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Freitag, 17. Februar 2012
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Fahrtbericht BMW X3 3.0sd Leider doch kein Meister des Marathons

10.04.2007 ·  BMW hat seine SUV-Baureihe X3 renoviert. Stärkstes Angebot dabei ist ein bärenstarker Diesel: der lässt die Muskeln sehr sanft spielen und könnte ein echter Langstreckenwagen sein - wäre da nicht die überharte Federung.

Von Michael Kirchberger
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Es ist gar nicht lange her, da mussten sich die BMW-Mannen schelten lassen, sie hätten es versäumt, zeitgemäße Dieselmotoren zu entwickeln. Die Worte der Kritik sind längst in Rußpartikelfiltern hängengeblieben, ausgebrannt und vergessen.

Aus München treten mittlerweile Selbstzünder an, die unglaubliche spezifische Leistungen entwickeln und dem Erleben des Drehmoments eine neue Qualität gegeben haben. In der jüngst umfassend modellgepflegten SUV-Baureihe X3 ist das Toptriebwerk nicht ein sämiger Benziner, sondern ein sämig-stämmiger Dieselmotor.

Der X3 3.0sd kann ohne Bedenken als Super-Diesel bezeichnet werden: aus drei Liter Hubraum schöpft das Triebwerk 210 kW (286 PS). Für 51.600 Euro gibt es ein unauffälliges Kraftpaket, das nur noch aussieht wie ein schnittiger Geländewagen. Dank seiner ausgewogenen Gewichtsverteilung, mit dem exzellenten Fahrwerk und den Qualitäten der Antriebseinheit bietet der neue X3 das Beste aus vielen Auto-Welten.

Fast sprunghaft legt er los

Der Dreiliter-Diesel, im Unterschied zum bisherigen Motor wird er komplett aus einer Aluminiumlegierung gefertigt, springt munter an, tiefe Temperaturen scheinen ihn nicht zu stören. Sein zwar kraftvolles, aber arg metallisch klingendes Arbeitsgeräusch ändert sich kaum, wenn schon er nach kurzer Fahrtstrecke an Temperatur gewinnt und den bis dahin fröstelnden Insassen, die sich nur an den Heizungen von Lenkrad (195 Euro) und Sitzen (360 Euro) wärmen konnten, ein laues Lüftchen zukommen lässt.

Bereits vor Erreichen der Betriebstemperatur lauert der Motor darauf, sein Potential unter Beweis stellen zu dürfen. Fast sprunghaft legt er los, arbeitet sich spontan hinauf zu seinem, für einen Dieselmotor höchst ungewöhnlichen Drehzahl-Gipfel, klingt nie angestrengt, eher lässig und entspannt, als wäre es eine Fingerübung, den Sprint von null auf 100 km/h in gerade mal 6,6 Sekunden zu absolvieren.

Kein Turboloch bremst den Vorwärtsdrang

Die breite Brust des Reihensechsers wird von einem Turbolader-Pärchen mit unterschiedlichen Querschnitten, das je nach Drehzahl abwechselnd aktiv wird. Der kleinere Lader übernimmt die Beatmung bei niedrigen Drehzahlen, wenn noch relativ wenig Abgas auf die Schaufel des Laders drückt.

Der größere setzt bei höheren Tourenzahlen ein und verleiht dem Diesel seine Drehfreudigkeit, und gleichzeitig hält die Durchzugskraft an. Beim Befehl zum Beschleunigen bremst kein Turboloch den Vorwärtsdrang, erst bei 240 km/h regelt die Elektronik die Leistung herunter.

Jederzeit lieferbare Durchzugskraft

Die serienmäßige, sechsstufige Automatik ist dem Motor ein wunderbar harmonierender Partner. Sie wurde im Zuge der Modellpflege gleich mit überarbeitet, die Wechsel der Übersetzungen gelingen ihr nun ebenso sanft wie schnell. Sie verstärkt den Eindruck jederzeit lieferbarer Durchzugskraft.

Der starke Diesel könnte den X3 so zum perfekten Langstreckenbegleiter machen, zumal der Verbrauch von 7,1 Liter Diesel je 100 Kilometer bei zurückhaltend-moderater Fahrweise ein sehr beachtlicher Wert ist. Erst bei forscher Fortbewegung klettert der Konsum auf bis zu 11,8 Liter, der Insgesamt-Durchschnitt von 8,9 Liter sind für den rund 2000 Kilogramm schweren Wagen durchaus zu akzeptieren.

Deutliche Windgeräusche bei höherem Tempo

Als Meister des Marathons kann sich der agile BMW dennoch nicht profilieren. Das limousinengleiche Fahrverhalten mit sehr geringen Wankbewegungen der Karosserie, und mit den sehr neutralen bis dynamischen Eigenschaften erkauft sich der X3 mit einer beinahe schon brutalen Härte der Federung. Keine Unebenheit der Fahrbahn bleibt ihm und seinen Insassen verborgen, fast ungefiltert gibt er den aktuellen Straßenzustandsbericht an seine Passagiere weiter.

Die können auf den kaum weniger stramm ausgelegten Polsterungen der Sitze nur die Zähne zusammenbeißen und hoffen, dass die Autobahnpfleger ihren Flickenteppich des Belages für den Rückweg von der Reise dann sorgsam geglättet haben. Dazu kommen deutliche Windgeräusche bei höherem Tempo, das aber aufgrund der Komforteinbußen nicht sehr häufig, und wenn, dann bei Solofahrten aufgesucht wird.

Der Innenraum schmeichelt mit einer neuen Qualität

Mit überaus umfangreichen Ausstattungsmöglichkeiten versucht BMW offensichtlich die X3-Passagiere wieder versöhnlich zu stimmen. Ganz im Sinne des Premium-Gedankens schmeichelt der Innenraum mit einer neuen Qualität, die jene der bisherigen Generation völlig in den Schatten stellt. Das triste Kunststoffmaterial, an dem sich einst Blick und Tastsinn rieben, ist griffsympathischen und hochwertig wirkenden Bezügen gewichen, feine Ledersitze (2113 Euro) und angenehme, dezente Beleuchtung bei Nachtfahrten steigern das Wohlgefühl.

Die zweifarbige Ausführung des Armaturenbretts und der Türeinlagen wird von Holzintarsien geziert. Die kosten in der Version „Pappel Maser grau“ zwar 430 Euro Aufpreis, geben dem Innenraum aber eine äußerst wohnlich-elegante Atmosphäre. Eine stimmgewaltige Audio-Anlage samt sechsfachem CD-Wechsler (1435 Euro), vor allem aber das gute Raumgefühl im X3 können die Mitfahrer dann doch zufriedenstellen.

Im Fond gibt es Kopffreiheit zur Genüge, die Ellbogen der einzelnen Passagiere bekommen ebenso kaum Kontakt, auch wenn ein Duo auf der Rückbank Platz genommen hat. Die Füße können unter die Vordersitze geschoben werden, was bei BMW nicht immer der Fall war und nun den Sitzkomfort verbessert. Nur die Knie reiben an den Vordersitzlehnen, zumindest dann, wenn vorn im X3 Riesen reisen.

2000 Kilogramm an die Anhängerkupplung

Das Einsteigen fällt dank der weit öffnenden, relativ kurzen Türen leicht, kaum mehr Aufwand bedarf es, Gepäck im Kofferraum zu verladen. Fein verkleidet ist er, gerade Bordwände erleichtern effizientes Verstauen von Koffern und Taschen. 480 Liter Volumen sind für diese Klasse kein besonders beeindruckender Wert, aber immerhin können die Rücksitzlehnen, asymmetrisch geteilt, einhändig nach vorn geklappt werden, was den Stauraum auf 1560 Liter vergrößert.

Die Kopfstützen müssen bei dieser Übung nicht demontiert werden, das Gepäckabteil kann so mit der gleichen flotten Dynamik den Transportaufgaben angepasst werden, wie sie dem X3 als grundlegenden Charakter zu eigen ist. Die erlaubte Zuladung von 435 Kilogramm ist allerdings eher knapp bemessen, dafür darf das BMW-Mobil bis zu 2000 Kilogramm an die Anhängerkupplung nehmen.

Lenkrad gibt stets zweifelsfreie Rückmeldungen

Unter der soliden, teppichverkleideten Bodenplatte des Kofferraums bleibt noch Raum für Kleinigkeiten, vor allem aber hat hier die Batterie ihren Platz. Zum Zweck der besseren Gewichtsverteilung lastet sie auf dem Fahrzeugheck, zwischen Vorder- und Hinterachse herrscht daher nahezu Parität.

Das unterstützt ganz wesentlich die vorzüglichen Fahreigenschaften. Das Einlenken in Kurven ist eine wahre Freude, zumal das kleine und gut in der Hand liegende Lenkrad stets zweifelsfreie Rückmeldungen über den Stand der Dinge zwischen Fahrwerk und Straße gibt. Mühelos lässt sich der X3 dirigieren, im Notfall sicher und spontan korrigieren.

Für den Fahrer ergibt sich die Möglichkeit, selbst intensiver das Fahrverhalten zu beeinflussen, denn die Assistenzsysteme greifen erst spät ein, was zu den gewünschten, agilen Fahr- und Kurveneigenschaften führt. Der Geradeauslauf ist stabil, nur manchmal, etwa bei Spurrillen, kommt eine gewisse Nervosität auf. Die wird obendrein vom Charakter der Bremsen geschürt. Ihr Druckpunkt ist wahrlich spitz zugefeilt, es bedarf einiger Konzentration und Übung, um den X3 auch im Sinne der Mitfahrer komfortabel zu verzögern. Ausreichendes Dosieren ist trotz des schnellen, kernigen Ansprechens möglich.

Das alltägliche Verkehrsgeschehen überragen

Der Fahrer hat freie Sicht auf die Skalen der gut ablesbaren Instrumente, findet alle Bedienungselemente am gewohnten Ort und kann seine Sitzposition dank eines in Länge und Höhe einstellbaren Lenkrads und der elektrischen Sitzverstellung mühelos und feinfühlig justieren. Dass er für den Regensensor allerdings rund 120 Euro Aufpreis bezahlen muss, mag ihm nicht gefallen, das Fehlen einer Tippfunktion des Blinkers ebenso.

Um den Fahrer herum wirkt der X3 aber sehr aufgeräumt und stilsicher gestaltet, es fehlt vielleicht die eine oder andere Ablagemöglichkeit. Zwar ist die Größe des Handschuhfachs noch ordentlich bemessen, aber wirklich Platz für die Dinge der Reise und des Alltags findet sich nur in den geräumigen Türtaschen.

Die Frage nach dem Anspruch des X3 stellt sich dennoch. Er kann mit vortrefflichem Traktionsvermögen, beeindruckender Motorleistung und einem in dieser Klasse selten erreichten, agilen Fahrverhalten alles, was auch ein 3er-Touring zu leisten vermag. Aber der X3 kann noch mehr: er erlaubt seinem Fahrer, das alltägliche Verkehrsgeschehen um ein gutes Stück zu überragen.

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