03.04.2009 · Allradgetriebene Multifunktionswagen gelten als attraktiv für lange Strecken. Das gilt auch für den Audi Q5. Doch ein hoher Verbrauch und die schlechte Übersichtlichkeit stehen dem perfekten Fahrerlebnis entgegen.
Von Michael KirchbergerWillst du einem Volk das Seefahren lehren, so säe die Frucht der Sehnsucht nach der Ferne. Und wer bei einem Autofahrer die Lust auf das Reisen über weite Distanzen schüren will, der gibt ihm einen Audi Q5.
Das noch junge Auto aus der Audi-Garage gehört in die so moderne Klasse der SUVs. Fürs Gelände ist es bedingt tauglich, freilich viel zu schade. Die dynamischen Formen der Karosserie, gepaart mit einer fein zusammengestellten und gediegenen Innenausstattung, machen sich auf der Avenue einfach besser als auf dem Acker von Bauer Plaat.
Der Preis schiebt den Q5 ohnehin ins Rampenlicht der Großstadt. Wenigstens 47.900 Euro muss zahlen, wer mit dem Spitzendiesel der Baureihe das Weite suchen will.
Erwachsen, wuchtig und gar nicht klein
Die Länge von 4,63 Meter rangiert den Q5 geschickt in die Lücke im SUV-Programm des Konzerns und seiner Marken. Der Q7 vom gleichen Stamm ist gut 40 Zentimeter länger, der VW Touareg misst immer noch rund 12 Zentimeter mehr, der VW Tiguan ist dagegen nur 4,43 Meter lang, mithin 20 Zentimeter kürzer.
So wirkt der Cousin Q5 sehr erwachsen, wuchtig und gar nicht klein. Muskulös und agil steht er auf 19 Zoll großen Leichtmetallrädern, trägt seinen mächtigen Kühlergrill ganz im Sinn der Audi-Designer wie ein Wappen selbstbewusst in die Welt und verspricht, dass dahinter ein kräftiges Herz schlägt.
Übersät von Knöpfen und Drehstellern
Der Einstieg fällt leicht und gelingt in nahezu aufrechter Haltung, der Innenraum ist in dunklen Farben gehalten, er vermittelt eine gedämpft elegante Atmosphäre. Sanft schimmernde Rahmen zieren die Austrittsöffnungen der Belüftung, die mächtige Mittelkonsole ist von Knöpfen und Drehstellern übersät, gleichwohl verliert der Q5-Chauffeur dank ordentlicher Selbsterklärung und eindeutiger Symbolik im Bedienungs-Dschungel kaum die Orientierung.
Die Instrumente bieten hohen Standard bei der Ablesbarkeit, Ablagemöglichkeiten finden sich zur Genüge, allein das Raumangebot im Handschuhfach ist aufgrund des dort plazierten CD-Wechslers im Volumen eingeschränkt. Dafür bieten die eher schlank wirkenden Türtaschen überraschend viel Platz, die litergroße Getränkeflasche kann hier mühelos verstaut werden.
Parken ist Vertrauenssache
Die Fahrerposition am Volant lässt sich auch ohne elektrische Verstellmöglichkeit (1050 Euro Aufpreis) der wohlgeformten und lederbezogenen Sitze (Lederausstattung 3900 Euro) trefflich einstellen, das Lenkrad kann serienmäßig in axialer und vertikaler Richtung an die passende Stelle gerückt werden.
Die Außenspiegel sind zwar eigentlich ausreichend groß, störend für den Rückblick ist aber deren ausgeprägter Kragen um die Spiegelfläche. Der verhindert zwar wirksam eine übermäßige Verschmutzung, schränkt aber die Übersicht ein.
An der mangelt es beim Q5 ohnehin, die Enden der Karosserie sind schwer abzuschätzen, auch durch die Heckscheibe sieht man wenig. Parken ist daher eher Vertrauenssache. Der Vorderwagen schiebt sich wie ein mächtiger Bug in den Hafen der Tiefgarage, die aufmerksamen elektronischen Wächter stimmen das Lied für drei Pfeifer und einen Hilfesuchenden an. Letzterer sitzt am Lenkrad und verliert die Dimensionen des Audi SUV ungewollt aus den Augen. Die Heckkamera, deren Bild ein in korrekter Höhe an der Mittelkonsole positionierter Monitor wiedergibt, hilft etwas. Bisweilen braucht sie aber etwas lange, um sich dienstbereit zu melden.
Fingerdruck zum Umklappen
Im Fond geht es derweil sehr entspannt zu. Wer sich für 150 Euro Aufpreis für die „Rückbank plus“ entscheidet, kann diese um zehn Zentimeter in der Länge verschieben. Zum vortrefflichen Raumangebot kommt dann noch eine Mittelarmlehne mit Getränkehaltern dazu.
Das Umklappen der Lehne zum Zweck der Gepäckraumvergrößerung geschieht mit einem Fingerdruck auf die Taste neben der Sitzfläche, dann fällt sie in fast waagerechte Position. Ein weiterer Druck ist nötig, um sie in der Horizontalen einzurasten, ein abermaliges Drücken lässt sie wieder nach oben schnellen und in der Ursprungsposition arretieren.
Der Kofferraum gewinnt durch das Umlegen 1020 Liter und wächst auf 1560 Liter Volumen. Da kann man nicht meckern, allenfalls über die Ladekante, die sich in stattlicher Höhe von 70 Zentimeter über dem Asphalt befindet, was bei SUVs jedoch nicht anders zu erwarten ist. Aber der Kofferraum ist sauber verkleidet, für 490 Extra-Euro öffnet und schließt die Klappe elektrisch.
Der Audi krallt sich in den Asphalt
Für den Q5 bietet Audi vier verschiedene Triebwerke an, zwei Ottos und zwei Diesel. Motorisiert mit dem 176 kW (240 PS) starken Dreiliter-V6-Diesel - dem Topmotor -, erlaubt sich der Q5 niemals Anfahrt- oder Durchzugsschwächen. Wenn der Kapitän von der Brücke aus über das Gaspedal dem Maschinenraum den Befehl „Volle Kraft voraus“ gibt, kommt ein dunkles Grollen als Antwort zurück.
Mit vier Rädern krallt sich der Audi in den Asphalt und rüstet sich für den Sprung nach vorne, eine variable Kraftverteilung und ein selbstsperrendes Mitteldifferential überspielen nasse Fahrbahnen mühelos. Das Doppelkupplungs-Getriebe, das sich fährt wie eine klassische Automatik und dessen sieben Gänge sich über Schalttasten am Lenkrad auch manuell einlegen lassen, wechselt die Übersetzungen in Windeseile und fast unbemerkt, beim Standard-Sprint vergehen 6,5 Sekunden, bis die Tachonadel über die 100-km/h-Marke springt.
Die Praxis hat mit dem Normverbrauch wenig zu tun
Dann ist es mit dem ungestümen Vorwärtsdrang noch lange nicht vorbei, mit kaum geringerer Vehemenz kommt der Q5 auf 160 km/h, erst darüber gönnt er sich einen Hauch mehr Zeit zum weiteren Beschleunigen. Die Windgeräusche sind gering, der Motor grummelt kraftvoll, aber unaufdringlich. Und verlangt letztlich ordentlich Futter.
10,6 Liter Treibstoff auf 100 Kilometer zu verbrennen ist ihm eine leichte Übung. Umso schwerer fällt es, den Konsum zu zügeln. Auf weniger als im Schnitt 6,9 Liter Diesel für 100 Kilometer ließ er sich auf unseren Fahrten trotz allen Sparwillens nicht drücken. Dieser Wert liegt um 0,3 Liter über der Minimal-Angabe des Herstellers. Unser Gesamt-Schnitt übertraf den Normverbrauch um 1,1 Liter. Aber so oder ähnlich ist es bei jedem Auto. Die Praxis hat mit den normierten Prüffahrten wenig zu tun.
1,98 lähmende Tonnen
Das Gewicht ist der gar nicht springende, sondern eher lähmende Punkt des Q5. 1,98 Tonnen bringt er ohne Fahrer und Gepäck auf die Waage, die wollen eben ordentlich beschleunigt werden. Obendrein drängt der Q5 in schnellen Kurven kräftig nach außen.
Zwar hat Audi alles getan, um die Agilität des Wagens sicherzustellen, eine Dynamiklenkung und adaptive Dämpferregelung geben in Verbindung mit einem Sportlenkrad ihr Bestes, aber die muntere Leichtigkeit, die der Q5 an den Tag legt, ist trügerisch.
Ganz ohne spürbare Seitenneigung rennt der schwere Wagen nicht um die Kurven, wohl aber bleibt er zielsicher auf Kurs, kleine Unruhen lassen sich sehr präzise mit der wirklich fein abgestimmten Lenkung korrigieren. Der Geradeauslauf ist mustergültig.
Ruckendes Getriebe
Gleiches gilt beruhigenderweise für die Bremsanlage. Sehr genau kann sie dosiert werden, der Druckpunkt ist klar definiert, und selbst wenn gut zwei Tonnen mehrfach hintereinander aus hohem Tempo abrupt zum Stillstand gebracht wurden, arbeiten sie weiter mit uneingeschränkter Begeisterung. Dass der Federungskomfort trotz dieser sportlichen Gene höchst ausgewogen und komfortabel ist, gereicht den Fahrwerksleuten bei Audi zur Ehre.
Bei aller Begeisterung für das Direktschaltgetriebe, bei stockendem Verkehr im Ampelstau oder beim Rangieren verwöhnt der „Automat“ nicht. Sofort nach dem Lösen der Bremse ruckt der Q5 nach vorne, der zweite Ruck kommt dann beim Gasgeben, wenn 500 Newtonmeter Drehmoment zupacken - oder wenn das Ensemble der Parkassistenten gefährliche Nähe zum Hindernis signalisiert und zu schnellem Bremsen zwingt.
Aber sobald die Enge der Parkbucht, der lähmende Verkehr der Vorstadt bezwungen ist, dann kommt der große Diesel-Q5 in Fahrt, auf bestem Wege, ein Blaues Band zu erringen. Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise.
Empfohlener Preis 47.900 Euro
Preis des Testwagens 65.544 Euro
V6-Zylinder-CR-Turbodieselmotor, vier Ventile je Zylinder, 2967 cm³ Hubraum
Leistung 176 kW (240 PS) bei 4000/min
Höchstes Drehmoment 500 Nm bei 1500/min, mindestens 90 Prozent davon ab 1300 bis 3800/min
Automatisiertes Schaltgetriebe mit sieben Gängen (Doppelkupplung) Permanenter Allrad-Antrieb
Länge/Breite/Höhe 4,63/1,88/1,65 Meter
Radstand 2,81, Wendekreis 11,60 Meter
Leergewicht 1790 (tatsächlich 1980), zulässiges Gesamtgewicht 2445, Anhängelast 2000 Kilogramm; Kofferraumvolumen 540 bis 1640 Liter
Reifengröße 235/55R19 101V
Höchstgeschwindigkeit 225 km/h
Von 0 auf 100 km/h in 6,5 s
Verbrauch 6,9 bis 10,6, im Durchschnitt 8,6 Liter Diesel je 100 km; 199 g/km CO2 bei Normverbrauch von 7,5 Liter; Tankinhalt 75 Liter
Versicherungs-Typkl.: HP 22, TK 25, VK 23
Gewährleistung zwei Jahre ohne Kilometerbegrenzung, drei auf Lack, 12 Jahre auf Durchrostung, unbegrenzt auf Mobilität bei autorisiertem Service, Wartung nach Anzeige oder alle zwei Jahre.