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Fahrtbericht Audi A3 Cabriolet So offen kann der Sommer sein

24.06.2008 ·  Bei seinen Cabriolets setzt Audi konsequent auf das klassische Stoffverdeck. Das ist gut so. Der kompakte A3 gewinnt mit und ohne Mütze an Statur und könnte zum Liebling des Sommers werden.

Von Boris Schmidt
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Blech oder Stoff? Für manchen Cabriolet-Freund ist das eine schwierige Gewissensfrage. Dabei ist es doch ganz einfach: Das Stoffverdeck ist nicht nur die authentischere Möglichkeit, ein Dach für ein offenes Auto zu schaffen, es eröffnet auch mehr Spielraum für die Designer, weil es sich leichter falten lässt als die komplizierten Stahlhauben. Die Coupé-Cabriolets muten zudem immer etwas technokratisch an, und nichts geht über das Prasseln des Regens auf dem Stoff.

Außerdem stehen moderne Verdecke – der A3 war der beste Beweis dafür – einer Blechkonstruktion in Sachen Wärme- und Geräuschdämmung kaum noch nach. Beim kleinsten Audi, der in seiner offenen Variante seit April auf dem Markt ist, sorgt Zulieferer Edscha für den Wetterschutz. Das „Akustik-Verdeck“ (750 Euro Aufpreis) öffnet in nur zehn Sekunden vollautomatisch auf Knopfdruck, es schließt in zwölf Sekunden.

Beides funktioniert auch während der Fahrt (bis maximal 30 km/h). Bei Edscha ist man stolz darauf, dass es im A3 Cabriolet bei 140 km/h nur ein Dezibel lauter ist als im herkömmlichen A3. Und mit einer Länge von 2,18 Meter ist das Verdeck nur zwei Zentimeter kürzer als das des Bentley Azure. Es faltet sich Z-förmig zusammen und deckt sich dann sozusagen selbst ab, eine Persenning oder eine Verdeckklappe gibt es nicht. Auch das einfachere Verdeck wird elektrisch befehligt, allerdings muss man bei diesem vor dem Öffnen zwei Bügel am Windschutzscheibenrahmen lösen.

Platzsparender Stoff

Natürlich lässt sich Stoff platzsparender zusammenlegen als Blech, offen wie geschlossen bietet der A3 noch einen Kofferraum mit einem Fassungsvermögen von 260 Liter, das sind 90 Liter weniger als in der Schrägheck-Limousine.

Die Öffnung ist aber sehr schmal und niedrig, mit größeren Kisten darf man dem Cabrio nicht kommen. Allerdings kann man die Rückbanklehnen mittig geteilt umlegen, was dann ein Kofferraumvolumen von 674 Liter ergibt.

Keine Sicht nach hinten

Der Fond ist eine der großen Stärken des A3 Cabriolets. Wie allgemein bei offenen Autos üblich, ist er auf zwei Personen ausgelegt, und diese sitzen erstaunlich gut. Es gibt hinreichend Beinfreiheit, wenn die vorderen Stühle nur ein wenig nach vorne geschoben sind, und die Kopffreiheit stimmt auch bei „Dach zu“. Dass man dann hinten wenig sieht und sich eingesperrt vorkommt, ist cabriospezifisch.

Die beiden dicken Überrollbügel, die die Kopfstützen umrahmen, werden gerne als hässlich geschmäht. Wir nehmen sie für die Sicherheit gern in Kauf, allerdings sieht man im Innenspiegel offen wie geschlossen fast gar nichts vom rückwärtigen Verkehr.

Den sonnigen Morgen bei zehn Grad genießen

Sonst leistet sich der A3 kaum funktionale Schwächen. Alles ist nahezu perfekt angerichtet, der Qualitätseindruck sehr gut. Nur dass die Sessel nicht wieder in ihre angestammte Position rutschen, nachdem man Passagiere in den Fond hat steigen lassen, ärgert zuweilen. Sehr praktisch ist der Schalter, mit dem man alle vier Seitenfenster gleichzeitig nach unten oder oben fahren kann.

Bei großer Hitze hat man so am meisten Luft um sich. Ist der Fond besetzt, schwächen dort hochgefahrene Seitenscheiben den sonst starken Wind. Ist man alleine oder zu zweit unterwegs, kann man mit dem kinderleicht zu montierenden Windschott (Serie bei Ambition, sonst 280 Euro) und den Seitenscheiben den Wind fast ganz aus dem Innenraum verbannen. So kann man den sonnigen Morgen bei zehn Grad genießen, ohne zu frieren. Apropos, eine Sitzheizung kostet 330 Euro Aufpreis und ist sogar für die Hinterbänkler erhältlich (235 Euro).

Fuß aufs Gas und ab die Post

Unter die Haube packt Audi auf Kundenwunsch gern einen Vierzylinder-Ottomotor mit Benzindirekteinspritzung und Abgasturboaufladung und 2,0 Liter Hubraum. Das reicht für 147 kW (200 PS) und ist zurzeit die Topmotorisierung für den offenen A3. Kombiniert mit zwei elektrohydraulisch betätigten Lamellenkupplungen, die dank elektronischer Steuerung eine herkömmliche Automatik (6 Gänge) simulieren, zeigt sich die Maschine von ihrer besten Seite.

Einfach Fuß aufs Gas, und ab die Post: In 7,6 Sekunden sind aus dem Stand die 100 erreicht, der Vortrieb endet erst bei der Zahl 246 im (zusätzlichen) Digitaltacho, das sind dann echte 235 km/h. Die Kurbelwelle dreht sich dann dafür fast 6000 Mal, und das Auto liegt wie ein Brett auf der Straße. Der Motor hört sich vor allem im unteren Drehzahlbereich etwas knorrig an, fast wie ein Diesel, später wird es jedoch eindeutig: Man fährt einen Benziner.

Schaltpaddeln am Lenkrad

Ebenso gut wie das Spiel mit den Muskeln liegt dem A3 2.0 TSFI der souveräne Umgang mit der Kraft. Das hohe Drehmoment von 280 Newtonmeter und die „Automatik“ passen bestens zusammen, nahezu ohne Schaltrucke wird beschleunigt, wenn man nicht zu sehr aufs Gas tritt.

Mit Tacho 140 bei 3300/min lässt es sich wunderbar über die Autobahn cruisen, oder man spaziert bei 2300/min und 90 km/h über die Landstraße. Leider geht dieser Komfort verloren, wenn man im „Sportprogramm“ fährt. Die Maschine dreht deutlich höher, bis ein Schaltpunkt erreicht ist, was nicht das Problem ist, sondern die Schaltrucke werden deutlich und unangenehm spürbar, vor allem im Stadtverkehr. Außerdem können Motorsportfans selbstverständlich mit Schaltpaddeln am Lenkrad die Gänge wechseln. Wir würden lieber 1900 Euro sparen und auf das herkömmliche Sechsganggetriebe zurückgreifen.

Straffe Federung und aufwendige Lenkung

Auf etwas engagierteren Landstraßentouren zahlt sich aus, dass das Fahrwerk für das Cabrio neu abgestimmt wurde. Es ist schließlich gut 120 Kilo schwerer (wegen der nötigen Versteifungen) als die Limousine. Naht die Kurve, lenkt das Cabriolet präzise ein und bleibt lange neutral, bevor es leicht zu untersteuern beginnt.

Die Lenkung ist sehr aufwendig konstruiert – es gibt eine elektromechanische geschwindigkeitsabhängige Lenkunterstützung mit aktiver Rückstellhilfe und automatischer Geradeauslaufkorrektur. Aber keine Angst, der Audi fährt trotzdem dort hin, wo der Fahrer will. So ist der Fronttriebler, der die Kraft stets gut auf die Straße bringt, jederzeit einfach zu beherrschen, das abschaltbare ESP greift zudem früh ein, sollte man eine Kurve unterschätzt haben.

Die Federung ist von der eher strafferen Sorte, vor allem kurze Fahrbahnwellen mag der Wagen nicht. Doch alles in allem geht der Komfort in Ordnung, zumal das Cabriolet sehr verwindungssteif ist. Die Bremsen arbeiten vorzüglich. Wer es weniger straff mag, darf nicht zu „Ambition“ (Sportfahrwerk, um 15 Millimeter abgesenkte Karosserie) greifen, der Preisunterschied zu „Attraction“ beträgt 1750 Euro, bei diesem Modell sind „Automatik“ und „Ambition“ jedoch zwangsverheiratet. Es gibt nur diese beiden Ausstattungslinien.

Ein teures Vergnügen

Zufrieden sein muss man mit dem eher zurückhaltenden Durst, den das Triebwerk an den Tag legte. Ein Schnitt von 9,9 Litern auf 100 Kilometer bei kaum schonendem Umgang mit dem Fahrzeug ist beachtlich. Der Tank fasst 55 Liter und sollte sich schneller befüllen lassen.

Ja, man kann eigentlich nur Kleinigkeiten beim A3 Cabriolet bemängeln. Wer mit einem offenen Auto liebäugelt, sollte den Audi schnell in seine engste Wahl einbeziehen. Noch vor dem offenen A4: Der ist rund 6000 Euro teurer und bietet im Innenraum kaum entscheidende Platzvorteile, und 55 Liter mehr Kofferraumvolumen sind nicht die Welt.

Doch auch der A3 ist ein teures Vergnügen. 35.150 Euro kostete der Testwagen, der noch für mehr als 12.000 Euro aus der unübersichtlichen Sonderausstattungsliste aufgefüttert war. Aber was ist heute noch billig?

Daten und Messwerte

Empfohlener Preis 35.150 Euro
Preis des Testwagens 47.275 Euro

Vierzylinder-Ottomotor, Direkteinspritzung, Turboaufladung, vier Ventile je Zylinder, 1984 Kubikzentimeter Hubraum

Leistung 147 kW (200 PS) bei 5100/min

Höchstes Drehmoment 280 Nm bei 1800/min, 90 Prozent davon ab 1300 bis 5500/min

Automatisiertes Doppelkupplungsgetriebe mit sechs Gängen (Aufpreis 1900 Euro)

Antrieb auf die Vorderräder

Länge/Breite/Höhe 4,24/1,76/1,42 Meter

Radstand 2,58, Wendekreis 10,70 Meter

Leergewicht 1410 (tatsächlich 1490) zulässiges Gesamtgewicht 1985, Anhängelast 1400 Kilogramm, Kofferraumvolumen 260 bis 674 Liter

Reifengröße 225/45 R 17

Höchstgeschwindigkeit 235 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 7,6 s

Verbrauch 9,3 bis 10,5, im Durchschnitt 9,9 Liter Superbenzin je 100 km; 181 g/km CO2 bei Normverbrauch 7,6 Liter; Tankinhalt 55 Liter

Versicherungs-Typkl. HP 15, TK 23, VK 20

Garantie 2 Jahre, 3 Jahre gegen Lackmängel, 12 Jahre Garantie gegen Korrosion. Wartungsintervall nach Serviceanzeige oder alle zwei Jahre

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