25.09.2007 · Er ist ein Coupé für Genießer, die sich nicht der Beschaulichkeit hingeben, sondern die Leistung und agiles Fahrverhalten lieben, dabei aber Süßliches vermeiden wollen. Für sie und für Sparfüchse passt der Diesel. Wolfgang Peters und der Audi A5.
Von Wolfgang PetersNur die Schönheit lässt uns leben: Und vielleicht noch die Liebe zum Automobil, aber dann muss es schon ein Coupé sein. Dass ein Coupé Verzicht bedeutet und Vergnügen bewirkt, das liegt in seinem inneren Wesen.
Dabei sind Männer und Frauen in einem Coupé keineswegs gleich, daran ändern auch politische Bestrebungen von Gleichstellungsbeauftragten (das Wort muss einem erst mal einfallen!) nichts. Ein Mann in einem A5 ist ein Ästhet und Hedonist.
Eine Frau in einem A5 ist die Frau eines Ästheten und Hedonisten, oder sie ist die von einem Ästheten und Hedonisten verlassene Mutter von Kindern, die in Salem getrimmt werden. So hat jeder seine Vorurteile, aber, und das sei erwähnt, bevor eine Woge aus Abscheu und Empörung über dem unvorsichtigen Autor zusammenschlägt: Es könnte auch umgekehrt sein.
Die Maulwürfe aus der Krume treiben
Dass der neue A5 relativ spät auf den Markt kommt, muss erstaunen. Denn er ist nichts weniger als eine logische Konsequenz aus der Markenentwicklung. So wie Audi sich geputzt und auf Augenhöhe mit BMW und Mercedes-Benz gebracht hat, da lag dieses Coupé schon längst lau in der Luft eines Herbstes, der die Maulwürfe aus der Krume treibt.
Aber Audi wartete geduldig auf die Reife des neuen A4, der die technische Basis für den A5 lieferte; und man wollte kein A4 Coupé auf die Räder stellen, sondern mehr Eigenständigkeit wagen. Das ist gelungen.
LED-Technik wirkt wie Weihnachten in Las Vegas
Der A5 ist noch unter der Ägide von Walter de Silva bei Audi entstanden, bevor er nach Wolfsburg ging. Dort gibt es jetzt als Silva-Signal den knuffigen „up!“, der als Kleinwagen im Laptop-Design zurückführt zu den Wurzeln von VW.
Und Audi darf sich an der Schönheit des A5 erfreuen. Es ist eine romantische Schönheit, weit weg von dem puristischen Design des Audi TT oder des Audi A2, die aber für die Marke die Stil-Tickets lösten. Wenn wir diese Design-Ikonen mit einer Hemingway-Short-Story vergleichen, dann ist der A5 wie ein Roman von Elizabeth George. Nicht wirklich langweilig, aber man wäre auch mit weniger als 1063 Seiten zurechtgekommen.
Der A5 wirkt aus den drei Hauptrichtungen sehr unterschiedlich: hinten mit breiten Schultern, einem klaren, weitgehend schnörkellosen Heck und der Ansage, dass sich dieses breit machen wird in der einschlägigen Statistik; in der Seitenansicht entsteht die fließende Eleganz eines Wagens von Adel und Herkunft, man denkt mindestens an Bentley; die Front ist eine Partie für sich, sie ist nicht so edel wie der Rest des A5, aber hier zeichnet sich der sportliche Teil des Coupé-Charakters ab, doch die Scheinwerfer wirken leblos, die Tagfahrlichtleuchten in LED-Technik sind wie Weihnachten in Las Vegas, und der Grill ist in seiner (durch den schmaleren Rahmen) gedämpften Brutalität nicht der passende Ausweis für den Schöngeist mit vier Ringen. Womöglich soll dieser Macho-Bug die Süße des Coupés verhindern.
Für große Menschen wird es hinten eng
Zuvor wird jedoch der Innenraum begutachtet. Man betritt ihn durch sehr breite Türen (nicht angenehm in schmalen Parklücken) und findet jene Audi-Anmutung vor, die man schon kennt, aber nicht langweilig findet. Alles ist angenehm geformt, der Alltag mit Ablagen und guten Sitzen und Sitzverstellungen wird nicht vergessen, für den Fahrer tun sich keine Rätsel auf.
Vorn herrscht die erwartete Großzügigkeit, hinten geht es leider (nur für zwei!) recht eng zu, große Menschen (einen Griff am Dach werden sie vergeblich suchen) müssen dort auf das Wohlverhalten der Passagiere in der ersten Reihe setzen, auch Kopffreiheit und Schulterbreite sind nur ausreichend.
Die letzte Rettung vor Entführungen ist nicht möglich
Die Entschuldigung: Man sitzt doch in einem Coupé. Dann möchte man bitte die hinteren Seitenscheiben versenken können, aber sie sind starr. Und man möchte auch den dicken Pfosten in der Mitte der Seitenlinie nicht tolerieren müssen. Das sind zwar nur kleine Bausteine auf dem Weg zum Coupé-Kult, aber Audi hat (vielleicht aus Gründen der Steifigkeit?) darauf verzichtet.
Auch das System der auf Tastendruck sich elektrisch betätigenden Handbremse wird von uns nicht gern gesehen. Eine Handbremswende, mit der man vielleicht irgendwann die letzte Rettung vor Auffahren oder Entführung finden könnte, ist nicht möglich.
Im Verhältnis ein zu zwei Drittel ist die Lehne der Rückbank zu klappen. Die Hutablage ist fest verankert, es gibt zudem eine Durchreiche, den gut dimensionierten Kofferraum hat man schön verkleidet, er ist ein wenig flach geraten, seine Öffnung ist nicht übertrieben großzügig, und die Ladekante liegt unfreundliche 61 Zentimeter über dem Niveau der Straße.
Wer mehr möchte, wird zur Ader gelassen
Wenig Freude fördert der Blick in die Ausstattungsliste zutage: Der A5 hat natürlich alles an Bord (und noch etwas mehr), was man für den angenehmen Umgang mit ihm benötigt.
Wer mehr möchte, wird zur Ader gelassen: Knapp 1800 Euro kostet die Lederausstattung, das Navi-System, mit Entertainment-Eigenschaften verbunden, wird gleich mit 3070 Euro berechnet, und Metallic-Lack und andere Räder und der eine oder andere Schnickschnack machen aus dem A5 ein Auto mit Eins-a-Preis: Rund 58.000 Euro kommen da rasch zusammen.
Das Gefühl von Ballettschuhen
Aber was bedeutet schon Gut und Geld, wenn es um das Fahren geht. In der Tat haben wir dabei nicht nur den Anschaffungspreis vergessen. Man lässt alles hinter sich, was über kopflastige Fronttriebler, schwerfällige Diesel und durchdrehende Antriebsräder bekannt ist.
Der A5 ist der erste Audi einer neuen Generation aus der Bruderschaft der Leichtfüße: Zwar lasten noch fast 60 Prozent des Wagengewichts auf den Vorderrädern, aber seine Agilität ist kaum zu übertreffen, es scheint, als trage der A5 Ballettschuhe und komme aus der Schule für Schwanensee.
Er folgt ohne jegliches Zögern jedem Lenkeinschlag ohne Tendenzen zum Abweichen, er ist munter ohne Tücke in Wechselkurven, reagiert auf starke Lastwechsel mit sanftem Druck im Heck, und der Allradantrieb sorgt jederzeit für Traktion. Die direkte und keineswegs zu leichtgängige Lenkung arbeitet ohne Einflüsse von Straße oder Antrieb. Federungskomfort gibt es auch, wir hätten aber gern mehr davon, mitunter kommt es zu harten Stößen und heftigem Stuckern.
Mit lustvoller Untätigkeit und leichtem Gasgeben
In Kombination mit dem Dreiliter-Diesel sollte es schon die Quattro-Technik sein. Die Maschine zählt zu den zwei besten Selbstzündern, die man derzeit zur Erfüllung höherer Ansprüche erwerben kann: ein Diesel, wie er den Weg in die Zukunft weist.
Das hohe Drehmoment wird vom Allradantrieb sehr gut verkraftet, die Durchzugskraft baut sich gleichmäßig auf, der Einsatz des Turboladers ist kaum noch zu spüren, erst der Blick auf die einschlägige Kurve zeigt, weshalb der A5 von 1500 bis 3200 Umdrehungen in der Minute derart stürmisch Fahrt aufnimmt.
Bei leicht erhöhter Leerlaufdrehzahl gibt es bereits 300 Newtonmeter, und das Maximum von 500 Nm liegt auf einem Tafelberg herum, den man mit dem sehr exakt zu schaltenden Sechsganggetriebe komfortabel und zügig bereist. Bei 200 km/h dreht die nur bei vollem Beschleunigen ins knurrende Charakterfach wechselnde Maschine in der direkten Stufe etwa 3200 Mal in der Minute, und wenn man an Autobahnsteigungen das Gas mal wegnehmen muss, bleibt man einfach im sechsten und zieht aus 130 oder 150 km/h mit lustvoller Untätigkeit und leichtem Gasgeben wieder hoch.
Für männliche und weibliche Hedonisten
Der A5 mit Schnurr-Diesel ist fit für die langen Strecken. Dazu gehört auch sein zurückhaltender Konsum: Meistens fuhren wir ihn mit acht Liter auf 100 Kilometer, schnelle Etappen bringen neun, und das darf es dann sein. Ob die bei unserem Exemplar auftretenden leichten Vibrationen im Leerlauf konstruktiv bedingt oder untypisch waren, ließ sich nicht klären.
Der A5 ist ein Auto für männliche und weibliche (!) Hedonisten, die Leistungsdruck lieben, solange er sich im Motor abspielt.
Daten und Meßwerte
Empfohlener Preis 45.100 Euro
Preis des Testwagens 57.590 Euro
V-Sechszylinder-Turbodiesel, vier Ventile je Zylinder, Common-Rail-Einspritzung, 2967 ccm Hubraum
Leistung 176 kW (240 PS) bei 4000/min
Höchstes Drehmoment 500 Nm bei 1500/min, 90 Prozent davon ab 1250 bis 3800/min
Manuelles Sechsganggetriebe (keine Automatik)
Permanenter Allradantrieb (quattro-Technik)
Länge/Breite/Höhe 4,63/1,85/1,37 Meter
Radstand 2,75, Wendekreis 11,4 Meter
Leergewicht 1747 (tatsächlich 1768), zulässiges Gesamtgewicht 2110, Anhängelast 1900 Kilogramm; Kofferraumvolumen 455 Liter
Reifengröße 245/40 R 18
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Von 0 auf 100 km/h in 6,5 s, von 50 auf 100 km/h im 4./5./6. Gang in 7,2/10,1/nicht messbar
Verbrauch 7,9 bis 9,1, im Durchschnitt 8,2 Liter Diesel je 100 km; 191 g/km CO2 bei Normverbrauch von 7,2 Liter je 100 km, Tankinhalt 64 Liter
Versicherungs-Typklassen HP 18, TK 26, VK 24
Garantie zwei Jahre ohne Kilometer-Begrenzung; zwölf Jahre gegen Durchrostung
Teilweise seltsame Kritik
Meut Hässler (Haesller)
- 25.09.2007, 23:22 Uhr
LED-Lichter
Moritz Liedtke (Folko)
- 26.09.2007, 00:44 Uhr
Hedonisten
Erich Arnold (olderich)
- 26.09.2007, 10:29 Uhr
Tageslicht; Diesel
john malkovich (jassen)
- 26.09.2007, 12:37 Uhr