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Fahrtbericht BMW Z4 3.0si Coupé Ein gar nicht so unvernünftiges Auto

14.09.2006 ·  Für zwei Personen paßt der BMW Z4 3.0si Coupé wie ein Maßanzug. Dabei fehlt es dem kleinen Sportwagen gerade an Stoff. Das blecherne, geschlossene Dach ist bei verregneten Monaten aber eine willkommene Alternative.

Von Boris Schmidt
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Was sind wir so vernünftig. Erst fahren wir Polo, später Golf und dann, wenn die Kinder da sind, Passat Variant. Aber es hat schon immer Menschen gegeben, die sich dieser automobilen Entwicklung entzogen haben, die das Auto mehr unter emotionalen denn unter funktionalen Gesichtspunkten betrachten. Für diese gibt es zum Beispiel Coupés und Cabriolets.

BMW aus München, deren Produkte in jedem Fall mehr Gefühle wecken als ein Kia Cerato, sind in Sachen Coupé und Cabriolet gut bestückt, gleich drei Paare in verschiedenen Größen schicken sie ins Rennen, und ein 1er-Cabrio ist schon längst kein Gerücht mehr.

Das zweisitzige Z4-Coupé spielt bei BMW eine Sonderrolle. Es ist die geschlossene Version des Z4 Roadsters, und automatisch fragt man sich, welche Kunden zum festen Dach greifen, wenn es doch für nur 2000 Euro mehr ein vermeintlich noch viel emotionaleres Cabriolet gibt, das auch geschlossen gefahren werden kann. Und wenn es sein soll, sogar mit Hardtop.

Es gibt gute Gründe für das Coupé. Vom Design her steht sich das Z4-Pärchen wesentlich näher als einst die beiden Z3. Das Z3-Coupé mit seinem hohen, kombiähnlichen Heck hatte schnell den Spitznamen Turnschuh, verkaufte sich nur schleppend, ist aber schon aufgrund der geringen Stückzahlen ein Klassiker von übermorgen.

Kräftige Statur, flache Dachlinie, bulliges Heck

Dagegen folgt der Z4 trotz des kantigen Bangle-Designs viel eher den allgemeinen Vorstellungen, wie ein zweisitziges Coupé auszusehen hat: kräftige Statur, flache Dachlinie, bulliges Heck. Wobei die Bezeichnung Coupé den Wagen verharmlost. Der Z4 ist durch und durch ein Sportwagen im besten Wortsinn. Schon die Version mit Dreiliter-Motor (sechs Zylinder) stellt 260 PS zur Verfügung und läuft tempolimitierte 250 km/h. Eins gleich vorweg: Die 17000 Euro, die der Z4 in der M-Variante mehr kostet, kann man sich eigentlich sparen. Oder man sieht sich für das Geld nach einem guten Z3-Coupé um und stellt sich dieses in die Garage.

Das Gefühl, zu wenig Leistung zur Verfügung zu haben, kommt im Z4 zu keiner Zeit auf. Wer es darauf anlegt, kann in deutlich weniger als sieben Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigen. Sechs Gänge stehen zur Verfügung, um die Kraft passend zu verteilen (Automatik kostet 2150 Euro Aufpreis), der Motor ist nicht nur drehfreudig, sondern auch durchzugsstark, was die Daten für die Beschleunigung von 50 auf 100 km/h in den großen Gängen beweisen. Nur wenige Autos schaffen diese Übung im fünftenGang in weniger als zehn Sekunden. Man kann also durchaus schaltfaul unterwegs sein, muß es aber nicht. Das Getriebe läßt sich perfekt dirigieren, die Übergänge stimmen, die Kupplung tritt sich leicht. Der fünfteGang reicht bis in die Nähe der Höchstgeschwindigkeit, bei 7000 Umdrehungen regelt der Begrenzer sanft ab. Das Motorengeräusch wird zu keiner Zeit lästig, manchem mag es zu wenig bissig sein, wir mochten es.

Wie ein Wilder über die Landstraße

Natürlich kann man mit dem Z4 wie ein Wilder über die Landstraße knallen. Die angetriebenen Hinterräder scheinen an der Straße zu kleben, die Lenkung nimmt die nächste Kurve schon, bevor sie kommt, und wenn es der Fahrer doch zu gut gemeint hat, gibt es auch noch ESP (es ist abschaltbar). Daß der Z4 ein veritabler Kurvenkünstler ist, steht außer Frage, leider wird das mit einem ziemlich unkomfortablen Fahrwerk erkauft. Ja, er liegt wie ein Brett auf der Straße, aber er federt auch nicht viel besser. Das muß man aber in Kauf nehmen, wenn man einen Sportwagen fahren will. Verstärkt wird der schlechte Federungskomfort durch die Sitze, die sich als sehr unbequem erwiesen und auf längeren Strecken unweigerlich zu Kreuzschmerzen führten. Aber das ist natürlich ein subjektiver Eindruck. Klar ist, daß der Z4 beinahe ebenso fahraktiv wie ein Porsche Cayman ist, zumal er als Clou noch einen kleinen Knopf neben dem Schalthebel hat, auf dem "Sport" steht. Dieser verändert nicht etwa die Kennung der Federung, sondern der Motor spricht dann noch direkter an, und im unteren und mittleren Drehzahlbereich wird die Lenkunterstützung zugunsten eines noch direkteren Lenkgefühls reduziert - ein Effekt, den man tatsächlich spüren kann. Die Bremsen sind jederzeit der Fahrleistung gewachsen.

Apropos Cayman: Mit einem Einstandspreis von 38900 Euro ist der Z4 bei ähnlicher Motorisierung wesentlich günstiger als der Porsche (180 kW/245 PS/47547 Euro), und das bei einer guten bis sehr guten Grundausstattung. Noch günstiger wird es nicht: Im Gegensatz zum Cabriolet werden die Motoren mit 2,0 oder 2,5 Liter Hubraum für das Coupé nicht angeboten. Damit wäre der BMW eine Mogelpackung und hätte schnell den Ruf eines Hausfrauen-Coupés weg. Er will nicht nur sportlich aussehen, sondern auch sportlich sein.

Daß er das ist, steht außer Frage, und es freut den Schreiber, wenn er dazu noch berichten kann, daß der großvolumige Motor gar nicht so durstig ist, wie man erwartet. BMW gibt einen Normverbrauch von 13,0 Liter auf 100 Kilometer im Stadtverkehr an. Aus Erfahrung wissen wir, daß ein Auto in den 14 Tagen, in denen es zum Redaktions-Fuhrpark gehört, oft der Gesamt-Schnitt in diese Richtung tendiert. Der Z4 war jedoch mit 10,1 Liter Superkraftstoff zufrieden (BMW empfiehlt Super Plus) und brauchte maximal auf einer Etappe zwischen zwei Tankstopps 11,3 Liter auf 100 Kilometer. Wer den Z4 eher gleitend auf deutschen Autobahnen bewegt - mit Tacho 140 bei 3400/min -, kommt sogar mit neun Liter aus.

Unbequeme Sitze

Doch es gibt auch so manches zu kritisieren an dem BMW-Coupé. Die unbequemen Sitze waren schon Thema, außerdem sollte das Armaturenbrett etwas wertiger gestaltet sein. Es wirkt billig, und in unserem noch sehr jungen Auto war das Sitzpolster des Fahrersitzes vom Einsteigen schon sichtbar abgenutzt. Funktional gibt es nichts zu bemängeln, sieht man von der Enge im Cockpit ab. Das kann man aber mögen. Der Z4 umschmiegt einen wie ein Maßanzug. Der Platz ist ausreichend, aber nicht üppig. Sehr umfangreich ist die Ausstattung, genannt seien nur Ledersitze, CD-Radio, elektrisch verstellbare Außenspiegel, elektrisch versenkbare Seitenfenster, Zentralverriegelung mit Fernbedienung und vieles mehr.

Extra bezahlen muß man unter anderem einen Tempomat (250 Euro), Sitzheizung (340 Euro), elektrische Sitzverstellung (1150 Euro) oder Xenonlicht (840 Euro). Zu empfehlen ist noch Parc Distance Control (400 Euro), weil man aus dem flachen Heckfenster kaum etwas sehen kann. Das ist nicht nur beim Parken von Nachteil. Eine Frechheit sind die 70 Euro, die BMW für zwei Becherhalter verlangt. Je einer sitzt ganz rechts und ganz links im Armaturenbrett, auf Knopfdruck werden sie hervorgezaubert.

Als ein lupenreines Zwei-Personen-Auto (hinter die Sitze paßt kein DIN- A4-Blatt) bietet der Z4 mit 285 Liter Kofferraumvolumen unter der Heckklappe ausreichend Stauraum, schließlich loben wir fünfsitzige Autos mit 550 Liter Ladevolumen. Für große, sperrige Koffer ist das Gelaß aber zu klein, der sportliche Mensch verreist aber ohnehin lieber mit Taschen. Was es nicht gibt, ist ein Notrad oder auch Reifendichtmittel, der Z4 hat Reifen (auf Alu-Rädern) mit Notlaufeigenschaften.

Der kleine BMW ist ein prima Auto für alle, die Kabrios nicht mögen, keine Familie haben oder genügend Geld, ihn als Zweit- oder Drittwagen zu nutzen. Er ist in gewisser Weise ein elitäres Auto, eben weil er kein Cabriolet ist. Im verregneten August haben wir das Stoffverdeck nicht vermißt, und jetzt wird es bald Winter. Das Z4 Coupé hat sehr wohl seinen Reiz - dank der formidablen Maschine und des vorzüglichen Fahrwerks. In diesem Sinne ist es gar kein so unvernünftiges Auto.

Quelle: F.A.Z., 12.09.2006, Nr. 212 / Seite T3
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Jahrgang 1959, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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