Home
http://www.faz.net/-gya-6mkp5
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Fahrradmesse Eurobike Kann mehr Power Sünde sein?

Einschalten des Lichts über das Smartphone, Geschwindigkeiten zwischen 35 und 45 km/h bei den Hybridmodellen des Darmstädter Herstellers Riese und Müller: Nur zwei der Neuheiten von der zwanzigsten Eurobike in Friedrichshafen.

© Hersteller Vergrößern „Hilfe, Liebling, ich kriege unser neues E-Bike nicht an...”

Ratzenried - nie gehört? Seit vier Jahren ist dieses Dorf im Württemberger Allgäu nahe Wangen an einem Tag im Jahr der Nabel der Fahrradwelt. Schlagartig verzehnfacht sich - zumindest gefühlt - die Bevölkerungsdichte in dem ländlichen Ortsteil von Argenbühl. Und im Schatten des Ratzenrieder Schlösschens schafft der Zweiradverkehr, was man ehedem Pekinger Verhältnisse nannte, einen Tag, bevor in Friedrichshafen der Welt größte Fahrradmesse öffnet. Eurobike Demo Day heisst das internationale Ereignis in Ratzenried. Und es könnte kaum einen Ort geben, der zugleich so idyllisch wie topographisch bestens geeignet wäre, die Entwicklungen auszuprobieren, die augenblicklich die Fahrradwelt prägen.

Hans-Heinrich Pardey Folgen:  

In einer Gegend, wo es auf das anmutigste fortwährend rauf- oder runtergeht, wo auf grünen Hügeln Kühe muhen und mit ihren Glocken bimmeln, da kann ein Elektroantrieb zeigen, was in ihm steckt. Und wo auf Waldwegen der Schotter spritzt, Wurzelwerk und Schlammlöcher lauern, da wird praktisch erfahrbar, dass es manches Mal doch auf die Größe ankommt: Die Twentyniner, also Bikes auf Laufrädern, deren Höhe mit 700C-Felgen und dicken Schlappen 29 Zoll erreicht, rollen in breiter Front in die Saison 2012.

Mehr zum Thema

Was für größere Fahrer vor allem auf langen Mountainbike-Extremtouren richtig war und ist, kann für die Radreise nicht ganz und gar falsch sein, sagt man sich zum Beispiel bei Koga. Folgerichtig wird das bekannte „WorldTraveller“, ein in gerader Linie vom Mountainbike abstammendes 26-Zoll-Reiserad mit (bis auf die Taschen) beinahe mehr als vollständiger Ausstattung, auf größere Räder gestellt. Und ein Triumph des Farb-Designs, worauf bei Koga wie eh und je großer Wert gelegt wird: Bereits fabrikneu sieht der Rahmen aus, als habe das rund 17 Kilogramm wiegende Rad (rund 2000 Euro) bereits mit dem Fernradler Tilmann Waldthaler ein Schlammbad genommen.

E-Bikes 2 © Roman Thomas iF Vergrößern Beim „Culture hybrid” von Riese und Müller wird der Akku so in den Rahmen geschoben, dass der Hauptschalter des Systems verdeckt würde, hätte man nicht einen Lochring in das Rahmenrohr geschweißt

Als einzige gurken ein wenig verloren in Ratzenried die modischen Neuheiten herum, die eigentlich nicht besonders oder sogar überhaupt nicht neu sind: im weitesten Sinne nostalgische Räder und solche, die politisch korrekte Mobilität zum urbanen Lebensgefühl beisteuern wollen. Beide Stilrichtungen sind längst nicht mehr die Sache von kleinen spezialisierten Herstellern, sondern praktisch alle großen haben wenigstens das eine oder andere Modell im Katalog: Sattel und Lenkergriffe aus Leder; Holz, Holzimitat oder gehämmertes Blech als Schutzblechmaterial, ganz entspannt durchs Hier und Jetzt auf Ballonreifen rollende Geometrien, das kennzeichnet die Nostalgischen.

Ein besonders typischer Vertreter: Rabeneick Fancy Classic Deluxe (rund 800 Euro). Mattschwarze Sportlichkeit, lieber nicht mit dem starren Gang der Fahrradkuriere, aber wie sie durchaus auf die Straßenverkehrszulassungsordnung pfeifend, dafür aber mit Gimmicks wie dem verschlüsselten Web-Zugang via Smartphone und QR-Code am Rahmenrohr auf den Lifestyler zielend, so sehen die jüngsten Weiterungen des Urban Biking aus: Hauptsache, schick. Die modischen Stile können - gerade bei den Mainstream-Herstellern - Amalgame mit durchaus praktischem Nährwert bilden: Ein gutes Beispiel ist etwa das „Berlin Cargo“ von Kettler (rund 700 Euro). Es kommt aus der Nostalgie-Ecke, ist ein Cruiser, der aber nicht vor lauter Coolness unhandlich wird - und der sich praktischerweise auch einen Wochenendeinkauf aufpacken lässt.

Sie brauchen ein gutes Fahrwerk

Vielfältiger als bei Radsport und Mode, wo einige Leithammel das Gesamtbild stark beeinflussen und schlecht verhohlene Uniformität den Blick verstellt, bietet sich das Thema Elektrofahrrad dar. Da scheint - momentan noch - so gut wie alles zu gehen. Und es wird versucht, nach wie vor ist die Zahl der wie aus dem Nichts auftauchenden Quereinsteiger groß. Dementsprechend gewaltig sind die Unterschiede zwischen Elektrorad und Elektrorad: Die Produktreife eines Flyer-Modells der X-Serie vom führenden Schweizer Anbieter Biketec ist Lichtjahre entfernt von anderen Offerten. Der X-Flyer wird mit 250- und 350-Watt-Mittelmotor von Panasonic vollgefedert für rund 5000 Euro auf 29-Zoll-Laufräder gestellt und ist dann eins der umstrittenen Mountainbikes mit Motorhilfe. Für nicht wenige Bergradler gehört so etwas verboten, downhill soll nur flitzen dürfen, wer es aus eigener Kraft hinauf schafft. Das ist ein wunderbares Thema für lange Diskussionen. Die aber werden nicht verhindern, dass diese von verschiedenen Mountainbike-Herstellern gezeigten Pedelecs für den Geländeeinsatz ihren Markt finden werden.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 05.09.2011, 09:00 Uhr

Zwei gehen zusammen

Von Michael Spehr

Die Übernahme von E-Plus durch die Telefónica-Tochtergesellschaft O2 ist inzwischen auch bei den Kunden beider Netzbetreiber ein Thema. Die Verunsicherung wächst. Mehr 6