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Fahrtbericht Ford Focus Turnier Viel Fahrspaß mit dem Lademeister

23.11.2011 ·  Die Kombiversion des Ford Focus bietet viel Stauraum und ist gleichzeitig sehr agil. Er ist ein Begleiter für die lange Strecke, dem der Weg zum Überholen freigegeben wird.

Von Michael Kirchberger
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Während anderswo die Terminologie in jüngster Zeit neu festgelegt wurde, und Caravans zu Sport Tourern und ein Break zum Sports Wagon mutiert, bleibt Ford der althergebrachten Namensgebung treu. Ein Kombi von Ford hieß schon immer Turnier, und daran hat sich auch bei der jüngsten Neuauflage der Kompaktklasse aus Köln nichts geändert.

Obwohl die nunmehr dritte Generation des Focus, die 1998 den Escort abgelöst hatte, formal und technisch zu wahrhaft neuen Ufern aufgebrochen ist. Ein komplettes Programm an Fahrerassistenzsystemen soll die drei Focus-Versionen, Schräg- und Stufenheckmodell sowie den Kombi Turnier, eine Alleinstellung in ihrer Klasse verleihen. Dazu kommt ein Design, das seine Schärfe in Solingen erhalten zu haben scheint. Der Focus reiht sich auch als Kombi auf der Überholspur ein und will schon optisch schnell sein.

Motor

Technisch ist er das allemal. Zumindest, wenn sich der Kunde für einen der leistungsstärkeren Motoren im Angebot entschieden hat. Der Vierzylinder-Benziner ist ein wahrer Tausendsassa, mit ein und dem selben Hubraum tritt er in nicht weniger als fünf verschiedenen Leistungsklassen an. Ford variiert die Art der Gemischbereitung, die leistungsschwächeren arbeiten mit konventioneller Zuführung, die kräftigeren des Quintetts nutzten die direkte Einspritzung des Kraftstoffs und sorgen mit Abgasturboladern für Druck.

Die Bandbreite reicht von 63 bis 134 kW (85 bis 182 PS) für gesteigerten Fahrspaß zum moderaten Preis sorgt vor allem die 110-kW-Ausführung des 1,6-Liter-Vierzylinders. Sie kostet wenigstens als Ausstattungsversion Trend 22.550 Euro und macht den geräumigen Ford-Kombi zum schnellen, wenn auch nicht ausgeprägt genügsamen Transporteur.

Design

Mit großen Lufteinlässen und aggressiv geformten Scheinwerfern gibt der Focus Turnier ein äußerst schneidiges Entree. Beim genaueren Hinsehen fällt dabei die Asymmetrie der vermeintlichen Lufteinlässe auf, die schwarzen Flächen links und rechts des Kühlergrills dienen jedoch keineswegs der Beatmung, hinter ihnen verbergen sich die Sensoren der diversen Assistenzsysteme.

Und weil die Radarantenne eine bestimmte Ausrichtung braucht, sind die Lamellen dieser Verkleidungen auf beiden Seiten unterschiedlich ausgeprägt. Das aber wird der Vorausfahrende in seinem Rückspiegel kaum bemerken. Er sieht wohl nur einen dynamisch geformten Vorderwagen heran eilen, das Tagfahrlicht sorgt für Aufmerksamkeit und die meisten Autobahnnutzer geben dem Focus Turnier umgehend den Weg zum Überholen frei.

Im Innenraum herrscht unterdessen keine gelassene Heiterkeit, die strengen Formen und Ausprägungen haben ebenso wie die sich nicht selbsterklärenden Bedienungsfunktionen bereits bei der Schrägheckversion des Focus nicht überzeugen können. Die Mehrfachbelegung der Fernbedienungstasten in den horizontalen Speichen des griffigen Lederlenkrads verwirrt, selbst beim zweiten Treffen mit dem Focus reichten viele Fahrtkilometer nicht, um ihre Funktionen zielsicher zu nutzen. Dafür ist das Informationsangebot des Bordrechners sehr umfangreich. Je nach Stimmung lassen sich die Daten einzeln oder in einem kleinen, hübsch angeordneten Ensemble darstellen.

Lenkung

Die feine Abstimmung des Fahrwerks macht den Turnier zum echten Kurvenräuber, wenngleich die Sitze nur wenig Seitenhalt bieten. Aber die genaue Lenkung hilft, ihn auf Kurs zu halten, auch beladen bleiben seine Eigenschaften lange neutral, bevor sie in sanftes Untersteuern münden und schließlich das ESP zart aber wirkungsvoll eingreift. Auf der Autobahn leidet der Geradeauslauf dagegen unter der leichtgängigen Lenkung, wer unkonzentriert unterwegs ist, wird öfter vom Spurhalteassistenten zur Ordnung gerufen.

Je nach Programmierung meldet sich der Wächter mit einem Warnton oder einem Vibrieren des Volants. Das fühlt sich an, als würde ein stummgeschaltetes Handy den Eingang einer Kurzmitteilung quittieren. In der dritten Stufe greift der Spurhalteassistent sogar aktiv ins Geschehen ein und bringt den Focus Turnier per sanftem Bremseneingriff wieder auf den rechten Weg. Freihändiges Fahren ist dennoch nicht möglich und auch nicht erlaubt. Nach drei Korrekturen tritt der Wächter in Streik und fordert fast barsch über die Anzeige zwischen den Rundinstrumenten auf: Hände ans Lenkrad!

Kofferraum

Einen Kombi kauft, wer viel transportieren möchte. Und neben vielen zweckmäßigen Ablagemöglichkeiten im Innenraum bietet der Focus Turnier einen ordentlich bemessenes Gepäckabteil. Schon in der üblichen Konfiguration und Nutzung der Rücksitze übersteigt es die Kapazität der Schräg- und Stufenheckversion des Focus erheblich. Was nicht überrascht, schließlich ist der Turnier um drei Zentimeter höher und vor allen um 21 Zentimeter länger als seine kleineren Brüder.

467 Liter Gepäck finden Platz, wenn die Sitzbank im Fond nicht umgeklappt wird. Das Volumen steigt auf 1516 Liter, klappt man die Lehnen hinten um, was sehr leicht und mit einem Handgriff gelingt. Diese Kapazität genügt für anspruchsvolle Transportaufgaben, zumal die Wände glattflächig verkleidet und die Ladefläche topfeben ist.

Viel sinnvolles Zubehör erleichtert das Beladen obendrein. Da gibt es für 112 Euro eine Wendematte für den Kofferraum, die ein weiches Polster auf ihrer Oberfläche hat, in das sich Koffer und Taschen hineinkuscheln können. Ihre Gegenseite ist mit einer wasserfesten Gummierung versehen, was den Hobbygärtner oder Hundehalter erfreuen dürfte. Ein Trenngitter für den Gepäckraum kostet 240 Euro, eine Folie zum Schutz des in Wagenfarbe lackierten Stoßfängers 37 Euro.

Leistung

Der Motor wird per Knopfdruck gestartet und bleibt akustisch unauffällig. Seine Drehmomentspitze von 240 Newtonmeter erreicht er schon bei 1600 Umdrehungen in der Minute, das bringt Vorteile bei voller Beladung (fast 620 Kilogramm dürfen an Bord). Seine Durchzugsstärke erlaubt zügiges Vorankommen, ohne dass der Schalthebel allzu oft bewegt werden muss. Die Elastizitätsmessungen zeigen, dass die Maschine ihre Kraft auch im unteren Drehzahlbereich in ausreichendem Maß bereit stellt.

Verbrauch

Das serienmäßige Sechsganggetriebe erlaubt dennoch flinke Gangwechsel mit kurzen Wegen und hoher Präzision und ist nicht zu lang übersetzt. Was der Agilität dient, aber den Benzinverbrauch im Alltag und jenseits der Messnorm trotz der sanft agierenden Start-Stop-Automatik nach oben treibt. 7,5 Liter Kraftstoff verlangte das Turbotriebwerk, einen Zehntelliter mehr als das Schrägheckversion konsumiert hat. Besondere Sparsamkeit ist ihr nicht zu bescheinigen. 55 Liter Benzinvorrat sind an Bord, das Tanken erleichtert, die automatische Tankstutzenklappe, die wir zu loben nicht müde werden.

Dass der Turnier weniger hart gefedert ist als die Schrägheckversion, erfreut auf langen Reisen besonders. Dass die Assistenzsysteme (1200 Euro Aufpreis) nicht für das Basismodell zu haben sind, weniger. Dennoch besteht der Kompakt-Kombi in der Rolle des souveränen Reisewagens, und das Grundmodell, so sagt der Ford-Verkäufer, das kauft sowieso niemand.

Daten und Messwerte

Empfohlener Preis 24.650 Euro
Preis des Testwagens 30.580 Euro

Vierzylinder-Benzinmotor, Turboaufladung, vier Ventile je Zylinder, Hubraum 1569 Kubikzentimeter

Leistung 110 kW (150 PS) bei 5700/min

Höchstes Drehmoment 240 Nm bei 1600/min, 90 Prozent davon ab 1500 bis 4800/min

Manuelles Sechsganggetriebe

Antrieb auf die Vorderräder

Länge/Breite/Höhe 4,57/1,82/1,51 Meter

Radstand 2,43 Wendekreis 11 Meter

Leergewicht 1283, tatsächlich 1390, zulässiges Gesamtgewicht 1900, Anhängelast 1500 Kilogramm, Kofferraumvolumen 476 bis 1516 Liter

Reifengröße 215/55 R 16 93 V

Höchstgeschwindigkeit 210 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 8,8; von 50 auf 100 km/h im 4./5./6. Gang in 7,9/11,5/16,5 s

Verbrauch 6,1 bis 9 im Durchschnitt 7,5 Liter Benzin je 100 km; 139 g/km CO2 bei Normverbrauch 6 Liter; Tankinhalt 55 Liter

Versicherungs-Typkl HP 17, TK 21, VK 20

Garantie Zwei Jahre ohne Kilometerbegrenzung; 12 Jahre gegen Durchrostung; Ölwechsel jährlich oder alle 20.000 Kilometer, Inspektion alle zwei Jahre

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