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Fahrtbericht BMW 118d Die Freude am Fahren will teuer bezahlt sein

05.11.2011 ·  Der neuer 1er-BMW ist da. Der kleinste Bajuware ist gewachsen. Dennoch bleibt er eher ein Auto für zwei, die auf eine Reise mit knackigen Kurven gehen wollen. Der kräftige Diesel bringt sie zügig ans Ziel.

Von Michael Kirchberger
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© F.A.Z., Hersteller Fahrtbericht BMW 118d: Die Freude am Fahren will teuer bezahlt sein

Einen BMW auf Herz und Niere zu prüfen ist immer wieder eine Freude. Zweifellos gehören die Werke aus Bayern mit ihren schnurrigen Vier- und sanften Sechszylindern sowie ihrem traditionellen Hinterradantrieb zu den agilsten, dynamischsten Autos auf Deutschlands Straßen.

Jüngstes Produkt aus München ist die zweite Generation der 1er-Baureihe. Von einem Zweiliter-Diesel ordentlich befeuert, will der Wagen sparsam und vom Kunden mit wenigstens 25.600 Euro bezahlt sein.

Design Außen

Zum ersten Mal bietet BMW (neben einer Kuhhäute füllenden Liste von bayerischen Schmankerln) verschiedene Ausstattungslinien, die Urban und die Sports Line. An der Grundform der um sechs Zentimeter auf nun 4,32 Meter gewachsenen Karosserie ändert dies freilich nichts. Deren Linien sind nun mehr gerade als gerundet, der Vorgänger hatte einen höheren Niedlichkeitsfaktor.

Gleichwohl wirkt der neue 1er - verglichen mit dem bisherigen Modell - noch mehr wie ein Kombi, als dass er die grundsätzlichen Wesenszüge der Kompaktklasse erfüllte. Der flache, fast schnittige Vorderwagen lässt das Heck hoch und langgezogen wirken. Die schlanken Lamellen des Kühlergrills machen die Frontpartie des BMW leicht, ohne eine Entsprechung am Heck zu finden.

1900 Euro extra erfordert das Urban-Paket, die luftigen Nierenspießchen gehören ebenso dazu wie die weiß lackierten Spangen an den Stoßfängern vorn und hinten oder die weißen Kappen auf den Außenspiegeln.

Design Innen

Innen wird unaufdringliche Sachlichkeit geboten. Fein zugeschnitten auf den Fahrer ist das Cockpit, weiche Kunststoffe, Leder und Chrom stammen aus den Einrichtungshäusern der gehobenen Klasse.

Das Volant: Der zentrale Dreh- und Angelpunkt, griffsympathisch eingekleidet und von idealer Größe, unterstützt es jene Charaktereigenschaft, die einem BMW in die Wiege gelegt wird, die Freude am Fahren.

Raumangebot

Allerdings müssen sich BMW-Insassen durch eng geschnittene Türen ins Auto zwängen und sich mit arg schrägen Rückenlehnen und einem spärlichen Raumangebot für Beine, Knie und Füße arrangieren. Hinten geht es eng zu, am wohlsten fühlen sich dort gewiss die Kleinen in ihren Kindersitzen. Hünen sollten dagegen keinen Zutritt haben.

Kofferraum

Mehr Praxistauglichkeit beweist der Kofferraum. Von 360 auf 1200 Liter steigt sein Volumen, wenn die Rücksitze umgeklappt werden, was zu den leichtesten Übungen im 1er zählt und obendrein eine Ladefläche herstellt, die so eben ist wie die winterliche Wasserfläche des Chiemsees bei Windstille.

Immerhin schlägt sich im Zugewinn an Ladekapazität der um drei Zentimeter auf 2,69 Meter gewachsene Radstand nieder. Die Passagiere profitieren von ihm dagegen nicht.

Start-Stopp-System

Wir starten die Maschine, auf Knopfdruck springt der Vierzylinder-Diesel an. Und geht an der nächsten roten Ampel gleich wieder aus. Das Start-Stopp-System, das BMW auch mit der neuen Achtstufenautomatik koppelt, lässt sich vom Betrieb der Klimaanlage selbst an wärmeren Tagen nicht beeindrucken.

Aber es schüttelt den Wagen ordentlich durch, wenn der Motor nach dem Lösen der Bremse wieder anspringt. Andere, die diese Möglichkeit zur Kraftstoffeinsparung nutzen, können dies besser. Es mag an der Kombination mit der Automatik und dem klassisch längs eingebauten Motor liegen, dass der BMW hier eher das bayrische Rauhbein gibt.

Motor

Unterwegs dagegen erfreut der Vierzylinder mit erheblicher Laufruhe und noch größerer Durchzugskraft. Zwar mindert die Automatik (Aufpreis 2150 Euro) die Spontanität, mit der ein 1470 Kilogramm schwerer, hinterradgetriebener Wagen mit 105 kW (143 PS) und 320 Nm Drehmoment losstürmen könnte, für das zügige Beschleunigen beim Auffahren auf die Autobahn oder für Überholvorgänge auf der Landstraße reicht es jedoch allemal.

Getriebe

Die acht Übersetzungen wechselt die Automatik mit logenhafter Heimlichtuerei, die Anschlüsse der einzelnen Stufen passen, der Motor bleibt stets in einem Drehzahlbereich, in dem sich Effizienz und Leistungsbereitschaft mit kräftigem Handschlag begrüßen.

Auf die Möglichkeit, mit Schaltwippen am Lenkrad den Automaten direkt zu steuern, muss der 118d-Fahrer jedoch verzichten. Diese Option samt des Sport-Getriebes bleibt dem 120d vorbehalten, der mit dem leistungsstärksten der drei Diesel ausgerüstet wird und mindestens 30.100 Euro kostet.

Verbrauch

Das Gewicht trägt wohl seinen Teil dazu bei, dass die versprochenen Verbrauchswerte zumindest im Alltagsverkehr für uns nicht nachvollziehbar waren. 4,4 Liter Diesel soll der 118d auf 100 Kilometer verlangen. Selbst Schleichfahrten ergaben jedoch einen Durchschnittskonsum von wenigstens 4,8 Liter.

Statt der angegebenen 1345 Kilogramm brachte unsere 118d-Version leer stolze 1470 Kilogramm auf die Waage. Entscheidend mag aber die Freude am spontanen Beschleunigen zum höheren Verbrauch beigetragen haben. Und wer sich gar nicht zügeln kann, der muss mit 7,8 Liter Diesel rechnen, die sich der 1er auf 100 Kilometer genehmigt.

Fahrwerk

Auf ebener Fahrbahn erfreut die straffe Abstimmung des kompakten BMW. Ohne nennenswerte Neigungen der Karosserie trägt ihn das adaptive M-Fahrwerk (1100 Euro Aufpreis) um die Kurven. Es passt sich der Fahrweise und der Straßenbeschaffenheit an, wenn der Belag allerdings wellig und holprig wird, schont es die 1er-Passagiere nicht. Die Komfortausprägung ist eher verhalten, die Ambitionen der Dämpfer- und Federkennlinien weisen eindeutig in sportliche Richtungen.

Lenkung

Dafür nimmt der 1er selbst mit dem im Vergleich zu einem Benziner deutlich schwereren Selbstzünder über der Vorderachse die Biegungen auf einer wie mit dem Zirkel gezogenen Linie. Die Lenkung arbeitet dabei gefühlvoll und präzise, gleich, ob es geradeaus oder durch anspruchsvolle Kurvenkombinationen geht, der 1er folgt den Zügeln brav. Das ebenfalls sportlich programmierte Fahrdynamikprogramm DSC greift spät, aber wirksam ins Geschehen ein, wenn die Fahrt stracks Richtung Grenzbereich führt.

Bremsen

Und der 1er kommt sicher und schnell zum Stehen, wenn es erforderlich ist. Die Bremsen sprechen ausgewogen an, ein genau definierter Druckpunkt steigert ihre Dosierbarkeit, standfest sind sie ohnehin, selbst bei überdurchschnittlicher Beanspruchung.

Preis

Bleibt der Blick auf die Preisgestaltung. Der stimmt zunächst versöhnlich, für einen etwa gleichstarken A3 Diesel von Audi zahlt der Kunde einen ähnlichen Preis. Aber wer will schon einen 1er von der Stange? Erst die Vielzahl von dem Auftreten dienenden Accessoires und komfortspendenden Extras machen den kompakten BMW zum Objekt der Begierde.

Dass dabei schnell 16.000 Euro (wie bei unserem Probanten) Mehrpreis zusammenkommen, gestaltet den Streifzug durch die Preisliste qualvoll. Aber er macht den 1er fast zum individuell konfigurierten Unikat unter seinen Artgenossen.

Nächste Woche: Kia Picanto 1.0 Spirit

Daten und Messwerte

Preis 27.100 Euro
Preis des Testwagens 43.350 Euro

Vierzylinder-Dieselmotor mit Abgasturbolader, vier Ventile je Zylinder, Hubraum 1995 Kubikzentimeter

Leistung 105 kW (143 PS) bei 4000/min

Höchstes Drehmoment 320 Nm bei 1750/min, 90 Prozent davon ab 1500 bis 4200/min

Automatikgetriebe mit acht Stufen

Antrieb auf die Hinterräder

Länge/Breite/Höhe 4,32/1,77/1,42 Meter

Radstand 2,69, Wendekreis 11 Meter

Leergewicht 1345, tatsächlich 1470, zulässiges Gesamtgewicht 1875, Anhängelast 1200 Kilogramm, Kofferraumvolumen 360 bis 1200 Liter

Reifengröße 205/55 R 16 91 V

Höchstgeschwindigkeit 213 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 8,9 s

Verbrauch 4,8 bis 7,8, im Durchschnitt 6,9 Liter Diesel je 100 km; 115 g/km CO2 bei Normverbrauch 4,4 Liter; 52-Liter-Tank

Versicherungs-Typkl. HP 17, TK 23, VK 21

Garantie zwei Jahre ohne Kilometerbegrenzung, drei Jahre auf Lack, zwölf Jahre gegen Durchrostung. Wartung nach Intervallanzeige

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