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Fahrtbericht Dacia Logan MCV Ein unverschämt günstiges Angebot

 ·  Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist schlichtweg erstaunlich. Als Kombi ist das rumänische Auto auch formal gelungen und bietet bis zu sieben Personen Platz. Nur der Verbrauch ist nicht mehr zeitgemäß. Boris Schmidt und der Dacia Logan MCV.

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Alles stöhnt: „Autos sind so teuer geworden.“ Stimmt, der deutsche Durchschnittsneuwagen kostet inzwischen knapp 25.000 Euro. Nur eine kleine rumänische Marke, die unter französischer (Renault-)Oberhoheit steht, steuert herzhaft gegen, und zwar nicht mit einem Klein- oder Kleinstwagen, wie das inzwischen viele Hersteller tun, sondern mit einem durchaus familientauglichen Auto, dem Logan.

Mit einem Basispreis von 7200 Euro ist man vor zwei Jahren in den Markt eingestiegen, und schnell hat man gelernt, dass der Logan jeden Cent seines Kaufpreises wert ist. Zwar sieht die Limousine wegen des stilistisch misslungenen Hecks (aber 500 Liter Kofferraumvolumen) eher unglücklich aus, der Logan ist aber kein schlechtes Auto.

Ein wahres Raumwunder

Wäre der deutsche Autokäufer nicht so sehr aufs Prestige versessen, würden noch mehr Logans hierzulande verkauft als ohnehin schon, verdient hätte er es. Erst recht gilt das für die seit Januar erhältliche Kombi-Version MCV, die mit einem 27 Zentimeter längeren Radstand und einer 20 Zentimeter längeren Karosserie ein wahres Raumwunder ist und mit dem steilen Kombi-Heck das bessere Ende für sich hat.

Selbst mit dem stärksten Motor (1,6 Liter Hubraum, 77 kW/105 PS) und der besten Ausstattung (Lauréate) kostet dieses 4,45 Meter lange Auto „nur“ 11.350 Euro. Zum Vergleich: Die Preise für einen VW Golf beginnen bei 16.300 Euro.

Das Blinkergeräusch ist kaum zu hören

Und man kann dem Logan keine minderwertige Verarbeitung oder allzu billige Anmutung unterstellen. Im Gegenteil. Im Lauréate ist der Innenraum recht ansehnlich, trotz des vielen Plastiks, man darf freilich die Erwartungen nicht zu hoch schrauben – natürlich wirkt der Innenraum eines Golf zwei Klassen hochwertiger. Doch braucht man das wirklich, welchen Nutzwert hat das?

Funktional lässt sich nur wenig kritisieren. Das Lenkrad ist nicht verstellbar, die Sitzflächen sind etwas kurz, das Blinkergeräusch ist kaum zu hören, und die Schalter für Heizung und Belüftung (Klimaanlage kostet in Verbindung mit einem CD-Radio 1250 Euro Aufpreis) sind ungünstig plaziert.

Das war’s aber auch schon. Die weiß unterlegten Instrumente lassen sich gut ablesen, ein Drehzahlmesser fehlt nicht, die Schaltung arbeitet präzise.

Dritte Sitzreihe gegen Aufpreis

Wie bei so vielem im Dacia trifft man auf den Renault-Standard, die Plattform, die Motoren und die Getriebe kommen von der großen Mutter, das kann kein Nachteil sein. Der größte Trumpf des Logan MCV ist jedoch sein in dieser Klasse unübertroffenes Platzangebot.

Nicht nur, dass man auf der 1,26 Meter breiten Rückbank zu dritt noch passabel sitzen kann, gegen Aufpreis (450 Euro) gibt es eine zweite Sitzbank, und selbst in dieser dritten Reihe – das ist wirklich erstaunlich – haben zwei Erwachsene noch ausreichend Bein- und Kopffreiheit. Man muss dort nur mit stark angewinkelten Beinen sitzen.

Da kann selbst Mercedes-Benz nicht mithalten

Hinter dieser Bank verbleiben dann noch knapp 200 Liter Kofferraumvolumen. Faltet man sie zusammen (die Kopfstützen sind etwas umständlich zu demontieren), kann man sie senkrecht stellen oder ganz herausnehmen. So hat man bis zur Sichtkante 700 Liter (!) Stauraum.

Die Dreier-Rückbank lässt sich ohne Abnehmen der Kopfstützen senkrecht stellen (aber nicht herausnehmen), dann ergibt sich ein Laderaum von 1,65 Meter Länge, das maximale Stauvolumen bei dachhoher Beladung beträgt gar 2350 Liter. Da kann selbst Mercedes-Benz mit seinem E-Klasse-Kombi (Basispreis 41.471 Euro) nicht mithalten.

Schlechte Sicht nach hinten

Eine asymmetrisch geteilte Flügeltür gibt den Zugang zum Gepäckraum frei, das hat zwar Lieferwagen-Charme, ist aber im täglichen Gebrauch nicht unpraktischer, als eine Klappe nach oben zu wuchten.

Kinder können eine Tür viel leichter öffnen. Von Nachteil ist die schlechte Sicht nach hinten, im Innenspiegel sieht man wenig vom rückwärtigen Verkehr.

Bremsen sind durchschnittlich

Über das Fahrverhalten des Logan im Kurvengrenzbereich ist zum Marktstart ausgiebig gelästert worden, man kann und muss ihm natürlich ankreiden, dass ein ESP nicht lieferbar ist. Aber solange man mit dem Fronttriebler keine Rallyes fahren will, kommt man fahrerisch sehr gut mit ihm aus. Der Logan ist in dieser Hinsicht kein Hochkaräter, aber durchaus verlässlich.

Er untersteuert sanft und wird bei Überforderung etwas leichter ums Heck. Auf der Autobahn überrascht er nicht nur mit guten Motorleistungen, er liegt auch bei hohem Tempo sicher auf der Straße, man hat zu keiner Zeit ein schlechtes Gefühl. Durchschnitt verkörpern die Bremsen in Wirkung und Standfestigkeit.

Der sechste Gang fehlt

Über dem Strich liegen die Federungseigenschaften des Logan. Weder stuckert er, noch schlägt er auf groben Unebenheiten durch. Wir sind schon schlechter gefederte Autos gefahren. Der Lärmpegel ist erträglich, leider gibt es nur fünf Gänge, ein sechster würde helfen, Benzin zu sparen und das Geräuschniveau weiter nach unten zu drücken.

Basisantrieb des Logan MCV ist ein 1,4-Liter-Vierzylinder (55 kW/75 PS), damit beträgt der Einstiegspreis konkurrenzlos günstige 8400 Euro. Der Limousine bescheinigten wir mit diesem Triebwerk Fahrleistungen am unteren Ende des heute Erwünschten. Im MCV sind mit dem Basismotor maximal 155 km/h möglich, mit dem 1,6-Liter-Motor ist man selbstredend wesentlich spritziger unterwegs: Flotte 180 Tacho sind machbar (echte 175 km/h), und in 12,2 Sekunden ist der Standardsprint absolviert.

Die Elastizitätswerte liegen wiederum im Mittelfeld (siehe Kasten unten), wäre der Motor leiser (sechster Gang!) und sparsamer, wäre er fast perfekt. Denn inzwischen erfüllen alle Logan-Triebwerke die Abgasnorm Euro 4.

Besserer Verbrauchswert wird vorgegaukelt

Aber der Durchschnittsverbrauch von 8,5 Liter Super auf 100 Kilometer ist heutzutage einfach zu hoch. Wer schonend fährt, kann zwar mit weniger als acht Liter auskommen, jedoch erfordert forsches Fahren einen deutlichen Aufschlag: Unser Maximalverbrauch auf einer schnellen Autobahntour waren 10,3 Liter auf 100 Kilometer.

Da rächt sich das Fehlen einer drehzahlsenkenden weiteren Fahrstufe. Schon bei 140 km/h muss sich die Kurbelwelle 4400 Mal in der Minute drehen, bei Höchstgeschwindigkeit 5600 Mal. Ärgerlich ist das weite Voreilen des Wegstreckenzählers, der einen um 0,3 Liter besseren Verbrauchswert vorgaukelt.

Instrumenteneinfassung im „Alu-Look“

Eindeutig ist das gute Ausstattungsniveau der Lauréate-Variante. Viele Komfortmerkmale, die man inzwischen lieben gelernt hat, sind hier vorhanden: Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber vorn, Nebelscheinwerfer, Dachreling, Bordcomputer oder höhenverstellbarer Fahrersitz.

Außerdem ist ein Lauréate innen aufwendiger ausgestattet, als Beispiel seien eine Deckenleuchte oder die Mittelkonsole und Instrumenteneinfassung im „Alu-Look“ genannt. Ablagen gibt es ebenfalls genügend, für 100 Euro kann man sich sogar eine Ablagengalerie am Dach über den Vordersitzen dazukaufen

Die Servolenkung ist wie in der mittleren Ausstattung „Ambiance“ serienmäßig, alle Logan MCV haben ABS, zwei Airbags (auf der Beifahrerseite deaktivierbar), zwei Seitenairbags kosten 280 Euro Aufpreis.

Mehr fürs Geld als die Limousine

Selbst wenn man die zweite Rückbank, Klimaanlage und Radio, Metallic-Lack (450 Euro) sowie 15-Zoll-Leichtmetallräder (600 Euro) bestellt, bleibt der Logan einfach ein unverschämt gutes Angebot.

Mehr als 12.000 Kunden in Deutschland haben sich in diesem Jahr schon davon überzeugen lassen, an der Steigerung der Neuzulassungen um das Dreifache hat der Kombi gewiss einen hohen Anteil. Er bietet eben noch mehr fürs Geld als die Limousine und sieht auch noch viel besser aus.

„Logan oder Gebrauchtwagen?“

Die Frage „Logan oder Gebrauchtwagen?“ stellt sich niemand mehr, der rechnen kann und ein Auto als reines Transportmittel versteht. Kein neues Auto hat ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis.

Schließlich gibt es noch drei Jahre Garantie, und die Wartungsintervalle betragen bei den Benzinern 30.000 Kilometer oder zwei Jahre. Man muss nur den Mut haben zu zeigen, dass man für ein neues Auto nicht mehr als die Hälfte des allgemeinen Durchschnitts ausgeben will oder kann. Ist das so schwer?

Daten und Messwerte

Empfohlener Preis 11.350 Euro
Preis des Testwagens 14.100 Euro

Vierzylinder-Ottomotor, vier Ventile je Zylinder, 1598 Kubikzentimeter Hubraum
Leistung 77 kW (105 PS) bei 5750/min
Höchstes Drehmoment 148 Nm bei 3750/min, 90 Prozent davon ab 2100 bis 5800/min

Fünfganggetriebe (Automatik nicht erhältlich)
Antrieb auf die Vorderräder

Länge/Breite/Höhe 4,45/1,74/1,64 Meter
Radstand 2,90, Wendekreis 11,25 Meter

Leergewicht 1300 (tatsächlich 1320), zulässiges Gesamtgewicht 1840, Anhängelast 1300 Kilogramm; maximales Kofferraumvolumen 2350 Liter
Reifengröße 185/65 R 15/6,0 Jx15

Höchstgeschwindigkeit 175 km/h
Von 0 auf 100 km/h in 12,2 s, von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang in 14,3/19,7 s

Verbrauch 7,8 bis 10,3, im Durchschnitt 8,5 Liter Superbenzin je 100 km; 178 g/km CO2 bei Normverbrauch von 7,5 Liter, Tankinhalt 50 Liter

Versicherungs-Typklassen HP 15, TK 18, VK 19
Drei Jahre Garantie oder 100.000 Kilometer; sechs Jahre gegen Durchrostung; Inspektion alle 30.000 Kilometer

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Jahrgang 1959, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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