29.10.2011 · Das Thema Beleuchtung ist durch, hieß es auf der Eurobike. Stimmt doch gar nicht, es geht gerade erst richtig los.
Von Hans-Heinrich PardeyJedes Jahr dieselbe Leier, wenn die Sommerzeit vorbei ist: Man soll seine Fahrradbeleuchtung durchsehen, denn jetzt wird wieder im Dunkeln geradelt. Dabei kann man auch in Sommernächten eine anständige Lichtanlage am Fahrrad gut gebrauchen. Was ist zu bedenken, wenn man seine Beleuchtung nicht nur instand setzen, sondern auf den Stand der Technik bringen will?
Als Allererstes: Finger weg von Billigangeboten! Die LED-Taschenlampen mit Lenkerhalterung, die einem beim Lebensmittel-Discounter für weniger als zehn Euro nachgeworfen werden, machen keine Freude. Von ihrer unbefriedigenden, häufig sehr inhomogenen Ausleuchtung mal ganz abgesehen, sind Gehäuse und Kontakte von billigster Machart und geben allzu schnell den Geist auf.
Akku oder Dynamo? Die deutsche Rechtslage ist klar: Die - meistens mit Akkus betriebene - „Batteriebeleuchtung mit StVZO-Zulassung“ ist nur am weniger als elf Kilogramm wiegenden Rennrad zulässig. Alle anderen Fahrräder - auch Elektroräder, sofern sie nicht als Leichtkraftrad zugelassen sind - müssen eine Lichtmaschine haben. Das bietet sich auch technisch an, wenn man einen LED-Scheinwerfer wählt.
Und das sollte man auf alle Fälle tun, denn man ist den Ärger mit den durchbrennenden Glühlämpchen los. Am Preis muss es nicht mehr scheitern: Mit dem Lumotec Lyt B wie Basis, der mehr als die gesetzlich vorgeschriebenen 10 Lux liefert, ist man für unter 20 Euro in der neuen Mittelklasse von Busch und Müller dabei. Der Lyt T senso plus kostet mit allem Komfort knapp 45 Euro.
Weit verbreitet ist der Irrtum, LED-Scheinwerfer würden so gut wie keinen Strom brauchen. Das Gegenteil ist der Fall: Mit einem leichtgängigen Nabendynamo ist die Frontleuchte mit weißer Hochleistungs-LED bestens versorgt. Der aktuelle Nabendynamo ist nicht mehr ein Ungetüm wie eine Trommelbremse im Vorderrad.
Er passt zierlich und schmuck wie die freilich nicht ganz billigen Modelle von SON auch neben die Scheibenbremse oder in kleinere Laufräder. Und er lässt sich wie beim besonders pfiffigen Infinity 8 von Supernova mechanisch völlig auskuppeln und hat dann keinen Leerlaufwiderstand mehr - wenn er denn nicht über den Ladeport Energie für GPS oder Handy liefern muss.
Tagfahrlicht oder kein Tagfahrlicht? Die rund fünf Euro Aufpreis, die es bei vergleichbaren Scheinwerfern von Busch und Müller kostet, sind gut angelegt. Mit dem Tagfahrlicht, das es auch in das Ei des Lumotec Classic T N / senso plus integriert fürs Nostalgiefahrrad gibt, wird man spürbar besser respektiert.
Und wie viel Lux dürfen es denn sein? Big Bang, das Trumm von Gasentladungs-Leuchte bringt über 140 Lux mit rund 530 Lumen und ist fürs Rennrad zugelassen. 80 Lux und 220 Lumen bringt am Rennlenker die SafeRide 80 von Philips, mit zwei LEDs stufenweise schaltbar. Die Leuchtstärke anpassen - 10 Lux in der Stadt, 70 Lux im Gelände -, das kann die LS 950 Control Ion von Trelock noch besser: Sie hat fünf Stufen und zeigt außerdem noch an, wie lange der Energievorrat reichen wird: je nach Leuchtstärke zwischen 6 und 48 Stunden.
Wer sich die Mühe macht, wirklich zu vergleichen und nicht nach den bloßen Zahlen der Papierform nachrüsten will, merkt schnell, dass Lux und Lumen nicht alles sind. Viel wichtiger ist, wie gleichmäßig die Fahrbahn vor einem ausgeleuchtet wird und wie hart oder weich die Ränder der beleuchteten Fläche verlaufen.
Da gibt es große Unterschiede: Die E3 Pro von Supernova leuchtet zum Beispiel sehr gleichmäßig und mit geradezu zartem Übergang in die seitlichen Dunkelzonen aus. Die SafeRide 80 von Philips erhellt auch kräftig die Straßenränder. Ein Lumotec IQ Cyo hat ein klar begrenztes Leuchtfeld, das je nach Modell besonders den Bereich unmittelbar vor dem Fahrrad ausleuchtet.
Ähnlich variantenreich sind auch die Rückleuchten. Allgemein ist die Tendenz, sie kleiner, aber deswegen nicht weniger leuchtkräftig zu machen. Lichtleiter lassen aus punktförmigem Rotlicht Leuchtbänder werden, weil die eine bessere Entfernungseinschätzung durch nachfolgende Verkehrsteilnehmer erlauben.
Bei der Rückleuchte von Philips scheint das Licht je nach Betrachtungswinkel ringförmig um den Reflektor zu wandern. Im Toplight Line BrakeTec von Busch und Müller wertet ein Prozessor im Rücklicht die bei Verzögerung langsamer vom Dynamo kommenden Impulse aus und lässt das Bremslicht aufleuchten.