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Fahrtbericht BMW 135i Coupé Hübscher Käfig für ein Tier von Motor

28.05.2008 ·  Ein BMW 135 Coupé ist die blanke Unvernunft - aber mit ihm zu fahren ein Ereignis. Am meisten wundert es, dass der Doppelturbo-Sechszylinder überhaupt unter die Haube des kleinsten BMW passt.

Von Gerold Lingnau
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Ein 1er-BMW mit 306 PS? Den braucht kein Mensch. Stimmt. Ein 1er-BMW mit diesem Potential – das ist einfach Fahrspaß pur. Stimmt. Ein 1er-BMW für mehr als 52.000 Euro? Wahnsinn. Stimmt.

Wie man sieht: Es gibt immer mehrere Wahrheiten. Man kann sich die liebste davon aussuchen. Obwohl ökonomisch und ökologisch ausreichend nachdenklich, haben wir uns für die zweite entschieden. Wer weiß denn schließlich, wie lange man solche Autos überhaupt noch kaufen und fahren kann. Und so sagen wir mit aller politischen Unkorrektheit, dass uns die zwei Wochen mit dem 135i Coupé ein ungetrübtes Vergnügen von hohem Erinnerungswert waren.

Der Biss der Bestie

Nun gibt es ja die 1er-Limousine schon länger, und sie ist mit 265 PS in ihrer Top-Version auch nicht schlecht motorisiert. Doch das neue Coupé (und auf seiner Basis das brandneue Cabrio) punktet nicht nur mit mehr Kofferraum als die vergleichbare zweitürige Version des Schrägheck-1ers (370 statt 330 Liter) – um den Preis von zwölf Zentimeter mehr Außenlänge – und mit einem deutlich konsensfähigeren Design als der kantig-rustikale Bruder. Es ist zugleich, wie das Cabrio, ein weiterer Anwendungsfall für jenes Tier von Doppelturbo-Sechszylinder mit 225 kW (306 PS) und 400 Newtonmeter, das schon im 3er lauert und jetzt im 135i einen besonders hübschen Käfig findet.

Es braucht für seine Höchstleistung keine abartig hohen Drehzahlen (5800 je Minute genügen) und liefert das maximale Drehmoment schon bei 1300/min, also früher als fast alle Diesel. Obwohl unser mit Extras vollgestopftes Coupé mit 1540 Kilogramm Leergewicht die Grenzen der Kompaktklasse sprengte, war der Biss der Bestie hier noch heftiger als im 3er.

Kleiner Tank für riesigen Durst

Nur selten sonst haben wir ähnliche Elastizitätswerte messen können: von 50 auf 100 km/h im 4. Gang in 6,6 Sekunden, im 5. Gang in 7,8 und im (natürlich serienmäßigen) 6. Gang in auch nur 9,1 Sekunden. Da ist es fast egal, mit welcher Getriebestufe der Motor den Beschleunigungswunsch entgegennimmt: Ohne Verzögerung oder gar ein schnödes Turboloch packt er zu und lässt nicht mehr los.

Die wie bei allen schnellen BMWs auf 250 km/h begrenzte Höchstgeschwindigkeit ist da beinahe nebensächlich, und die 5,8 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h sind L’art pour l’art oder Reifenquälerei. Auch die übrigen Qualitäten des Dreiliter-Motors verblassen dagegen zu Sekundärtugenden – am wenigsten noch der kehlig-sonore Auspuffklang, ein Meisterstück des Sound Engineering, eher schon der perfekte Rundlauf des Sechszylinders, den man in einem BMW einfach erwartet, und ganz bestimmt der Verbrauch, bei uns im Durchschnitt 10,9 und bei sehr schneller Autobahnfahrt auch einmal 13 Liter Super Plus je 100 Kilometer.

Nicht wenig, doch für die Fahrleistungen absolut akzeptabel, und daher würden wir dem 135i ausnahmsweise jeden Tropfen gönnen – wenn nur der Tank für seinen Durst nicht viel zu klein wäre.

Die Vorderleute sollten Mitgefühl zeigen

Das neue Coupé ist zugleich die Stufenheck-Version des 1ers. Bei BMW hat man ganz praktisch gedacht und außer einer kleinen Skisack-Öffnung serienmäßig das Umklappen der geteilten Rückbanklehne vorgesehen, das eine 1,60 Meter lange Ladefläche herstellt. Sperriges Ladegut scheitert allerdings am engen Querschnitt des Kofferraumdeckels.

Durch die breiten Türen steigt man vorn einigermaßen bequem ein; nach hinten ist es erwartungsgemäß umständlicher, vor allem, wenn man sich für die mit 1250 Euro recht teure elektrische Sitzeinstellung entschieden hat: Da dauert es quälend lang, bis der automatisch vorfahrende Sessel den Durchschlupf freigegeben hat.

Im nur für zwei Personen zugelassenen Fond ist man gar nicht so schlecht aufgehoben. Die Kopfhöhe beträgt sogar mehr als 90 Zentimeter, doch es klemmt natürlich bei der Kniefreiheit, solange die Vorderleute nicht Mitgefühl zeigen, und in den ausgeformten Sitzmulden hockt man mit arg hochgezogenen Knien. Auch für Lange reichen die Kopfstützen aus, klappbar sind sie aber nur gegen kleinliche 30 Euro Aufpreis.

Nervöse Lenkung

Da auch dieses Coupé meist als Zweisitzer dienen wird, hat die Unterbringung vorn den Vorrang. Hier warten hübsche und kurvenfeste Sportsitze, die einem groß gewachsenen Fahrer leider ein optimales Verhältnis von Pedal- zu Lenkradabstand verweigern. Er schaut auf ein BMW-adäquates klares Instrumentarium (es gibt kein Kühlmittel-, aber ein Ölthermometer), freut sich – wenn denn mit bestellt – am ideal im Blickfeld plazierten Bildschirm für Navigation, Klima, Kommunikation und Unterhaltung, weiß auch die knackig-exakte Schaltung zu schätzen (1er-Neulinge können freilich den 1. mit dem Rückwärtsgang verwechseln) und befehligt eine Lenkung, die einen parkhausfreundlichen Wendekreis sicherstellt, doch bei schneller Fahrt gern Präzision mit Nervosität verwechselt.

Der bisweilen immer noch kritisierte iDrive-Controller – der in viele Richtungen bewegliche Elektronik-Zentralsteller zwischen den Vordersitzen – sollte für eine mit Playstations sozialisierte Menschheit eigentlich kein Problem mehr sein. Tadellos arbeitet die Zweizonen-Klimaautomatik (560 Euro Aufpreis auf die serienmäßige Klimaanlage). Von BMWs „Efficient Dynamics“ genannten Maßnahmen zum Spritsparen finden sich im 135i die Bremsenergierückgewinnung und der Schaltempfehlungs-Leuchtpfeil, nicht aber die Auto-Start-Stopp-Funktion, die den Motor beim Anhalten stilllegt.

Erstklassiges Kurvenverhalten

Über den Fahrkomfort von BMW-Limousinen haben wir nicht viel Lobendes schreiben können, seit sie ab Werk Reifen mit Notlaufeigenschaften tragen, deren Flankensteifigkeit nur noch von den Vollgummis der Schnauferlzeit übertroffen wird. Auch unser 135i hatte solche Pneus (daher gibt es weder Reserverad noch Wagenheber), aber o Wunder, hier begegnete uns eine Federung von gesunder, nie übertriebener Härte, die trefflich zum Charakter des Coupés passt.

Nur ganz grobe Unebenheiten überfordern das Schluckvermögen, doch es gibt keine Durchschläge und nur wenig Poltergeräusche. Als Entschädigung erhält man ein erstklassiges, neutrales Kurvenverhalten. Auch dieser 1er überzeugt mit der Agilität der Baureihe, die sie nicht zuletzt ihrem Hinterradantrieb verdankt – in einem Klassenumfeld von lauter Fronttrieblern. Das ESP lässt aktiven Fahrern genug Leine zum Lenken mit dem Gaspedal, greift aber mit Nachdruck ein, wenn es kritisch wird. Die Bremsanlage blamiert den Rest des Autos nicht, und das will etwas heißen.

Lange Aufpreisliste

Derzeit wird das 1er-Coupé mit nur zwei Benzinmotoren angeboten, beides starke Sechszylinder: So schöpft BMW wieder schlau den Rahm bei denen ab, die nicht warten (oder den Einsteiger-Diesel 120d nehmen) wollen. Schon mit seinem Basispreis von 38.950 Euro ist der 135i für seine Größe eigentlich jenseits von Gut und Böse.

Dass es trotzdem bis zu den eingangs genannten 52.370 Euro weitergehen kann, ist Extras zuzuschreiben, die nicht nur Luxus darstellen, wie etwa die Ledersitze (1780 Euro), der schlüssellose Zugang (600 Euro) oder das Navigationssystem (ab 1840 Euro), sondern auch so sinnvoll und hier eigentlich serienmäßig zu erwarten sind wie Parkhilfe (vorn und hinten 720 Euro), Geschwindigkeitsregler (260 Euro) oder das Bi-Xenon- mit Kurven- und Abbiegelicht (zusammen 1230 Euro). Paketangebote können zwar die Aufpreise mildern, und die 306 PS kann man schließlich auch ganz ohne Extras kaufen. Doch „Wenn schon, denn schon“ ist eine Maxime, die in diesem Fall nicht nur BMW erfreut.

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