27.08.2008 · Die Tugend der Verbrauchsoptimierung heißt bei Ford „Econetic“. Damit erreicht der viertürige Focus sehr gesittete Trinkmanieren. An der Tankstelle soll die 80 kW starke Econetic-Version leisetreten. Langweilig wird er deshalb nicht.
Von Michael KirchbergerDer Ford Focus gibt den Geschmeidigen. Mit seiner sanften, wenig atemraubenden, aber keineswegs beliebigen Form ist er im Alltag eher unauffällig unterwegs. Vor allem an der Tankstelle soll die 80 kW (109 PS) starke Econetic-Version leisetreten. Die pflegenden Maßnahmen bringen einen Minderverbrauch von 0,2 Liter je 100 km, verglichen mit der gleichstarken, herkömmlichen Ausgabe des Focus. Dem gegenüber steht ein Mehrpreis von 500 Euro, 21.000 Euro verlangt Ford für die Spritsparvariante. Um das herauszuholen, muss man aber weit mehr als 100.000 Kilometer zurücklegen. Doch das sollte nicht vom Kauf abhalten, denn die Grundidee ist gut für das Gewissen, und die Zeit zum Zeichensetzen ist längst gekommen.
Die technischen Maßnahmen zur Verbrauchsreduzierung sind übersichtlich und betreffen in erster Linie die Verringerung der Fahrwiderstände. Das leichte Absenken der Karosserie ergibt eine geringere Stirnfläche und einen niedrigeren Luftwiderstand. Leichtlaufreifen, dünnflüssigeres Getriebeöl und eine Optimierung der elektrohydraulischen Servolenkung tragen zur Verbrauchsreduzierung bei, unterstützt von einem geänderten Kennfeld der elektronischen Motorsteuerung.
0,2 Sekunden weniger als der 1,6-Liter-TDCi
Den ursprünglichen Charakter der Maschine tasten all diese Maßnahmen nicht an, daher steht der Econetic-Focus bei den Fahrleistungen seinem herkömmlichen Pendant in nichts nach. Im Gegenteil, den Sprint von 0 auf 100 km/h absolviert er in 10,9 Sekunden, das sind 0,2 Sekunden weniger als der 1,6-Liter-TDCi. Der Vierzylinder dieselt dabei mit nur geringer Geräuschentwicklung los.
Trotz des angestrebten Knausertums sind Reste klingender Kraft anwesend, es gibt immerhin 240 Newtonmeter Drehmoment bei 1750 Umdrehungen in der Minute. Die mit 191 km/h angegebene Höchstgeschwindigkeit übertrifft die des bisherigen Serienmodells um immerhin drei km/h, was jedoch für die Idee des ökonomischeren Betriebs eine untergeordnete Rolle spielt.
Wer die Motordrehzahl im Keller hält, kann den Spareffekt ausspielen
Das Bekenntnis zum Konsumverzicht ist die grundlegende Aussage, und der Focus tut sein Möglichstes, den Fahrer dabei zu unterstützen. Knapp 2000/min dreht der Selbstzünder, wenn der Spar-Ford im fünften Gang mit 100 km/h über die Landstraße gleitet, im Stadtverkehr fällt das Drehzahlniveau aber auf weniger als 1000/min, und da verliert der Diesel drastisch an Laufkultur. Er rüttelt und schüttelt und bringt bei der Elastizitätsprüfung die Beschleunigung von 50 auf 100 km/h nur mit Mühe hinter sich. Verwertbare Leistung steht erst bei knapp 1800 Touren bereit, die aber setzt dann ebenso sanft wie nachhaltig ein.
Das wiederum steht dem Spargedanken entgegen. Denn um den Diesel bei Laune zu halten, lässt ihn der Chauffeur gern im Drehzahlbereich zwischen 2000 und 3000/min agieren, und in diesen Regionen nützt kein Leichtlauföl und schlanker Pneu, dann genehmigt sich die Maschine kaum weniger als 4,6 Liter Diesel für 100 Kilometer. Wenn es zügig dahingehen soll, sind es gar mehr als sieben Liter. Der Durchschnittsverbrauch von 5,8 Liter auf der Standardstrecke im Praxisbetrieb ist keineswegs mustergültig, nur wer die Motordrehzahl mit extrem frühem Hochschalten im Keller hält und die damit einhergehenden Verluste an Laufruhe in Kauf nimmt, kann den Spareffekt ausspielen. Der Tankinhalt von 53 Liter ermöglicht gute Reichweiten, das Tanken ist dank des Easyfuel-Systems von Ford einfach: Es gibt keine Verschlusskappe, der Lauf der Zapfpistole öffnet beim sachten Druck die Klappe im Tankstutzen automatisch.
Sitzkomfort erreicht den Klassenstandard nur mit Mühe
Unterwegs gibt der Focus Econetic seinem Fahrer keine außergewöhnlichen Aufgaben auf. Die Bedienung ist einfach, die Instrumente sind trotz der verspielten Chromovale um die Zeigernaben gut ablesbar, und die passende Sitzposition findet sich dank eines zweifach verstellbaren Lenkrads und einer elektrisch unterstützten Höhenjustierung des Fahrersitzes leicht. Gute Seitenführung wird geboten, der Sitzkomfort dagegen erreicht den Klassenstandard nur mit Mühe. Bezüge und Polsterung sind weder atmungsaktiv noch wirklich bequem; gerade wenn die Strecken etwas länger ausfallen, macht sich bald die pausenfordernde Sitzmuskulatur bemerkbar. Die sportliche Federung des Fahrwerks kann diese Schwächen und vor allem die Härte der Leichtlaufreifen nicht ausgleichen. Ein Ford mit Sparpflichten sollte es mit dem Komfortangebot etwas ernster nehmen.
Der Schalthebel genügt den Anforderungen der Ergonomie besser. Er wurde an passender Stelle positioniert, sein Knauf liegt gut in der Hand, und die kurzen Wege durch die Schaltgassen des Fünfganggetriebes gelingen stets präzise und mühelos. Die Lenkung reagiert ebenfalls sehr feinfühlig und gibt gute Rückmeldung über die Fahrzustände. Das lederbezogene Volant schmeichelt den Fingern und bietet in die vier mit Edelstahl-optik verzierten Speichen integrierte Bedienungsflächen für Tempomat und Audioanlage. Deren zentrales Display ist in der Mittelkonsole gut aufgehoben, der große, berührungssensitive Bildschirm zeigt die Fahrtrouten während der Navigation an oder informiert über Senderwahl, Verbrauch des Motors und Reichweite.
Kniefreiheit für die Mitfahrer bleibt auf der Rückbank üppig
Eingebettet sind alle Bedienungselemente in angenehm anzufassende und hochwertig aussehende Verkleidungen und Bezugsstoffe. Ablagen gibt es in ausreichender Zahl, nur die Türtaschen taugen nicht zur Aufbewahrung von Flaschen, der Dosenhalter auf dem Mitteltunnel kann seine Aufgabe nicht erfüllen. Die Verarbeitung im Innenraum ist sehr ordentlich, im Kofferraum etwas weniger. Besonders unter der Bodenplatte, die das serienmäßige Pannen-Set verdeckt, geht es disziplinlos zu. Dämmschäume sind zu sehen, die seitlichen Abdeckungen sind von beeindruckender Einfachheit.
Das Stauvermögen des Kofferraums lässt sich durch Umklappen der asymmetrisch geteilten Rückbank von schon sehr ordentlichen 395 auf 1260 Liter steigern. Hierzu müssen die Kopfstützen der Lehnen nicht demontiert werden, das macht den Umbau schnell und einfach. Passagiere finden im Fond angemessenen Raum und Sitzkomfort. Hilfreich sind die Kartentaschen an den Rückseiten der Vorderlehnen, die Platz für Reiseliteratur bieten. Selbst wenn sie ordentlich befüllt werden, bleibt die Kniefreiheit für die Mitfahrer auf der Rückbank üppig.
Konsequent ist der Gedanke der Verbrauchsreduzierung nicht
Die Ausstattung des Spar-Focus ist standesgemäß. Zur Serie gehören unter anderem ABS und ESP, Front- und Seitenairbags sowie der Bremsassistent. Für Komfort sorgen die Klimaanlage und die Zentralverriegelung mit Fernbedienung. Das Audiosystem mit CD-Spieler gibt Ford dem Focus Econetic außerdem mit auf die Reise, Isofix-Kindersitzbefestigungen im Fond gibt es auf Wunsch, aber ohne Aufpreis. Extra bezahlt werden müssen dagegen Ausstattungen wie das Navigationssystem (2050 Euro), der Parkpilot hinten (400), Nebelscheinwerfer (160) und die Metallic-Lackierung (480).
Die elektrischen Hilfen für Spiegeleinstellung und Fensterheber sind zwar angenehm, verbrauchen aber Energie und fordern eine höhere Leistung des Generators, was wiederum negativ auf den Verbrauch wirkt. Auch das Gewicht wird von den komfortspendenden Servomotoren erhöht. Konsequent ist der Gedanke der Verbrauchsreduzierung beim Focus Econetic also nicht verfolgt worden. Aber welcher Kunde will heute schon auf eine Klimaanlage verzichten, wenn ein vermeintlicher oder tatsächlicher Temperaturanstieg lange Reisen anstrengend werden lässt. Dann doch lieber einen Mehrverbrauch in Kauf nehmen und mit kühlem Kopf das Ziel erreichen, mag sich mancher Kunde denken.
Focus zum Sparen?
Harald HEINZ (willer3)
- 27.08.2008, 15:34 Uhr
Focus Econetic
KLAUS Krueger (sopher)
- 27.08.2008, 23:35 Uhr
Dia.. ähh Econetic
André Mengel (andre-m)
- 28.08.2008, 02:16 Uhr