Home
http://www.faz.net/-gya-uspb
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Donnerstag, 16. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Fahrtbericht Opel Antara 2.0 CDTI Mit ein wenig Hilfe von Freunden aus Fernost

19.04.2007 ·  Opel ist spät dran mit seinem SUV, dem Antara 2.0 CDTI Edition. Der etwas durstige Diesel zeigt sich als durchzugsstarker Vertreter seiner Gattung und als waschechter Opel. Dabei kommt er aus Südkorea.

Von Michael Kirchberger
Artikel Bilder (10) Lesermeinungen (0)

Da steht er nun, der Spätgeborene der Klasse. Lange hat der Opel-Freund im sonst gutsortierten Portfolio der Marke kein SUV mehr finden können, erst jetzt kommt der Antara auf die Straßen. Damit ist er ein Nachzügler im Vergleich mit den Angeboten der japanischen und koreanischen Hersteller, aber immer noch früher als die der Wettbewerber Ford oder Volkswagen.

Drei verschiedene Motoren können für den stramm gezeichneten Viertürer bestellt werden. Ein 2,4-Liter- und ein 3,2-Liter-V6-Benziner sind zu haben, die wohl geeignetste Kraftquelle ist jedoch der Zweiliter-Diesel mit vier Zylindern und 110 kW (150 PS). Der ist nicht mit dem Basisniveau der Baureihe zu kombinieren, es muss schon die nächsthöhere Ausstattungsstufe mit der Bezeichnung Edition zum Preis von 31 560 Euro sein, um in den Genuss des höchsten Drehmoments in diesem Trio zu gelangen.

Nicht am Chrom gespart

Die scharfen Formen der Studie Antara GTC, mit der Opel auf der IAA des Jahres 2005 für Furore sorgte, hat der Serien-Antara abgelegt. Der mächtige Bug mit der handbreiten Chromspange über dem Kühlergrill zeugt eindeutig von Blutsverwandtschaft mit den anderen Opel-Wagen, das hohe Heck verspricht ein ordentliches Kofferraumvolumen, dazwischen dominieren klare Linien. Die Dachreling gehört zur Serienausstattung.

Innen empfängt die typische Opel-Atmosphäre mit dunklen Farben für Armaturenbrett und Instrumententräger, die nur von aluminiumartigen Intarsien unterbrochen werden. Mit dem Einsatz von Chrom-Zierde haben die Designer nicht gespart. Handbremshebel und der Haltegriff für den Beifahrer oder die Einfassungen der Luftdüsen glitzern miteinander um die Wette. Dafür wird an anderer Stelle geknausert. Die Armauflagen in den Türverkleidungen sind ungepolstert, der anthrazitfarbene Kunststoff ist hier ebenso wenig griffsympathisch wie der in der Mittelkonsole verarbeitete.

In Südkorea gebaut

Das kleine Dreispeichenlenkrad sieht schick aus, fasst sich aber aufgrund des nicht sonderlich weichen Kranzes kaum angenehmer an. Dabei sind die Fernbedienungstasten in den Speichen des Volants von schmeichelnder Güte und Solidität, da soll einer sagen, man könne bei Opel nicht wertig verarbeiten. Immerhin ist das Lenkrad in Höhe und Länge einstellbar, die Sitze beweisen gute Langstreckentauglichkeit, und die Bedienelemente finden sich dort, wo sie bei einem Auto aus Rüsselsheim immer zu finden sind.

Doch halt, der Antara ist nicht vom Main und auch nicht aus Europa. Gemeinsam mit dem GM-Schwestermodell Chevrolet Captiva wird er in Südkorea gebaut. Die Ähnlichkeit der beiden wird aber erst auf den zweiten Blick sichtbar. Und mit viel feiner Abstimmungsarbeit bei Technik und Design ist es gelungen, dem Antara einen typischen Opel-Charakter zu geben. Mit vertrautem Klang startet der Selbstzünder willig und legt dabei selbst bei frostigen Temperaturen keine Müdigkeit an den Tag.

Nur wenige Ablagen

Schnell wärmt der Vierzylinder den Innenraum, ihn unterstützen dabei die in drei Stufen zu temperierenden Sitzheizungen vorn. Allerdings liegen deren Schalter versteckt unter der Mittelarmlehne, die als Klappe eines geräumigen Staufachs auf dem Mitteltunnel thront und in Längsrichtung verschoben werden kann. Dabei wird die Heizung häufig versehentlich eingeschaltet, stellt dabei aber unter Beweis, wie flink sie Sitzfläche und Lehne erhitzt.

Sonst finden sich nur wenige Ablagen im Antara, das Handschuhfach ist zwar großzügig dimensioniert, aber als kleine offene Fächer gibt es nur die Türtaschen. Im Kofferraum sind unter der Bodenplatte das Notrad und andere Pannen-Utensilien ordentlich verstaut, die Wände sind gerade und machen es einfach, die etwas knappen 370 Liter Stauvolumen effizient zu nutzen. Wenn Sperriges transportiert werden soll, sind die Rückenlehnen schnell und ohne Demontage der Kopfstützen nach vorn geklappt.

Viel Platz und elektronische Hilfsmittel

Eine Mechanik hebt zusätzlich die Sitzflächen der asymmetrisch geteilten Sitzanlage, so entsteht eine völlig ebene Ladefläche. Der Stauraum hat dann 1420 Liter Volumen.

Positiv muss der Sitzkomfort bewertet werden: Auf allen Sitzen herrscht eine gewisse Großzügigkeit. Über zu geringe Kopffreiheit kann sich keiner beschweren, und im Fond berühren die Knie selbst bei ganz nach hinten geschobenen Vordersitzen deren Lehnenrückseite nicht. Der Fahrer kann ebenso unbeschwert und mit reichlich Ellbogenfreiheit agieren, große Rückspiegel helfen ihm beim Rangieren, denn die Karosserie ist eher unübersichtlich. Der Parkpilot, der im Editions-Paket neben dem Bordcomputer, Tempomat und Handyvorbereitung mit Freisprechanlage enthalten ist, leistet höchst nützliche Dienste.

Wohltuende Einflüsse des Allradantriebs

Mit erstaunlicher Anfahrstärke legt der Diesel-Antara los. Der Motor liefert schon bei 1500 Umdrehungen in der Minute ein ordentliches Drehmoment, sein Maximum von 320 Newtonmeter gibt er bei 2000/min ab. Der Beschleunigungswert für den Standard-Sprint von 0 auf 100 km/h liegt bei 10,3 Sekunden, der Opel lässt sich in dieser Konfiguration recht munter bewegen. Die Karosserieneigung ist dank der im Vergleich zum Schwestermodell Captiva spürbar strafferen Abstimmung maßvoll, nur schnelle Links-Rechts-Kombinationen bringen den Antara in Wallung, früh stimmen dann die Reifen den gepfiffenen Evergreen von zu hohem Tempo an.

Die Lenkung dürfte direkter sein, das präzise Einlenken gelingt nur mit Konzentration. Dafür bleibt der knapp zwei Tonnen schwere Opel sauber in der Spur, wohltuend wirken die Einflüsse des bei Bedarf einspringenden Allradantriebs auf das Kurshalten. Der Federungskomfort ist gut, lange Strecken lassen sich ohne Mühen meistern, auch wenn die Wind- und Abrollgeräusche deutlich in den Innenraum dringen.

Präzises Fünfganggetriebe

Eine wirklich große Enttäuschung ist der Antara jedoch beim Treibstoffkonsum. Trotz aller Anstrengungen gelang es nicht, den Verbrauch unter 8,2 Liter Diesel für 100 Kilometer zu senken, was 0,7 Liter über dem nach Norm angegebenen Durchschnittswert liegt. Ohne Mühen stieg er dagegen auf Werte über 11 Liter, der Mittelwert von 10,3 Liter ist eindeutig zu hoch. Der wesentliche Grund dafür ist die knappe Getriebeübersetzung. Um dem Antara nicht die Spritzigkeit zu nehmen, haben sich die Opel-Ingenieure für ein höheres Drehzahlniveau entschieden. Beim Spitzentempo von 180 km/h dreht der Diesel daher mit 4500/min an der Obergrenze des Erlaubten, häufig sucht die Hand dann vergebens nach einem sechsten Gang, um Verbrauch und Lärm zu senken. 65 Liter Tankinhalt versprechen keine rekordverdächtigen Fahrstrecken zwischen den Tankstellenaufenthalten. Der serienmäßige Dieselpartikelfilter kann das Umweltgewissen bei diesem Konsum nur ungenügend beruhigen.

Das Schalten des Fünfganggetriebes funktioniert recht präzise, obwohl die Schaltwege trotz eines kurzen Hebels eher lang sind. Großzügig bemessen ist auch der Pedalweg der Kupplung, etwas Übung braucht es schon, um mit dem Antara routiniert anzufahren. Feiner zu dosieren sind die Bremsen. Sie sprechen angenehm weich an, was komfortables Fahren erleichtert, packen aber kraftvoll zu, wenn die Situation brenzlig wird. Bei langen Gefällstrecken im Gebirge zeigen sie sich auch bei hoher Beanspruchung frei von Ermüdungserscheinungen.

Waschechter Opel

Verarbeitung und Ausstattung des Antara bewegen sich auf hohem Niveau. Abgesehen von kleinen Unsicherheiten bei der Materialwahl, macht das SUV hier einen guten Eindruck. ESP, sechs Airbags und Isofix-Verankerungen rüsten den Opel für den Ernstfall, ein Audio-System mit CD-Spieler, Klimaautomatik und Sitzheizungen vorn steigern den Komfort. Vor allem aber ist es den Entwicklern gelungen, eine Lücke im Modellprogramm mit ein wenig Hilfe aus Fernost zu schließen, ohne dabei die eigene Seele zu verkaufen.

Der Antara ist die sportlichere Version des GM-SUV-Projekts und kommt im Gegensatz zum Captiva, der auch mit drei Sitzreihen angeboten wird, ausschließlich mit fünf Sitzplätzen und vier angetriebenen Rädern. Er sieht nicht nur aus wie ein Opel, er fährt, bewegt und fühlt sich auch an wie jedes andere Auto mit dem Blitz am Grill.

Quelle: F.A.Z., 17.04.2007, Nr. 89 / Seite T3
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Punktverlust

Von Boris Schmidt

Ohne große Not kündigte Verkehrsminister Ramsauer vergangene Woche eine Reform der Flensburger Verkehrssünderkartei an. Die ist zunächst kompliziert. Mehr 1