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Fahrtbericht Fiat Freemont Ein Amerikaner aus Turin

 ·  Der Fiat Freemont ist ein Mehrzweckwagen und für viele Einsätze durchaus praktisch. Seine amerikanischen Zutaten harmonieren überraschend gut mit dem, was italienische Automobil-Köche zurzeit auf der Karte haben.

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© F.A.Z. Fahrtbericht Fiat Freemont: Ein Amerikaner aus Turin

Die Kompetenz für Allradtechnik oder große Kombis hat Fiat bisher gern in fremde Hände gelegt. Das ehemals einzige 4×4-Modell, der Sedici, wird heute noch von Suzuki zum Programm der Italiener beigesteuert. Damit erschöpften sich freilich die Offerten für den Ausflug ins Gelände oder die Fahrt über schlechte Wege.

Doch die Übernahme der amerikanischen Marke Chrysler gibt den Fiat-Strategen neue Möglichkeiten. Dort findet sich ein großer Kombi im Portfolio, der auch mit Allradantrieb angeboten wird. Flugs adaptierte man den 4,89 Meter langen Wagen, kehrte einmal durch den Innenraum und versuchte, mit einigen Chromleisten und anderen Anbauteilen den entspannten Amerikaner zum rassigen Italiener zu wandeln.

Vernünftigerweise gibt es das Auto, das bei Chrysler Journey heißt und jüngst als Fiat Freemont debütierte, wahlweise nur mit Frontantrieb. Dann kostet der Siebensitzer mit einem 125 kW (170 PS) starken Diesel 28 790 Euro. Wer vier angetriebene Räder wünscht, muss sich für die Automatikversion entscheiden und dann gleich 3500 Euro mehr zahlen.

Mit seinem wuchtigen Bug, den angeschnittenen Radhäusern und seinem steilen Heck fehlen dem Freemont die wahren Fiat-Attribute, in den Fahrzeugpapieren wird Chrysler unzweideutig als Hersteller angegeben und werden die Vereinigten Staaten als Herkunftsland genannt. Dass der Wagen sich trotzdem gut ins Programm der Italiener fügt, mag an konzeptionellen Überschneidungen liegen.

Der Freemont ist variabler als ein Kombi, wenngleich sein Kofferraumvolumen nicht mit dem manch eines Lademeisters mithalten kann. Er ist kein wahres SUV und tritt weitaus charmanter an als die verblichene Großraumlimousine Ulysse, deren Beförderungsvermögen für Passagiere jetzt vom sehr unsexy gestalteten Doblò mehr schlecht als recht erreicht wird. Zuletzt konnte Fiat ausgefallene Kundenwünsche nach sieben Sitzplätzen, einem variablen Innenraum und vor allem einer strammen Form nicht erfüllen.

Unsinnige Menüs im Bordcomputer

Der Innenraum ist unaufdringlich gestaltet, wirkt zurückhaltend elegant. Die Materialien sind fein ausgesucht und harmonieren miteinander. Rund zwei Dutzend Ablagemöglichkeiten gibt es, fast alle haben einen rutschfesten Boden. Die Sitzfläche des Beifahrersessels lässt sich hochklappen, darunter versteckt sich ein Zehn-Liter-Stauraum. Weniger Genuss bereitet die Bedienung des Amerikaners aus Turin. Die Instrumente lassen sich zweifelsfrei ablesen, eine zusätzliche Meilenskala ergänzt die Kilometereinteilung.

Aber wer weitere Informationen abfragen will, muss sich durch unsinnige Menüs des Bordcomputers quälen, bekommt auch dann nur jeweils eine Auskunft und bearbeitet die drei notwendigen Schalter wie der Funker seine Morsetaste. Der Momentanverbrauch wird nur schemenhaft von einem roten Balken dargestellt, dafür wird die Kühlmitteltemperatur aufs Grad genau angezeigt. Dass die Maschine sehr effizient arbeitet, beweist die Unterkühlung, die eine Ausfahrt in stockendem Verkehr ins Skigebiet mit sich brachte. Der Dieselmotor kam dabei gerade mal auf 56 Grad, die Heizung schafft es bei minus 16 Grad draußen kaum, den Innenraum angenehm zu temperieren.

Immerhin gelingt es der serienmäßigen Sitzheizung vorn, die Seele zu wärmen. Sie wird ebenso wie die Audioanlage samt CD-Spieler über einen berührungsempfindlichen Monitor über der Mittelkonsole gesteuert. Aber wer gelernt hat, wie mühsam das Schreiben einer SMS mit einem Smartphone sein kann, weiß, dass man genau hinschauen muss, um halbwegs fehlerfrei zu kommunizieren. Mit Knöpfen und Schaltern wäre die Handhabung im Freemont einfacher.

Guten Komfort genießen die Mitfahrer in Fiats Mehrzweckfahrzeug. Selbst auf der hinteren, mittig geteilten Sitzanlage herrschen anständige Platzverhältnisse. Um dorthin zu gelangen, bedarf es keiner Akrobatik, schnell und leicht lässt sich die mittlere Bank nach vorne fahren, die Lehnen klappen dabei verlässlich nach vorn. Das gilt ebenso für die Kopfstützen auf den Plätzen Nummer sechs und sieben. Nach dem Entriegeln gehen nicht nur Lehne und Sitzfläche in den Untergrund, auch die knapp ausgefallenen Bürzel klappen automatisch ein und wieder aus, es bildet sich eine leicht geneigte, aber in sich ebene Ladefläche. Die dritte Reihe ist grundsätzlich an Bord, wer auf sie verzichtet, zahlt 500 Euro weniger.

Schaltbarkeit des Getriebes lässt zu wünschen übrig

Der Vierzylinder-Diesel ist auf Knopfdruck da, bei den niedrigen Temperaturen des vergangenen Februars ließ er sich eine Sekunde mehr Zeit. Durchzugskraft ist seine Stärke. 350 Newtonmeter gibt er als Drehmomentspitze bei 1750 Umdrehungen in der Minute ab, schon bei 1500/min ist Leben in der Bude. Leises Dröhnen bei etwa 3000/min mag während der Fernfahrt nerven, dafür erlaubt das Triebwerk sehr schaltfaules Fahren. Bei 2500/min im sechsten Gang nimmt der 1870 Kilogramm wiegende Wagen beim Gasgeben ordentlich Fahrt auf. Erst jenseits von 180 km/h verliert er die Lust an der Leistung, und so dauert es eine ganze Weile, bis der Freemont seine Höchstgeschwindigkeit von 197 km/h erreicht.

Der Schalthebel sitzt an korrekter Position, die Schaltbarkeit des Sechsganggetriebes allerdings lässt arg zu wünschen übrig. Schnelle Gangwechsel führen auf Irrwege in der Kulisse, dieser Fiat will kein Sprinter sein. Eine Schaltempfehlung gibt es ebenso wie eine Start-Stopp-Automatik nicht, dennoch genügen dem Freemont bei gemächlicher Fahrt (in unserem Fall bei sibirischen Temperaturen) 5,8 Liter Diesel für 100 Kilometer. Beim Tempomachen auf der Autobahn steigt der Konsum auf 9,1 Liter, der üppige Tankinhalt von 78 Liter erlaubt stattliche Reichweiten.

Kein alltägliches Angebot

Die sehr leichtgängige Lenkung lässt kaum Gefühl für die Traktionsverhältnisse aufkommen, ist aber angenehm beim Rangieren des langen Wagens, was bei einem Wendekreis von 11,60 Meter häufig erforderlich ist. Die Karosserie ist halbwegs übersichtlich, über die serienmäßigen Parksensoren am Wagenheck freut man sich am Ende doch. Die Bremsen arbeiten zuverlässig und gut dosierbar, die Federung ist dagegen von etwas rauherer Natur. Einen Teil der Härte kompensieren die weich gepolsterten Sitze, die obendrein guten Seitenhalt bieten. Den benötigt der Freemont-Chauffeur allerdings kaum, denn für die Kurvenhatz ist der amerikanische Freund zu behäbig, er fühlt sich bei zahmer Fahrweise deutlich wohler.

Ein K.-o.-Kriterium mag für manchen Interessenten die geringe Anhängelast sein. Nur 1350 Kilogramm darf der Freemont in Schlepp nehmen, verabschiedet sich damit frühzeitig aus dem Entscheidungsprozess von Reitern oder Freizeitkapitänen. Bei anderen, die weder Wagenlänge noch eine ungenaue Schaltung scheuen, bleibt er lange auf der Wunschliste. Denn eine sehr ausgeprägte Langstreckentauglichkeit, ein akzeptabler Verbrauch und ein ebenso üppiges wie variables Raumangebot sind in Verbindung mit der weitgehend kompletten Ausstattung kein alltägliches Angebot.

Die Daten zum Auto

Empfohlener Preis 28.790 Euro, Preis des Testwagens 29.950 Euro

Vierzylinder-Turbodieselmotor, vier Ventile je Zylinder, 1956 ccm Hubraum

Leistung 125 kW (170 PS) bei 4000/min

Höchstes Drehmoment 350 Nm bei 1750/min, 90 Prozent davon ab 1500 bis 4100/min

Manuelles Sechsganggetriebe

Antrieb auf die Vorderräder

Länge/Breite/Höhe 4,89/1,89/1,75 Meter, Radstand 2,89, Wendekreis 11,6 Meter

Leergewicht 1861, tatsächlich 1870, zulässiges Gesamtgewicht 2480, Anhängelast 1150 Kilogramm, Kofferraumvolumen 167 bis 1461 Liter

Reifengröße 225/60 R 17 94 H

Höchstgeschwindigkeit 197 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 10,9, von 50 auf 100 im 4./5./6. Gang in 8,9/12,8/18,8 s

Verbrauch 5,8, bis 9,1, im Durchschnitt 7,2 Liter Diesel je 100 km; 169 g/km CO2 bei Normverbrauch 6,4 Liter; 78-Liter-Tank

Versicherungs-Typkl. HP 21, TK 22, VK 21

Garantie zwei Jahre auf das Fahrzeug, drei Jahre auf den Lack, acht Jahre gegen Durchrostung. Europaweite Mobilitätsgarantie in den ersten zwei Jahren.

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