. Kurze Stöße mögen die Feder-Dämpfer-Kombinationen nicht besonders, sie machen den Wagen unruhig und nervös, was bei langen Autobahnkurven nicht angenehm ist.
Frei von Seitenneigungen ist die Karosserie zudem nicht, in flink gefahrenen Kurvenkombinationen schüttelt sich der Hyundai kräftig. Die Bremsen beweisen mehr Kompetenz, sie zeigen sich selbst bei hoher Beanspruchung von der sehr standfesten und Vertrauen einflößenden Sorte. Dass ein ESP in allen i20-Versionen serienmäßig ist, muss gelobt werden. Hyundai weiß, was der Kunde wünscht.
Das Raumgefühl liegt über Klassendurchschnitt
Weitere angenehme Seiten des Hyundai-Kleinwagens entdeckt der Passagier im Innenraum. Das Platzangebot ist für einen Kleinwagen sehr anständig. Vorn bieten gut ausgeformte Sitzflächen und -Lehnen angenehmen Komfort, hinten sitzen zwei Mitfahrer komfortabel mit anständiger Bewegungsfreiheit für Knie und Ellbogen.
Vor allem schwebt das Dach im Fond in sicherer Distanz über dem Scheitel, das Raumgefühl liegt deutlich über dem Klassendurchschnitt. Transportaufgaben übernimmt der i20 willig, die asymmetrisch geteilten Rückbanklehnen lassen sich mit einer Hand nach vorn klappen.
Das verhilft dem Kofferraum zu einem von 295 auf 1060 Liter steigenden Volumen, freilich mit nicht ganz ebener Ladefläche. Die kann aber hergestellt werden, wenn zusätzlich die Sitzflächen nach vorn gehoben werden, wozu die etwas mager ausgeführten Kopfstützen der Fondplätze entfernt werden müssen. Dann gleiten die Rückseiten der Lehnen in eine nahezu horizontale Position.
Geld verdienen mit der Lackierung
Volle Punktzahl bekommt der i20 für seine Basisausstattung und die Optionen, die der Hersteller anbietet. Zusammen mit einer durchweg ordentlichen Verarbeitung bekommt die Comfort-Version unter anderem sechs Airbags, aktive Kopfstützen vorn, ein zweifach verstellbares Lenkrad und eine Zentralverriegelung mit auf den Weg. Außerdem gibt es elektrische öffnende Fenster und verstellbare Außenspiegel, ein CD-Radio samt USB- und Aux-In-Anschluss sowie eine Klimaanlage.
Geld verdienen möchte Hyundai freilich bei der Lackierung. Für den Basispreis gibt es lediglich weiße oder rote Farbe, alles andere kostet 400 Euro Aufpreis. Eine vierstufige Automatik ist für 1090 Euro, die Sitzheizung samt Lederpaket für 990 Euro im Angebot. Damit wird der i20 zum kleinen Wagen mit großem Komfort: In der Summe seiner Eigenschaften kann er durchaus mit der nächsthöheren Klasse konkurrieren, mit seinem Preis dann allerdings auch.
Empfohlener Preis 15.030 Euro
Preis des Testwagens 16.970 Euro
Vierzylinder-Benzinmotor, vier Ventile je Zylinder, 1396 Kubikzentimeter Hubraum
Leistung 74 kW (101 PS) bei 5500/min
Höchstes Drehmoment 137 Nm bei 4200/min, 90 Prozent davon ab 2900 bis 4400/min
Manuelles Fünfganggetriebe (Vierstufen- Automatik für 990 Euro Aufpreis)
Antrieb auf die Vorderräder
Länge/Breite/Höhe 3,94/1,71/1,49 Meter
Radstand 2,53, Wendekreis 10,4 Meter
Leergewicht 1050 (tatsächlich 1080), zulässiges Gesamtgewicht 1585, Anhängelast 1000 Kilogramm, Kofferraumvolumen 295 bis 1060 Liter
Reifengröße 185/60 R 15 89 H
Höchstgeschwindigkeit 178 km/h
Von 0 auf 100 km/h 11,6 s; von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang 14,1/21,1
Verbrauch 4,9 bis 9,1, im Durchschnitt 6,3 Liter Super je 100 km; 142 g/km CO2 bei Normverbrauch von 6,0 Liter; Tankinhalt 45 Liter
Versicherungs-Typkl. HP 17, TK 17, VK 17
Garantie drei Jahre ohne Kilometerbegrenzung, 10 Jahre gegen Durchrostung von innen und außen