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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Fahrtbericht BMW 320d Wer den Hund von der Leine lässt

 ·  Das Dilemma von BMW sind die Kunden. Sie hängen an der Freude am Fahren. Doch die Marke sucht neue Inhalte, ohne die alten zu verlieren. Wegen Knausern mit dem Kraftstoff darf die Lust an Leistung nicht sterben.

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© Hersteller Fahrtbericht BMW 320d: Wer den Hund von der Leine lässt

Mit dem kleinen Dreier ist BMW groß geworden. Dabei ist auch das Auto gewachsen. Aber mit jenem Augenmaß, das anderswo längst verlorengegangen ist. Auch die jüngste Generation hat zugelegt, vor allem in der Länge, man tastete weder die Breite noch die Höhe der klassisch gebildeten Limousine an, da gab es auch keinen Handlungsbedarf.

Geblieben ist die gute Rundumsicht und die Übersichtlichkeit. Die Münchner Millimeterarbeit sorgte für eine Daumenbreite mehr Knieraum hinten, die Hinterbänkler sitzen mit mild erhöhtem Freiheitsgrad für Schultern und Beine, vorn war es schon immer recht auskömmlich.

Kofferraum

Die Dreier-Limousine war noch nie ein Lademonster. Daran hat sich nichts geändert. Immerhin hat das zurückhaltende Wachstum dem Kofferraum zu 20 Liter mehr Stauvolumen auf jetzt 480 Liter verholfen. Seine Öffnung ist ausreichend breit, und man kann die in drei Teile separierte Lehne der Rücksitzbank nach der Entriegelung vom Kofferraum aus locker nach vorn werfen.

Dann entstehen eine leicht schräge Ladeebene und eine Ladetiefe von etwa 190 Zentimeter. Im Boden gibt es noch Fächer und weitere Staufächer für Krimskrams, aber keinen Gegenstand, der irgendwie einem Reserverad ähnelte.

Instrumente

Der Fahrer darf sich wie gewohnt in einem neueren BMW als Entscheidungsträger fühlen. Er ist gut eingebettet in die Bedienebene, Tasten und Schalter fühlen sich gut an, der Dreier ist ein sympathisches Auto geblieben. Der obere Rand vom Volant und die rundliche Hutze für die klar gezeichneten Instrumente sind eine formale Einheit, der Blick des Fahrers ruht gern auf dem großen Tacho (bis 260) und dem adäquaten Drehzahlmesser (rot ab 5500/min).

Konkurrenz für diese Uhren kommt vom Head-up-Display, das für Tempolimit- und Geschwindigkeitsinformation freudig akzeptiert wird, aber an extrem kalten Tagen nicht immer zuverlässig arbeitete. Die Harmonie des Armaturenträgers wird leider von dem kastenförmigen Bildschirm für Navi- und Infos (Controldisplay) gestört, man kann ihn auch nicht versenken, es sei denn wir hätten doch irgendwo ein Schalterchen dafür übersehen.

Bedienung

Weil man sich in einen neuen Dreier nicht einfach reinsetzt und losfährt, vergräbt sich der Fahrer an einem regnerischen Wochenende in die Bedienungsanleitung und surft durch Texte zu Info-, Konfigurations- und Assistenzsystemen, nähert sich der Steptronic-Automatic, spielt mit dem iDrive und dem Eco-Pro-Schalter herum und ruft immer neue, nette Dinge aus dem Innenleben seines Dreiers in die Außenwelt und beschließt dann, sich die Zeit lieber mit Fahren als mit Fummeln zu vertreiben.

Konzentriert man sich auf die wichtigen Annehmlichkeiten wie Klimatisierung, Navigationssystem oder Radio, dann ist der BMW eine offene Landschaft der einfachen Bedienung. Allerdings kommt beim Lösen der Handbremse regelmäßig Ärger auf, weil sich der Hebel so eng in die Verkleidung der Mittelkonsole schmiegt, dass man sich bei unachtsamer Betätigung Hand und Finger klemmt. Geduld braucht es beim Schließen der Türen. Meist klappt es erst beim zweiten oder dritten Anlauf, und es entsteht ein unerwartet schepperndes Geräusch.

Motor

Zum Starten genügt ein Tastendruck, und der Dieselmotor meldet sich mit der Stimme eines erkälteten Hofhunds zu Wort. Nach Nächten mit 20 Grad minus musste für ein paar Sekunden vorgeglüht werden, aber dann knurrte der Vierzylinder zuverlässig los. Wobei er nach kurzer Anwärmphase zwar rasch für angenehme Temperaturen im Innenraum sorgte, aber nie den etwas gereizt und irgendwie unzufrieden klingenden Tonfall ablegte.

Es gibt andere Diesel, auch mit vier Zylindern, die sich höflicher ausdrücken. Dafür kennt die Maschine keine Hemmungen, sich auch bei niedrigen Drehzahlen vehement ins Geschirr zu legen. Das automatische Achtganggetriebe (ZF HP28) hat immer eine passende Schaltstufe bereit und arbeitet äußerst unauffällig: Das ist das Beste, was man von einer Automatik sagen kann. Für knapp 200 Euro gibt es diese Paddelhebel an der Lenksäule zum manuell veranlassten Schalten, eine unnötige Ausgabe.

Leistung

Wenn man den Diesel von der Kette lässt, wird der Hofhund zum Windspiel. Aber mit Muskeln. Der Vierzylinder gehört zu einer kleinen, im Hubraum identischen Familie, die mit ingeniösen Tricks auf unterschiedliche Leistungen gebracht wird. Er dreht flink hoch und hält schon bei 1750/min das maximale Drehmoment von 380 Nm bereit, eine hohe Durchzugskraft, die erst bei 4000/min unter 300 Nm fällt. Die Fahrleistungen des knapp 1600 Kilogramm wiegenden Dreiers sind jenseits von Diesel und Basis für die gesuchte und gefundene Freude am Fahren.

Beschleunigen ist eine Lust, am Berg geht man über das Gaspedal zwei Gänge tiefer, hängt kurz mit Dieselknurren hinter dem Vordermann und schnellt mit dem Aufschrei des befreiten Selbstzünderhundes vorbei, nimmt etwas Gas zurück, und der 320d mutiert zum ruhigen Gleiter.

Verbrauch

In diesem Zustand nippt der Vierzylinder nur am 57-Liter-Vorrat seines Tanks. Bei hoher Kasteiung fuhren wir einen Minimalverbrauch von 4,8 Liter für 100 Kilometer ein; selbst bei wirklich zügiger Fahrt kamen wir nicht über 8,2 Liter hinaus, und der Durchschnitt wurde mit 6,3 Liter errechnet.

Fahrgeräusche

Dabei muss man zudem die niedrigen Außentemperaturen des vergangenen Winters in Rechnung stellen. Da kann mit Blick auf die motorischen Qualitäten durchaus Freude aufkommen. Allerdings wünschte man sich vor allem bei Langsamfahrt geringere Fahrgeräusche. Die Vorderachse rollt unangenehm rauh, mitunter polternd ab, und der Motor ist akustisch jederzeit präsenter, als man möchte.

Fahrverhalten

Die Vollendung der Freude am Fahren ergibt sich auf der Strecke. Dabei geht es nicht ums Rasen. Man kann auch mit 60km/h zu schnell sein. Es ist die Präzision des Fahrens, das die Freude daran bringt. Die Lenkung ist nicht zu leichtgängig, sie ist nicht zu direkt, und sie ist selbstverständlich frei von Antriebseinflüssen.

Das Fahrwerk mit dem (aussterbenden?) Hinterradantrieb bietet guten Federungskomfort und die erwartete Straffheit ohne unnötige Härte. Diese Leichtigkeit in der Umsetzung von Fahrerwünschen in Verbindung mit hoher Fahrsicherheit ist tatsächlich Grund zur Freude. Ausdauernd und auf Befehl energisch gehen die Bremsen ans Werk, und über das Licht der Scheinwerfer kann nicht geklagt werden.

Preis

Tränen des Entsetzens freilich initiiert die Preisliste des 320d. Bei einem Grundpreis mit Achtgang-Automatik von 37.610 Euro addierten sich bei unserem Testwagen nützliche und weniger freudig akzeptierte Sonderposten (wie jüngst schon im 116i das Raucherpaket für 30 Euro) zu einer Summe von 49.130Euro. Und da gab es noch Luft nach oben.

Fazit

In manchen Details wie Frontpartie oder Oberfläche der Motorhaube hat der Dreier seine Schlankheit verloren. Das gilt auch für die Preisgestaltung. Aber die Freude am Fahren war schon immer etwas teurer. Wenn sie mit dem neuen BMW-Inhalt aus Nachhaltigkeit und Effizienz verbunden wird, gibt der Kunde auch künftig gern sein Bestes.

Nächste Woche: Citroën DS5 Diesel

Daten und Messwerte

Empfohlener Preis 37.610 Euro
Preis des Testwagens 49 130 Euro

Vierzylinder-Dieselmotor, vier Ventile je Zylinder, Abgasturbolader, Hubraum1995 Kubikzentimeter

Leistung 135 kW (184 PS) bei 4000/min

Höchstes Drehmoment 380 Nm bei 1750/min

Automatik mit acht Schaltstufen

Antrieb auf die Hinterräder

Länge/Breite/Höhe 4,62/1,81/1,43 Meter

Radstand 2,81, Wendekreis 11,4 Meter

Leergewicht 1585, zulässiges Gesamtgewicht 1980, Anhängelast 1600 Kilogramm, Kofferraumvolumen 480 Liter

Reifengröße 225/45 R 18 Y

Höchstgeschwindigkeit 230 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 7,9 s

Verbrauch 4,8 bis 8,2, im Durchschnitt 6,3 Liter Diesel je 100 km; 117 g/km CO2 bei Normverbrauch von 4,4 Liter, Tankinhalt 57 Liter

Versicherungs-Typklassen HP 20, VK 24, TK 25

Garantie zwei Jahre ohne Kilometerbegrenzung; Wartung nach Anzeige

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Jahrgang 1946, freier Autor in der Wirtschaft.

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