28.07.2008 · Rennräder sind nur etwas für ganz harte Kerle? Alles Kokolores, denn für wen gibt es sonst komfortable Rennräder? Peter Barzel hat sich das Specialized Roubaix Elite und das Red Bull Rose SL-300 genauer angesehen.
Von Peter BarzelRein medial betrachtet, findet in diesem Jahr die Tour de France bei stark reduziertem Interesse statt. Viele Sponsoren haben sich nach den Dopingfällen der vergangenen Jahre vom Profiradsport zurückgezogen. Doch offenbar ficht das die vielen, für die das Rennrad ein Hobby ist, kaum an.
Im Gegenteil: Man kann nicht nur den Eindruck gewinnen, die schmal bereifte, schnelle Rennmaschine sei gerade mal wieder besonders in Mode. Es wirkt auch so, als akzeptierten die, bei denen die Profis und ihre Ausrüstung stilbildend waren, nach den Skandalen die Grenzen der eigenen, ganz ohne Doping erzielten Leistungen mit deutlich mehr Gelassenheit. Und so genießen alle die Leichtigkeit und Eleganz des Rennradfahrens umso mehr.
Anders ist die stetig wachsende Nachfrage nach Rennrädern und sportlichen Fitnessbikes kaum zu erklären. Gerade dessen Erfindung in der Variante Speedbike, der Mischung aus Rennrad und Trekkingrad, hat die Kauflust angekurbelt. Was anfangs als Marketingtrick abgetan wurde, ist weit mehr als das. Das Fitnessbike hat mit dem Dogma aufgeräumt, dass man für schnelles Fahren möglichst weit nach vorn gestreckt sitzen und gegebenenfalls leiden müsse - weil man ein reinrassiges Rennrad brauche. Der Erfolg des Fitnessbikes zieht nach sich, dass es heute Rennräder mit komfortablerer Sitzposition gibt, die besonders von zwei Zielgruppen geschätzt werden: Herren, die in fortgeschrittenem Alter ihre Jugendträume wiederbeleben, und Damen, die das Rennrad gern entdecken möchten, sofern es ihnen denn in passend zierlicherer Höhe angeboten wird, was zunehmend geschieht.
Specialized Roubaix Elite
Der Eintagesklassiker des internationalen Radsports, Paris-Roubaix, ist geprägt durch viele und lange Streckenabschnitte über Kopfsteinpflaster. Kein anderes Straßenrennen der Welt stellt höhere Ansprüche an Material und Fahrer. Mit der Modellreihe Roubaix hat Specialized ein Rad auf die Räder gestellt, das wie dafür geschaffen scheint. Ein etwas kürzer gehaltenes Oberrohr und das etwas längere Steuerrohr sorgen für die aufrechtere und entspanntere Sitzposition. Für besonderen Komfort sind jedoch die sogenannten Zertz-Einsätze zuständig.
Das sind Elastomere, die in Gabelscheiden, Sattelstreben und Sattelstütze des Vollkarbonrahmens eingelassen sind. Diese dämpfen auftretende Vibrationen und sorgen damit für weniger ermüdendes Fahren. Für ausreichend kleine Übersetzungen und leichter erklimmbare Berge sorgt das Dreifachkettenblatt vorn. Bei allem Komfort bietet das Roubaix trotzdem reinrassiges Rennradfeeling. Nur 8,7 Kilogramm wiegt das gefahrene Modell Roubaix Elite. Für eine Ausstattung mit der Shimano-105-Schaltung und Systemlaufrädern von Mavic oder Shimano ist der Preis von 1700 Euro nicht zu hoch. Noch besser bestückt sind fünf weitere Varianten des Roubaix.
Red Bull Red Rose SL-300
Beim Red Rose SL geht es um mehr als ein erstklassiges Rennrad mit sehr guter Technik zu einem sehr günstigen Preis. Denn Frauen fahren nicht nur auf die guten Fahreigenschaften ab, die dieses Rad zweifelsfrei bietet, sondern genauso auf ein Rahmendesign, zu dem es passend Trikot und Helm gibt, womit auch die Frage nach der Garderobe schnell geklärt sein kann. Wichtiger sind jedoch die technischen Werte des Red Rose SL-300, die den durchweg klein gewachsenen Testfahrerinnen (maximal 1,60 Meter) großes Fahrvergnügen bereiteten: niedriges Gesamtgewicht von 8,1 Kilogramm, Shimanos Ultegra-Komponenten, Systemlaufräder von Easton und vor allem die sehr gut passende Sitzposition.
Nicht nur die Rahmengeometrie, sondern das ganze Rad ist in besonderer Weise an die Bedürfnisse von Frauen angepasst. Dazu gehören kleine Rahmenhöhen bis hinunter zu 42 Zentimeter (Größe XS), kürzere Kurbeln (165 statt 170 Millimeter), ein schmalerer Rennlenker und Bremsgriffe, die in der Griffweite einstellbar sind. Damit haben auch kleinere Hände dieses Rad richtig im Griff.
Zusammen mit den wenigen anderen Anbietern von speziellen Damenrennern wie Felt und Specialized sorgt Rose mit dieser Modellreihe dafür, dass sich weiterhin vermehrt Frauen für das Rennrad begeistern. Das Red Rose SL gibt es in drei verschiedenen Grundausstattungen von 1250 Euro an; es kann auch individuell ausgestattet werden.