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Fahrtbericht Fiat Grande Punto Sport Nur manchmal wird der Kleine doch müde

29.05.2007 ·  Der kompakte Wagen glänzt in der Stadt als Spritsparer. Doch Leistung und Leidensfähigkeit geraten über Land an Grenzen. Da lärmt er schon mal wie eine Rasselbande und lässt Rücken schmerzen. Michael Kirchberger und der Fiat Grande Punto Sport.

Von Michael Kirchberger
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Autos haben eine Seele. Jedermann weiß das, und nur die ärgsten Bahnfahrer glauben nicht an den Geist im Auto. Zugegeben: Die wahren Charaktere mancher Gefährte erschließen sich nicht gleich nach dem ersten Streit. Andere dagegen strahlen ihren Chauffeur von Beginn an mit einem breiten Lachen an.

Fiat ist es gelungen, einen lieben Buben aus dieser Bande in die anspruchsvolle Gesellschaft der deutschen Autofahrer einzuführen. Punto ist sein Name, Grande Punto sogar, was wohl auf großen Geist schließen lassen soll. Er hat dank gesunder Ernährung durch seinen Vater Giugiaro eine wohlgeformte Gestalt und nach dem Genuss einer hingebungsvollen Erziehung von seinen Ausbildern in Turin angenehme Manieren.

Er findet seine Freunde nicht mit Grobschlächtigkeit und klärt Konflikte nicht mit der Faust. Der Grande Punto erfreut mit ehrlichem und unpreziösem Charakter, er verspricht nur wenig, was er nicht halten kann. Treu schaut er einen an, die Zahlung von 15 640 Euro könnte den Beginn einer langen Freundschaft markieren.

Vergisst schon mal sein gutes Elternhaus

Die Form des kleinen Italieners gefällt. Ein markanter Kühlergrill, der einen Hauch italienischer Gran-Turismo-Gene trägt, nicht überzeichnet und markentypisch, schlanke Flanken, ein massiges Heck, das klingt nach Rennpony. Die Proportionen wirken ausgewogen, selbst die für eine als sportlich ausgewiesene Version schmalen Winterreifen im 185/65-Format wirken wie Schuhwerk zum Waldbrandaustreten. Mit den Serienpneus im Format 205/45 auf den 17-Zoll-Leichtmetallrädern der ausschließlich zweitürig angebotenen Ausstattung Sport bekommt der Grande Punto etwas Bolidenhaftes, was freilich nicht ganz mit den Fahrleistungen korrespondiert.

Der Basismotor, ein 1,4-Liter-Benziner, bringt es auf 70 kW (92 PS), und die werden in erster Linie über hohe Drehzahlen mobilisiert. 125 Newtonmeter Drehmoment als Spitzenwert liegen erst bei 4500 Umdrehungen in der Minute an, weniger als 3000/min zwingen zu Geduld. Drehzahlhöhen lassen diesen Grande Punto sein gutes Elternhaus vergessen, die Maschine lärmt wie eine Rasselbande in den neapolitanischen Straßenschluchten beim Erblicken der Schönen des Viertels.

Aufatmen beim Verlassen der Autobahn

An Autobahnsteigungen will der Gang flink gewechselt sein, um die Geschwindigkeit halbwegs zu halten. Das gelingt stets präzise und schnell, der kurze Knüppel rückt selbst nachlässig geschlenzt in die richtige Position, was bei manuellen Sechsganggetrieben nicht immer der Fall ist. Höllentempo ist des kleinen Grandes Ding nicht.

Das Verlassen der Autobahn begleitet ein leises Aufatmen, der Punto seufzt gleich mit und gibt sich dem Vergnügen der Landstraße mit weit größerer Inbrunst hin. Augenmerk ist beim Überholen gefragt, aber in den hier erlaubten Geschwindigkeitsbereichen macht der Fiat seine Sache gut. Wer es dennoch eiliger hat, dem seien die kräftigeren Dieselmotoren mit 66 oder gar 96 kW (90 oder 130 PS) empfohlen, die mit muskulöserem Drehmoment dem Sportmodell entsprechende Eigenschaften verleihen.

Unterstützung per Tastendruck

Der kleine Benziner erfreut mit geringem Verbrauch. 5,1 Liter Superbenzin für 100 Kilometer sind wirklich nicht viel, der Spitzenwert von 8,8 Liter zeugt von dem eher unsinnigen Versuch, dem Vierzylinder das Äußerste abzuverlangen. Der Durchschnitt von 5,7 Liter kann sich sehen lassen. Da erscheinen die 45 Liter Tankinhalt als ausreichender Vorrat.

Sport bedeutet in diesem Fall nicht erbarmungslos harte Federung. Zwar ist der Fahrkomfort nicht vom zarten Schmelz einer Büffel-Mozzarella, doch werden die Punto-Passagiere erst bei besonderen Grobheiten der Straße geschüttelt. Feine Fugen und oder Spurrillen bewältigt das Fahrwerk mühelos. Die Einflüsse des Antriebs beim Beschleunigen in Kurven bleiben mangels Muskelkraft der Maschine unbemerkt, die elektrische Servolenkung Dualdrive kann per Tastendruck für die Fahrt durch die Stadt auf eine angenehme, stärkere Unterstützung gestellt werden.

Im Normalbetrieb gibt sie ausreichende Rückmeldungen über den Traktionszustand und erlaubt zielgenaues Ansteuern der Kurve. Kreuzbrav gibt sich der Grande Punto, wenn es sein Fahrer mal zu eilig hat. Ganz neutral baut er Tempo ab, schiebt leicht über die Vorderräder und lässt sich mit kleinen Korrekturen am Lenkrad gut auf Kurs halten. Das liegt lederbezogen angenehm in der Hand, der kompakte Fiat geht brav wie ein Haflinger am Zügel. Lastwechselreaktionen bleiben aus, das Heck folgt beim Gaswegnehmen in der Biegung stets artig dem Vorderwagen. Ein ESP ist serienmäßig mit von der Partie, muss aber selten einspringen.

Nach 90 Minuten schmerzt der Rücken

Die Bremsen sprechen mit der rechten Dosierbarkeit an, das steigert den Beifahrer-Komfort, denn der Tempoabbau gelingt feinfühlig und ruckfrei. Überfordert zeigen sie sich selbst bei forcierten Fahrten im Gefälle nicht. Wenig Begeisterung rufen die Sitze hervor. Schick sehen sie aus, aber den acht orangefarbenen Noppen auf noch orangefarbenerem Untergrund der Sitzfläche misstrauten wir vorbeugend.

Sollen sie über Adhäsion Seitenhalt in Kurven geben? Nein, sie sind einfach aus Gründen des Designs anwesend, wir würden sie nicht vermissen. Elektrisch lässt sich eine Lordosenstütze in der Lehne hervordrücken, den Sitzkomfort verbessert sie nicht, gleich in welcher Stellung, nach 90 Minuten schmerzt der Rücken und erinnert daran, dass der Punto-Fahrer nicht der Marathon-Mann sein will, der dem folternden Bohrer des Nazi-Zahnarztes widersteht.

Kein Halt für DIN-A4

Gleichwohl passt die Sitzposition. Das in Länge und Höhe zu justierende Lenkrad ermöglicht eine gute Abstimmung zwischen Sitzeinstellung und Abstand zur Pedalerie. Die Ellbogen kommen auf der Auflage der Türinnenverkleidung und der Mittelarmlehne zur Ruhe, letztere stört beim schnellen Schalten der Gänge ein wenig, deshalb erhält sie eher als Autobahn-Accessoire ihre Absolution. Für Stadtfahrten kann sie nach hinten geklappt werden. Fein, dass unter ihrem Polster ein Ablagefach Platz für Büroutensilien wie Heftklammern und Bleistifte auf Beladung wartet. Zigarren würden zumindest räumlich ebenfalls passen.

Ablagen finden sich in ausreichender Zahl, die Türtaschen wünschten wir uns etwas tiefer, DIN-A4-Formaten können sie beim raschen Türöffnen keinen Halt geben. Ohnehin ist das Ein- und Aussteigen nicht ganz leicht. Auf die vorderen Sitze gelangt man zwar mühelos, doch der zu weit vorn platzierte Entriegelungsgriff erfordert immer zwei Handbewegungen, um die lange und relative schwere Tür erst zu öffnen und dann aufzustoßen. Im Fond sind die Platzverhältnisse nicht üppig. Obwohl der Grande Punto im Vergleich zum Vorgänger um gut 20 Zentimeter zugelegt hat, bietet er dort nicht mehr als andere Kleinwagen.

Trübsal des Alltags wegblasen

Das Armaturenbrett ist mit einem technisch aussehenden Nylonbezug recht ansprechend geraten, die Instrumente sind gut ablesbar und farbenfroh gestaltet. Die Bedienung gibt keine Rätsel auf. Besonders wollen wir den hilfreichen Bordcomputer würdigen, der neben anderen Funktionen stolz die niedrigen Verbrauchswerte bestätigt. Auch der Tempohalter (Aufpreis 150 Euro) glänzt mit schlichter Funktionalität im positiven Sinn.

Der Ausblick nach draußen ist teilweise eingeschränkt, die kleinen Dreiecksfenster vorn verbessern ihn nicht, denn die A-Säulen sind sehr kräftig ausgefallen. Hinten liegt der Verkehrsraum ebenfalls im Verborgenen, die Parksensoren für 245 Euro sind empfehlenswert. Dass die Ladekante des Kofferraums in rund 70 Zentimeter Höhe liegt, kann der gute Zuschnitt des Ladeabteils nicht wettmachen.

Eine ordentliche Serienausstattung mit Klimaanlage, elektrisch öffnenden Fenstern und verstellbaren Außenspiegeln sowie die ferngesteuerte Zentralverriegelung machen den Grande Punto Sport attraktiv, diessseits der Langstrecke ist er ein prima Kumpel, dem es immer wieder gelingt, die Trübsal des Alltags wegzublasen.

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