15.03.2010 · Rund wie ein Brötchen, munter wie ein Füllen: Der Zweitkleinste aus dem Programm der Franzosen weckt Sympathie. Und jetzt hat er noch etwas, das kein anderer hat und das bringt Übersicht und eine Flut von Licht in den Innenraum.
Von Gerold LingnauSchon die erste Auflage des C3 aus dem Jahr 2001 konnte man mögen: eher noch runder damals, acht Zentimeter kürzer und, passend motorisiert, auch schon munter wie ein Füllen. Aber er blieb ein Kleinwagen unter vielen, den vor allem kaufte, wer ohnehin einschlägig markentreu war.
Mit dem Nachfolger, am Markt seit vergangenem November, könnte das anders werden. Und zwar nicht nur wegen der auffälligsten Neuerung unter vielen weniger sichtbaren, die freilich nicht zur Grundausrüstung gehört: der riesigen Frontscheibe, die fast bis in die Mitte des Dachs reicht. Serienmäßig ist sie nur in der Spitzenversion Exclusive, beim mittleren Ausstattungsniveau Tendance kann man sie für 400 Euro als Extra ordern - im Paket mit ein paar anderen eher unnötigen Dingen.
Die hohe Stirn hat mehrerlei Vorzüge. Zum einen erleichtert sie den Blick auf hoch angebrachte Ampeln, dankenswert hierzulande, wo es die in Frankreich verbreiteten kleinen Rot/Gelb/Grün-Leuchten am Fuß der Masten nicht gibt. Zum Zweiten sorgt sie im Innenraum des C3 für ungewohnte Lichtfülle und Luftigkeit, die man nicht nur an trüben Wintertagen schätzt. Zum Dritten macht sie, ganz generell, den C3 zu einem Farbklecks im Grau der Kleinwagen, und das passt ja auch irgendwie zur Marke.
Die Nachteile der Zenith-Windschutzscheibe genannten Verglasung seien auch nicht verschwiegen: Ersatz im Schadenfall ist teurer, und im Sommer öffnet sie der Sonneneinstrahlung Tür und Tor - zumindest wenn man vergessen hat, den zugehörigen verschiebbaren Teil des Dachhimmels nach vorn zu ziehen, der auch die üblichen Klappsonnenblenden trägt. Man muss ihn manuell bewegen, aber das ist wirklich nur ein Griff, der den C3 in ein normales Auto zurückverwandelt: Dann merkt man erst, wie sehr man sich schon an das Oberlicht gewöhnt hat.
Die zweite Auflage des C3 kann man aber auch aus einem zweiten Grund vor vielen Konkurrenten bevorzugen. Citroën hat sich nämlich alle Mühe gegeben, ihn im Innenraum hübscher zu machen. Da traut man seinen Augen kaum: Man ist von hochwertig wirkenden, gut verarbeiteten Materialien umgeben, jeder Anflug von billig wurde sorgsam vermieden - im Fall unseres Wagens noch unterstützt durch ein spezielles Armaturenbrettdekor, das im Paket mit dem HiFi-/Navigationssystem „MyWay“ (Aufpreis ab 1350 Euro) geliefert wird.
Darüber freut sich nicht nur der Fahrer, der zudem wieder auf vernünftige, sehr gut ablesbare und beleuchtete Rundinstrumente statt auf den krampfhaft modern gemeinten Digitaltacho des Vorgängers blickt.
Und allen Insassen kommt zugute, dass sich Citroën auch beim C3 der alten französischen Tugend erinnert hat, Autos mit wahrnehmbarem Federungskomfort auszustatten. Im Vergleich zu den heute in allen Klassen verbreiteten Härtefällen ist das Fahren mit ihm ein Komforterlebnis. Schon das Anfedern gestaltet sich geschmeidig statt hoppelig oder stuckerig, Unebenheiten aller Kaliber werden effizient geschluckt, allenfalls kleine Poltergeräusche können den Eindruck trüben, ein größeres und teureres Modell zu fahren. Wer die heutigen Standards des Nichtkomforts kennt, kann Citroën hier nur loben und ermuntern, auf diesem Weg zu bleiben.
Erwachsene werden zu Bittstellern
Als knapp vier Meter langer Viertürer ist der C3 schon ein Auto, an das man gewisse Anforderungen für den Nutzraum stellen darf. Was das Gepäck betrifft, erfüllt er die auch: 300 Liter Grundmaß des Kofferabteils hinter der Heckklappe sind erfreulich viel (VW Polo: 280, Opel Corsa: 285, Ford Fiesta: 295 Liter), allerdings gibt es kein Reserverad, sondern nur ein Reparaturset.
Mit der üblichen Vergrößerung des Kofferraums sieht es schon weniger günstig aus. Klappt man die ungleich geteilte Rückbanklehne um, entsteht eine gut acht Zentimeter hohe Stufe und dahinter eine stark ansteigende Ladefläche, die nur über eine sehr hohe Bordkante erreicht werden kann; immerhin dürfen die Kopfstützen an Ort und Stelle und die Vordersitze in ihrer hintersten Position bleiben. Über das dann resultierende Maximalvolumen schweigt sich Citroën aus, beim kürzeren Vorgänger waren es 1310 Liter.
Den Nachteil von der verhältnismäßig großzügigen Gepäckkapazität haben die Passagiere auf der Fondbank. Hier geht es selbst im Klassenvergleich arg eng zu, Erwachsene werden zu Bittstellern bei ihren Vorderleuten. Die haben es dagegen ausreichend bequem, selbst lange Fahrer sitzen ordentlich, der Einstieg erfordert keine übertriebenen Verrenkungen. Genug Kopfraum gibt es auch hinten, doch den Mittelplatz dort kann man gleich vergessen, wegen des hohen und breiten Tunnels am Boden. Am besten betrachtet man also den C3 als Zweisitzer mit eingeschränkter Vier-Personen-Option - wer mehr Platz in einem kleinen Citroën braucht, sollte den stupsnasigen Minivan C3 Picasso ins Auge fassen.
Unkompliziertes Naturell
Fünf Vierzylindermotoren stehen für den C3 zur Auswahl, darunter ein Diesel in zwei Leistungsstufen. Alle erfüllen die Abgasnorm Euro 5. Wir wählten unter den Benzinern den neuen 1,4-Liter mit der Modellbezeichnung VTi 95, der 70 kW (95 PS) leistet und aus dem C3 Picasso bekannt ist. Citroën hat ihn mit einem kurzgestuften Fünfganggetriebe kombiniert, und das kommt seinem unkomplizierten Naturell entgegen, dank dessen er sich bei 1000 Umdrehungen je Minute ebenso wohl fühlt wie bei 6000.
Er zieht unter allen Bedingungen kräftig durch - im Stadtverkehr kann man ohne Motorquälerei den 5. Gang nutzen -, und nur auf der Autobahn vermisst man einen 6. Gang, der hier die Drehzahl und damit den Verbrauch senken könnte. Doch der läuft trotzdem nicht weit aus dem Ruder, die 7,3 Liter Super je 100 Kilometer, unser Durchschnitt, sind jedoch nicht weit von unakzeptabel. Nur bei zurückhaltender Fortbewegung können die sieben Liter deutlich unterschritten werden.
Haltekräfte in der Lenkung
Unser mit 1135 Kilogramm Leergewicht erfreulich leichtes Exemplar beschleunigte in 11,4 Sekunden auf 100 km/h, brauchte auch im 5. Gang nur 18,5 Sekunden von 50 auf 100 km/h und erreichte 183 km/h Höchstgeschwindigkeit. Das Geräusch des Motors ist gut gedämpft und selbst bei hohen Drehzahlen kaum lästig.
Er kommt zudem rasch auf Betriebstemperatur, statt eines Kühlmittelthermometers gibt es eine blaue Warnleuchte. Das Fahrwerk hat mit der Motorleistung keine Mühe, es nimmt Kurven aller Art leicht untersteuernd, dabei sollte die Lenkung (mit einem unten abgeflachten Volant als Gag) aber deutlichere Haltekräfte aufbauen. Das bei allen C3 serienmäßige ESP greift nicht zu früh in Fahrers Absichten ein. Bis auf kleine Unsicherheiten beim Spurhalten arbeiten die Bremsen tadellos.
Selbstbewusster Preis
Citroën hat die Preise für den neuen, deutlich wertigeren C3 recht selbstbewusst angesetzt: Die Basis (Advance mit 1,1-Liter-Motor) liegt mit 12.700 Euro schon 550 über dem billigsten Polo, die Tendance-Versionen beginnen bei 14.950 Euro. Unser VTi 95 kostet nach Liste 15 800 Euro, deutlich mehr als ein Polo 1.4 Comfortline, und mit Navi, dem Zenith-Paket, dem City-Paket (unter anderem Parkhilfe am Heck und elektrische Fensterheber hinten) und Metalliclack wurden daraus 18.770 Euro, stolze 2000 Euro mehr als der Grundpreis für einen dann allerdings nur zweitürigen Golf.
Optisch und in der Ausstattung aufgewertete Kleinwagen sind heutzutage zukunftssicherer denn je: Diesen Trend hat Citroën rechtzeitig erkannt, und der C3 kommt ihm entschlossen entgegen, mit guten Chancen auch am deutschen Markt.
Daten und Messwerte
Empfohlener Preis15.800 Euro
Preis des Testwagens 18.770 Euro
Vierzylinder-Ottomotor, vier Ventile je Zylinder, 1397 Kubikzentimeter Hubraum
Leistung 70 kW (95 PS) bei 6000/min
Höchstes Drehmoment 136 Nm bei 4000/min, mindestens 90 Prozent davon ab 2300 bis 5700/min
Manuelles Fünfganggetriebe (Automatikgetriebe nicht lieferbar)
Antrieb auf die Vorderräder
Länge/Breite/Höhe 3,94/1,73/1,52 Meter
Radstand 2,45, Wendekreis 10,2 Meter
Leergewicht 1075 (tatsächlich 1135), zulässiges Gesamtgewicht 1576, Anhängelast 1150 Kilogramm; Kofferraumvolumen 300 Liter
Reifengröße 185/65 R 15 87 T
Höchstgeschwindigkeit 183 km/h
Von 0 auf 100 km/h in 11,4 s, von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang in 12,5/18,5 s
Verbrauch 6,7 bis 8,5, im Durchschnitt 7,3 Liter Super je 100 km; 134 g/km CO2 bei Normverbrauch von 5,8 Liter; Tankinhalt 50 Liter
Versicherungs-Typkl. HP 15, TK 19, VK 17
Garantie 2 Jahre ohne Kilometerbegrenzung, 3 Jahre auf Lack, 12 Jahre gegen Durchrostung, Mobilitätsgarantie unbegrenzt bei autorisiertem Service