Home
http://www.faz.net/-gyb-yw89
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Fahrtbericht Ford Kuga Auf dem Weg zu alter Stärke

 ·  Viel zu spät hat Ford auf die hohe Nachfrage nach SUV reagiert. Jetzt aber mischt der Kuga im Markt mehr als ordentlich mit. Dass er sich besser verkauft als mancher Konkurrent, kommt nicht von ungefähr.

Artikel Bilder (1) Video (1) Lesermeinungen (4)

Das gute Design mag vielleicht der Hauptgrund sein, warum sich das Ford-SUV so gut verkauft. Fast 200.000 Einheiten hat man seit dem späten Start ins Segment der kompakten SUV (2008) allein in Europa abgesetzt, in Deutschland ließ der Kuga im vergangenen Jahr Markt-Größen wie den BMW X3, den Mercedes-Benz GLK oder auch den Skoda Yeti hinter sich.

Mehr als 14.000 Exemplare wurden abgesetzt, lediglich der kleinere BMW X1 (26.643 Neuzulassungen), Nissans Qashqai (26.634), der Audi Q5 (23.184) und selbstverständlich der Volkswagen Tiguan (38.687 !) waren im Segment der Geländewagen mehr gefragt.

Motoren
Und der Kuga hat nicht nur eine schicke Schale zu bieten, es steckt auch eine Menge gute Technik darunter. Weil sich unsere Welt offenbar immer schneller dreht, hat Ford schon zwei Jahre nach der Präsentation des Modells nachgelegt und neben einem optionalen Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe (für 2000 Euro extra) jetzt den 2,0-Liter-Dieselmotor mit Common-Rail-Direkteinspritzung in den Leistungsstufen 103 kW (140 PS) und 120 kW (163 PS) intensiv überarbeitet. Die Vorteile der neuen Motorengeneration seien mehr Leistung, weniger Verbrauch und geringere CO2-Emissionen (EU 5 wird erfüllt).

Wir haben uns jetzt 14 Tage mit dem 103-kW-Modell beschäftigt und glauben nicht, dass 26 PS mehr sowie ein um 20 Newtonmeter höheres Drehmoment kriegsentscheidend sind. Glatte 1000 Euro sind der Preisunterschied, dass soll jeder für sich ausmachen. In der Frontantriebs-Version ist der Kuga 2.0 TDCI 2000 Euro günstiger, wobei es den stärkeren Motor nur mit Allradantrieb gibt – was auch für die dritte Motorvariante gilt, einen 2,5-Liter-Benziner (147 kW/200 PS), für den sich aber keine zehn Prozent der deutschen Kunden entscheiden.

Verbrauch
Hierzulande kauft man Diesel, und der Kunde weiß warum: Weil selbstzündende Motoren genügsam mit Kraftstoff umgehen. So verbraucht der Benzin-Kuga schon auf dem Papier 3,5 Liter mehr als der Diesel. Die beiden Selbstzünder sind im übrigen mit denselben Verbrauchswerten angegeben: 6,8 Liter auf 100 Kilometer. Um es gleich vorweg zu sagen, wieder einmal kamen wir nicht in die Nähe dieses Wertes, im Gegenteil. 8,6 Liter Diesel waren im Schnitt für 100 gefahrene Kilometer nötig, in der Spitze waren es sogar 9,2. Lediglich auf einer Sparfahrt (Autobahn, nicht schneller als 120 km/h) konnten wir den Sprit-Bedarf auf 7,5 Liter drücken.

Offenbar verlangt die „Automatik“, also das Doppelkupplungsgetriebe, mit dem unser Wagen ausgestattet war, ihren Tribut. Denn mit dem bisherigen Motor, der marginal schwächer war, kam diese Redaktion in Kombination mit dem manuellen 6-Gang-Schaltgetriebe auf 6,9 Liter (Der Fahrtbericht: Ford Kuga 4×4 2.0 TDCi).

Motorleistung
Doch bis auf die mangelnde Sparsamkeit kann man weder Motor noch Getriebe kaum etwas vorwerfen. Der Motor springt willig an (Startknopf, aber kein Start-Stopp), dreht munter hoch und gibt seinem Fahrer mit seinen 320 Nm Drehmoment nie das Gefühl, zu wenig Kraft unter dem Hintern zu haben. Nur oben herum wird die Luft dünn. Bei knapp 200 (so die Anzeige des Tachos, die gar bis 240 reicht) geht nichts mehr, obwohl der Kuga bis dahin munter marschiert. Nachgemessen beträgt die Höchstgeschwindigkeit 186 km/h. Uns genügt das, wobei sich der Ford auch bei hohen Geschwindigkeiten sehr sicher anfühlt und der Motor nicht laut wird.

Getriebe
Das automatisierte Doppelkupplungsgetriebe, das bedient wird wie eine Automatik, kann das hohe Niveau, das der Motor vorgibt, nicht ganz mithalten. Zwar schaltet es sanft und kaum merklich, nur wird das Getriebe mitunter etwas hektisch und ruppig, wenn es zügig bergauf gehen soll. Manuelles Schalten ist möglich (aber keine Paddel am Lenkrad), jedoch geht es am Schalthebel nach oben herunter und nach unten hoch, daran muss man sich gewöhnen. Von selbst schaltet das Getriebe nicht herauf, wer auf dem Gas bleibt, kann den Motor quälen. Bei fast 5000/min setzt der Drehzahlbegrenzer ein.

Fahrverhalten
Auf der Landstraße kann man mit dem Kuga durchaus einen forschen Reifen fahren, im direkten Handling-Vergleich mit einem anderen SUV-Redaktionsgast, dem BMW X3 (F.A.Z. vom 22. März), zog er sich hervorragend aus der Affäre. Der Ford bleibt sicher in der Spur, lässt sich durch Bodenwellen nicht irritieren und glänzt mit einem extrem neutralen Fahrverhalten.

Allrad
Der Allradantrieb trägt gewiss dazu bei, ohne dass der Fahrer groß etwas davon mitbekommt. Über eine Haldex-Kupplung ist die Kraftverteilung elektronisch geregelt. In der Regel werden die Vorderräder mit Kraft versorgt, je nach Bedarf können aber auch bis zur Hälfte des Drehmoments an die Hinterräder geschickt werden. Es gibt keinerlei manuelle Eingriffsmöglichkeiten.

Federung
Der Federungskomfort des Kuga ist eher von der kernigen Sorte, wirklich unkomfortabel ist der Ford aber nicht. Sehr gut arbeiten die Bremsen, die den doch relativ schweren Wagen schnell zum Stand bringen. Alles in allem hat der Kuga das Zeugs zum Familienauto für die große Fahrt.

Raumangebot
Er ist hinreichend bequem, auch für die Passagiere, die auch in der zweiten Reihe gut unterkommen. Ins Gepäckabteil passen zunächst eher magere 410 Liter, wobei das Volumen um gut 100 Liter gesteigert werden kann, wenn man die beiden Styropor-Bodeneinsätze (unterteilt in neun Staufächer) sowie die Bodenplatte herausnimmt, was die Tiefe des Raumes um 18 Zentimeter erhöht. Um dass Ladevolumen zu erweitern, kann man freilich auch die asymetrisch geteilten Rücklehnen umklappen. Eine Ebene (knapp 1,50 Meter lang) ergibt sich freilich nur, wenn man alles im Boden lässt und die Sitzflächen zuvor senkrecht stellt.

Innenraum
Bei all diese Umbaumaßnahmen kommt man dem Inneren des Kuga näher als sonst und muss feststellen, dass der Qualitätseindruck „hinter den Kulissen“ nicht der Beste ist. Die Sitzkissen wirken von unten gesehen billig, der Kofferraumboden unter dem Styropor ist völlig unverkleidet und unschön. Auch der Klang der Türen beim Schließen ist sehr blechern. Am meisten geärgert hat uns jedoch, dass der Tankdeckel nicht in die Zentralverriegelung einbezogen ist.

Ausstattung
Dagegen lässt die eigentliche Einrichtung kaum zu wünschen übrig, dazu kommt das hohe Ausstattungsniveau, vor allem als Titanium-Modell (2000 Euro Aufpreis). Und die Preisliste hält weitere Verführungen parat, wie ein gläsernes Panorama-Dach (785 Euro), ein hochwertiges Navi-System mit Rückfahrkamera (2600 Euro) oder Bi-Xenon-Scheinwerfer (860 Euro). Bestimmte Details lassen sich auch zu Paketen zusammenfassen.

Fazit
Der Ford Kuga ist wieder einmal ein gutes Auto aus Köln, und man fragt sich automatisch, warum Ford in Deutschland ähnlich wie Opel in den vergangenen Jahren so viele Marktanteile abgegeben hat. Noch Mitte der neunziger Jahre freute man sich über mehr als zehn Prozent, jetzt sind es nur noch sieben. Die Zeiten, das jedes Kind die Ford-Modelle kannte (Taunus, Granada, Capri, 17M) sind längst vorbei. Doch Ford wird unter Wert geschlagen, ist eine unterschätze Marke. Die Autos sind gut, so wie der Kuga. Wenn es sich herumspricht, wird Ford zu alter Stärke zurückfinden.

Daten und Messwerte

Empfohlener Preis 33.250 Euro
Preis des Testwagens 39.865 Euro

Vierzylinder-Turbodieselmotor, Common-Rail-Direkteinspritzung, 4 Ventile je Zylinder

Hubraum 1997 Kubikzentimeter

Leistung 103 kW (140 PS) bei 3750/min

Höchstes Drehmoment 320 Nm bei 1750/min, mindestens 90 Prozent davon ab 1400 bis 3000/min

Automatisiertes Doppelkupplungsgetriebe mit sechs Stufen

Antrieb auf alle vier Räder, elektronisch geregelt, im Normalfall auf die Hinterräder

Länge/Breite/Höhe 4,44/1,84/1,71 Meter

Radstand 2,89, Wendekreis 11,60 Meter

Leergewicht 1755, zulässiges Gesamtgewicht 2160 Kilogramm, Anhängelast 2100 Kilogramm, Kofferraumvolumen 410 bis 1405 Liter

Reifengröße 235/55 R 17

Höchstgeschwindigkeit 185 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 11,0 s

Verbrauch 7,5 bis 9,2, im Durchschnitt 8,6 Liter Diesel je 100 km; 179 g/km CO2 bei Normverbrauch von 6,8 Liter Diesel, Euro 5, Tankinhalt 60 Liter.

Versicherungstypkl. HP , TK , VK .

Garantie zwei Jahre ohne Kilometerbegrenzung; zwölf Jahre gegen Durchrostung; Ölwechsel jährlich oder alle 20.000 Kilometer, Inspektion alle zwei Jahre

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1959, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

Jüngste Beiträge

Offene Stilfragen

Von Wolfgang Peters

Das Öffnen eines geschlossenen Cabrios ist heute eine Frage des Stils, der Sekunden und des Tempos. Nicht für die Bewegung des Dachs, sondern des Autos. Mehr