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Fahrtbericht BMW ActiveHybrid 7 Hoher Aufpreis für ein besseres Gewissen

06.07.2010 ·  Mit dem Hybrid-7er reitet BMW auf der grünen Welle mit, ohne wirklichen Fortschritt zu bieten. Das ändert nichts daran, dass der Große aus München auch mit einem Hybridantrieb ein sehr gutes Auto ist.

Von Boris Schmidt
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Zwar hat sich BMW mit seinen Bemühungen, die Autos mit dem weißblauen Propeller effizienter zu machen, schon große Meriten verdient, weil man den Zwang dazu als Erster erkannt hat, doch an das Thema Strom traute man sich zunächst noch nicht so recht heran. Jetzt kommt BMW auch hier mit Macht, hat einiges in der Pipeline und das eine oder andere schon auf den Straßen.

Für das Flagschiff der Münchner – die 7er-Reihe – muss aber noch ein sogenannter milder Hybrid genügen. Der E-Motor (15 kW/20 PS), der zwischen der Achtgang-Automatik und dem Verbrennungsmotor sitzt, kann diesen somit nur unterstützen, rein elektrisches Fahren ist nicht möglich. Um diese kleine Lösung schnellstmöglich zu realisieren, hatte man sogar gemeinsame Sache mit Mercedes-Benz gemacht und nutzt die gleiche Technik wie in der hybridisierten S-Klasse (Fahrtbericht: Mercedes-Benz S 400 Hybrid).

Leistung
Während Stuttgart aber ausdrücklich aufs Sparen setzt und den E-Motor mit seinem Sechszylinder-Motor kombiniert, packen die Münchner auf ihren 4,4-Liter-Biturbo-V8 erst noch was drauf (dank höherem Ladedruck 42 Extra-PS) und haben dann noch das E-Maschinchen in der Hinterhand. Die maximale Systemleistung beträgt üppige 342 kW (465 PS), das Drehmoment steigt auf gewaltige 700 Newtonmeter – statt 600 Nm im 750i. Dieser hat auch „nur“ 300 kW (407 PS).

Doch beim ActivHybrid 7 geht es mitnichten nur um ein Mehr an Leistung. Es geht auch um ein Mehr an Effizienz, weil der E-Motor den Benziner in bestimmten Situationen unterstützt und er sich in gewissen Drehzahlbereichen nicht so ins Zeug legen muss. Und das spart Sprit. Dass über die Motorleistung nicht geklagt werden kann, sei am Rande vermerkt, es ist stets genug Feuer im Kessel, um auf jede Situation gelassen und mit – wenn es sein soll – brachialer Kraft zu reagieren. In fünf Sekunden sind aus dem Stand Tempo 100 erreicht, und der 2,1 Tonnen schwere Wagen würde auch noch weit schneller als jene 250 km/h fahren, auf die er limitiert ist.

Verbrauch
Bewegt man den aktiven Hybriden auf einer Autobahnfahrt von Berlin nach Frankfurt derart leistungsbetont, muss man mit einem Verbrauch von knapp 15 Liter Superbenzin rechnen. Die E-Technik kommt vor allem zum Tragen, wenn langsamer gefahren wird.

Wir kamen im gemischten Verkehr (Stadt/Land/Autobahn) im Rhein-Main-Gebiet auf Verbrauchswerte zwischen 10,2 und 12,5 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer. Hält man auf der Autobahn konstant 120 km/h als Limit, wird man gar mit 8,6 Liter auf 100 Kilometer belohnt.

Der große Wagen kann also sparsam bewegt werden, und im Gesamtschnitt ist der AvtiveHybrid 7 letztlich mit 11,7 Liter deutlich sparsamer gewesen als der 750i mit V8, für den wir 14,2 Liter notieren mussten. (Fahrtbericht: BMW 750i). Dass der 730d auf sagenhafte 8,6 Liter kam, sei vermerkt. Jeder bewerte das für sich selbst. In der Stadt hilft eine nahezu perfekt abgestimmte Start-Stopp-Automatik beim Sparen, die Kollegen von „auto motor und sport“ haben den 750i und den H-7er hier im direkten Vergleich gefahren und einen Vorteil von 2,8 Liter für den Hybriden ermittelt.

Zusatznutzen E-Motor
Der E-Motor ist im Übrigen nicht nur zusätzliche Kraftquelle, er hilft auch beim Verzögern aktiv mit, was sich beim schlichten Gaswegnehmen schon bemerkbar macht, ein H-7er wird schneller langsamer. Außerdem startet der E-Motor den Verbrenner, und dank seiner Lithium-Ionen-Batterie kann ein geparkter H-7er längstens eine halbe Stunde vor dem Start klimatisiert werden.

Preis
So gesehen, sind die 5000 Euro Mehrpreis (ausstattungsbereinigt) gegenüber dem 750i keine schlechte Investition, gibt es doch außer den Mehr-PS den Minderverbrauch, die Standklimaanlage und dazu noch den kaum bezahlbaren Prestige-Bonus.

Prestige
„ActiveHybrid 7“ steht unübersehbar an den Wagenseiten auf der C-Säule, mehr als einmal drehten sich die Köpfe, als wir mit niedrigerem Tempo auf der rechten Spur der Autobahn unterwegs waren. „Hybrid ist gut“ darf als allgemeine Meinung gelten, und schon wird man als Fahrer eines 105.900-Euro-Autos nicht mehr beneidet oder gar angefeindet, sondern als Gutmensch klassifiziert. Man entschuldige die starke Vereinfachung, aber der Kern der Aussage stimmt.

Kofferraum
Eine Einschränkung muss man für das gute Gewissen aber hinnehmen. Im Gegensatz zu Mercedes-Benz – dort ist sie im Motorraum – hat BMW die Antriebsbatterie im Kofferraum untergebracht. Die Plazierung im Heck sei vorteilhafter, weil man hier mehr Crash-Sicherheit habe, zudem gebe es keine so hohen Temperaturschwankungen wie im Motorraum. Und das Handling (die Batterie wiegt 27 Kilo) verbessere sich auch.

Aber der Akku verkleinert das Volumen des Kofferraums um 40 Liter. 460 Liter Gesamtvolumen sind für ein Oberklasse-Auto zu wenig. Insgesamt wird der H-7er durch die E-Technik 100 Kilo schwerer, das Fahrwerk wurde jedoch darauf abgestimmt, 19-Zoll-Alufelgen, die aerodynamisch optimiert sind, gehören zur Grundausstattung.

Fahreigenschaften
Ob der 7er ausreichend komfortabel ist, wird in der BMW-Fangemeinde gerne und lang diskutiert. Wir meinen, er ist eine Spur zu sportlich, wobei er Welten davon entfernt ist, unkomfortabel zu sein.

Die Automatik (nur im 760i mit V12 und hier mit acht Stufen) ist in ihrer Sanftheit ein Genuss, der leise vor sich hin brummelnde Motor sowieso, und der Geradeauslauf ist auch bei höchsten Geschwindigkeiten sehr gut. Die Leichtfüßigkeit des 7er auf kurvigen Sträßchen ist immer wieder beeindruckend.

Karosserie
Bei allem Lob, auch im BMW-Oberklasse-Mobil gibt es unabhängig von der Antriebsfrage noch einiges zu verbessern. Das haben wir schon in den vergangenen Fahrtberichten herausgearbeitet, es sei BMW nochmals ins Stammbuch geschrieben: Die Karosserie ist von einer dramatischen Unübersichtlichkeit, und das Auto ist zu breit. In Baustellen bleibt man meistens rechts, deutsche Normgaragen gilt es ebenso zu meiden wie Parkhäuser.

Ablagen und Platzangebot
Alle Ablagen vom Handschuhfach bis zu den Türfächern sind zu klein, man steigt zwar vorn und hinten bequem ein, aber wenn man sitzt, ist die voll aufgeschlagene Tür zum Zuziehen außer Reichweite. Der Mittelplatz auf der Rückbank ist hart gepolstert und unbequem, ein Reserverad fehlt auch in diesem BMW.

Ausstattung
Der extrabreite Navi-Monitor ist bislang unerreicht und gefällt uns ausgesprochen gut, nur treten bei entsprechender Sonneneinstrahlung in der Windschutzscheibe starke Reflexe auf. Das stört zuweilen auch beim Head-up-Display.

Für 1710 Euro Aufpreis kann man auf Wunsch die gefahrene Geschwindigkeit nebst des geltenden Tempolimits (und einigen anderen Hinweisen) in die Frontscheibe einspiegeln lassen. Daran muss man sich gewöhnen, aber es bringt einen Sicherheitsgewinn, weil man den Blick „auf der Straße“ lassen kann.

Wie das Navi-System oder die Komfort-Sitze sind das Kurvenlicht und der Fernlichtassistent in diesem BMW Grundausstattung. Ein aktiver Tempomat, der auch bis zum Stillstand arbeitet, kostet 2200 Euro, der einfache ist ohnehin dabei.

Trotz der gewiss nicht schlechten Serienausstattung lässt sich BMW die Chance nicht entgehen, den solventen Käufer mit vielen Extras zu ködern, mit denen sich schnell zusätzlicher Gewinn einfahren lässt. Doch das ist schon seit Jahren so, die Kunden mögen es offenbar.

Fazit
Mehr noch als andere ist der BMW ActiveHybrid 7 eine geballte Ladung Technik, die faszinieren kann. Und für das gute Gewissen zahlt man gerne 5000 Euro.

Daten und Messwerte

Empfohlener Preis 105.900 Euro
Preis des Testwagens 111.530 Euro

V-Achtzylinder-Ottomotor mit Twin Turbo, Direkteinspritzung, vier Ventile je Zylinder, 4395 Kubikzentimeter Hubraum, kombiniert mit einem 15-kW-E-Motor

Systemleistung 342 kW (465 PS)

Höchstes Drehmoment 700 Nm bei 2000/min

Getriebeautomatik mit acht Stufen

Antrieb auf die Hinterräder

Länge/Breite/Höhe 5,07/1,90/1,48 Meter

Radstand 3,07, Wendekreis 12,20 Meter

Leergewicht 2120 (tatsächlich 2150), zulässiges Gesamtgewicht 2635, Anhängerbetrieb nicht vorgesehen

Kofferraumvolumen 460 Liter

Reifengröße 245/45 R 19 Y (vorn), 275/40 R 19 Y (hinten)

Höchstgeschwindigkeit 250 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 5,0 s

Verbrauch 8,6 bis 14,7, im Durchschnitt 12,4 Liter Superbenzin je 100 km; 219 g/km CO2 bei Normverbrauch von 9,4 Liter; Tankinhalt 82 Liter

Versicherungs-Typkl. HP 23, TK 28, VK 30

Garantie zwei Jahre ohne Kilometerbegrenzung, drei Jahre auf Lack, 12 Jahre gegen Durchrostung von Karosserie. Wartung nach Anzeige.

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Jahrgang 1959, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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