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Fahrtbericht Ford Galaxy Auf der Fahrt mit dem Kölner Express

27.08.2010 ·  Großfamilien müssen nicht automatisch VW Bus fahren. Auch der große Minivan von Ford hat Platz für bis zu sieben Passagiere und Gepäck. Der neue Turbo-Benzinmotor sollte jedoch sparsamer sein.

Von Boris Schmidt
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Ausgewachsene Großraumlimousinen sind zurzeit nicht so sehr gefragt. Die Kunden greifen lieber zu den kompakteren Minivans à la VW Touran oder Opel Zafira. Wer noch mehr Raum und Platz braucht, dem empfiehlt sich ganz neu zum Beispiel der VW Sharan.

Doch hier geht es um den Ford Galaxy. Das ehemalige Schwestermodell des Sharan (von 1996 bis 2006 waren beide baugleich, bis Ford die Kooperation aufkündigte) ist jetzt überarbeitet worden. Unter anderem sollen neue Triebwerke und ein automatisiertes Schaltgetriebe für frischen Wind sorgen.

Innenraum
An den übrigen Qualitäten des Galaxy wurde selbstverständlich nicht gerüttelt. Er ist und bleibt ein richtig großes Auto (4,82 Meter lang), sieben Sitze sind serienmäßig, und selbst hinter der dritten Reihe ist noch ein respektabler Rest-Kofferraum. Die Heckklappe ist riesig und öffnet etwas schwer, eine elektrische Hilfe gibt es nicht (zu anderen Oberklasse-Nettigkeiten später), auch ein Reserverad gehört nicht zum Lieferumfang.

Aber auf den Plätzen 1 bis 7 kommt man prima unter, selbst ganz hinten. Auch das Einsteigen in die dritte Reihe ist gut gelöst, weil sich die beiden äußeren Sitze der mittleren Reihe schön weit nach vorn schieben und neigen lassen. Der Zugang erfolgt über Klapptüren, während der Sharan jetzt auf Schiebetüren setzt. Alle Sitze in Reihe 2 und 3 lassen sich einzeln zusammenfalten, die Stühle in der Mitte können zudem vor- und zurückfahren, auch die Neigung der Lehnen lässt sich verstellen.

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© Hersteller Neue Triebwerke und ein automatisiertes Schaltgetriebe sollen für frischen Wind sorgen

Noch mehr Variabilität wäre gewiss von Vorteil, zumindest die beiden hinteren Sitze sollten sich ohne Werkzeug ausbauen lassen. Doch mehr als 1100 Liter Volumen als Fünfsitzer bei dachhoher Beladung und maximal gar 2325 Liter lassen kaum Wünsche offen. Die maximale Länge des Laderaums beträgt knapp zwei Meter. Leider müssen eine Gepäckraumabdeckung und ein horizontales Trenn-Netz extra bezahlt werden (250 Euro), selbst in der teuren Ghia-Ausstattung.

Ausstattung
Ghia ist gegenüber der Basis Trend 2600 Euro teurer. Vieles, was man sich wünscht, ist dann an Bord, wobei die Preisliste aber immer noch reichlich Spielraum nach oben lässt. Unser Testwagen hatte das Business-Paket II (DVD-Navi, Parkpilot, Audioanlage, Tempomat) plus Rückfahrkamera für 2285 Euro, das Power-Paket (Bi-Xenon-Scheinwerfer, Startknopf und schlüsselloser Zugang, Panoramadach) mit Leichtmetallrädern für 1850 Euro und für gar 3900 Euro das Individual-Paket mit üppiger Lederausstattung, elektrisch verstellbaren Vordersitzen und vielem mehr.

So wird ein Galaxy zum wahren Luxusmobil. Die fünf Staufächer über die gesamte Länge in der Mitte des Dachhimmels gehören wie die Sonnenschutzrollos an den Seitenfenstern der zweiten und dritten Sitzreihe zur Ghia-Ausstattung, anderes wie ESP, ABS, reichlich Airbags, die elektrischen Fensterheber, eine Klimaanlage und die Zentralverriegelung sind obligatorisch. Gegen Aufpreis gibt es zudem einen adaptiven Tempomaten (945 Euro) oder einen Totwinkel-Assistenten (495 Euro). Dann leuchtet es im Außenspiegel, wenn jemand rechts oder links überholt.

Trotz der vielen Komfortdetails haben wir etwas vermisst: Es erfolgt keine Rückmeldung, wenn sich in den hinteren Reihen ein Passagier abschnallt. Eltern mit Kindern mögen diesen elektronischen Aufpasser, der inzwischen recht gängig ist. Der zweite Innenspiegel zur Überwachung des Innenraums ist da nur ein Notbehelf.

Verarbeitung
Loben muss man den hohen Qualitätsstandard, den Ford in Sachen Haptik und Verarbeitung inzwischen erreicht hat. Die Bedienung stellt den Fahrer vor keinerlei Rätsel. Zu erwähnen ist die gute Übersichtlichkeit des Vans. Wegen des großen Seitenfensters zwischen A-Säule und vorderer Tür ist auch dieser Bereich keine Problemzone wie bei anderen Autos dieser Machart. Die Frontscheibe ist riesig, die Straße liegt wie ein offenes Buch vor dem Fahrer. In der Stadt ist der Wagen jedoch unhandlich, der Wendekreis ist mit 11,90 Meter eher groß.

Motor
Zur Fortbewegung stehen sechs verschiedene Motoren zur Wahl, drei Diesel und drei Benziner. Von besonderem Interesse ist der brandneue Zweiliter-Turbobenziner, der ausschließlich in Kombination mit dem ebenfalls neuen „Powershift“-Automatikgetriebe angeboten wird.

Auch Ghia ist bei diesem Modell Pflicht, der Preis beträgt dann 36 600 Euro. Wem das zu viel ist: Der Basispreis für den Galaxy 2.0 mit 107 kW (145 PS) und Fünfgang-Schaltgetriebe als Trend liegt bei 30.000 Euro, der günstigste Diesel (zwei Liter Hubraum, 85 kW/115 PS, sechs Gänge) kostet 31.800 Euro.

Leistung
Nach zwei Wochen Bekanntschaft mit dem Turbobenziner möchten wir diesen eigentlich jedem Interessenten empfehlen. Er ist spritzig und leise, drehfreudig und gleichzeitig drehmomentstark, und er geht mit der „Automatik“ (technisch gesehen ein Doppelkupplungsgetriebe) eine wunderbare Arbeitsteilung ein. Sanft und kaum merklich werden die Gänge gewechselt, was auch beim Verzögern gilt. Etwas mehr als 200 PS bietet der Motor, und das spürt man deutlich. Auf der Autobahn rennt der Galaxy so unbeirrbar wie ein Express-Zug und liegt dabei satt und sicher auf der Straße. Erst weit jenseits der 200er-Markierung auf dem Tacho ist der Vortrieb beendet; die angezeigten 230 entpuppten sich schließlich als 217 km/h. Das ist für einen Minivan mehr als genug.

Verbrauch
Dass wir unser Lob der Maschine mit „eigentlich“ eingeschränkt haben, hat einen guten Grund: Zwar verspricht Ford einen verbrauchsgünstigen Motor und gibt einen Bedarf von 8,1 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer an. Doch das sind die Normwerte, die allenfalls zum Vergleichen taugen und meist anderthalb bis zwei Liter unter den Praxiswerten liegen. Bei unserem Galaxy waren es sogar mehr als drei Liter: Auf sage und schreibe 11,5 Liter kamen wir im Schnitt, die Werte auf den einzelnen Etappen schwankten zwischen 11,0 und 11,8. Zu einer expliziten Sparfahrt fehlte uns dieses Mal die Gelegenheit, Werte unter zehn sind gewiss möglich.

Dennoch, dieser Verbrauch ist viel zu hoch und lässt sofort wieder an einen Dieselmotor denken. Das stärkste Selbstzünder-Aggregat (zwei Liter Hubraum, 120 kW/163 PS) kann ebenfalls mit dem Powershift-Getriebe bestellt werden. Die Kollegen von „auto motor und sport“ fuhren diesen Galaxy (Mehrpreis 2050 Euro) mit 8,8 Liter im Schnitt. So spart man bei 20.000 Kilometer im Jahr rund 1200 Euro Spritkosten und freut sich jedes Mal an der Tankstelle. Das Nachfassen des teuren Treibstoffs geht flugs, weil Ford auf einen Tankdeckel verzichtet. Nach dem Öffnen der Klappe kann es gleich losgehen. Fehlbetankungen sind ausgeschlossen, eine Diesel-Zapfpistole passt nicht in die Öffnung.

Fahreigenschaften
Schade, dass die Trinksitten des Motors die übrigen guten Eigenschaften des Galaxy konterkarieren. Denn auch die Fahreigenschaften sind sehr gut, wenn man davon absieht, dass der Minivan wie alle Fronttriebler bei regennasser Fahrbahn mitunter Schwierigkeiten hat, die Kraft auf die Straße zu bringen. Der Federungskomfort ist angemessen, das Fahrverhalten tadellos. Dass der Wagen bei schnellen Kurven etwas ins Wanken gerät, möchten wir ihm nicht ankreiden, es ist ein Familien- und kein Sportauto. Dafür sind die Bremsen standfest und ermöglichen kurze Anhaltewege – das freut Papa und den Sportfahrer.

Fazit
Der Ford Galaxy ist ein vorzügliches Angebot für alle, die ein wirklich großes Auto brauchen und wollen. Mit dem Zweiliter-Turbobenziner ist der Verbrauch zwar unakzeptabel hoch, aber es gibt ja Alternativen. In der Summe seiner Eigenschaften hat er die Messlatte für den neuen VW Sharan also ziemlich hoch gelegt.

Daten und Messwerte

Empfohlener Preis 36.600 Euro
Preis des Testwagens 45715 Euro

Vierzylinder-Ottomotor, vier Ventile je Zylinder, Abgasturbolader, Direkteinspritzung, 1998 Kubikzentimeter Hubraum

Leistung 149 kW (203 PS) bei 6000/min

Höchstes Drehmoment 300 Nm bei 1750/min, 90 Prozent davon ab 1200 bis 5000/min

Automatisiertes Doppelkupplungsgetriebe

Antrieb auf die Vorderräder

Länge/Breite/Höhe 4,82/1,88/1,76 Meter

Radstand 2,85, Wendekreis 11,90 Meter

Leergewicht 1650 (tatsächlich 1690), zulässiges Gesamtgewicht 2450, Anhängelast 1500 Kilogramm, Kofferraumvolumen 308 bis 2325 Liter

Reifengröße 235/45 R 18

Höchstgeschwindigkeit 217 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 9,0 s

Verbrauch 11,0 bis 11,8, im Durchschnitt 11,5 Liter Superbenzin je 100 km; 189 g/km CO2 bei Normverbrauch von 8,1 Liter; Tankinhalt 60 Liter

Versicherungs-Typkl. HP 15, TK 22, VK 19

Garantie zwei Jahre ohne Kilometerbegrenzung inklusive Mobilitätsgarantie, 12 Jahre gegen Durchrostung bei regelmäßiger Kontrolle, Inspektionsintervall ?? 000 Kilometer

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Jahrgang 1959, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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