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Fahrtbericht Audi A3 2.0 TFSI Sportback Ambition Auf dem Weg zur kompakten Perfektion

 ·  Der Audi A3 Sportback ist halb Kombi, halb Kompaktwagen. Mit der richtigen Motorisierung und dem neuen Direktschaltgetriebe geht es forsch voran.

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Wer heute ein neues Auto kaufen will, hat mehr Auswahl denn je: Mehr als 5500 verschiedene Modellvarianten sind zu haben. Das hat unläng ein schlauer Mensch ausgerechnet. Selbst wenn man sich für ein bestimmtes Auto entschieden hat, ist die Qual der Wahl - für manchen mag es auch eine Lust sein - noch lange nicht zu Ende. So ist der auf dem zweitürigen Heckklappen-A3 basierende A3-Sportback in 28 Versionen zu haben, wählen kann der Kunde zwischen Saug- und Turbotriebwerken, zwischen Benzinmotoren mit Saugrohr- und direkter Einspritzung sowie Dieseltriebwerken mit Pumpe-Düse-Technik; er kann sich für Front- oder Allradantrieb entscheiden, und für die Kraftübertragung stehen manuelle Getriebe mit fünf und sechs Gängen sowie eine sechsstufige Automatik (Tiptronic) und das VW-spezifische Direktschaltgetriebe (DSG) mit sechs Gängen bereit. Dazu kommen drei Ausstattungslinien (Attraction, Ambition, Ambiente), die sich vor allem in optischen Details bemerkbar machen. Und letztlich ist noch die Liste mit den Sonderausstattungen zu durchforsten, doch dazu später mehr.

Für den ersten Sportback-Fahrtbericht hatte die Redaktion aus den mannigfaltigen Möglichkeiten eine Motorisierung gewählt, die in der Kompaktklasse konkurrenzlos ist: ein neu entwickelter Zweiliter-Benziner-Turbo mit direkter Kraftstoffeinspritzung (TSFI). Diese Technik-Kombination in einem Serienwagen gibt es nur im VW-Konzern. Dazu kommt auch noch das neue Direktschaltgetriebe (DSG). Den wunderbaren Motor - soviel sei gleich verraten - gibt es entweder mit DSG und Front- oder mit Allradantrieb und herkömmlichem Sechsgang-Schaltgetriebe. Auch das ist ein sehr interessantes Angebot: Beim Verzicht auf DSG bekommt man für nur 50 Euro Aufschlag den Quattro-Antrieb. Beide Autos sind nur mit der sportlich angehauchten Ambition-Ausstattung zu haben. Quattro oder DSG ist also die Frage, wir haben uns für DSG entschieden.

Dabei sei gleich gesagt, daß Fahrfreude im TSFI-A3 mit Direktschaltung eine gewisse Kennenlernphase voraussetzt. Die allerersten Kilometer erschrecken den Novizen nämlich, wenn er zu forsch aufs Gaspedal tritt und dazu noch die Automatikfunktion auf "Sport" stehen hat. Der Wagen beschleunigt hektisch, röhrt beim Beschleunigen wie ein Kleinwagen, die Übergänge von einem auf den nächsten Gang sind deutlich zu spüren.

Schnell lernt man - vor allem in der Stadt - mit den Wagen anders umzugehen: Man fährt nicht im Sport-Programm und streichelt das Gaspedal. Dann gleitet der Audi sanft durchs Großstadtgewühl, die Schaltübergänge sind fließend und nicht spürbar, flugs ist der sechste Gang erreicht, und bei 50 km/h dreht der Motor dann nur 1300 Umdrehungen in der Minute.

Das DSG fährt sich wie eine Automatik, obwohl es technisch gesehen keine ist: Zwei elektrohydraulisch betätigte Lamellenkupplungen im Ölbad sorgen für einen flinken Wechsel der Gänge. Zwei Unterschiede zur konventionellen Automatik gibt es aber: Der Wagen rollt im Leerlauf am Berg zurück, und bei der Bergabfahrt wird nicht so "intelligent" heruntergeschaltet, wie es moderne Automatiken tun. Selbstverständlich kann der Fahrer selbst die Gangwahl bestimmen, entweder mit Paddeln am Lenkrad oder mit Antippen des Schalthebels. Positiv: Der eingelegte Gang wird im Armaturenbrett in einem kleinen Display angezeigt. Auch wenn im manuellen Modus gefahren wird, schaltet die Elektronik bei Erreichen der Drehzahlgrenze (6800/min) nach oben, und mit Kick-Down kann jederzeit ein maximales Beschleunigungsergebnis erzielt werden.

Der Motor läuft sanft, legt sich bullig ins Zeug und dreht flink hoch, er bietet immerhin 147 kW (200 PS) bei einem beachtlichen Drehmoment von 280 Newtonmeter, das zwischen 1800 und 5000/min anliegt. Wer die Höchstleistung abruft, kommt aus dem Stand in 7,1 Sekunden auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 236 km/h, so zumindest die Werksangabe. Wir glauben das gern, aber unser Wagen war mit Winterreifen bestückt, die auf 210 km/h limitiert sind.

Obwohl daher die wirklich hohen Temporegionen tabu waren, zeigte auch der Audi-TFSI, was man von anderen direkteinspritzenden Motoren kennt: Werden sie wirklich gefordert, steigt der Verbrauch überproportional. So ist der Motor bei schonender Fahrweise und/oder im Stadtverkehr für seine Leistung sehr sparsam, man kann mit weniger als 10 Liter Kraftstoff (Audi empfiehlt das teure Super Plus) auf 100 Kilometer auskommen, es können aber auch gut 13 Liter werden, wenn sich auf Langstrecke die Tachonadel in die Region um 180 oder darüber einpendelt. Alles in allem ist der Durchschnittsverbrauch von 11,0 Liter im Schnitt durchaus akzeptabel. Erst recht, wenn man bedenkt, daß auch zügiges, aber nicht wirklich schnelles Fahren (Tacho 140 bei 3200/min) mit einem Verbrauch um die zehn Liter belohnt wird.

Es reizt natürlich schon, die Kraft der Maschine auszuspielen, sei es auf der Autobahn oder auf der Landstraße. Hier kann der A3 endlich eindrucksvoll zeigen, daß ein gutes Auto nicht allein vom Motor abhängt. Das Fahr- und Bremsverhalten überzeugt mindestens ebenso nachhaltig wie das Triebwerk. Die elektromechanische Servolenkung arbeitet wunderbar exakt, Antriebseinflüsse sind kaum spürbar. Auch schnell gefahrene Kurven bringen den A3 nicht aus der Ruhe, und in der Hinterhand hat man ja noch ESP. Die Bremsen verzögern vorzüglich, sie ermüden auch nicht bei mehrmaliger starker Beanspruchung. Ob die Landstraße mit einem handgeschalteten Quattro mehr Spaß machen würde? Wir meinen ja, aber das muß jeder für sich entscheiden.

Entscheiden muß der Kunde auch, ob er das Sportfahrwerk, das eigentlich zur "Ambition" gehört, haben will. Wenn nicht, spart er 220 Euro. Abraten vom etwas tiefer gelegten Sportfahrwerk, wie das bei der vorigen Generation des A3 der Fall war, muß man aber nicht mehr. Es ist ein guter Kompromiß zwischen Sport und Komfort.

Mehr Komfort als ein zweitüriger A3 bietet der Sportback nicht nur wegen zweier zusätzlicher Türen, es ist dank etwas längerer Karosserie auch mehr Platz, sowohl für Passagiere als auch fürs Gebäck. 370 Liter faßt der Kofferraum, das maximale Ladevolumen steigt auf 1120 Liter nach dem Umlegen der asymmetrisch geteilten Rückbank. Es entsteht aber keine ebene Ladefläche. Wohltuend ist der Qualitätseindruck des Innenraums, da spielt Audi ganz vorn in der Liga mit. "Mein Auto ist meine Burg", fühlt der Fahrer, und selbst auf schlechten Strecken knistert und knorzt nichts. Die prima (Sport-)Sitze fügen sich nahtlos ins gute Gesamtbild ein, auch mit der Bedienung gibt es keinerlei Probleme. Negativ fällt aber auf, daß der Sportback Straßenschmutz offenbar magisch anzieht.

Zwar ist der Ausstattungsumfang zu loben, dennoch hält die ominöse Liste, mit der sich bei vielen Neuwagen der Preis kräftig steigern läßt, einige negative Überraschungen parat. Zunächst läßt sich Audi in jeder Variante die (automatische) Klimaanlage bezahlen (1390 Euro), beleuchtete Make-up-Spiegel kosten 70 Euro, das Isofix-System für Kindersitze bedarf 80 Extra-Euro, die Ablagenetze an den Rückseiten der Vordersitze nebst einigen anderen Netzen und Haken sind für 110 Euro zu haben, und ein Skisack samt Öffnung kostet 225 Euro. Ein Netz im Kofferraum schlägt mit weiteren 95 Euro zu Buche. Gern genommen werden auch Sitzheizung (320 Euro, 630 auf vier Plätzen) und Xenonlicht (750).

Das und noch andere Nettigkeiten jagen dann den Preis weit über 30 000 Euro hinauf. Aber alle neuen Autos sind teuer, nicht nur bei Audi. Der Sportback ist unserer Meinung nach der empfehlenswerte A3, schon allein, weil er nicht nur mehr Platz bietet.

Nächste Woche: Honda FR-V; weitere Artikel unter www.faz.net/fahrtberichte

Daten und Meßwerte

Empfohlener Preis 29 000 Euro

Preis des Testwagens 37 805 Euro

Vierzylinder-Reihenmotor mit Direkteinspritzung, Turbolader, vier Ventile je Zylinder, 1984 Kubikzentimeter Hubraum

Leistung 147 kW (200 PS) bei 5100/min

Höchstes Drehmoment 280 Nm bei 1800 bis 5000/min, 90 Prozent davon ab 1500 bis 5500/min

Erfüllt Euro 3

Sechsgang-Direktschaltgetriebe

Antrieb auf die Vorderräder

Länge/Breite/Höhe 4,29/1,39/1,42 Meter

Radstand 2,58, Wendekreis 11,0 Meter

Leergewicht 1335 (tatsächlich 1390), zulässiges Gesamtgewicht 1970, Anhängelast 1400 Kilogramm; Kofferraumvolumen 370 bis 1120 Liter

Reifengröße 225/45 R17

Höchstgeschwindigkeit 236 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 7,1 s

Verbrauch 9,9 bis 13,2, im Durchschnitt 11,0 Liter Super Plus je 100 km; Tankinhalt 55 Liter

Versicherungs-Typkl. HP 17, TK 23, VK 21

Kosten je km (bei 16 000 km/Jahr) 0,39 Euro

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.01.2005, Nr. 14 / Seite T3
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Jahrgang 1959, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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